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leiten, bis zu der eine Stunde entfernten Poststation. Er selbst sprengte mit zwei Mann voran, um ärztliche Hilfe her­beischaffen zu lassen, und die Verfolgung der Räuber zu ver­anlassen. Das Militär-Commando, welches er führte, wak nur zur Uebung des Nachtdienstes ausgesandt, die unter diesen Umständen natürlich gleich eingestellt wurde.

Die Poststation befand sich in einem Dorf. Doch zum Glück war der Arzt der Schwadron, die daselbst in Quartier lag, in der Nähe. Sonst ward den Kranken hier insgemein die Pflege aus dem eine Stunde tiefer im Gebirg liegenden Nonnenkloster derheiligen Katharina,« wohin auch schwere Kranke zur Verpflegung gebracht werden konnten. In der Eile wurde im Posthause, zugleich das Wirthshaus des Oert- chens, Alles zur Aufnahme der Verwundeten vorbereitet. Endlich fuhr der Wagen langsam vor. Man trat mir Lichtern an den Schlag, um die Kranken herauszuheben.

Gott im Himmel!« rief plötzlich der Offizier aus, als der helle Lichtschein auf das Angesicht des Reisenden fiel: Graf Arenburg!«

Es war Albert, der den Vater Bianca's erkannte. Und die Geraubte'war Bianca!

(Fortsetzung folgt.)

Mode - Bericht.

Baris, den 20. December 1854.

Einkäufe verschiedener Lingerie-Gegenstände führten uns gerade in dem Augenblick zu Daniel Derciy, als man damit beschäftigt war, einige Morgen- und Ball-Toiletten für eine auswärtige junge Fürstin zu verpacken. Der einfachere Mor­genanzug war von klarem Mußlin mit eingestickten Tupfen; an den beiden Seiten der offenen Vorderbahn, sowie um den Saum des Rockes waren Valenciennes garnirt, ebenso die Pelerine und die Aermel ä la Religieuse; die Taille, hoch und faltig, war mit einer garnirten Mußlin-Ceintüre zusammenge­halten; diese Toilette war durchaus mit malvenfarbigem Taffet gefüttert. Das dazu passende Häubchen in Fanchonform ist von Spitzen, mit reichen Baudschleifen ausgeziert. Die zweite Morgentoilette war so.geschmackvoll als elegant und bestand aus einem vorn abgerundeten, offenen Rock von glattem Tüll, der ringsum mit drei Tüll-Bouillons besetzt und mit ebensoviel Reihen Brüsseler Point garnirt war. Das ganz geschlossene Jäckchen und die Aermel hatten dieselbe Verzierung; durch die Bouillons schimmerte blaues Band; Taffetbandschleifen in hell­blauer Farbe waren vielfältig angebracht. Das Häubchen von Point, ebenfalls damit geziert, war von einem Guirlandchen kleiner weißen Rosen ohne Laub umgeben. Zu diesen Morgen­toiletten waren sechs Unterkleider bestimmt, mit schürzenförmi­gem Arrangement. Die Pantöffelchen von weiß gestepptem Taffet waren mit einer Rüsche weißer Spitzen eingefaßt, in welche kleine Schleifchen gemischt waren.

^-M-Die Balltoiletten waren so leicht und duftig, wie wir lange keine sahen; die eine war von rosa Seioengaze und die zweite von weißem Seidentüll.

In die rosa Seidengaze ist ein Moiredessin gewebt in überraschend feinen Silberfäden; drei Röcke dieses Stoffes fallen übereinander und sind mit einer silberdurchwirktcn rosa Blonde besetzt. Das sehr ausgeschnittene Mieder und die kleinen bauschigen Aermel sind ebenso garnirt. Die Achselnaht ist mit

einer Schleife von rosa Gazeband bedeckt, deren Enden nach hinten herabfallen; von hier aus zieht sich das abwechselndste Laubwerk über das glatte Devant der Taille und senkt sich in geschmackvollen Ranken bis zum untersten Rock. Die Coiffüre hierzu sind Zweige von rosa Rosen; sämmtliches Laubwerk ist von Crepp und Gaze.

Die andere Toilette von weißem Seidentüll war über ein mit weißen Blonden garnirtes Unterkleid offen und mit einer weißseidenen Moosfranse zu beiden Seiten besetzt, in welche die zierlichsten Blümchen gestreut waren. Das Devant des Rockes und des Mieders waren ebenfalls mit den mannig­faltigsten Blümchen übersäet. Schleifen von weißem Gazeband waren auf Aermel und Devant geschmackvoll arrangirt. Die Coiffüre zu dieser Toilette bestand aus drei Guirländchen, auf das zierlichste gewunden, wovon das eine bestimmt ist, die Bandeaur zu theilen; die beiden andern sollen zwischen die Frisur arrangirt werden, welche Ziemlich tief gerichtet wird. Ungeteilten Beifall erhielten die so eben besprochenen Toiletten; sie werden auch gewiß dazu beitragen, den Ruf des Hauses Daniel Deray noch zu erhöhen.

Martius Lebensregeln

von B r u n i g.

Zuerst vertrau auf Gott recht fest,

Der keinen Menschen je verläßt,

Und bete zu ihm jeden Tag,

Ob gut, ob schlecht dir's gehen mag.

Und sollte auch das Herz dir bluten, Vertrau auf ihn, er führt zum Guten. Dann aber trau auch fest auf dich,

Und rühre dich recht männiglich.

Von selbst kommt Wohlsein nicht herein,

Es will gar ernst errungen sein.

Im Thätigsein liegt's größte Glück,

Der Träge weicht vom Ziel zurück.

Je Schwereres du wirst vollenden,

Um desto heiterer kannst du enden.

Drum rasch an's Werk und das noch heut, Nichts Edleres gibt es als die Zeit.

Noch ist sie dein, du darfst von morgen Nicht eine Stunde hoffend borgen.

Denn nimmer kannst du sicher sein,

Ob auch das Morgen werde dein;

Du weißt es nicht, welch schwere Dinge Die nächste Zeit dir plötzlich bringe.

Am nächsten nach ihr spar' das Geld,

Den größten Hebel in der Welt;

Des Lebens Freiheit hängt daran,

Drum sieh dir jeden Pfennig an.

Und laß ihn nimmer, nimmer fahren, Kannst du mit Ehren ihn bewahren;

Steht keiner mehr dir zu Gebot,

Erwartet Schande dich und Noth.

Drum kannst du es, so leg' noch heute Für schlimmere Zeiten was bei Seite,

Ein Mittel hierzu möchte sein:

Leb' einfach ohne Glanz und Schein.

Was du nicht kaufen mußt, das lasse,

So bleibst du Herr von deiner Kaffe.

Wer Vieles hat, muß auch viel sorgen Und manchmal bei der Thorheit borgen. Mit einem Wort, in Summa, strecke Dich immer hübsch nach deiner Decke,

Und laß eS dich nicht irre machen,

Wenn auch die Thoren drüber lachen.

Oft hat auch, eh' der Hahn noch kräht, Solch Lachen sich schon umgedreht.