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in andern der leichteste Humor spielt, den man auch nur bei kindlich reinen Naturen antrifft: die heitere Feierlichkeit und den anmutigen Ernst der Mienen, wahrend der unschuldige Schalk im Herzen wohnt. Diese Züge zeichneten die Rcinick'schen Ge­dichte so aus, daß die Mufik und Zeichenkunst wetteiferten, sie in ihren Kreis zu führen, und wie vielseitig sein scheinbar ein­faches Talent war, zeigen die Randzeichnungen der Düsseldorfer Maler, mit denen sie seine Lieder ausstatteten. Meister wie Schrödter, Lessing und W. Schadow fanden in Reinick's Ge­dichten Stoffe, die ihren so verschieden gearteten Naturen gemäß wa­ren. Ihm war eS gegönnt wie wenigen Künstlern, bis zum Ende seiner Tage künstlerisch thätig zu sein. Gruppe's Almanach brachte noch zarte Liederspendcn auS seiner Feder. Kurz vor seinem Tode erschienble zweite vermehrte Miniaturausgabe feiner Lieder",* die vorzüglich der schönen Lesewelt empfohlen fein mag. Dem Rattenfänger von Hameln ähnlich erzählt er mitunter ebenso reizende wie kuriose Geschichten. Von diesen nur eine kleine Probe aus der eben erwähnten Miniaturausgabe:

Kuriose Geschichte.

Ich bin einmal etwas hinausspaziert,

Da ist mir ein närrisch Ding passirt:

Ich sah einen Jäger am WaldeShang,

Ritt auf und nieder den See entlang;

Viel Hirsche sprangen am Wege dicht;

Was that der Jäger? Er schoß sie nicht,

Er blies ein Lied in den Wald hinein

Nun sagt mir ihr Leut', was soll das sein?

Und als ich weiter bin fort spaziert,

Ist wieder ein närrisch Ding mir pasiirt:

In kleinem Kahn eine Fischerin Fuhr stets am WaldcShange dahin;

Rings sprangen die Fischletn im Abcndlicht;

Was that das Mädchen? Sie fing fie nicht,

Sie sang ein Lied in den Wald hinein

Nun sagt mir, ihr Leut', was soll das sein?

Und als ich wieder zurück svaziert,

Da ist mir das närrischste Ding passirt:

Ein leeres Pferd mir entgegenkam,

Im See ein leerer Nachen schwamm;

Und als ich ging an den Erlen vorbei,

Was hört' ich drinnen? Da flüsterten zwei,

Und 'S war schon spät und Mondenschein

Nun sagt mir, ihr Leut', was soll daS sein?

Aber auch manches ernste Mahn-, Mut- und Trostwort hat er gesungen, insbesondere in seiner LiederabtheilungStimmun­gen und Gestalten". Wie schön, wenn er in derMorgenfeier" sagt:

In der Hütt' und auf dem Felde,

Jedem ward rin Platz zu Theil,

Drauf er wirke, treu und redlich,

Zu der Menschheit Glück und Heil.

Auf denn meine Seel' und schwinge Hoch dich auf inS Morgcnlicht!

Lerchen singen dir zu Füßen,

Engel ob dem Angesicht;

* Lieder von Robert Rcinick, Maler. Zweite vermehrte Miniaturaus­gabe. Berlin, Verlag von Ernst und Korn. 1850. D. Red.

Stimm' mir ein in ihre Chore,

Stimm' mit ein in ihr Gebet,

Und dann schweb' erstarkt hernieder An den Platz, den du erspäht'

Und nun ist in ihm wieder eine der lieblichsten Nachtigallen im deutschen Sängerhainc verstummt; auch von ihr gelten die Verse des alten Dichters:

Du auch ruhst umschattet von ewiger Still in der Erde.

Aber derz Nymscn gefällt'S, daß der Frosch nie ermüde zu singen, Zwar nicht hör' ich mit Neid; denn er fingt nicht reizende Lieder.

Milde Winter.

Mitgcthcilt von Dr. B.

Der Winter 1851/52, dessen Ende erst mit Frühlingsan­fang den 23. März zu erwarten steht, hat sich bet unS bisher durch geringe Kälte einiger Tage ausgezeichnet. Während von Amerika berichtet wird, daß fett achtzehn Jahren dort eine so strenge Kälte nicht beobachtet worden, in der Schweiz im No­vember Menschen erfroren, Spanten und daS südliche Frankreich tiefen Schnee beklagen mußten, wurde Deutschland von Neber- schwemmungen heimgesucht. Eine Zusammenstellung gelinder Winter und der darauf gefolgten Witterung dürfte willkommen sein. Obgleich die Betrachtung des Witterungsganges keinen Schluß auf die Beschaffenheit des kommenden Sommers begründen kann, da sprichwörtlich nichts veränderlicher als das Wetter ist, wer­den wir im Folgenden, um Wtßbegierde zu befriedigen, eine solche Zusammenstellung versuchen, zuvor bemerkend, daß vor Erfindung der Thermometer, in der Mitte deS siebzehnten Jahrhunderts, die Kälte sowol wie die Wärme nur nach Vorgängen in der Natur angegeben wurden. So wird in den Chroniken von 1322 einer großen Kälte erwähnt, wodurch in Frankreich den Hähnen die Kämme erfroren; 1685 gab eS eine so heftige Kälte, daß der kühne Karl Gustav, König von Schweden, mit seiner Armee von Schweden über daS zugefrorne Meer nach Seeland ging. Milde Winter wurden durch frühes Treiben und Blühen im Pflanzenreich bestimmt. ist hier nicht der Ort, daS Fallen und Steigen der Temperatur nach Graden sowie die Wirkung milder Winter auf Gesundheit anzugeben, waS in eine Zeit­schrift für Meteorologie gehört: wir beginnen daher mit dem Winter 1122/23.

Dieser Winter war fo mild, daß niemals Schnee fiel; dcm- ungeachtet war im darauf folgenden Sommer Hagel nicht sel­ten, der dem Getreide sehr schadete.

Im Jahr 1140 war eS umS neue Jahr schon so schön und warm, daß die Bäume anfingen zu blühen. Wein und Getreide blüten zeitlich. Im Mat fing man an zu ernten und im Au­gust hatte man schon neuen Most; es war an Frucht und Wein ein recht gesegnetes Jahr.

Der Winter deS Jahres 1186 war unerhört mild; im Ja­nuar blüten die Bäume, im Februar hatten schon die Baum­früchte eine Größe von Haselnüssen oder Vogeletern angesetzt. Im Mat war Ernte und im August Herbst. Doch gab es am 30. Januar an mehren Orten Frankreichs ein heftiges Hagel­wetter; bei einem starken Südostwind fielen Schloffen wie Hühnereier und richteten große Verheerungen an.

Der Winter 1247 48 war so äußerst gelind, daß man Sommerkleider trug; vom März bis April war es dagegen