daß er selbst, das erstemal in seinem Leben, ihr gram wer­den wollte, denn er befahl ihr, sein Zimmer zu verlas­sen, trat sie einige Schritte zurück, sprang mit einem Satz auf die Schultern eines Negers, der gerade anwesend war, stellte sich auf den Kopf desselben und erklärte ihrem Vater, sie werde sich Herabstürzen und am Boden zerschmet­tern, wenn er ihre Bitte nicht erhöre. Rosas gerieth außer sich, sprang auf, gab ihr das Todesurtheil, um eS selbst zu zerreißen, und bat sie inständig, ihm doch niemals wieder eine solche Angst zu bereiten. So wunderlich diese Be­richte klingen, so wird doch ihre Wahrheit durch die Glaub­würdigkeit eines Mannes verbürgt, der in Buenos-Ayres eine der höchsten Stellen bekleidet. Derselbe theilt auch noch eine Begebenheit mit, welche von dem Edelmuth und der Geistesgröße der Sennorita Rosas ein glänzendes Zeug- niß ablegt. Sie liebte vor einigen Jahren einen sehr vor­nehmen jungen Mann der Stadt mit der ganzen Innigkeit eines weiblichen Herzens; man gelobte sich gegenseitig ewige Treue und Manuelita sah voll freudiger Zuversicht einer Verbindung entgegen, die sie wünschte. Aber der junge Mann zog sich nach und nach zurück, wahrscheinlich nur von gemeinem Interesse verleitet, verließ sie dann gänzlich und heirathete die Tochter eines Banquiers, die reichste Erbin des Landes. Als Rosas den Hergang erfuhr, gerieth er in Wuth und wollte das an seiner Tochter begangene Unrecht furchtbar rächen. Aber diese verhinderte es nicht allein, sondern fetzte noch durch, daß der junge Mann seine ein­flußreiche Stellung behielt. Durch solche Gesinnungen hat sich Manuelita die Liebe und Achtung des ganzen diplo­matischen Corps erworben und man darf behaupten, daß ohne ihren wohlthätigen Einfluß auf die wilde, rücksichts­lose Art des Dictators, dieser schon manchmal mit den euro­päischen Mächten in offenen Krieg gerathen wäre. 777

Wiesbaden.

(Im März.)

Wenn auch unsere Nachbarftadt Frankfurt von jeher durch den Edelsinn ihrer Bewohner und eine gewisse Großartig­keit der Gesinnung sich hervorzuthun pflegte, die fern von patriotischer oder confessioneller Engherzigkeit daö Gute und Schöne fördert, wo es sich findet: so gereicht es uns zu wahrer Freude, hiermit auch unserer SeitS einen neuen Beleg dafür mittheilen zu können. Unter den durch Kunstwerth ausgezeichneten Gebäuden des Rheingau's nimmt die Michaelskapelle zu Kiedrich bei Elseld unbestritten den ersten Rang ein. Obgleich unbedeutend an Umfang, obgleich durch die Ungnnst der Zeiten verwüstet und bei­nahe verfallen, bleibt dieselbe nichtSdestowenig-er ein archi­tektonisches Kleinod von solch malerischer Schönheit, wie sie der germanische Baustyl des 15. Jahrhunderts nur selten noch zu schaffen vermocht hat. Der inländische Verein für Alterthumskunde beschloß daher, um dem gänzlichen Ruin des Gebäudes vorzubeugen und dem Rheinlande eine seiner kostbarsten Zierden zu erhalten, die zur Wiederherstellung desselben erforderliche Summe durch freiwillige Beiträge von Kunstfreunden aus der Nähe und Ferne aufzubringen. Auch in unserm nachbarlichen Frankfurt fand die gute Sache gewünschten Anklang und eS sind nicht nur bereits 130 fl. als Erlös einer darauf bezüglichen Subscription in diesen Tagen dem Verein zugegangen, sondern es hat noch außer-

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dem ein namhafter Künstler sich verbindlich gemacht, zur Ausschmückung des Kirchleins eine Figur oder entsprechende Ornamente zu liefern. Je weniger von unsrer Seite eine solch edle Bereitwilligkeit zur Förderung unserer Absichten vorausgesetzt werden konnte, um so lebhafter fühlen wir uns zum innigsten Danke gegen alle diejenigen Männer verpflichtet, die mit solcher Uneigenuützigkeit der Aufrich­tung jenes Denkmals ihre Gaben, ihre Bemühungen ge­spendet. Möchten namentlich die Meister der bauenden und bildenden Kunst, wie sie Frankfurt in seinen Mauern ein­schließt, durch diese Zeilen sich aufgefordert fühlen, das Ge­bäude selbst recht bald einmal in Augenschein zu nehme« und demselben mit Rath und That zu Hülfe zu kommen; möchten überhaupt recht viele Bürger der freien Stadt das überaus reizende Thal von Kiedrich zum Zielpunkt ihrer sommerlichen Ausflüge erwählen und so in weiteren Kreisen die Theilnahme für ein Gebäude verbreiten, das bestimmt zu seyn scheint, ein redendes Denkmal brüderlich-einträchti­ger Bestrebungen zu werden, wie sie den Frankfurter und Nassauer immer enger an einander knüpfen! R.

Feuilleton.

*** Folgende originelle Petition ist, an den Minister Robert Peel gerichtet, zu London veröffentlicht worden:Sir, wenn Sie erlauben, so wollen wir mit Ihnen tauschen; geben Sie uns an­statt des freien Handels in 430 Artikeln denselben nur für vier, und wir wollen Sie dann nicht länger quälen. Diese vier Artikel heißen: Korn und Futter, Käse und Butter. Mehr verlangen wir nicht, aber merken Sie sich, daß wir nicht weniger nehmen. Vo« Herzen die Ihrigen. Gez. 27 Millionen Einwohner." r

Die königliche Akademie für Musik hat so eben nach zahl­reichen Verhandlungen Madame Weiß mit zehn ihrer Eleven auf drei Jahre engagirt. Unter den Mädchen, die demzufolge in Pa­ris bleiben und für sich allein ein liebliches Balletcorps bilde« werden, befindet sich auch eine Nichte des berühmten Componiste« Weber, die auf der Laufbahn, welche sie betreten hat, einmal Be­deutendes zu leisten verspricht. Abgesehen von den pecuniären Be­dingungen des Engagements, ist die Direktion der großen Oper verpflichtet, für den Unterhalt der Mädchen Sorge zu tragen und sie als Fremde einer Pension anzuvertranen, wo ihnen die erfor­derliche Ausbildung zu Theil wird. Der österreichische Gesandte hat die bezüglichen Contracte durch einen Bevollmächtigten nach Wien gesendet, um sie von den Eltern unterzeichnen zu lassen, nach­dem man sich vorher durch Correspondenzcn der Zustimmung der­selben versichert hat. Durch denselben Bevollmächtigten soll auch ausgewirkt werden, daß die Eltern der sechsunddreißig kleinen Tän­zerinnen eine Reise nach London genehmigen. Sobald diese Ge­nehmigung eintrifft, wird Madame Weiß mit ihren Eleven die eng­lische Hauptstadt besuchen und am 1. Mai nach Paris zurückkchrcn, um den regelmäßigen Dienst an der königlichen Akademie für Mu­sik anzutreten.r

»** (Ein Turnier ü piell des neunzehnten Jahrhun­derts.) DerSun" berichtet von einem Wettkampf, der am 11. März zwischen zwei Boxern, Sambo und Jordan, um den Preis von 100 Pfd. Sterl. zu Horlep-Commons stattgefunden hat,. Fünf gegen vier wettete man für Jordan, da sein Gegner in einem frü- heren Kampf ein Auge verloren. Ein Extrazug führte beide Dorer und eine Menge Neugieriger auf der Eisenbahn von Brighton nach dem Kampfplatz, Die Zuschauer, wenigstens zweitausend an der Zahl, bildeten hier einen großen Kreis. Beide Gegner erschiene»