lieber Vergiftung durch ausgewachsene Kartoffeln,

und die Art, wie das Auswachsen derselben zu verhüten ist. *) (Eingesandt.)

Ihr vielgelesenes Blatt veranlaßt Einsender dieses, Ihnen die folgende Erzählung eines Falles von Vergiftung durch aus­gewachsene Kartoffeln, und die Behandlung und Heilung der Erkrankten zur Veröffentlichung zu übersenden, um in einem großen Kreise aufmerksam zu machen, auf welche Art die Kar­toffeln gut erhalten, die Entwickelung des Giftes in denselben größtentheils verhütet und traurigen Folgen vorgebeugt wer­den kann.

Den 7. April 1841 wurde in der Familie eines Handwer­kers Salat von den am 6ten abgesottenen und in ihrer Schale bis zum 7ten 24 Stunden lang gestandenen Kartoffeln ge­macht, wozu noch einige, frisch abgefottene genommen worden waren. Sämmtliche Kartoffeln waren bis 2 Zoll lang und darüber ausgewachsen. Zwei Gesellen, der Meister, zwei Mägde und ein Lehrling von 16 Jahren aßen davon. Bei'm Essen bemerkten sie, daß der Salat einen etwas scharfen, kratzenden Geschmack habe. Der Lehrling hatte am meisten davon gegessen. Sie legten sich zu Bette, schliefen bald ein, und erwachten sämmtlich zwischen 3 und 4 Uhr Morgens mit Zusammen schnü­ren im Halse, den heftigsten Leibschmerzen, Betäubung, großer Angst, Beklommenheit, Doppeltsehen, Herzklopfen, Erbrechen und Abweichen. Trotz der gebrauchten Hausmittel: Kamillen- Thee, warmen Tüchern auf den Leib u. s. w., dauerten die Zufälle fort, bis um 6 Uhr der Arzt gerufen wurde. Bei seinem Erscheinen konnten sich die Patienten nicht aufrecht hal­ten, waren unbesinnlich, schwankten hin und her, und mußten, um gerade zu stehen, sich festhalten. Ihre Haut war kalt, die Pupillen erweitert, der Puls klein, langsam, fast unfühlbar; das Gesicht drückte Herzensangst aus; Schluchzen stellte sich ein, der Leib war zusammengezogen, bei'm Druck unschmerz­haft, die Zunge feucht, konnte nur zitternd hervorgestoßen werden. Sie klagten Alle über große Schwäche. Diese Zufälle fanden bei dem Lehrling im höchsten Grade statt.

Nachdem alle Abgänge genau untersucht, nichts Verdäch­tiges gefunden, und die Zufälle gewürdigt worden waren, konnte nur von Vergiftung durch Kartoffelgift (SoIarM'n) die Rede seyn. Nach genauer Abwägung aller Zufälle und Berücksich­tigung des Vorausgegangenen, befahl der Arzt sogleich, starken Kaffee, 1 Loth auf die Tasse, zu machen, und Jedem 2 bis 3 Tassen zu geben. Nach dem Genuß des Kaffees schliefen die Patienten ein, anfangs mit heftigem Schnarchen. Der Puls wurde fühlbarer, die Marmorkälte schwand, es stellte sich eine duftende Haut ein, Brechen und Abweichen kehrten bei den Erwachsenen nicht wieder, der Lehrling wurde, jedoch immer seltener, hierdurch aus dem Schlafe geweckt. Nach 3 bis 4 Stunden erwachten die Kranken, fanden sich im Schweiße ge­badet, sehr erleichtert, und verlangten nichts sehnlicher als Kaf­fee, der ihnen so gut gethan hätte. Er wurde ihnen gegeben, wonach abermals Schlaf erfolgte, der bis Abends 5 6 Uhr

*) Bei der gegenwärtig stattfindenden Kartoffelernte finden wir uns veranlaßt, die vorstehende Mittheilung der Beachtung un­seres ausgevreiteten Lesepublikums ru empfehlen. Eie giebt den Beweis, wie vorsichtig man die Kartoffeln auf dem Keller­lager zu behandeln hat. D. R.

dauerte. Die Kranken verlangten wieder Kaffee und aßen je­der ein Brödchen, schliefen die Nacht zum 9. ruhig, erwachten sehr ermüdet, qber mit Hunger, bis auf den Lehrling, der den Kaffee noch zwei Mal den Tag trank und den ganzen Tag zu Bette blieb, während die älteren Patienten bei etwas Eßluft versuchten, wieder zu arbeiten. Die Schwere in den Gliedern und Unsicherheit des Sehens verloren sich bei langsam sich ein­stellendem guten Appetit und regelmäßiger Verdauung in weni­gen Tagen ohne allen Arznei-Gebrauch. Der Lehrling behielt am längsten Blässe des Gesichtes und Müdigkeit.

Ohne Erde, vollem Tageslichte, lebendigem Luftzuge, ent­wickelt sich in den Kartoffeln durch das Keimen ein starkes be­täubendes Gift Solanin, und um so mehr, je kleiner die Keime sind. In Keimen von l */4 bis 2 Zoll Länge ist es am meisten vorhanden; 19 Pfund derselben gaben ein Quentchen trockenes Solanin; Keime von 2 und 3 Fuß Länge enthalten kein Solanin mehr, hier aber sind die Kartoffeln wässerig und selbst das Vieh verschmäht sie.

Um die Kartoffeln mehlig und gut zu erhalten, bis cs wie­der neue gibt, und das Keimen zu verhüten, müssen sie vom Februar an täglich gewendet werden, was in vielen Gegenden Deutschlands seit langer Zeit mit vollkommenem Erfolge ge­schieht. Bei allen ausgewachsenen Kartoffeln wenden sich die Triebe dem Lichte zu, wie Jeder in den Kellern sich überzeugt hat. Licht, ein gewisser Wärmegrad und die Zeit ruft die Keime hervor. Werden die Kartoffeln täglich umgewendet, bil­det sich kein Keim aus. In großen Meiereien wird dieses durch das tägliche Umschaufeln erreicht, in Haushaltungen ge­nügen zwei Kasten, wo der gefüllte in den danebenstehenden leeren täglich umgeschüttet wird. Die Kartoffeln bieten dann der Einwirkung des Lichtes täglich eine andere Fläche dar, wo­durch das Keimen aufgehalten wird und die Kartoffeln lange Zeit gut bleiben,

Mannichfaltigkeiten.

(Frankfurt a. M.) Am 6. d. M. gab Hr. Professor bler im Schauspielhause seine zweite, wieder zahlreich be­suchte und sehr beifällig aufgenommene Darstellung. Er brachte andere, aber nicht minder unterhaltende und anziehende Piecen als das erste Mal. Besonders überraschte die Anzündung sämmtlicher zur Bühnenerleuchtung bestimmter Kerzen durch einm Pistolenschuß, die Verwandlung einer Taube in ein Ka­ninchen , der Hexenkessel, in welchen gerupfte Tauben gebracht wurden, die alsdann als lebendige herausflogen, der magische Spiegel, die Flasche, in welche Taschentücher escamotirt wur­den, der bezauberte Kopf u. a. Die Vertheilung der vie­len lieblichen Döblersträußchen an die Anwesenden durfte nicht fehlen und bildete den beliebten Schlußeffekt. Diese dm Freun- den der Expetimental-Physik, Optik und Mechanik, wie dem schaulustigen Publikum anziehenden, mit Gewandtheit und Ge­schmack executirten und stets Neues bietenden Darstellungen haben demnach auch hier, wie in andem Städten ihre verdiente Anerkennung gefunden und mögm somit der weiteren freund- lichm Beachtung empfohlen seyn.