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Der schnellste und wenigst beschwerliche Weg zur Verbindung zwischen Europa und Ostindien durch Egypten wurde besonders durch den Engländer Waghorn gangbar gemacht. In Cairo hat derselbe einen schönen großen Gasthof im europäischen Geschmack erbaut, wo man die beste Bewirthung für 100 Personen und die neuesten französischen, englischen und oftindischen Blätter findet. Alle Monat geht ein Dampfschiff von England direct nach Alexandrien ab, das im Vorbeifahren in Malta landet, und eins zu gleicher Zeit von Bombay dem rochen Meere hinauf nach Suez. Beide brauchen circa 14 Tage zur Ueberfahrt, so daß man jetzt in 4 bis 5 Wochen von England nach Ostindien gelangt.
Aus Südamerika haben wir durch den rastlosen und bescheidenen deutschen Reisenden Schomburgk (aus Thüringen stammend), der drei Jahre lang das brittische Guiana durchreiste, und den wir das Vergnügen haben, zu unserem correspondirenden Mitglieds zu zählen, und im Dezember 1840 bei uns in Frankfurt zu sehen, höchst interessante Aufschlüsse erhalten; daher ihm auch im ver- wichenen Jahre von Seiten der geographischen Gesellschaft in London die goldene Verdienstmedaille ward. Im Dienste der englischen Regierung hat derselbe eine neue Reise dorthin in Begleitung seines Bruders unternommen und befindet sich rn diesem Augenblick wieder im Inneren jenes Landes. Die Ergebnisse seiner ersten Reise sind in einem bei Ackermann in London erschienenen Werke niedergelegt. Unsere Bibliothek besitzt seine Reifebeschreibung ohne die colorirten Prachtkupfer. Zur Verbindung mit Südamerika und Westindien gehen mit Anfang des Jahres 1842, 14 große Dampfschiffe von England ab, um einen regelmäßigen Dienst zwischen jenen Ländern und England zu beginnen. Der Sammelplatz dieser Dampfschiffe ist, die Bucht von Southhampton (bei Portsmouth), woselbst bereits der größere Theil zum Abgehen bereit liegt, und eins oder zwei davon auch schon ausgelaufen sind.
Ueber die wachsende deutsche Colonie in Brasilien, Sao Leopolde, am Rio dos Sinos, brachte uns neulich die Augsb. Allg. Zeitung vom 6. Nov. 1841 eine interessante Mitt-Heilung. Der Verfasser drückt darin den Wunsch aus, zu erfahren, wie und wann diese Colonie, die von so großer Wichtigkeit zu werden verspricht und im Jahr 1834 schon über 8000 Köpfe zählte, gestiftet wurde?
Wir sind im Stande, genaue Auskunft darüber zu er- theilen, da solche von unserem wackeren Landsmanne Wilhelm Freyreiß, aus hiesiger Stadt gebürtig, der 10 Jahre lang Brasilien bereiste, und dem unsere Senckenber- gische naturforschende Gesellschaft eine reiche Sammlung brasilianischer Vögel, Insekten und Säugethiere verdankt, im Jahr 1819 begründet wurde.
Unter dem 12. Sept. 1818 schrieb nämlich derselbe an den verstorbenen Ornithologen Hofrath Meyer in Offenbach aus Bahia:
>-Die Einlage giebt Ihnen eine genauere Ansicht eines Unternehmens-, zu dem ich im Begriff stehe, mit Hülfe meiner Freunde, des Baron von dem Busch und des Herrn Payke, Kaufmann aus Hamburg, o'ew. Grund zu legen. Wir werden einige Tagreisen von Bahia, am Flussr Pernipe, 8 Meilen vom Meere, einen bedeutenden
Strich Landes von der Regierung erhalten. Mehrere Landsleute, die bereits an derselben Stelle sich niedergelassen haben, besonders aber die Güte des Bodens und die günstige Lage, bestimmten unsere Wahl.
Wir versprechen jedem Landsmanne, der sich entschließt, unsere Colonie zu vergrößern, 50 Morgen Landes unentgeltich und für das erste Jahr die nothweiidigsten Bedürfnisse. Wir sind überzeugt, daß deutschem Fleiße in dem fruchtbaren Brasilien herrlicheFrüchte warten. Wir werden es gerne'sehen, wenn sich ganze Familien bei uns niederlassen; sie sollen Deutschlands Sprache und deutsche Herzen hier wiedersinden, und wir werden für die Wohlfahrt jedes Colonisten, wie für unsere eigene, sorgen. Von jedem auf eigene Kosten kommenden deutschen Colonisten, von welchem Glaubensbekenntniß er seyn mag, fordern wir einen sittlichen Lebenswandel und stillen Fleiß, damit die Colonie des Allerhöchsten Schutzes Jhro Kaiserlichen Hoheit der Erzherzogin Leopoldine würdig bleibe.«
Folgendes ist die abschriftliche Uebersetzung der allerhöchsten Verfügung in Betreff dieser Colonie:
»Zufolge Kaiser!. Verfügung vom 8. des laufenden Monates, expedirt durch das Büreau des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten und des Krieges, ist mir bekan'nt gemacht worden, daß, da Se. Maj. der König, unser Monarch, benachrichtigt worden, daß unter den besten Aussichten der Grund zu einer deutschen Colonie an den Ufern des Pernipe, im Distrikt der Villa Vicoza, gelegt worden sey, an deren Spitze der thätige Unternehmer Hr. Georg Wilhelm Freyreiß stehe, Se. Maj. nicht unterlassen können, hierüber Ihre hohe Zufriedenheit zu erkennen zu geben, und indem Se. Maj. dem Ansuchen und den Bitten der Colonisten Genüge zu leisten Allergnädigst geruhen, so haben Dieselben Allerhöchst erlaubt, daß um besagtes Land bei dem Senat der Villa Vicoza angesucht werde, oder auch, im Fall es nicht unter die Verwaltung der letztgenannten Villa komme, den Colonisten diejenige Hülfe zu leisten, welche selbige verlangen könnten, sich geradezu an die höhere Instanz zu wenden.
unterz.: Conde da Palma.
Zufolge der nämlichen Allerhöchsten Verfügung, die wir Ihnen ohne Zeitverkauf zusenden, machen Sie die besagten Colonisten und übrigen Bewohner des Pernipe bekannt, daß Se. Maj. geruht haben, besagte Colonie mit dem Namen Leopoldina zu belegen, und zugleich erlaubten, daß um das Nothwendige zur Beförderung dieser Colonie bei mir oder dem Befehlshaber dieser Capitanie angesucht werde.
Porto Seguro, 15. Juli 1819.
unterz.: Joäo Consalues dos Santos Ouvidor Interino.
Kraft der obengenannten Befehle machen wir Ihnen dieselben bekannt, damit Sie den übrigen Colonisten vorstehende Allerhöchste Bewilligung mittheilen.
Villa Vicoza, 31. Juli 1819.
unter;.: Der Senat der Villa Vicoza.
Dem Herrn G. W. Freyreiß.«
Als künftiger Beleg zur Geschichte deutscher Ansiedelungen möchte dieses Aktenstück nicht ohne Werth seyn, daher wir sehr wünschen, solches in einigen öffentlichen Blättern abgedruckt zu sehen. Wir setzen dabei voraus, daß diese Colonie gleichbedeutend mit der von Sao Leopolds ist, woran wohl kein Zweifel, da Porto Allegro ganz in der Nähe von Villa Vicoza liegt (nach der Generalkarte von Brasilien von Spix und Martius) und der frühere Name Leopoldina wahrscheinlich in den heutigen Sao Leopoldo verwandelt worden ist (aus der Kaijerstochter einen Heiligen).
Unter Rio dos Sinos, der auf genannter Karte nicht vorhanden, ist wohl der Pernipe, oder auch vielleicht ein Nebenfluß des Mucuri (an dessen Mündung Porto Allegro liegt), zu verstehen.