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U. Ä ! ■
Wollest Alles nicht auf einmal thun,
Wer Sprünge macht, der muß bald ruh'rr. Drum folg' im Thätigsein der Spur, l Der Alles schaffenden Natur.
Sie geht nur Schritt vor Schritt zum Ziel, Und wirkt doch so unendlich viel;
Sie macht es grade wie die Zeit,
Die webt auch eine Ewigkeit,
Indem sie still sich fortbewegt Und Stunde nur an Stunde schlägt.
Geht dir's auch manchmal kreuz und quer Und wird das Gutsein dir recht schwer,
So halt mit allen Kräften aus,
Der Kämpfer nur gewinnt den Strauß.
Laß die Vernunft stets herrschend sein,
Und sieh ins Leben kühl hinein.
Ercentrisch sein thut nimmer gut.
Es gleicht dem Wein erzeugten Muth,
Er brauset übers Ziel hinaus Und kehret meist gelähmt nach Haus.
Mit festem Schritt, besonnen, heiter. Kommst wahrlich du um Vieles weiter.
, Und nun noch eins: Verzage nicht,
Thatst du nicht immer deine Pflicht.
Der Mensch soll noch geboren werden,
Der niemals fehlte hier aus Erden.
Nimm dann, nur ohn' viel nachzudenken Ob du in's Gleis sollst wiederlenken,
Den abgerissenen Faden auf Und folge muthig seinem Lauf,
So wirst du doch, zu deinem Frommen, Zum gottgesetzten Ziele kommen.
M i s c e l 1 e tu
— Man schreibt der »K. Z.» aus Paris: »Das Siecle wird binnen Kurzem einen neuen Roman von Eugen Sue veröffentlichen. Derselbe führt den Titel: »Le Diable medecin.« Derselbe enthält die Haupt-Physiognomieen der Frauen unserer jetzigen Gesellschaft. Der erste Theil besteht aus Folgendem: La femme separee de corps et de bien; — la grande Dame;
— la Lorette; — la femme de lettres; — la belle fille. — Jeder dieser Charaktere bildet einen eigenen Roman. Das hiesige Publikum sieht mit großer Spannung dieser Publication entgegen. Eugen Sue lebt immer noch in Annecy in Savoyen.
— Binnen zehn Tagen werden die Masken-Bälle der großen Oper beginnen, deren Leitung, die Musik betreffend, bisher in den Händen des berühmten Musard gestanden hat. Man wird sich erinnern, daß er am Schluffe derselben immer von einer Schaar jnbelnder Pierrots, Debardeurs u. s. w. im Triumphe in dem großen Saale herumgetragen ward und einen ihm geschenkten silbernen Marschallsstab bei dieser Gelegenheit hoch in der Hand funkeln ließ. Diese Freude wird dieses Mal aufhören. Die neue Administration der großen Oper hat die Uebernahme der Musik öffentlich versteigern und dem geringsten Anbote zuerkennen lassen- So ist sie dieses Mal Herrn Strauß in die Hände gefallen, der 200 Musikanten dazu engagirt und einerercirt hat. Man bedauert den ehemaligen Liebling Musard, aber der Name Strauß ist allzu bekannt und Bürge eines guten Erfolgs, um nicht allgemeines Vertrauen zu erregen. Und dann — »du nouveau, toujours du nouveau, n’en fut-il plus au monde!« ist der bekannte Wahlspruch der Pariser.
Fortsetzung der Tagesneuigkeiten.
** Ter Sultan hat am 6. d. dem General Canrobert den MedMe-Orden erster Classe übersandt.
** Die Straßen Pera's wurden in den letzten Tagen durch die englischen und französischen Matrosen bei Gelegenheit des Festes der heiligen Barbara, der Patronin der Artilleristen und Seeleute, sehr belebt und erheitert. Es gibt keine Art von Ausgelassenheit und Scherz, welche sie nicht aufs Tapet gebracht ! hätten, um sich für die Strapazen ihres sechsmonatlichen schweren Dienstes im schwarzen Meere zu entschädigen. Die Straßen hallten von dem Gesänge der Marseillaise, des »God save the Queen« und von dem Rufe »Vive l’Empereur!« wieder; alle Seeleute trugen ungeheure Sträuße von künstlichen Blumen. Eine Kutsche kam von der Promenade zurück. Französische Matrosen kamen aus einem Kaffeehaus heraus, die Flasche in der Hand und luden die Herren in der Kutsche ein, mit ihnen zu trinken. Diese wehrten sich lachend, so gut sie konnten,, gegen die überraschende Einladung, mußten aber wohl nachgeben, als ihnen einer der Seeleute zurief: »Trinken wir auf die Gesundheit des Kaisers. Sie können uns das nicht ab- schlagen!» Ein kolossales Hurrah begrüßte diesen improvisirten Toast. Der Partner der Matrosen war der österreichische Ge- sandte, Herr v. Bruck. So schreibt die »W. Pr.»
** Echt englisch. Eine englische Gesellschaft ist bei ihrer Regierung eingekommen, ihr die Schleifung der Festungs- Werke von Sebastopol zu übertragen.
** Der Czar hat eine abermalige Rekrutenaushebung besohlen. Von je 1000 Mann werden 10 genommen; dies ergibt eine neue Armee von 320,000 Köpfen.
** In der vorgestrigen Nachtsitzung des englischen Unterhauses erklärt Graham auf Disraelis deßfallsige Frage, daß Memel nicht von russischen Schiffen blokirt sei. Herbert widerspricht, daß die englische Regierung mit Belgien wegen Stellung einer Fremdenlegion unterhandele. Lord John Nus- s e l theill mit, die Regierung habe gegen Preußen wegen des Jahdebusenhasens nicht remonstrirt. C ob den dringt darauf, daß auf Basis der vier Punkte Friedensunterhandlungen angeknüpft würden. — Im Oberhause wurde die Milizbill zum drittenmal gelesen. — In der Sitzung des Unterhauses sprach Lord Rüssel sein volles Vertrauen in Bezug auf die Allianz mit Oestereich aus für den Fall, daß Rußland hartnäckig Friedensvorschläge verwerfen sollte. — Die Majorität für die dritte Lesung der Fremdenlegionsbill betrug 38 Stimmen.
** Die spanische Regierung will England das Zuge- ständniß machen, unter den nächstens beurlaubt werdenden Soldaten der spanischen Armee Werbungen zu einer Fremdenlegion vorzunehmen.
** Aus Newyork vom 5. December läßt sich die Weserzeitung melden, daß die Leichen von Sir John Franklin und seinen Gefährten durch Di\ Kaye's Expedition eingefroren und im vollkommen erhaltenen Zustand aufgefunden worden seien. — Die Bestätigung dieser nach vielen Seiten hin überraschenden Nachricht wird allerdings noch abgewartet werden müssen.
** Das amerikanische Schiff Arcadia, welches von Antwerpen mit 21 Mann Equipage und 147 Auswanderern auslief, ist am 26. Nov. auf Sand Island gescheitert.. Glücklicher Weise konnten alle Menschen gerettet werden.