qFsbe k-nnte uns nicht zu Theil werden! Was uns durch papst- Me und hierarchische Eigenmächtigkeit widerrechtlich entzogen wmde, den Kelch, das empfangen wir symbolisch aus Eurer Hand, aus 'der Hand unserer evangelischen Brüder , als ein Zeichen der Liebe imd der religiösen Uebereinstimmung. Es ist eine der herrlichsten Früchte unserer kirchlichm Reform, daß der Katholik den Genossen anderer Confessionm nicht mehr feindlich gegenübcrsteht, daß die Scheidewand, welche Rom zwischen uns errichtete, gefallen, daß der Deutsche dem Deutschen durch keine fremde Priesterherrschast «ehr entfremdet wird. Wir danken Euch, Ihr lieben Nachbarn, Lür Das, was Ihr an uns gethan, von ganzer Seele; aber sucht dm Dank nicht in unsem Worten, wie auftichtig sie auch von 'dem Herzm strömen! Ihr findet ihn weit schöner in Eurer Thal selbst. Diese That wird fortleben, wenn wir längst nicht mehr auf der Erde wandeln; unsere Enkel werden sie einst noch preisen und sie wird ein ewiges Band der Freundschaft zwischen uns begründen. — Wer könnte der Ausübung und Verbreitung einer Religion mtgegm seyn, welche, gereinigt nur von den Schlacken einer finstern Zeit, aber von dem reinm Geiste ihres göttlichen Gründers wahrhaft durchdrungen, solche Früchte schon in dm erstm Keimen trägt? Schaut her, ihr Fürsten, auf diese Früchte! Seht, wie ein inniges Bruderband die deutschen Katholiken mit den Bekennern des evangelischen Glaubens, mit allen Menschen, in Liebe vereinigt, und gebt diesem Bündniß die Weihe, welche Gott ihm bereits gegeben und worauf sein Segen so unverkmnbar waltet!
4) Rede des deutsch-katholischen Geistlichen Joh. Keilmann nach Ueberreichung der Liebesgaben von Dberrad an die deutsch-katholische Gemeinde zu Offenbach.
Brüder und Schwestern! Geliebte alle! »Daran wird man erkennen, ob Ihr meine Jünger seyd, wenn Ihr Euch einander liebt", sagt Christus, und in der That, die Stunde scheint heran- gekommen, wo alle Menschen einmal Jünger Christi werden wollen in der Liebe, wo man aufhört, zu zanken und zu hadern über Worte, welche schon beinah 2000 Jahre ewig verschiedm aufgefaßt und von jeder Seite mit Kampf und Erbltterung geltend gemacht wurdm und noch jetzt es wohl werdm. Aber lassen wir »den Buchstaben, der tobtet", und wenden wir uns zum Geiste, damit wir in ihm ewig leben mögen! Seht, Geliebte! Tausende (und unter ihnm auch unsere Väter) mußten zur Grube niedersteigen, ohne daß sie dm Tag gesehen hätten, der jetzt über uns an- gebrochm ist; in tiefem Kummer brach ihr Herz und ihr sterben- des Auge fragte noch bange, ob denn nicht mdlich, vielleicht ihren Söhnen und Enkeln, ein Tag werdm sollte, wo nicht mehr die schwarze Zwietracht das Leben vergifte und verderbe, sondem wo Alle geeinigt seym in einem heiligm Glaubm durch die Liebe. Sehr empor! Der Tag ist angebrochm, »aber wirket auch, so lange es Tag ist, denn bald kommt die Nacht, wo Niemand mehr wir- km kann!" Wehe uns, wmn die günstige Stunde zu unserem Heile durch unsere Schuld verlorm geht!
Siehe, du junge Gemeinde, und staune, was der Herr Großes ast gethan hat! Siehe, daß die Pflanze, die du nährst und pflegest^ nicht zum wuchernden Unkraut, sondem zu einem Baume tzer schönstm Früchte wird! Siehe hier die edelste Fmcht deines RingE und Strebms! Die Bmderhand reicht dir dm Kelch mtgegmT^her dich labe und ermuthige nach langem Sttebm und vor nmer Trübsal! Ja, vergessen wir nicht, daß die Zeit der Prüfung noch nicht vorüber sey, sondem daß es wohl jetzt erst recht heiß werdm möchte im heiligen Kampfe! Aber vergessen wir
auch nicht, daß Tausende unserer Brüder uns zur Seite stehen, die ihre Hand zu demselben Kelche mit uns emporhebm, um den Kelch bis auf die Neige auch mit uns zu trinkm! Seht! die Bruderliebe läßt uns das Brod noch brechen vor dem letzten schweren Kampfe, und sie begrüßt schon den Säugling an der Wiege! — Und Ihr, Brüder und Freunde! auch im Glauben, weil ja in der Liebe, die nur Fmcht des Glaubens ist, Ihr bringt uns die schönen Zeichen inniger und ewiger Lebensgemeinschaft entgegen. Ihr wollt damit uns versichem, wie Ihr uns begleiten wollt zum heiligen Kampfe, von der Wiege bis zum Grabe, von da an, wo Hocherfteule, glückliche Eltem uns dem Kinderfteunde Christus, seiner Wahrheit und seiner Liebe, zur heiligm Taufe entgegentragen, bis dahin, wo das letzte Abendmahl uns gerüstet steht, nach dem wir leiden sollen, bis dahin, wo der ernste Todesengel uns auch den letzten bittem Tropfen aus dem Kelche des Lebens trinken heißt. Zum heiligen Kampf für unsere heilige Sache habt Ihr Euch an uns angeschlossen; vergeßt nicht dieses heiligm Bundes! Wachet mit uns, denn die große Stunde ist nahe! Wachet! und schlafet nicht wie die Jünger in Gethsemane, damit nicht auch Ihr von uns weicht und Anstoß an uns nehmet, wenn wir in strengem Gerichte und in ernster Prüfung stehen!
Du aber, Gott und Vater Aller! Siehe hier eine heilige Gemeinde, die jetzt unter sich eins werden will, wie einst Christus mit dir eins war, die dir Kind und Sohn seyn will, wie Christus dir Kind und Sohn war, durch die Liebe! Segne dein Volk! Erhalte uns in lebendiger Gemeinschaft, stärke uns in der Wahrheit, denn die Nacht sucht den Tag zu verdrängen und es will Abend bei uns werden. Wir Alle und Jeder fleht zu dir am Abende eines großm Tages: »Vater! die Stunde ist nahe. Verherrliche dein Kind, damit dein Kind auch dich verherrliche!"
Korrespondenz.
f Bad Homburg, 30. Sept.
Ich schreibe Ihnen meinen letzten Bericht über unfern Badeort, dessen Sommersaison nun zu Ende ist. Heute verläßt Uns unser Kurorchester, unsere schönen Orangenbäume sind schon dem geräumigen Orangeriehause überwiesen und immer stiller und einsamer wird eS hier. Dahin sind sie gezogen nach Ost und nach West die vielen Tausende, die während des Sommer- hier Leben und Heiterkeit verbreitet, und einsam und verödet liegen jetzt unsere schönen Gärten und Parkanlagen, der Herbst schreitet in schnellen Schritten über die Flur und der rauhe Nord weht über die Stoppelfelder. Die Zahl der Fremden belief sich nach der letzten ausgegebenen Kurliste bi- auf 5000 Kurgäste, dazu rechne man noch eine Zahl von 60,000 Passanten und man hat einen Begriff von dem regen Leben, das hier geherrscht. — Für die Dauer des Winter- sind übrigens aucy viele Wohnungen gemiethet, da die Salons und das Casino geöffnet bleiben. Mehrere unserer Säle werden für die nächste Saihn neu decorirt und vergrößert und so sehen wir denn mit Vertrauen dem künftigen Frühling entgegen, der wieder regeres Leben in unsere Mauern führen wird.
Theater-Anzeige.
Donnerstag, 2. Oct. Doctor Wespe, Lustspiel in 5 Abth., von R- Benedir.
Freitag, 3. Oct. Norm«, große Oper in 3 Abth., Musik von Bellini. (Gastrolle) Norm«: Mad. bei Carmen Montenegro, erste Sängerin des Theaters de la Scala in Mailand.
Redakteurr Z. L. H.ell.er. — Druck und Verlag »oo Heller und Rohm.