25 Cubikfuß. Bei heftigen Bewegungen rnu Leim Tanzen ist der Luftverbrauch noch weit größer.; und diese eingeathmete Luft kömmt so verdorben aus den Lungen zurück, daß kein warmblütiges Thier darin nur eine kurze Zeit leben kann. Bek Talglichtern wird der Dunst noch »erwehrt, durch Gaslicht aber, das einen großen Theil Wasserdampf bildet, wir- die verdorbene Luft eingesogen, und durch den lebendigeren Luftzug, den das Gaslicht veranlaßt, wird die Stirkluft schneller weg- getrieben. Eine Gasflamme ist ihrem Raume nach 4 mal größer als die Flamme eines Talglichtes. Nach Dalton ist die hitzende Kraft des gekohlten Wafserstoff- gases doppelt .so groß als die von Oel oder Talg be- wirkte, folglich kann man annehmen, daß eine Gas­flamme wohl 8mal mehr Wärme verbreitet. Der Luft- sirom, den das Gaslicht bewirkt, .ist so stark, daß man ihn 6 bis 8 Fuß über der Flamme noch bemerkt, die Klamme wird in einer Höhe von 7 bis 8 Fuß über dem Boden angebracht; die Talglichter stehen auf dem Tisch, folglich wird viel leichter die Luftausdünstung der Lichte« eingeathmet als die des Gaslichtes. Der Luftstrom ge­schieht nach oben, und daher wird das Zuströmen durch Fenster und Thüren vermehrt. Das Gaslicht ist aus diesen Ursachen der Gesundheit zuträglicher als Oel-, Talg- oder Wachslichtbeleuchtung-

Die Feuersgefahr ist viel geringer als bei anderer Beleuchtung, und gar nicht, wenn die Röhren, von der Breunmündung an gerechnet, wenigstens 12 bis 14 Zoll von Messing oder Kupfer und mit Messing (Schlageloth) gelöthet sind. Die Brennmündungen erhitzen sich durch

die Flamme, «nd .sind die Röhren an denselben mit Sinn gelöthet, so schmilzt das Zinn ab, die Flamme folgt der neuen Oeffnung, und so sah Tabor an einer Röhre, dir von Eisenblech und mit Zinn veriöthet war, die Flamme stach und nach der sich erneuernden Oeffnung .folgen, und das Holz, an welches die Röhre befestigt war, in Brand gerathen; doch dieses war ein absichtlich angestellter Ver­such. Die Röhrenleitnng an der hiesigen Gasbeleuchtung ist in dieser Hinsicht musterhaft.

Die Gefahr vor Explosion verdient mehr Berücksichti­gung. Diese aber kann um dann.geschehen, wann in einem wohleerfchlossenen Zimmer mehrere Krahnen offen sind, das Gas dann in das Zimmer strömt, in welches man später mit einem brennenden Lichte kömmt.; doch muß die Mischtmg zur atmosphärischen Luft sich genau wie 1 zu 9 oder 10 verhalten ; weil wann dar Verhält, niß nicht genau so ist , keine Knaillnft entsteht. Im Sep, lember 1820 bei meiner Anwesenheit in London, bließ ein Apotheker seine Gasflamme aus, ohne den Krahne.u nmzudrehen; in der Nacht mußte er etwas in der Apo­theke verabreichen, kam mit einem brennenden Lichte in die Apotheke, wo sich unglücklicher Weise K.nalllnft gebil­det hatte; und alle Fenster wurden mit heftiger Elplo- sion auf die Straße geschlendert, der Apotheker selbst stark verwundet. Vor 14 Tagen berichteten die.englischen Zeitungen, daß ein Mann, der auf einer Säule in Ha- nover Square in London Gas anzünden wollte, durch Explosion heruntergeworfen wurde, und beide Beine zer­

brach. Die Explosion soll dadurch veranlaßt worden fern, daß rin böser Bube einen Krahnen aufgedreht hatte. Dreht man daher beim Auslöschen der Flammen die Krahnen zu, so ist dieses Unglück in Zimmern ganz un­möglich. Es ist, wenn es entsteht, nur der Nachlässig­keit und nicht dem Gas Schuld zu geben, und darf diese .schöne Beleuchtung nicht in Mißkredit bringen, da ja jedes Messer durch Unvorsichtigkeit eine tödtliche Waffe werden kann.

Schlußbemerkung.

Hiermit Hätten wir die Geschichte der Gasbeleuch­tung von ihrem Beginnen bis zur jetzigen Zeit betrach­tet, und ans den Eigenschaften des Gases unpartheiisch l-re Vortheile und die angeblichen Naci-theile der Gas­beleuchtung kennen gelernt. Wenn wir nun nach dem Vorhergehenden unser Ilrtheil darüber fällen sollten, so müßte dahin ansfallen: daß die Gasbeleuchtung, in Hinsicht auf ihre angegebenen.Annehmlichkeiten, alle an­dere Belenchtungsart übertrisst, und daß bei nur gewöhn­licher Vorsicht so wenig Gefahr für Gesundheit, als Feuersgefahr dabei statt finden kann. Was sich am besten dadurch beweißt, daß, seit 1792 der Engländer Mnrdoch die erste Gasbeleuchtung einrichtete, sie sich bis jetzt in England überall erhalten hat. Urrd so wünsche .ich, den mir von dem physikalischen Verein gewordenen Rustrag nach Kräften erfüllt zu haben, durch Mitthei­lung der Eigenschaften des Gases, einen jeden in de« Stand zu setzen, gründlich über diesen neuen Gewinnst Unserer Stadt urtheilen zu können.

Devrient zu Wien.

Das Berliner Co nv ersat ion s blatt vom 17. Rov. giebt folgende Theaternotiz:Das Sprichwort: der Prophet gilt nichts im Vaterland" können wir auf unfern Devrient nicht anwenden; befremden darf es uns auch nicht, wenn wir hören, welche große Sensation er in Wien macht. So vortrefflich auch gegenwärtig das .Hofburgtheater ist, nicht nur wegen der einzelnen aus­gezeichneten Künstler, sondern mehr noch wegen de« Zu­sammenhalts und Zusammenspiels, so haben sie doch kei­nen Krinstler, der auch nur entfernt in dem Rollenkreise, in welchem Devrient groß ist, ihm in den Weg träte. Den Shylok giebt Herr Costenoble, zwar mit vieler Kraft, aber ohne daß man darin nur einen Zug von Shakspeare's Shylok wieder erkennt. Wodurch aber vor« nemlich Devrient den Wienern etne ganz neue Erschei­nung fein muH, ist die Kunst, mit der er seine Maske, seinen Anzug zu ordnen versteht, daß tt in jeder Rolle als eiire ganz neue Person erscheint. Schon in dem Kaufmann von Venedig wurde er »rach mehreren einzel­nen Scenen Hervorgerufen; noch größer war der Beifall, als er als armer Poet anstrat, aber ganz außer sich war das Publikum über seinen Schema im Juden. Man rief ihn, »Nie eine Opernsängerin, nach jeder einzelnen Scene heraus, so daß er an diesem Abende fünf mal gerufen wurde. Das Hervorrufen wird jedoch in Wien bewirkt, ohne den Mund aufzuthun: man pocht und klatscht so lange, bis der, dem es gilt, erscheint.

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H. L. B.r ö n n er'fche Bnchdrnck.erei $U. J- Nr. 148 großer KornmarkL-