(salzhaltigen Luft) bestrichen werden, gesund sind, während die übri­gen alle von der Fäulniß ergriffen worden. Prideaux und Profes­sor Morren schlugen daher vor, die erkrankten Kartoffeln in eine Lauche einzutauchen, die in 24 Gallonen Wasser 54 Pfund unge­löschten Kalk, 1 1 4 Pfund Kupfervitriol, 7 Pfund Kochsalz aufgelös't enthält.

Es ist aber ganz unmöglich, daß drese atzende Flüssigkeit brs ins Innere dringen kann, um dort die Fäulniß aufzuhalten, abge­sehen davon, daß die so behandelten Kartoffeln nicht mehr zu ge­nießen sind und dieser Versuch höchstens bei den Saatkartoffeln zu entschuldigen ist.

Die zweite Methode ist in ihrem Erfolg gewiß und nachah- mungswerth. Dr. Varletz in Brüssel setzt die kranken Kartoffeln einige Minuten einer hohen Temperatur aus, wodurch das Weiter­schreiten der Krankheit abgeschnitten wird; er sagt hierüber im .Moniteur beige" : Ich ließ einen Ofen etwas weniger als 180° Fahrh. 65° Reaumur Heizen, brachte in selbigen kranke Kartof­feln, sowohl ganze als zerschnittene, um im Stande zu seyn, die getrockneten Scheiben mit den ganzen vergleichen zu können. Nach­dem selbige einige Minuten dem angegebenen Hitzgrade ausgesetzt gewesen waren, sickerte eine große Menge schwarzer Flüssigkeit aus den Kartoffeln aus, die einen Ekel erregenden Gestank verbreitete. Die verdorbene Substanz schred sich aus und die nicht zu sehr er­krankten Kartoffeln wurden wieder weiß; nur eine dünne braune Schicht blieb zurück, die sich leicht durch's Schälen entfernen ließ. Diese Schicht ist fest und läßt nichts in's Innere durchdringen; sie verliert gänzlich die Kraft, den noch vorhandenen gesunden Theil anzustecken. Um die Kartoffeln genügend zu trocknen, fand ich bei der angegebenen Temperatur 18 bis 22 Minuten lang genug; mach dieser Behandlung müssen sie an einem recht trocknen Orte aufbewahrt werden. Wir sind nicht im Stande, zu bestimmen, wie lange dieselben aufbewahrt werden können, auch dürfte noch die Frage zu erledigen seyn, ob die Kosten es erlauben, einen prak­tischen Nutzen daraus zu ziehen.

Benutzung der Kartoffeln, die dem Faulen nahe sind.

Um aus den bereits ganz verdorbenen noch Nutzen zu ziehen, wird in Suffolk und andern Theilen Englands aus diesen, fast ohne Kosten, die Stärke abgeschieden, die, zur Hälfte mit Mehl vermischt, noch nahrhaftes Brod gewährt und aus den Fasern Futter für die Schweine verspricht.

Die mikroskopische Untersuchung hat ergeben, daß bei der schon sehr weit vorgeschrittenen Verderbniß die Stärkemehl-Körner noch gesund sind. Die faule Jauche enthält Stickstoff, und entsteht durch Zersetzung des Klebers und Pflanzeneiwelßes im Knollen, die sich weiter verbreitet, das Zellgewebe ergreift und zur Fäulniß ausbricht; zuletzt erst beginnt dieser Zersetzungsprozeß in den Stär­kemehl-Körnern.

Der Werth der Kartoffel als Nahrungsmittel hängt ab von ihrem Stärkemehl- und Slickstoffgehalt; in den kranken Kartoffeln ist letzterer bereits zerstört; ersterer aber bleibt noch längere Zeit gesund, und kann auf eine leichte Art von den bereits verdorbenen Bestandtheilen als brauchbares Nahrungsmittel noch ausgeschieden werden. Von Professor Henslow und Prof. Becheley wurde ganz vortreffliche Stärke erhalten, die aus ganz verdorbenen Kar­toffeln ausgeschieden worden war. Ersterer fand, daß ein halbes Büschel gesunder Kartoffeln 4 Pfund 10 Unzen Stärke gab; die­selbe Menge verdorbener Kartoffeln lieferte nur 3 Pfund 1 Unze.

Bereitung der Kartoffelstärke aus verdorbenen Kartoffeln.

Die Knollen werden gewaschen, vom Sande gereinigt und zu einem Brei zermalmt, gleich wie die Aepfel zur Bereitung des Aepfelweins; was ohne große Kosten leicht geschehen kann. Die zerstampften Kartoffeln werden m einen Sack gethan, aus welchem

dann die brandige Jauche abfließt und die Pflanzenfaser nebst der Stärke zurückblrtbt. Der Brei wird dann gewaschen, was in einem Siebe oder neuen Sack geschehen kann; unter beständigem Umrüh­ren läßt man jetzt einen dünnen Strahl reinen Wassers durchfließen, und sammelt das Durchlaufende in einem darunter stehenden Gefäße. Das jetzt durchfließende Wasser ist milchweiß und enthält die Stärke, die Pflanzenfaser bleibt zurück, die jetzt, da sie gewaschen ist, doch aber einstweilen mit Vorsicht, als Futter für die Schweine benutzt werden kann. Nachdem das Wasser 10 Minuten lang mit der Stärke gestanden hat, wird es abgeschüttet, und auf dem Boden des Gefäßes befindet sich dann unreine Stärke, die unter beständi­gem Umrühren mit frischem Wasser gewaschen und dann zum Ab­setzen hingestM wird. Die am Boden befindliche Stärke ist dann rein und weiß, die obere Schicht aber dunkel gefärbt, und enthält noch einen Theil unreinen Fasergewebes; letzteres muß von der reinen Stärke entfernt werden, von welcher man das Wasser ab­laufen und sie trocknen läßt; dieses muß durch die Luft und nicht durch künstliche Wärme geschehen, welche, wenn unvorsichtig an­gewandt, die Srärke in Gummi umwandeln kann. Durch diese Behandlung kann aus Kartoffeln, die sonst zu nichts zu gebrauchen sind, gute Stärke gewonnen werden; es wird die Arbeit wesentlich abkürzen, wenn man das ganz Verfaulte vorher von den Kartof­feln ausschneidet, da es sonst beschwerlich ist, das braune Gewebe ganz von der weißen Stärke zu trennen.

Die Menge der Stärke wechselt bedeutend in den verschiedenen Kartoffelsorten; durchschnittlich geben 112 Pfund 18 Pfund guter Stärke; aber einige Arten geben bedeutend weniger. Die Menge der Stärke ist in diesem Jahre in den Kartoffeln wegen ihrem größeren Wassergehalt geringer als gewöhnlich.

Die Stärkegewinnung bietet den großen Vortheil der Sicher­heit des Erfolges, der leichten Arbeit, die selbst von Kindern ver­richtet werden kann, der leicht herbei zu schaffenden Geräthe; nur ist besondere Aufmerksamkeit darauf zu verwenden, daß das Wasser nur 10 Minuten höchstens über der Stärke stehen bleibt. Die stickstoffhaltigen Bestandtheile sind allerdings verloren, doch hat die Stärke noch bedeutenden Werth.

Am Schluffe ersehe ich, daß Professor Kaufmann zu Bonn vorschlägt, diesjährige Kartoffeln , um sie gut zu erhalten, in Sand aufzubewahren, indem derselbe besonderes Gewicht legt auf das Nichtaufnehmen der Feuchtigkeit durch die Kieselerde. Ich er­laube mir hier, aufmerksam zu machen, daß die Capillarität des Kieselfandes, beim Aufnehmen von Feuchtigkeit, vor den chemischen Eigenschaften der Kieselerde, zu berücksichtigen seyn dürfte; trockner Kieselsand wird im feuchten Keller eben so gut feucht, wie ander­wärts.

Frankfurt a. M. , 29. Sept. 1845.

Med. Dr. Bögner.

Mittheiluugen aus Offenbach.

(Schluß.)

3) Worte des deutsch-katholischen Kirchenvorste- herS Jos. Pirazzi an die Abgeordneten von Oberrad.

Verehrte Herren! Liebe Nachbarn und Freunde! Es ist ein chöner Augenblick, der uns eben vereinigt und das Herz fühlt sich davon gar mächtig ergriffen. Ihr seyd gekommen, uns ein Zeichen zu bringen Eurer thatkräfltgen Liebe, Eurer innigen Zuneigung und Sympathie für uns und unsere Sache. Ihr wähltet dazu einen Gegenstand, der mehr als jeder andere geeignet ist, diese Gefühle auszudrücken. Ihr bringt uns die Gefäße des h. Abend­mahls, welches unser Herland zu seinem Gedächtniß einsetzte und wodurch die Liebe unter feinen Bekennern stets lebendig erhalten werden soll. Wahrlich, eine sinnigere, edlere, bedeutungsvollere