deS Lagers, den sie mit ihrem Kriegsvolk inne halten, um zu erforschen, was an der Aussage des Eingefangenen fty.

Der Markgraf beschloß nun einmüthiglich mit dm Verbün­deten, vorerst die Stadt auf's heftigste zu beschießen und nach dem Erfolg ihre Unternehmungen zu richten.

Mehr denn fünfzig Feuerschlünde begannen nun ohne Un­terbrechung die Stadt zu ängstigen. Schwere Stein- und Gestückkugeln wälzten sich durch die Luft, und brachen verhee­rend in die Häuser der Einwohner. Jeden Augenblick schien der Markgraf bereit, mit stürmender Hand die Vorstadt ge­winnen, und der Kurfürst drüben in' die Stadt brechen zu wollen. Doch des Obristen von Haustein und der beiden Bür­germeister Klugheit und Vorsicht vereitelten jede Anstrengung der Feinde; indem sie kein Mittel verabsäumten, den Muth der Söldner anzufcuern und die Geduld der Bürger auftecht zu erhalten.

(Fortsetzung, folgt.)

Reisebilder aus der Moldau.

(Fortsetzung.)

Die Männer beschäftigen sich den ganzen Tag mit Arbeiten außer dem Hause, mit Pflügen, Holzfällen u. dgl., sind jedoch keineswegs fleißige Arbeiter. Sie scheinen nicht beherzigen zu wollen, was der griechische Dichter Epicharmos so treffend sagt: Alle Güter verkaufen die Götter nur um Arbeit." Die Wei­ber sieht man nach jener uralten Weise, wo ein flachsumzoge­ner Rocken unter dem Arme gehalten wird, und der abgespon­nene Faden an der sreihängenden Spindel hinunterläuft, spin­nend umhergehen, oder die grobe Leinwand zu der volksthüm- lichen Tracht ihrer Männer weben. Die Männer thun selten etwas ohne Stockschläge, an denen ihre Dränger es denn.auch nicht fehlen lassen. Und ungeachtet dieser liefen Entwürdigung sind sie für Gefühl nicht ganz unempfänglich, und Gesang und Musik greifen tief in ihre Seele ein.

Ihr Geist ist mit der schrecklichsten Unwissenheit, mit dem tiefsten Aberglauben umdunkelt; ihre Religionsbegriffe sind äußerst beschränkt. Sie besuchen Sonntags in der Frühe die Kirche, und bringen den Nachmittag in den Wirthshäusern zu, wo sie sich mit Trinken, Tanz und Gesang belustigen. Der Tanz, die Hora, ist volksthümlich. Die ganze Trinkgenossen­schaft beiderlei Geschlechts bildet, sich die Hände gebend, um die Spielleute einen großen Kreis, und führt, sich in langsa­mem und stetem Zeitmaße in der Runde bewegend, einen wo­genden Reihentanz aus. Die Tänzer schlagen mit den Absätzen den Takt, und werfen mit phantastischen Gebärden auf die Tänzerinnen rechts und links verliebte Blicke. Die Musik ist ebenfalls volksthümlich, und bewegt sich in einförmigen, aber streng rhythmischen Melodien fast stets in den weichen Tonar­ten. Die dabei gebräuchlichen Instrumente sind mehre Geigen, eine Crmbel und eine Panflöte, auf welchen die Zigeuner die Volksmelodien sehr kunstfertig und taktfest, jedoch nur in der Hauptstimme und ohne Baßbegleitung vortragen. Dergleichen sonntägliche Belustigungen werden noch erhöht, wenn ein- rentreiber die Künste seines Bären sehen läßt, ein Betriebfach, das der Faulheit und Wanderungssucht der Zigeuner gänzlich

zusagt. Eine andere Lustbarkeit des Landvolkes, welche der Sitte gemäß nur von Ostern bis Himmelfahrt dauern darf, ist die sogenannte ungarische Schaukel, auf welcher an Sonn- und Feiertagen Jung und Alt sich erlustigt.

Die Nahrung des Landvolks ist einfach und besteht haupt­sächlich aus einem aus Maismehl, Salz und Wasser oder Milch bereiteten Teig, den man Mamaliga nennt. Es vertritt die Stelle des Brodes und leistet in der Moldau die Dienste, die die Polenta den Jtaliern. Da man diese Nahrung sehr schnell und leicht zubereiten kann, so scheint sie wie für dies Land ge­schaffen. Ist der Landmann unter Weges oder auf dem Felde, so zündet er sich ein Feuer an, hängt den Mamaligakessel, sein Vademekum, mittels dreier kreuzweise gestellten Stöcke auf, füllt ihn mit Wasser und schüttet das Mehl hinein, sobald das Wasser siedet. Die Masse verdichtet sich alsbald zu einem dicken Kloß, der, wenn er sich abgekühlt hat, in Stücke ge­schnitten und mit Zwiebel und Quark aufgezehrt wird. Gelte» essen sie Fleischgerichte, und beschränken sich mehrentheils auf Eier- und Mehlspeisen, auf Vegetabilien und auf Käse.

Die Hütten der Landleute, welche aus einem Erdgeschoss bestehen, sind aus Sparrenwerk und Lehm zusammengesetzt, und mit Stroh oder Schilf gedeckt. Die sehr kleinen Fensteröff­nungen sind mit Papier oder Blase verklebt. Die Häuser, im Innern sehr reinlich, da sie bei Gelegenheit der Feiertage durch­aus geweißt werden, sind alle auf dieselbe Weise gebaut und von einerlei Größe, so daß die Dörfer ein sehr einförmigcs und trauriges Ansehen haben. Die hinfällige Bauart ist durchaus- nicht geeignet, gegen die Stürme einer rauhen Jahreszeit Schutz- zu gewähren. Daher leben viele Landleute, besonders die Flä­chenbewohner, in unterirdischen Wohnungen (Bordeu), die im Sommer mehr Kühle, im Winter mehr Wärme gewähren. Solche Erdwohnungen, die man fast in jedem Dorfe und jeder Stadt findet, sind von Ferne nur durch den Rauch kenntlich, der aus ihren Luftlöchern herausströmt. Es sind Erdhöhlen, die von innen durch eine Bekleidung von Holz und Moos ge­gen den Einfluß der Witterung gesichert und durch das Dach, das mit Rasen belegt ist und vom Vieh abgeweidet wird, über' die Erdoberfläche hervorragen. Jedes moldauische Dorf hat em Kirchlein mit mehreren Priestern, welche den Gottesdienst ver­sehen. Die Geistlichen unterscheiden sich nur durch einen lan­gen Bart von den übrigen Dorfbewohnern , und können meh­rentheils weder lesen noch schreiben. Die häusliche Einrichtung des Landmanns beschränkt sich auf eine rohe Pritsche, die mit Binsenmatten belegt ist, auf einige Kissen und Decken, auf den Schutzheiligen an der Wand, vor dem ein ewiges Lämp­chen brennt, auf einiges Kochgeschirr und auf eine einfache Handmühle zur Erzeugung des Maismehles. In den Winter- ternächten ist die ganze Familie im einfachen Naturstande auf der Erde um den Herd gelagert, auf dem ein hellloderndes Feuer von Maiskolben oder Reisig brennt. So bringen die Landleute in ruhiger Genügsamkeit ihre Tage zu, ohne daß der Wunsch oder die Hoffnung nach Verbesserung in ihnen rege würde, und pflanzen auf ihre Kinder die Gewohnheiten fort, die sie von ihren Vätern geerbt.

(Fortsetzung folgt,)