stehen, denn auf dem runden Grasplatz schäkerten und tanzten eine Menge junger Leute, Nähterinnen, Büglerinnen, Spitzenwäscherin- nen, Friseurlehrlinge, Apothekerstößer und ähnliche beau monde der nieder» Regionen. Da es an Tänzern fehlte, hatte ein großes Mädchen von blühender Gesichtsfarbe einen Mannshut aufgestülpt, und tanzte mit einer zwergartigen, bucklichten Nähmamsell, der sie zum großen Ergötzen der Gesellschaft mit possenhafter Gravität die Cour machte. »Das ist Mamsell Oliva/ flüsterte Herr von la Motte seiner Frau zu. Sie fixirte das Mädchen lange," dann bemerkte sie gnädig: »das Sprüchwort vom blinden Huhn bewährt sich aber­mals ; die Aehnlichkeit ist wirklich auffallend, es ist der Wuchs, die Gesichts form, die gebogene Nase, sogar die erbliche, aufgeworfene Unterlippe der Oestreicherin, freilich fehlt die Grazie, die Majestät, aber bei'm Sternenlicht und auf wenige Minuten ist die Verwech­selung wohl möglich. Rufe die Person hierher/ fuhr Madame la Motte fort, und setzte sich auf eine von den Tanzenden ziemlich entfernte Bank. Der Gemahl gehorchte wie immer.

(Fortsetzung folgt.)

Die Kart offels euch e.

Die Kartoffeln sind gegenwärtig von einer Berderbniß befallen, die dieses, sonst so gesunde und schätzbare Nahrungsmittel für Menschen und Vieh ungenießbar, ja den Genuß der verdorbenen ungesund, selbst schädlich macht. Glücklicherweise ist bei uns der größte Theil derselbm verschont geblieben; da aber die einmal an­gesteckten ohne die gehörige Aufsicht unfehlbar weiter verderben, die Ansteckung dm noch gesunden mittheilen und die gänzlich zer­störten ganz unbrauchbar sind, so gebietet es die Vorsicht, Alles aufzubieten, die Berderbniß, wo sie begonnen, so viel als möglich zu beschränken, das noch Brauchbare zu sichern und aus dm bereits verdorbenen Kartoffeln den in ihnen noch unversehrt enthaltmen Nah- - rungsstoff auszuscheiden, um, was nur immer möglich, zu retten, damit im kommendm Winter und Frühjahr, wo es sonst kein an­deres Nahrungsmittel für dm größten Theil der Bewohner mehr gibt, cs nicht fehle. Die Noth erheischt diese Sorgfalt um so ge­bieterischer, als diese Berderbniß der Kartoffeln sich über England, Irland, Holland, Frankreich, die Schweiz, Preußen, Hannover, die Rhein- und Maingegend verbreitet hat.

Verfasser dieses, der bereits in der Didaskalia vom 9. October 1841 die Entwickelung des Kartoffelgiftcs in ausgewachsenen Kar­toffeln des Solanins und die Behandlung und Heilung einer solchen Vergiftung a. a. O. mitgetheilt hat, ermangelr nicht, was ihm Beobachtung und Studium über die jetzige Kartoffelseuche gelehrt hat, hier mitzutheilm.

Da in England im Verhältniß am meisten Kartoffeln genossen werden, ja Irland fast ganz auf diese und Haferkuchen angewiesen ist, so sind die englischen Berichte über diese Seuche die gründlich­sten, für das praktische Lebm brauchbarstm; wir werden daher vorzüglich dem Berichte, dm das geschätzte Blatt: The Gardeners Chronicle and Agricultural Gazette Saturday, 20. Sept. 1845, Pag. 638 enthält, so wie dm früheren in derselben Zeitschrift fol­gen, und die in anderm Blättem erschienenen bmutzm. In dem erwähnten Bericht heißt es: »Das Unglück ist (in England) un­zweifelhaft zu einem sehr beunruhigenden Grade ausgebrettet; wenn wir angebm, daß der Verlust an Kartoffeln Ä j« beträgt, erlauben wir uns schwerlich eine Uebertreibung. Die Ausfuhr von Kartof­feln aus England, besonders nach dem mittelländischen Meere, be­trug an Werth sonst mindestens 10,000 Pfd. Sterl. jährlich, sie ist dieses Jahr nicht allein unmöglich, fondem eine bedmtende Ein­fuhr nöthig. In mehreren Gegenden daselbst ist die Ernte des Einsammelns nicht werth; in andem ist sie ganz verfault; an an­dern Ortm schreitet die Berderbniß rasch fort, und wie wir bereits

befürchtet, ist diese Seuche auch in 'Irland ausgebrochen/ Ein Korrespondent in der Nähe von Dublin schreibt: »Alle meine Kar­toffeln , sowie die der armen Leute sind durch die Seuche zerstört. Vor zwei Tagen waren 12 Acres noch gesund, sie sind jetzt ver­wüstet." Die Kölner Zeitung berichtet, daß in Erfurt durch dm Genuß kranker Kartoffeln die Ruhr ausgebrochen fey; die belgischen Blätter sprechen von Cholera in Gent, aus derselben Ursache ent­standen. Polen ist so sehr von Hungersnoth bedroht, daß die preußische Regierung Vorsichtsmaßregeln gegen das Eindringen der verhungernden Nachbarn ergreifen muß, und endlich haben die Be­hörden einiger Distrikte Frankreichs und Deutschlands bereits die Ausfuhr der Kartoffeln verboten, um zu verhüten, daß es nicht an Saatkartoffeln für's nächste Jahr fehle.

Dies ist der Stand der Sache. Es ist unnütz, sich jetzt in Speculationen über die Ursache der Entstehung dieser Seuche zu verlieren, oder sich über die Verhütung der Krankheit im Allgemei­nen zu verbreiten, da wir uns jetzt bei der Emte mit den Kar­toffeln, wie sie sind, zu beschäftigen haben. Wahr ist es, daß mi­kroskopische Schimmelpilze den Zustand außerordmtlich verschlim­mern, doch diese sind nur als untergeordnete, sekundäre Erscheinung zu betrachten.

Wie jede Krankheit nur im geschwächten Körper Herr werden kann, jeder Same zum Keimen seinen ihm zusagenden Boden ver­langt, gesunde Pflanzen vom Schimmel nicht ergriffen werden, so können sich nur in bereits erkrankten Kartoffeln diese mikroskopischen Schmarotzerpflanzen bilden. Die diesjährigen Kartoffeln enthalten im Verhältniß mehr Wasser und weniger Stärke, als die früherer Jahre; gute Kartoffeln enthalten in hundert und zwölf Pfund acht­zig Pfund Wasser.

In diesen wasserhaltigen Kartoffeln bilden sich unter der Rinde braune Flecken aus, die das noch weiße Innere bald ganz um­schließen, sobald die Kartoffel in der Nässe bleibt, weiter in das Innere dringen, den bis jetzt noch weißen Theil braun färben, bis die ganz erweichte Kartoffel zu einer Jauche zerfließt, verfault, einen widerlichen, Ekel erregenden Gestank verbreitet. Erst- nach Eintritt des Zerstörungsprozesses bilden sich die erwähnten mikro­skopischen Pflanzen.*)

Nach diesem Stand der Sache ist es rathsam, bei der Kartoffel­ernte die noch guten an einem trockenen Orte, etwa wie die Aepfel, auf dem Boden aufzubewahren, auseinander zu legen und vor dem Frost zu schützen; die bereits ergriffenen in solche zu rheilen, die nur wenig erkrankt, und solche, die dem Verfaulen nahe sind.

Um in den nur wenig erkrankten Kartoffeln den Fortschritt der Berderbniß zu beschränken und. das noch Gute zu sichern, hat man zwei Methoden vorgeschlagen, wovon die erste nur histo­risch hier erwähnt werden soll, da diese ihren Zweck nicht errei­chen kann.

Man will sowohl in England als in Belgien die Beobachtung gemacht haben, daß diejenigen Kartoffelfelder, die von der Seeluft

*) Mehrere in dieser Mittheilung enthaltene Ansichten stimmen mit dem Ergebnisse der Untersuchungen meines verehrten College« Dr. Fresenius überein; derselbe fand die Krankheit von den Zellwan­dungen, welche sich bei der mikrossopischen Betrachtung bräunlich gefärbt zeigten, dann von dem Zelleninhalt mit Ausnahme der Stärkemehlkörner beginnend, welche letztere sich selbst in bereits ziemlich entarteten Gewebepartieen unverändert oder höchstens braun gefärbt zeigten, an denen aber keineswegs die Krankheit ih­ren Ursprung nimmt, auch, im Widerspruch mit einer früheren An­sicht , die Anfänge einer Pilzbildung bis jetzt nicht angetroffen wer­den konnten. Auch schienen die in einem späteren Stadium der Krankheit aus der entarteten Masse sich erhebenden Fadenpilze, wo­von er mehrere Arten beobachtet hat, eine sekundäre Erzeugung und nicht Ursache der Kartoffelkrankheit zu seyn, wiewohl aus dem Gewebe der hügeLgen Pilzhäufchen sich die dasselbe bildenden dicht verfilzten Flocken bis unter die Masse vollkommen gesunder Stärke­mehlkörner verfolgen ließen.