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friedliche Hainbund, dem es so wenig um Demonstrationen zu chun war, gerieth durch ihn mehr als einmal ( in die bitterste Bedrängniß. Bei jeder Gelegenheit, wo die junge Dichtergenossenschaft ihren zahlreichen Antipoden Veran­lassung zu Tadel und Spott gab, konnte man sicher sepn, daß Hahn den ersten Stein aufgehoben hatte. Auch war er der Einzige im Hainbund, der bei den Studenten in An­sehen stand und mehr als einmal auf der Mensur erschien, um den tuschirten Musen Satisfaction zu verschaffen.

(Fortsetzung folgt.)

Manuelita Rosas.

Eine der merkwürdigsten Erscheinungen in der Frauen­welt der Gegenwart ist Manuelita Rosas, die Tochter des berühmten Präsidenten und Dictators der Argentinischen Republik in Südamerika. Sie zählt heute etwa dreißig Jahre, und obgleich die Frauen ihres Vaterlandes in die­sem Alter schon zu verblühen pflegen, so prangt sie doch noch in vollendeter Jugendschönheit. Ihre Züge sind s-nft und sdel, ihr dunkles Auge groß und ausdrucksvoll, der Mund klein und die hohe Stirne von glänzend schwarzem Haar beschattet; ihr anmuthsvoller Wuchs und ihr niedli­cher Fuß laßt sich mit dem der schönsten Andalusierinnen vergleichen. Mit diesen Reizen verbindet die Sennorita Rosas große Geiftesgaben, vielseitige Kenntnisse, einen tie­fen Blick in politische Verhältnisse und warmen Sinn für Kunst und Wissenschaft. Sie ist das Glück und der Stolz ihres Vaters, mildert oft durch Sauftmuth seinen harten unbeugsamen Willen und spielt deßhalb in der Geschichte ihres Vaterlandes eine nicht unbedeutende Rolle. Der Prä­sident hegt gegen die Fremden eine unbezwingliche Abnei­gung und seine Tochter hat deßhalb die ganze Verwaltung der auswärtigen Angelegenheiten übernommen, während ihn mit seinen Ministern nur der eine mächtige Gedanke beschäftigt, Ordnung und Einheit in dem ihm anvertrau­ten Lande unerschütterlich herzustellen, ein Gedanke, dem alle Rücksichten, selbst die der Menschlichkeit, weichen müs­sen. Manuelita Rosas empfängt zu Buenos AyreS die Gesandten, correspondirt mit ihnen und vermittelt alle Be­ziehungen zu den fremden Nationen. Sie versammelt die vornehmste Gesellschaft der Stadt um sich und öffnet allen Gästen von Auszeichnung ihre Salons; die von ihr ver­anstalteten Soireen werden mit den glänzendsten Europa's verglichen und einer besonderen Pflege erfreut sich die Mu­sik, denn Sennorita Rosas hat eine liebliche Stimme und verfolgt mit Aufmerksamkeit, was die Weltstadt Paris in dieser Beziehung Neues bringt.

Sind schon diese flüchtig skizzirten Züge interessant, so bilden sie doch noch nicht den merkwürdigsten Theil von dem Bilde der schönen Sennorita.

Bekanntlich besteht der Reichthum der Argentinischen Re­publik und insbesondre der Provinz Buenos Ayres in präch­tigen Heerden wilder Pferde und Ochsen, welche die alte Welt mit ihren werthvollen Häuten versehen. Diese Heer­den leben zerstreut auf großen Weideplätzen, die, unter dem Namen Pampas bekannt, in geringer Entfernung von der Stadt beginnen und sich bis tief in das Land hinein auödehnön. Die Bewohner des Gebiets, ebenso kräftig und gewandt als kühn, beschäftigen sich eifrig mit der Jagd die­

ser Thiere, die ihnen so reichen Gewinn abwerfen; man nennt sie Gauchos, Rossebändiger, und ihre Zahl ist be­trächtlich; in dem Gebiet von Buenos-Ayres zählt man allein fünfzigtausend. Diese Gauchos sind die sichersten Stützen des Dictators, aus ihren Reihen ist er hervorge­gangen, sie haben ihn an die Spitze der Regierung gestellt und heute noch betrachten sie ihn als einen der Ihrigen. Die Adelspartei zu Buenos-Ayres kann sich einer unbe- zwinglichen Abneigung gegen den nunmehrigen Präsidenten nicht erwehren, aber sie wagt es nicht, ihn zu stürzen, aus Furcht, daß nach seinem Fall ein schreckliches Vergeltungs­recht geübt werden möchte. Sie weiß es, wenn dem Dic- tator Rosas eine Kränkung widerführe, dann würden die Gauchos mit Feuer und Schwert die Stadt heimsuchen. Auf diese Weise ist dem Präsidenten noch auf viele Jahre hinaus die Regierungsgewalt gesichert.

Treu bewahrend das Andenken an die Vergangenheit, kann Rosas, der Mann, nicht vergessen, was den Heran­wachsenden Knaben ergötzte, und er findet deßhalb immer noch das größte Vergnügen im Tummeln der Rosse. Auch hierin zeichnet sich seine Tochter au§. Manuelita entfaltet eine Geschicklichkeit in allen Reiterkünsten, wie sie noch von wenigen Männern erreicht ist. Niemand versteht besser, ein wildes Roß zu beherrschen, seinen Muth zu besänftigen und anzufeuern, oder seinen Gehorsam zu erzwingen. Hierin mehr als in den allseitigen Vorzügen der Tochter ist denn auch die Ouelle der unbegrenzten Liebe des Vaters zu suchen. Oft, wenn sich der Tag zu Ende neigt und die Sorgen der Regierung abgeschüttelt sind, sieht man den Präsidenten an der Seite seiner Tochter nach einem großen Gehege wandeln, welches an die Gärten seines Palastes grenzt und wo die wilden Pferde in fesselloser Freiheit umherschweifen. Manuelita, in einfacher Amazonentracht, schwingt sich auf eines der Thiere ohne Zügel und Zaum und entfaltet eine Keckheit und Gewandtheit in den mannig­fachsten Reiterkünsten, daß der Vater oft entzückt in die Hände klatscht. Die Pferde des Landes eignen sich übri­gens vortrefflich für die Liebhaberei des Präsidenten und seiner Tochter. Sie sind niedrig, von gewöhnlichem Bau, und obgleich ungemein lebhaft, beweglich und feurig, doch auch sanft und gehorsam. Man sperrt sie niemals, wie in Europa, in Ställe, sondern läßt sie das ganze Jahr auf den Weideplätzen umherschwärmen und holt sie dort, wenn man sie braucht.

Um das Bild der Sennorita Rosas zu vervollständigen, folgen hier noch zwei bezeichnende Thatsachen.

Eines Tages hatte Manuelita nach ihrer Gewohnheit den Vater gebeten, einen Unglücklichen zu begnadigen, der, weil er sich ein leichtes Vergehen gegen des Dictators Verfügungen hatte zu Schulden kommen lassen, zum Tode verdammt war. Rosas wies alle Bitten der sanften Tochter mit der entschiedenen Erklärung zurück, daß er ein furcht­bares Erempel statuiren müsse. Manuelita wollte jedoch den Gedanken an die Rettung des Verurtheilten nicht auf­geben, eilte hinaus, schwang sich auf ein Pferd, das man immer für unbezähmbar gehalten, stellte sich aufrecht auf den Rücken desselben und erschien so in dem Palast, ja in dem Cabinet ihres Vaters, das sich im Erdgeschoß befand. Der Präsident konnte bei diesem Anblick seine Freude nicht bewältigen; im Uebermaß des Entzückens umarmte er sein liebes Kind und zerriß das Todesurtheil. Ein an­dermal bat Manuelita wieder um Gnade für einen Verur­theilten und Rosas widersetzte sich hartnäckiger als je. Als die Sennorita sah, daß nichts seinen Willen beugen konnte,