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Sollte nicht bei diesem Thatbestand und bei der Aufgabe, welche unsere Zeit in Hinsicht auf umfassende und allseitige Erziehung der Jugend, insonderheit der ärmeren und verwahrlosten, an alle Menschen- und Vaterlandsfreunde stellt, einer Aufgabe, deren vollständige, in's Einzelne und innere Volksleben übergehende Lösung der Staat wohl schwerlich so bald zu übernehmen im Stande seyn dürfte, — sollte, sagen wir, in dieser Hinsicht der Gedanke nicht einiger Erwägung und Prüfung werth seyn: Alle jene der Volkserziehung in ihrem weitesten Umfange schon dermalen gewidmeten Kräfte in einen Mittelpunkt zu vereinigen, von dem aus nach Einem Plane, nach Einer leitenden Idee alle diese edlen Bestrebungen mit mehr Nachdruck und größerer Ersparung anZeit und Geld gefördert werden könnten? Sollte nicht den Vorständen jener Vereine ein solcher Mittelpunkt selbst willkommen seyn? Sollten sie sich nicht gerne, mit Aufopferung kleiner Rücksichten, bereit finden lassen, ihre jetzt noch inne habende Stellung als Stammgesellschaften mit derjenigen einer Zweiggesellschaft zu vertauschen, vorausgesetzt, daß sie auf dem Wege redlicher Prüfung einmal die Ueberzeugung erlangt haben werden, daß damit das große Werk der Erziehung unserer Jugend kräftiger und vielseitiger als bisher gefördert werden könne? — Gerne geben wir uns der Hoffnung hin, daß ein solches Entgegenkommen, eine solche Verschmelzung der Einzel-Interessen für eine gemeinsame, große Angelegenheit stattsinden werde, wenn sich erst einmal die Richtigkeit der eben ausgesprochenen Voraussetzung bestätiget hat. Dies zu untersuchen, dazu möge diese Anregung die Veranlassung geben. Geht dann endlich aus der gewonnenen besseren Ueberzeugung ein umfassender Verein für Volkserziehung hervor, dann wird sich nicht allein für die Kinder-Rettungsanstalt, sondern noch für so manches andere, noch unbenutzt liegende oder nicht gehörig in's Leben eingeführte Erziehungs- und Bildungsmittel Rath und That finden.
Um schließlich die vorschwebende Idee in derjenigen äußeren Gestaltung klar und unumwunden darzulegen, welche sie in ihrer praktischen Ausführung annehmen würde, wagen wir es, nachstehend den Entwurf zu einer Organisation der jetzt bereits vorhandenen, aber zerstreuten und der noch zu gewinnenden neuen Kräfte zu geben. Wir denken uns als Mittelpunkt einen Centrälverein für Volkserziehung, in dem sich zunächst alle diejenigen Vereine auflö'sen würden, welche bereits jetzt schon für einzelne Zweige des Erziehungswesens thätig sind. Von diesem Stammvercin ausgehend, würden sich folgende, in unmittelbare Thätigkeit übergehende Zweigvereine bilden: 1) für Bewahrung kleiner, noch nicht schulfähiger Kinder, 2) für die Privaterziehung von Waisen, 3) für Erziehung sittlich verwahrloster Kinder, 4) für Erziehung und Bildung blödsinniger Kinder, 5) für Förderung des Turnwesens, 6) für Förderung der Schwimmkunst und des Flußbades, 7) für Förderung der Taubstummen- und Blindenerziehung, 8) für Ueberwachung der guten Sitten und des Wohlverhaltens der Jugend.
Daß bei einer solchen Verfassung, solcher Zusammenwirkung so vieler Kräfte unser Erziehungswesen einen ganz neuen Aufschwung nehmen würde, muß wohl jedem einiger
maßen Unbefangenen einleuchten. Möchte daher recht bald von einem der bestehenden Vereine wenigstens die Anregung zu gemeinsamer Besprechung dieser Angelegenheit im Kreise der hierbei betheiligten Gesellschaftsvorstände ausgehen.
Mittheilungen -es Frankfurter geographischen Vereins.
Ueber die neu aufgefundenen warmen Mineral- Quellen unterhalb As mannshausen am Rhein.
(Als Einleitung zu seinen Vorträgen: „Die Entstehung der Quellen im Allgemeinen und Bildung der Mineralquellen ins Besondere." Vorgelesen den 2. Dezember 1842 in dem geographischen Verein zu Frankfurt a. M. von dem derzeitigen Direktor dieses Vereins, Med. et Chir. Dr. Bogner.)
Die große Zahl von Heilquellen im Herzogthum Nassau wurde im vergangenen Sommer 1842 durch neu aufgefundene warme Mineralquellen bereichert, die um so mehr der Beachtung verdienen, als ihre Lage unterhalb As- mannshausen, der Burg Rheinstein gegenüber, in dem Paradiese von Deutschland, zu dem erheiterndsten Aufenthalt einladet, und so eine wesentliche Bedingung zur schnellen Genesung erfüllt, die an andern Orten kern Geldaufwand, keine Ausschmückung der Kunst zu bieten vermag.
Dicht am Ufer des majestätischen Rheins, der, von Dampfschiffen belebt, zu den bequemsten, erheiterndsten Ausflügen fast stündlich Gelegenheit bietet, erlaubt die lachende Gegend nicht, mit trüben Gedanken das Gemüth zu beschweren; und die Aufschrift der alten Römer über ihren Bädern: „Willst du Genesung hier finden, so trachte darnach, daß die Sorgen zu Hause bleiben", dürfte hier überflüssig seyn.
Unterhalb Asmannshausen befinden sich gegenwärtig fünf warme Quellen, die in ihren Temperaturgraden verschieden sind: A von 26°, B 18° 6, C 16° 75", D 17° 5", E 16° 8" 9?. Wärme.
Die heißeste Quelle X liegt dicht am Rhein; B, C, D und E befinden sich in dem am Wege aufgefundenen steinernen Bassin.
Die Quelle X hat bei ihrem Ausflusse 26 o, und wo sie unmittelbar aus dem Felsen entspringt, 270R. Wärme. Sie quillt aus hartem Thonschiefer hervor. Das Felsen- fundament, worauf die Fassung erbaut ist, liegt etwa 8 Par. Fuß tiefer, als die Rheinsole in der Mitte des dort vorbeifließenden Rheinstroms. Die Wassersäule ist gegenwärtig etwa 18 Pariser Fuß hoch. Die Fassung enthält circa 42 Ohm Wasser. Die Wassermenge binnen 24 Stunden ist noch nicht bestimmt. Diese Quelle scheint schon vor vielen Jahrhunderten bekannt gewesen und um 1527 wieder verloren gegangen zu seyn. Seit 1660. bis 1705 gab man sich auf Befehl des damaligen Churfürsten Lothar Franz zu Mainz alle Mühe, um diese in jener Zeit in: Rheinstrom gelegene Quelle zu fassen; _ allein der Rheinstrom ließ sie nicht zum Ziele kommen, die Arbeiter mußten abstehen.