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1272/73 waren eS größtentheilS Ueberschwemmungen, welche daS Gedeihen der Früchte hinderten, wodurch die Theuerung immer mehr zunahm. UebrigenS war die Luft mild; vom 19. August bis zum 13. Januar war eS io trüb und neblicht, daß man selten Sonne und Mond sah. Der nun folgende Winter zeichnete sich ebenso durch seine Gelindigkeit aus; die Verlegenheit wegen der Nahrung war aufs höchste gestiegen, besonders in Oesterreich, Böhmen, Mähren und Ungarn, bis eine überaus ergiebige Ernte und ein ebenso gesegneter Herbst dem Jammer ein Ende machte.
Im Jahr 1289 war der Winter so warm, daß nicht ein einziger Schnee fiel. Um Weihnachten grünten die Baume. Im Februar waren die Erdbeeren reif. Die Hühner und Vögel brüteten Junge auS. Im April bluten die Trauben; im Mai aber schneite es erst und eS ward so kalt, daß Wein und Obst erfroren. Da es aber noch früh im Jahr war, ist alles wie» derum auSgeschlagen und an Wein und Frucht ein ziemlicher Ueberfluß gewachsen und ist sehr wolseil worden; denn ein Scheffel oder zwei Simmern Spelz galten 10 Pfennige, ein Scheffel Roggen 12 Pfennige, ein Scheffel Hafer 8 Pfennige, ein württemberger Eimer Wein 11 Kreuzer, eine alte Henne 3 und 12 Eier einen Pfennig.
Im Jahr 1328 haben die Reben im April geblüt und hat man um Johanni zeitige Trauben gehabt.
Im Jahr 1331/32 war ein beständiger Regen im Julius den Saaten sehr verderblich; der Waizen ging meist zu Grund und eS gab fast keinen Wein. AufCypern regnete es 28 Tage und Nächte lang; eS kamen in Italien 1000, auf Cypern 8000 Menschen durch Ueberschwemmung um. Obgleich es am 29. November auf einmal so kalt wurde, daß Menschen und Pferde es nicht mehr im Lager aushalten konnten, so wurde es doch im Verlauf deS Winters so mild, daß die Bauern selbst in Böhmen während deS Winters ackerten. In Irland herrschte MißwachS; dagegen hatte man in Dublin einen Ueberfiuß an Fischen, die man seit Menschengedenken nicht daselbst gesehen hatte und ThurlheadS nannte.
Im Jahr 1310 war ein warmer Winter und darauf ein sehr heißer Sommer. Es wuchs ein köstlicher Wein.
Der Winter des Jahres 1383 war so mild, daß man ihn für keinen Winter gelten lassen konnte. Fast ähnlich verhielt es sich im Jahr 1381. Es war zu Anfang des Winters sehr kalt, aber gegen die Fasten hin wurde eS warm und blieb so mild, daß Wein und Korn schon am 1. Mai bluten.
Der Winter 1109/10 war sehr gelind. In Böhmen ackerte und säete man im Januar.
Im Jahr 1120 war ein sehr warmer Winter, welcher alles früh Heraustrieb. Im Anfang des April blüten die Rosen; auch fand man in diesem Monat zeitige Kirschen und Erdbeeren. Im Anfang des Mai waren die Trauben ziemlich groß. Um Pfingsten sammelte man die Ernte und um Bartholomäi den Herbst ein.
1426/27. Auf einen überaus heißen Sommer folgte ein äußerst gelinder Winter, im December blüten die Bäume und die Felder waren voll Blumen. Zu Augsburg herrschte nun im Jahr 1427 die äußerste Wolfeilheit.
Der Winter des Jahres 1609 war so warm, daß man um Fastnacht schon zeitige Erdbeeren fand; es kam aber bald darauf wiederum ein harter Frost.
Im Anfang deS Jahres 1625 wüteten Sturmwinde sehr heftig; dann gab es Ende Januar ungewöhnliche Hitze, so daß die Blumen, die im März und April zu blühen pflegen, schon in di sem Monat Blumen brachten und die Mandel- und andere
Bäume blüten. Im Februar aber folgte abermals große Kälte, wodurch alles erfror. Der Sommer war windig und kalt, besonders war es im Juni an einigen Orten viel kalter als fast im Februar. In Hessen, in der Wetterau und auf dem Westerwald fiel um Pfingsten, da das Korn blute, ein starker, den Bäumen und Früchten sehr schädlicher Schnee. Um Heidelberg und am Neckar schneite eS zwar nicht, eS regnete aber stark und war sehr kalt.
1494 blüten im Januar die Bäume und ward es im Mai so warm und trocken, daß am Ende desselben die Feldfrüchte reiften.
1822. Januar gelind, Thermometer kaum unter dem Gefrierpunkt; Februar mild, März einigemal wieder Gefrierpunkt; Frühling sommerhast, erstaunliche Blütenfülle. Vom Mai bis Ende Oktober stets milde Wärme, trocken; das Getreide im Juli reif. In acht Monaten fast kein Regen, niedriger Wasserstand. Seltener Reichtum an Baumfrüchien. Bis Ende Oktober schön.
Tabletten.
Die Spanier nennen ihren Schnurrbart „bigote". Die Echymologie deS Wortes leitet uns auf den Schwur: „Bei Gott!" zurück, welchen die deutschen Haudegen, von denen sich Karl V. über die Pyrenäen begleiten ließ, stets in dem von borstigen Haaren bewaldeten Munde führten. „Hombre de mucho bigote" (ein Mann von viel Schnurrbart) bedeutet sprichwörtlich einen Menschen von großen Ansprüchen, einen schmucken, freigebigen Gesellen, kurz jemand, der alles ist, nur nicht bigote bei Wein und Frauen und in der Theologie. Die Schnurrbärte, welche der lebensvolle Pinsel von VelaSquez unsterblich gemacht, hießen: „bigote« ä Ja Fernandina". Ihr rasches Wachstum ward dem unablässigen Rauch feindlicher Kanonen zugeschrieben. Den kleinen Knebelbart auf der Unterlippe nannte man „ei perillo" (das Händlern). Als der berühmte Herzog v. Alba sich in Geldnöten befand, bot er einen seiner „bigote«" als Pfand für ein Anlehen und diese Dürg- chaft genügte den Rothschilds von damals. Wieviel würden die seutigen auf einen Schnurrbart von Narvaez oder Espartero horgen ?
*** Eine Gouvernante, erzählt Miss Mitford in ihren „Erinnerungen", las eines TagS in Sir Philipp Sidney'S „Ar- cadia", als sie zwischen zwei Blättern in ein Papier, daS durch Alter ebenso vergilbt war als die gedruckten Seiten des Buches, zwischen welchen es lag, eine Haarlocke eingeschlagen fand. Auf die Enveloppe selbst hatte Sir Philipp Sidney eigenhändig ein paar Zeilen geschrieben, welche besagten, daß daö Haar von der Königin Elisabet sei. KeinS von der Familie hatte je von diesem Schatz gehört, mithin hatte das alte Buch, welches der Verfasser nicht nur seiner geliebten Schwester gewidmet, sondern auch durch die ebenfalls von seiner Hand herrührcnde Aufschrift als deren Eigentum bezeichnet hatte, zwei Jahrhunderte hindurch in der Bibliothek der Nachkommen Sidney'S geruht, ohne daß einer derselben sich die Mühe genommen, dasselbe zu öffnen!
Frankfurt, den 28. Februar.
Nachdem der Pianist Herr August Dupont auS Belgien, besten Ankunst wir vor einigen Tagen angczetgt haben, gestern Abend sich tm Museum hat hören lassen, wird er nächsten Montag, den 1. März, km Saal der Loge Sokrates ein Concert geben. Wir empfehlen dasselbe den Musikfreunden und verweisen des Näheren auf das Programm.
Druck von August O st er r leih.