llnterdaltungsblatt für Freunde des Schönen und Nützlichen
N'.° 233 Samstag, 22 . Nvvember
1828
Romeo und Julia.
Gewi dm ei
Hrn. Löwe und Dem. Lindner^
Ein Pilger kommst du zu dem Heifgenbilde^
DaS nun vor dir in reiner Schöne steht;
Es blickt dich an mit frommer Engelsmilde,
Ein Seelengruß von seinen Lippen weht.
Da sinkest du in stiller Andacht nieder;
Der Seelengruß hallt in der Seele wieder.
O könntest du verzaubert ewig liegen Vor dieser Heiligen, die dir erschien.
Und ewig dich NM ihre Knie schmiegen.
Und ewig schaun nach ihrer Glorie hin!
Es würde dein Gewand von Staird verwehe«
Und deine Seel' verklärt dann auferstehen.
Doch du erwachst! — Da- wildbewrgte Leben Zerstöret dir den Paradiesestraum.
Du wolltest dich ein Mensch zum Gott erheben;
Für solch' Beglückten hat die Welt nicht Raum. Da- Schicksal bricht die zarte Himmelsblüth»; Doch blüht sie fort im gläubigen Gemüthr!
Und als de- Lebens Kampf du auSgerimgen,
Als deine- Herzens letzter PulSscblag bebt, — Da lispelt eS dich an mit Engelsjungen,
DaS Heil'genbild verkläret vor dir schwebt;
ES küßt den Sterbekuß von deinen Wangen;
Es hält dich still und betend fest umfangen.
So steiget auf, ihr herrlichen Gestalten !
Der Seraphim beneidet Euer LovS.
Das Göttliche muß göttlich sich entfalten;
Der Dulder Lohn ist unbegreiflich groß.
Die Harmonie, hienieden angeklungco,
Wrd dort in Hymnen ewig fortgrstinge«.
Und ihr, ihr frmnmen Seelen, die eS ahnen DaS Glück, daS Menschenaugen niemals sah'n,
O kommt und opfert Shakspeare'S heil'gen Make» Und betet still und andachtsvoll ihn an.'
Und wann die Thran' in euren Augen glänzet.
Dann habt ihr ihn mit schönem Lohn bekränzet.
Wilhelm Wagner.
Charakter des Columbus.
Bruchstück aus dem letzten Bande von Co- kumbus Leben, beschrieben von Washington Irving.
(Mitgetheilt von Hrn. Legationsrath G. v. Meyer)
Columbus war ein Mann von großem und erfinderischem Geiste. Die Bewegungen seines Gemüthe« waren kräftig, doch unregelmäßig, und brachen zuweilen mit jener unbezwinglicheu Gewalt hervor, welche Geister« von dieser Hohe eigen ist. Sein Verstand hatte sich alle Arten von Kenntnissen, die mit seinen Plänen in Berührung standen, zu eigen gemacht, und wenn auch .seine Bildung für den heutigen Tag beschränkt und einige seiner Jrrthümer sehr begreiflich erscheinen mögen, so rührt dieses daher, weil diese Zweige der Wissenschaften damals noch dürftig ausgebildet waren. Seine eignen Entdeckungen warfen ein Licht auf die Unw sseu- heit seiner Zeit, führten Conjecturen zur Gewißheit und verscheuchten unzählige Jrrthümer, mit welchen er selbst zu kämpfen gehabt hatte. Ueber den Gewinn, welcher aus seinen Entdeckungen kommen, sollte, verfügte er mir eben so fürstlichem und frommem Sinn, wie er ihn verlangt hatte. Er bedachte damit Werke und Stiftun, gen der Wohlthätigkeit und Religion, gab große Beisteuern für die Erleichterung des Looses der Armen in seiner Vaterstadt, stiftete Kirchen, worin Mess/u zim Heil de» Verstorbenen gelesen werden sollten, und wollte Heere aurrüsten M Wiedereroberung des heiligen Grabes in Palästina. In der Ausübung seiner Aeumr hielt er auf seinen Stand und fein Ccrrmvniell alsVicekönig und war eifersüchtig auf seinen Rang und seine Vorrechte, nichr aus bloßer Timsuch^, sonder« weil er sie als die Zeugnisse