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ihm sind wenigstens 30 Karten zwischen 1700 bis 1706 vorhanden; man hatte eine der mittleren Zeit gewählt, die reich an, auf die angeblichen Besitzungen bezüglichen, Details war, wie auch darauf geschrieben stand: „Damit Alle bei Ansicht dieser Karte unserer Besitzungen in Amerika sich einen Begriff machen können über das weite Gebiet, das vom König von England einem Unterthan überlassen worden war." Unglücklicherweise ist aber besagte Karte nicht von 1703, wie sie auf dem Titel trägt; es war den Fälschern entgangen, daß das Exemplar nach den Worten »Re Lisle, de l’Academie royale, des Sciences« die Worte noch hatte »Premier geograjphe du Roy.« Diese Stelle erhielt de Liste erst den 24. August 1718, wie das noch vorhandene Patent zeigt. Sie haben ferner nicht gesehen, daß nach dem Namen de Liste ein leerer Raum ist, der 1703 mit den Worten geographe ausgefüllt war; sie haben ferner nicht bemerkt, daß die Zeile Premier geograpbe du Roi zwischen die obere und folgende eingeklemmt ist, woraus die Einschiebung deutlich ist; sie haben nicht die Veränderung seiner Adresse bemerkt, so wie sie das Datum des Patentes nicht kannten; endlich wußten sie nicht, daß es Karten von Canada giebt, welche wirklich 1703 gedruckt worden sind, und welche sie mit größerer Sicherheit hätten benutzen können. t
Sobald de Lisle zum Premier geograplie du roi ernannt war, ließ er diese Worte beinahe allen seinen Karten beifügen, was ohne Vorsicht, oft sogar mit Nachlässigkeit geschah. Nur auf der Karte vom Hainaut und Namur, 1706, ist der Titel vollständig und regelmäßig, weil man vier Linien ganz weggeschabt hatte; doch sieht man auch hier noch den Zusatz.
Um diese Unterschiede zu finden, mußte man alle Karten und die Geschichte des Künstlers vergleichen, was nicht ohne Schwierigkeit war.
Bei Vergleichung der zwei Ausgaben der Karten von Eanada würde man im Stich, im Lauf der Flüsse, in den Grenzen, in dem Namen der Orte u. s. w. vielleicht noch sonstige Unterschiede finden.
Aus allem geht hervor, daß der Zufall die Fälscher schlecht bediente, daß aber, wenn sie auf eine im Jahr 1703 gedruckte Karte von Canada gefallen wären, der Beweis der Fälschung schwer hätte hergestellt werden können.
In Bezug auf die Literatur der Reisen, Geschichte der Erdkunde und europäische Bestrebungen im Allgemeinen verweise ich auf das in unserer Bibliothek befindliche, mit großer Kenntniß geschriebene, neue kritische Werk unseres verehrten correspondirenden Mitgliedes, womit der Verfasser uns beschenkt hat: Dr. Lüdde, die Geschichte der Erdkunde, eine Abhandlung über ihr Wesen und ihre Literatur. Berlin, 1840.
Charakteristik des Malers Joh. Peter Vogel aus Frankfurt a. M.
(Schluß.)
Das treueste Bild seines Lebens und Treibens in dieser Zeit geben seine Briefe an seine Freunde, nicht zur Ver
öffentlichung, am wenigsten von dem Verfasser selbst, bestimmt. Aus ihnen nehmen wir daher nur einige Stellen, die, ohne im Geringsten auf Neuheit der Gedanken oder Vollkommenheit derselben Anspruch zu machen, der wohlwollenden Gesinnung des Freundes empfohlen seyn sollen:
1833, den 23. Jan.: »Von meinen Fortschritten möchte ich dir gern etwas erzählen; aber leider sind sie so unbedeutend, daß wenig oder gar nichts davon zu sagen ist. Ich bemerke dir daher darüber nur, daß ich nun glaube auf dem rechten Weg zu seyn, und deßhalb hoffen darf, es doch noch zu etwas zu bringen. Nur als frisch drauf los!«
1833, den 26. Febr.: »Gegenstände meiner Composition sind die schon mehr erwähnten Nemento mori. Ich zeige darin, wie der Tod sich dem Einen sanft, dem Andern gräßlich, rettend oder hülf- reich zeigt; und beabsichtige, solche unter dem Titel »Erinnerungen an den Tod« herauszugeben. Außer diesem habe ich noch andere Sachen aus der Geschichte componirt, welche sich mehr zum Bilde eignen. Nun willst du wissen, in wie fern ich glaube, auf dem rechten Wege zu seyn, und da sage ich dann, daß bei einem Bilde, abgesehen von der Composition, bei welcher der Gedanke die Hauptsache ist, Viel, ja ich möchte sagen, Alles, von der Ausführung abhängt. Diese kann aber nur vollkommen seyn, wenn der Künstler sich ftren^ an die Natur hält und diese so naiv, oder wenn ich mich so ausdrücken darf, so unschuldig, als möglich, auffaßt: d. h., wenn man an seinen Arbeiten weder das Studium der Antike, noch die Bildung nach diesem oder jenem Meister erkennt. Ich will damit jedoch nicht sagen, daß wir unsere Vorgänger unbenutzt lassen sollen, sondern im Gegen- theil, wir sollen bei ihnen in die Schule gehen, um das Technische von ihnen zu lernen; aber nur dürfen wir nicht glauben, die Natur nach der Antike oder sonst etwas verschönern zu können. Nun verlangt aber die Auffassung der Natur nicht allein ein tiefes Studium derselben, sondern die geistige, ja die körperliche Bildung und der Charücter des Künstlers haben den wesentlichsten Einfluß darauf. Dieses glaube ich am Besten mit einem Beispiele erklären zu können. Du lässest z. B. durch 6 Künstler, die hinsichtlich ihrer Fertigkeit vollkommen gleich sind, einen Kopf malen. Jeder kann denselben sprechend ähnlich machen, aber doch wird es nicht schwer seyn , den einen von den! andern zu unterscheiden, und gewiß wird derjenige, bei welchem sich körperliche Schönheit, Geist, Bildung und Redlichkeit vereinigt finden, auch deinen ungetheilten Beifall erhalten.. So kam es, daß Rambrand, trotz seinem eminenten Talent, meistens ohne Wahl plumpe, gemeine Kerls machte und Raphael seine Göttergestalten schuf. Und so hoffe denn auch ich, daß es mir bei meinem redlichen Streben und festen Sinn gelingen wird, mein kleines Talent in irgend einem Zweige der Kunst über das Mittelmäßige zu erheben.«
1834, den 10. August. »Die Darstellungen aus der Bibel, welche die nächsten Beziehungen auf unser Leben und unsere Religion haben, betrachte ich als die höchsten. Um mich noch deutlicher hierüber zu erklären, komme ich unwillkürlich auf eine Composition von Overbeck, die du ohne Zweifel auch kennst. Es ist nemlich ein kleiner Christus, der das Zimmer kehrt, mit der Unterschrift: »Selbst dem Geringsten unterzog er sich.« Sehen wir nun, daß der, dem Kaiser und Könige sich beugten, vor dem ganze Weltthcile knieten, den uns die Kirche als Gottes Sohn darstellt, dieses that; wie viel weniger haben wir uns zu beklagen, wenn wir angewiesen sind, uns in einem niedern Kreise zu bewegen, und wie tröstend erscheint es uns, wenn Andere mit Verachtung auf uns herabblicken. So liegen noch viele schöne und große Motive in der Religion, durch deren Darstellung der Künstler belehrend und tröstend auf das Volk wirkt, was ich denn überhaupt für den eigentlichen Zweck der Kunst betrachte. So ist z. B. die Mutter mit ihrem Sohn als Sinnbild der christlichen Liebe und die Auferstehung mit das Größte, was der Mensch fähig ist, zu denken, und eben so bildet die Passionsgeschichte nicht Passions- sondern Trostblumen. Doch verachte ich keineswegs dre übrigen großen Motive der Geschichte, sondern schätze sie im Gegen- theil sehr hoch und der Darstellung werth.. Auch sonstige Sachen, als Cabinetsstückchen, Karricaturen rc. liebe ich, wenn sie gut gemacht