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Granit, hat 31 Schuh 8 Zoll Länge, unten 4 Schuh 6 Zoll und oben 3 Schuh 10 Zoll im Durchmesser; ihr Gewicht wird vom Baudirector Wahl in Michelstadt auf 61,440 Pfund angegeben.

In Deutschland findet fich keine höhere Granitsäule als diese, und schon darum gehört sie zu den größten Seltenheiten. Karl der Große ließ ähnliche kleine Granitsäulen von Ravenna brin­gen, um sein Schloß in Niederingelheim damit zu schmücken, die jetzt im Schloßhof des alten Schlosies in Heidelberg das Brunnen­haus tragen.

Die alten Egypter haben nur durch Menschenhände Stein­massen aufgerichtet, die noch jetzt, nach so vielen tausend Jahren, die ehemalige Größe dieses erloschenen Volks bezeugen.

Jetzt, durch die Dampfmaschinen, die man überall hinstellen kann, läßt sich mehr als durch Menschenkräfte allein erreichen. Gewiß ist es ausführbar, die Riesensäule jetzt aufzurichten; aber an welcher Stelle? Die Stelle müßte in der Gegend, wo der größte deutsche Kaiser so gerne geweilt, gefunden werden.

Viribu8 unitis.

Kleine Chronik.

*** Gottfried Kinkel's älteste Tochter, Johanna, ein ungemein reichbegabtes Mädchen, ist siebzehn Jahre alt in London am Scharlachfieber gestorben.

*** Die Stadt Basel hat dieser Tage eine europäische Be­rühmtheit begraben, den im Jahr 1782 geborenen Professor Chri­stoph Bernoulli, einen Sprößling der berühmten Gelehrtmfamilie dieses Namens und selbst Mathematiker, der sich in diesem Fache bleibende Verdienste erworben.

Alexander Dumas schreibt ein Stück für die Ristori un­ter dem TitelMarie Antoinette". Es wird zum ersten Mal in London zur Aufführung kommen, wohin sich die Ristori mit ihrer Gesellschaft im Juni dieses Jahres begeben will.

Frankfurt, 13 . Februar.

Kleine Mittheilungen.

**# Vor einem Lustrum noch gab es in Frankfurt keinen Carne­val, höchstens eine ehrbare Fastnacht mit Tanz in möglichst geschlos­senen Kreisen. Mit alleiniger Ausnahme der lustigen Maskeraden im Wolfseck, die ihre Unvergänglichkeit jetzt in der Harmonie beweisen, war von Volksbelustigung im Allgemeinen nichts zu verspüren. Da ließ der Gott der Faschingsfreuden in dieser asketischen Stadt die Bittern" groß und lustig werden, umeinem tief gefühlten Bedürf- niß abzuhelfeu," und mit ihrer Bundesgenossenschaft erweiterte er für seinen Statthalter, den Prinzen Carneval, seine Herrschaft von den Gestaden des Rheines ab über die Uferlande des Mains und auch über das alte ehrwürdige Frankfurt. Der Feldzug war kurz, aber ruhmreich: Prinz Carneval kam, sah und siegte! Die lustige Sippe der Schellenkappe hat stürmend die Wälle philiströser Vorurtheile sieg­reich erstiegen und die Palissaden des Spieß- und Zopfbürgerihums schonungslos durchbrochen. Nun ist Carneval mebr als geduldet, er ist anerkannt als legitimer Beherrscher der Faschingszeit und einer lebensfrohen Jugend. Wir haben in der vorgestrigen Nummer deS Konversationsblattes das Programm der diesjährigen CarnevalS-

belusttgungeu mitgetheilt und kommen schon heute zurück auf eine Schilderung des gestern Abend in dem Saale der Harmonie abgehal- teneu NarrenbuudeScougresseS, zu welchem das Volk der Narren seine Delegirten entsendet hatte, die Mittel zu berathen, um das deutsche Volk auf der höheren Entwickeluugsstufe der Narrheit einig, frei und fröhlich zu machen. Der große Wurf ist gelungen: der Congreß hat sich als eine heitere Parodie unserer öffentlichen Zustände erwiesen. Der Cougreßsaal war mit Emblemen der Narrheit und mit den LaudeS- farben der unzähligen Provinzen des NarreureicheS verschwenderisch ausgestattet. Zahlreich war das Volk versammelt und erwartete mit Ungeduld die Eröffnung des Congreffes, die Constituirung des Narreu- bundestags und die Einberufung der Delegirten. Der feierliche Mo­ment trat gegen 9 Uhr ein. Der Herr Ministerpräsident sprachen zur Eröffnung des Congreffes Worte geflügelter Narrheit, die indessen auch des Ernstes genug enthielten, da sie die Finanzlage des Reiches durch die Hochzeit des Prinzen Carneval und die Krönung des NarrenkaiserS als eine sehr heruntergekommene bezeichneten. Da nun einmal eine monarchische Regierung nicht billig sein könne, so müsse man wohl oder übel den Narrenstaat Frankfurt zu einer Republik umwandeln, der sich als würdiges Glied einem Staatenbunde aufchließeu solle. Hierauf wurde der Bundestag cosstituirt und den Verbessernngsan- trägeu der Einzelregierungen entgegeugefehen. Die Delegirten sollten hierüber mit zu entscheiden haben. Dies ist der ungefähre äußere Verlauf der Verhandlungen, wobei, von Länge und Breite einzelner Vorträge abgesehen, au vielen Stellen Geist und Humor sich entfal­tete. Die Abgesandten hatte man in Thiermaskeu versteckt und das Geschrei ihrer Zustimmung zu den gestellten Anträgen in allen unar- ticultrten Lauten der Einwohnerschaft eines zoologischen Gartens er­regte, so oft es ertönte, in dem versammelten Volke ungeheure Heiter­keit. Da die Delegirten ohne Qual und Wahl jedem noch so unsinni­gen Antrags der Regierungen beistimmten, so wurde in geeigneten Fällen au das versammelte Volk appellirt, welches selbstverständlich jedrSmal fein Veto eiulegte, so daß man endlich auf den Ausweg kam, die Neugestaltung des Narrenreiches der Professorenweisheit auzuver- trauen. Es wurde zu diesem Zwecke eine Universität mit vier Fakul­täten gegründet, deren Professoren Vorträge hielten. Die Themata dieser Vorträge standen aber natürlich mit dernationalen Einigung" nicht im geringsten Zusammenhang, da beispielsweise der Professor der Medicin über die Verhütung des Katzenjammers und der Philosoph in Zopf und Perrücke, statt des Baretts mit einem Bierseidel auf dem Kopfe, das Glück des NarreureicheS von der Verschmelzung der Rebe mit dem Hopfen zu einem fruchttragenden Strauche abhängig zu machen suchte. Einen sehr pointirten Vortrag hielt Herr Bing, in- dem er den guten Einfluß des Bundescongresses, der nach tausend Jahren erst sichtbar werde, zu schildern unternahm. Die vielen witzigen, geist- und lauuenvollen Anspielungen deS jugendlichen Redners wur­den mit stürmischer Begeisterung ausgenommen und mit der la­chenden Perspective der Zukunft, die ihm der phantastische Lobredner des Bundestags entrollt hatte, gab sich vorerst das Volk zufrieden. Wir haben nur diese wenigen Punkte aus dem bunten Leben und Treiben des Narrencongresses herausgehoben, um daran zu zeigen, wie gut sich dieBittern" darauf verstehen, die Bitterkeiten deS Lebens mit Humor und Laune zu würzen und dem Volke mundgerecht zu machen. Und so rathen wir allen, die ihr Gemüth vor Verbitterung über gesellschaftliche, politische und sonst menschliche Zustände bewahren wollen, sich dem neugestifteten Narrenbunde anzuschließen, er ist im Besitze so mancher Geheim- und Zaubermittel, die ein Gegengift sind gegen alle Bitternisse, mit welchen uns das Schicksal die Speisen für das Gastmahl des Lebens zuzubereiten unermüdlich thätig ist.

Verantwortlicher Redakteur: vr. Eduard Sattler Druck von Aug. Osterrieth in Frankfurt a. M.