den Westen und die vollständige Verachtung alles Parteiwesens. Er war nicht der Mann einer stillen und langsamen Wieder­geburt, wie der Graf Zamoyski; er konnte nicht geräuschlos mitten in der Nation verschwinden, um, langsam und geduldig, neue Fäden der Selbsterhebung zu spinnen und zu knüpfen, und in der stillen inneren Arbeit die Parole der Zukunft zu finden, wenn es noch eine Zukunft gab. Er konnte sich wohl einmal, aus Neugier, für diese Arbeit interessiren; er besuchte wohl ein­mal die Ländereien des Grafen Zamoyski, um die eingeführte Musterwirthschaft kennen zu lernen, aber er glaubte nicht an die Zweckmäßigkeit und den Erfolg dieses Weges. Auf der anderen Seite war er eine viel zu stolze, aber auch viel zu edle Natur, um sich sklavisch dem Sieger zu unterwerfen. Eine Verschwörung schien ihm kindisch und nutzlos. So lebte er in sich zurückgezogen, einsam. Während einer Reihe von Jahren muß in diesem Geist ein wunderbarer Kampf vorgegangen sein: der Denker würdigte nicht oder begriff nicht den Weg, durch Hebung der materiellen Jntereffen zur Politik zu gelangen; der Aristokrat hatte nur Verachtung und Haß für die demokratischen Propagandisten, die Partei, welche er später schilderte als diePartei der socialen Unordnung, den Auswurf der Gesellschaft, schlechter Priester, leichtsinniger Edelleute, treuloser Beamten, alter Subalternoffiziere, junger Demagogen, ruinirter Grundbesitzer, verschuldeter Pächter, verächtlichen Bedientenvolkes und Communisten!" Der getäuschte Patriot hatte nur wenig Vertrauen zu dernationalen Diploma­tie", die fortfuhr, sich an den Westen zu wenden. Aber das Joch, welches auf seinem Vaterlande lastete, das empfand er tief und brannte vor Begierde, dasselbe geändert zu sehen.

Wie er sich diese Aenderung nach jahrelangem inneren Brü­ten dachte, dies eröffnete er zum ersten Male in demBrief eines polnischen Edelmannes an den Fürsten Metternich," bei Gelegenheit der blutigen Auftritte in Galizien 1846.Wir Po­len," hieß es am Schluffe, nach einer Verwünschung der Metter- nich'schen Poliük,müssen heraustreten aus unserer Inactivität, wir müffen Partei nehmen!" Und welches war das Programm dieser Parteinahme?Der polnische Adel muß es vorziehen, mit den Russen an der Spitze der jungen, kräftigen, zukunfts­reichen flavischen Civilisation einherzugehen, statt sich verachtet, ver­haßt, zurückgesetzt und hinter der alten westlichen Civilisation einherzuschleppen!" Es kann nicht überraschen, daß ein Vertre­ter des Feudalismus etwas rasch mit dem Vaterlande sich ab- stndet; der polnische Adel repräsentirt ihm allein die polnische Nation; dann heißt es weiter:Ein Romanow ist ein viel zu guter Edelmann, um Seinesgleichen selbst unter seinen Feinden zu Grunde richten zu lassen!" Also Vereinigung Polens mit Rußland, völlige Hingabe ohne Bedingung, Panslavismus.

Dieser Idee lag zum Thei eine kühle Betrachtung der Macht­verhältnisse Polens, gegenüber denen Rußlands, zu Grunde (es war die Zeit, da Rußland, als Chef der heiligen Allianz, ton­angebend dastand im Rath der Großmächte); znm Theil ent­sprang sie aus dem Wunsche, sich an Oesterreich und Preußen, vielleicht auch an England und Frankreich zu rächen für die Theilnahrne an der Unterdrückung Polens und für die Unerbitt- I lichkeit gegen den Schmerzensschrei der Unterdrückten; dadurch zu rächen, daß man sich dem verwandtesten der drei Erben des pol­nischen Reiches völlig in die Arme warf. Zum Theil widerte den Aristokraten die angetragene Gemeinschaft der demokratischen Pa­trioten an. Aber auch die Kämpferuatur Wielopolski's trieb ihn an, etwas zu thun, was wider alle Erwartung, bei der ersten Betrachtung wider den gesunden Menschenverstand, na­mentlich aber wider die populären Ideen lief. Daß er mit der demokratischen Partei brach, das war nichts, aber daß er mit der Nation brach, das reizte ihn; er allein, allen Anderen gegen­über, das war ein Fall für ihn. Er schritt auch gleich ans

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Werk; was noch keine andere polnische Familie gethan hatte, das that er: er ließ seinen Sohn in Petersburg in russischen Militär­dienst treten. Allein dem Kaiser Nikolaus gegenüber war diese Umwandlung oder dieser Abfall Wielopolski's nutzlos; ob der Marquis sich ihm zuwandte oder nicht, das war dem Kaiser gleichgiltig. Der stolze polnische Edelmann sah nicht, daß er in den Augen eines Fürsten, wie Nikolaus, noch viel zu viel von einem Rebellen hatte, daß seine Manier, sich einem Romanow wie ein Edelmann dem anderen gegenüberzustellen, für den Kai­ser äußerst verletzend war. Erst nach dem Thronwechsel wurde er der Mann der Situation.

(Schluß folgt.)

Das Jahr 1813.

Eingesandt von vr. B.

Durch die Schlacht bei Leipzig den 18. October 1813 ist es den vereinten Kräften gelungen, den Feind, der Deutsch- land bis zu einem geographischen Begriff Herabdrücken wollte, zu stürzen. Durch die Schlacht bei Waterloo den 18. Juni 1815 wurde seiner Oberherrschaft auf dem Continente ein Ende ge­macht. Auf der Ebene von Waterloo entstanden bald nach dem Kampfe Denkmäler, wohin namentlich viele Engländer reisen, die einzelnen Grabsteine ihrer Verwandten zu besuchen.

In dem Teutoburger Walde sind noch die Grabhügel vor­handen, unter denen die Asche der Römer liegt, die von unseren Stammvätern, den alten Germanen, unter der Anführung Her­manns gegen den römischen Feldherrn Varus geschlagen wurden. Der Muth unserer Vorfahren bereitete hier der eingedrungenen Herrschaft ein Ende. Die kleinen Waldbäche und Dörfer tragen in diesem Walde noch bedeutsame Namen. Von Hermanns Denkmal hatte lange nichts verlautet.

Jetzt, nach fünfzig Jahren, darf nicht länger gesäumt werden, die Pflicht der Dankbarkeit gegen jene zu erfüllen, die für Deutsch- lands Befreiung geblutet, gesiegt und das Gefühl der Nationali­tät wieder erweckt haben. Ein Denkmal, Deutschlands würdig, muß das Schlachtfeld krönen.

Die Schlachten von Leipzig und Waterloo haben der neueren Geschichte unseres Welttheils eine andere Richtung gegeben und besonders jetzt, wo man dahin strebt, ein Großdeutschland zu schaffen, muß uns der Gedanke erheben, wieder zu der Bedeutung zurückzukehren, die Deutschland ehemals in der Weltgeschichte gehabt.

Unter Karl dem Großen war Deutschland das erste Reich der Welt, sowohl in materieller als geistiger Beziehung. Karl der Große, der Herr von Italien war, der von der Weichsel bis zum Ebro und von der Nordsee bis Calabrien herrschte, liebte beson­ders die Ufer des Rheins, des Mains und der Saale, wovon wir noch heute mit Bewunderung die weitläufigen prächtigen Rui­nen der Saalburg, der Pfalz an der Saale erblicken. Karl der Große verweilte gern an den Ufern des Rheins und des Mains, in Ingelheim und in Frankfurt. Seine Bildsäule schmückt darum unsere Mainbrücke.

Das wieder erweckte Deutschland ist nicht allein Verehrung und Dankbarkeit den Heldenthatcn auf dem Schlachtfelde schuldig, es soll auch seine Größe in vereinten Kräften beweisen, wozu sich eine Gelegenheit bietet in der Aufrichtung eines Monumentes, das schon über tausend Jahre verlassen liegt und bestinunt war den Sieg der Römer über die Deutschen zu verherrlichen. Es betrifft die Riesensüule, die am Felsberg in der Grafschaft Er­bach im Odenwalde ist. Die Säule ist von schönem grauem