17
dasselbe bei dem Mangel an durchgreifender Theilnahme vorerst blos Projekt bleiben muß, das ist dem Einsender dieser Zeilen bis jetzt noch ungewiß. Letzteres scheint jedoch beinahe befürchtet werden zu müssen.*) Denn in einer von dem hiesigen geographischen Verein im Jahre 1841 veranstalteten Versammlung von hiesigen Schulmännern und Freunden der Erdkunde blieb, ungeachtet sich von vielen Seiten das. lebhafteste Interesse für die Sache aussprach, die Theilnahme nur negativ, indem man sich auf die Hervorhebung von mancherlei Hindernissen und Schwierigkeiten beschränkte, und sich nicht, im Vertrauen auf die erprobte Umsicht des Hrn. Ravenstein, thätig beteiligte. Mag aber auch das Projekt vorerst nur Projekt bleiben, so verdient doch das an sich interessante Factum in jedem Falle durch eine kurze Erwähnung in diesen Blättern der Zukunft aufbewahrt zu werden. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß das in Rede stehende Projekt früher oder- später in irgend einer Weise unter dem Einflüsse günstiger Umstände vielleicht anderwärts zur Ausführung kommen werde. . Ob. unsere freie Stadt alsdann nicht bedauern wird, die Priorität bei einer Sache von der Hand gewiesen zu haben, deren Realisirung ihr ohne Zweifel zum Ruhme gereichen würde — das wird die Zukunft lehren. Ob Grund zu einer solchen Befürchtung vorhanden ist, das mögen gewichtige Stimmen auswärtiger Schulmänner darthun. Zu diesen gehört, namentlich: Schulrath Otto Schulz in Berlin, Seminardirektor Diesterweg ebendaselbst, Schuldirektor Vogel in Leipzig und v>-. Joh. Gottfried Lüdde zu Magdeburg. Die Äußerungen derselben über das fragliche Projekt scheinen auch in so fern zur Aufbewahrung in diesen Blättern geeignet, als sie Herrn Ravenstein das ehrenvolle Zeugniß ausftellen, daß sein Plan nicht in die Kathegorie sinnloser Projekte gehöre, sondern die Aufmerksamkeit und Theilnahme ausgezeichneter Schulmänner erregt habe.
Otto Schulz schreibt in dem Schulblatte für die Provinz Brandenburg:
»Der durch mehrere schätzbare Arbeiten rühmtichst bekannte Geograph A. Ravenstein zu Frankfurt a. M. beabsichtigt die Herstellung eines neuen geographischen Lehrmittels, eines in angemessener Größe auszuführcnden Reliefs von Deutschland, und hat die Redaktion ersucht, sein Unternehmen auf geeignete Weise zu fördern. Mit Vergnügen läßt die Redaktion den von Herrn Ravenstein entworfenen Prospektus nebst dessen Beilagen abdruckcn, und empfiehlt das Unternehmen der Aufmerksamkeit aller Schulfreunde.«
In der von Vogel redigirten allgemeinen Schulzeitung heißt es:
»Mit wahrem Vergnügen bietet die Redaktion der A. S. Z. die Hand, zur Förderung eines Unternehmens mitzuwirken, welches in jeder Hinsicht die Aufmerksamkeit eines jeden Lehrers der wissenschaftlichen Erdkunde in hohem Grade verdient, und zwar um so mehr, als der Name des Unternehmers ein tüchtiges Werk hoffen läßt. —
-Vereint euch, ihr wackern Lehrer deutscher Gauen, und helft
ein Werk in's Leben rufen, das der Vatcrlandskundc so recht eigentlich geweiht ist, der Schule zum Nutzen und euch selbst zur Ehre.«
Diester weg äußert in den rheinischen Blättern:
*) Es wäre dies wohl sehr zu bedauern. Zur Ehre unserer Vaterstadt ist es zu wünschen, daß dies gemeinnützige Unternehmen des Hrn. Ravenstein durch eine rege Theilnahme des hiesigen Publikums verwirklicht werde. D. Red.
»Ein solches Relief, wie Herr Ravenstein es beabsichtiget, will etwas mehr bedeuten, als eine Landkarte. Durch ein solches lernt der Schüler (auch der Lehrer) die Landkarten verstehen; was er an Einem erschaut, trägt er auf alle andere über, ja er lernt die Wirklichkeit kennen; nicht das Traditionelle, sondern das Vorhandene, Wahre, das ihn umgiebt, tagtäglich auf ihn wirkt und auf das er zurück wirken soll. Nicht jede Schule kann ein solches Kunstwerk besitzen; aber an ihm kann jeder einzelne Lehrer lernen, von seiner Gegend eins anzufertigen. In einer Stadt, wie Berlin, sollte ein Ravensteinffches Relief Deutschlands nicht fehlen; hoffentlich bringt die projektirte Unternehmung die Veranlassung zur Anschaffung eines solchen; die Lehrer anderer Städte sollten sich aber auch bei der
Sache betheiligen. — --Wer es vermag, versäume cs nicht.
Gern bin ich bereit, Sendungen an Herrn Ravenstein zu übernehmen.«
Und.Or. Joh. Gottfr. L üdde in Magdeburg sagt in der von ihm redigirten Zeitschrift für vergleichende Erdkunde:
»In wahrer Äntheilnahme an dem Endzwecke dieses ächt vaterländischen Werkes habe ich die vorstehende Mittheilung an diesem Orte gemacht und nichts ist mehr zu wünschen, als daß sich die Anzahl der Interessenten stark vermehren möge; denn begreiflich kann ein so großes Vorhaben, dem ähnlich bisher kein anderes, meines Wissens, in Vorschlag gebracht worden ist, nur durch allgemeinere und sichere Unterstützung zu Stande gebracht werden. Daß es zu Stande komme, das wünschen gewiß die sorgsamen und einsichtigen Schuldirektoren und Lehrer der Erdkunde, gleichwie alle Jugendfreunde; denn als ausgemacht dürfen wir annehmen, daß es kein vortrefflicheres Hülfsmittel für den anschaulichen Unterricht in der Erde geben könne, als Reliefs in großem Maasstabe, in welchen sich das Verhaltniß der Verticalität zur Horizontalität augenfällig und der Wahrheit entsprechender ausdrückt. Sowohl in den Elementar- als höheren Gymnasial-Klassen werden vermittelst jener die Schüler in den Stand gesetzt, ein eigentliches Bild eines Landes oder Landesabschnittcs zu entnehmen, und jeder Schüler kann darin nach Maasgabe seines scientifischen Standpunktes lesen. Selbst das gebildete Publikum würde in den fraglichen Städten der Ausstellung des Reliefs vielfache Belehrungen, Aufschlüsse und einen hohen Genuß
bei demselben empfangen-. Die zu ermöglichende Richtigkeit
und Schönheit der Arbeit darf man ohnehin, da sie in den geschickten Händen des kenntnisreichen Herrn Ravenstein gelegen (wie das schon die Herren: Rector l)r. Vömel, Direktor Bag ge, Herm. v. Meyer und Jng.-Hauptm. v. Xylander zu Frankfurt a M.. bekräftiget habe»), mit Zuversicht erwarten.-Ucber den Fort
gang des Unternehmens werde ich seiner Zeit weitere Nachricht geben, und hoffentlich, zur Freude der Schulmänner Deutschlands, diejenige wünschenswerthe, daß sich Hr. Ravenstein in Mitten seiner plastischen Arbeitsthätigkeit befindet und bald seiner Hände Werk die Wanderschaft von der Mosel bis zur Weichsel antritt. und Jung und Alt die herrlichen Gauen vor Augen stellt, welche die großen Wohnungen von lauter Brüdern sind. Wie würden sich solcher Nachricht gefreut haben die seligen Beide, der warme, in der Erde von Jben- hayn ruhende, Vatcrlandsfreund und der innige Menschenfreund, der auf dem Birfelde schläft: Gutsmuths und Pestalozzi!«
Das Museum.
Das Institut, was unter dem Namen „Museum" sich schon seit Decennien, wenn auch nicht mit gleichem Erfolg und Zweck, doch immer in einem gewissen Flor zu erhalten wußte, ist schon vielfach Gegenstand öffentlicher Besprechung gewesen; allein diese bezog sich meist, wenigstens in hiesigen Blättern, nur auf die Leistungen der Vortragenden, die öfter gelobt, als geradelt wurden, fast niemals aber auf die Verwaltung.
Als Privat-Institut, welches durch Beiträge seiner Mitglieder besteht, ist das Museum wahrscheinlich auf gewisse