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18. Januar 1835J
Frankfurt, den Januar. - .
Der »Moniteur« vom 14. Jan. liefert, in seinem ofstziel- len Theil, folgenden lakonischen Commentar zu der Bsrschaft des Präsidenten Jackson:
»Der König har den Hrn. Serrurier, seinen Minister zu Washington, abberufen. Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten bat diesen Beschluß dem' Hrn. Livingston, Gesandten der Vereinten Staaten zu Paris, eröffnet, und ihn zugleich in Kenntniß gesetzt, daß die Passe, welche er in Folge dieser Mittheilung etwa nöthig haben dürfte, bereit lagen. — In Vollziehung der von Frankreich eingegangenen Verbindlichkeiten wird der Gcsetzvorschlag, die amerikanischen Ansprüche betreffend, morgen an die Deputirtenkammer gebracht. Es soll demselben eine Clausel angehrngt werden, um evcntuel (für den eintretenden Fall) den französischen Interessen, die sich gefährdet finden können, Sicherheit zu gewähren.«
In Folge dieses Artikels — den die Pariser Blätter als einen Bruch mit den Vereinten Staaten auslegen-- ist die Rente (am i4. Jan.) um '/a pSf. gewichen: ZpCt. 107* 5. (25 Cent, gef.) — 3pCt. 76. 90. (25 Cent, gef.) — Neapol. 93. 50. — 5pCt. Spanische 44'/q. — 3pCt. 27/2.
Die »Gazette« vom 15. Jan. (man weiß, sie antedaiirt in jeder Beziehung) hat einen Artikel, worin sie (nach ihrer Art) beweist, daß Frankreich am Vorabend der Restauration sey. Alles ist möglich, und wenn man träumt, hat men gerne angenehme Träume. ■ Einstweilen wird von neuem versichert, Hr. v. Fitz-James sey nun doch zu Toulouse als Deputirker gewählt worden, was denn eine Annäherung (wer weiß in welcher Potenz?) zur Restauration wäre.
— Lord Brongham ist am 7. Jan. zu Marseille ange- kommen.
(London, 12. Jap.) Stocks 92'/». — Spanische 55V». Die Wahlen geben bis jetzt 'folgendes Resultat: 226 Reformers, 122 Tories. Man streitet sich schon, wer Sprecher im neuen Parlament werden sott. Die Tories stimmen für Manners Sutton, die Reformers haben dre! Candidaten zu dem schönen Posten: 'Abcrcromby, Bernal, Lirrlcton. — Die Minister bereiten in diesem Augenblick mehrere Bills, die sie gleich nach Eröffnung'des Parlaments einbringen wellen, um zu zeigen, daß sie keine üble Reformers sryen.
— Der Herzog von Lcuchtenberg ist bier angekommen-; er wird sich vor Ende des Monats nach Portugal einschiffen. Der bairische Gesandte, Graf Jamison war unter den ersten Per sonen, welche dem Gemahl der Königin Donna Maria von Portugal aufwarreren.
— Der »Courier« versichert aufs Neue, Lord Londonderry werde als englischer Botschafter nach Petersburg gehen. .
Preußen. !
Die »Kasseler Zeitung« enthält über die Mehrfach bespro- ! chenen religiösen Bewegungen in Schlesien rin aus
führliches Schreiben, aus welchem wir das Wichtigste theüen: Sie in öffemstchen Blättern erwähnten rcligu Bewegungen bestehen ihrem eigentlichen Wesen nach in Opposition einer nicht unbedeutenden Anzahl von lutherisö Geistlichen und Gemeinden gegen die Einführung der nd Agende, welche unterm 28/Fedr. v. I. anbefohlen wori ist. Diese Opposition hat ihren vornehmsten Grund wieder! in der Abneigung dieser Prediger und Gemeinden gegen Union und gegen die kirchliche Gemeinschaft mit der unir! Kirche. Da die höchsten Behörden des preußischen Staa! nun mehrfach erklärt haben, daß zu Annahme der Uns Niemand gezwungen werden soll, so ist der eigentliche Str^ purrkr der: ob die Einführung der neuen Agende mit Union in nottzwendigcm Zusammenhänge stehe oder nic Die BchLrden laugnen jetzt diesen Zusammenhang, die p^ teftirenden Lutheraner behaupten ihn. Mit dem merkwürdic Ereigniß zu H. (vergl. Nr. 15 derO.P.A.Z.) verhält es folgendermaßen: Man hatte schon lange sich bemüht, die monftnrendrn Pfarrer und Gemeinden zu belehren, daß Beschränkungen ihrer Religions- und Gewissensfreiheit hier nicht die Rede sey. Da diese Belehrungen ihr eigentlic Ziel, die Annahme der Agende, nicht erreichten, so d man zu ernsten; Maßregeln. Mehre Pfarrer wurden, nü> dem man sie ohne Erfolg in Ordnungsstrafe genommen, ihrem Amte suspendrrt, und d;e Einführung der Agende d^ die an ihre Steile gesetzten Verweser bewerkstelligt.- Versuche der Lutherischen, sich in den Hausern zu'gef) samer Erbauung zu versammeln, erfuhren die strengste pl zciuche Ahndung nach einer Kabrnetsordre vom Anfang v.^ Ais nun durch'jene Suspensionen K>ie Bewegungen in um Breslau ihren vornehmsten Stützpunkt verloren halt richtete sich im Sommer v. I. die Aufmerksamkeit der hörirrn besonders auf die in jenem Bericht bczeichnete zahlreiche Gemeinde. Ihr Pfarrer, ein junger Mann, des ernsten, frommen Sinn und dessen musterhafte Treue Gewissenhaftigkeit in seiner Amtsführung nur Verblendiil laugncn kann, hatte die Einführung der Agende von Anfas an entschieeen abgelchnt, und zuletzt, von dem Konsistorit gedrängt, dasselbe als eine ihm fremde Behörde der unitt! Kirche förmlich rekusirt. Die ganze Gemeinde theilte seil Gesinnung. Im Sept. v. I.' wurde er, nachdem alle drohungcw und Geldstrafen erfolglos geblieben, verhaftet uj nach Breslau abgeführt. Die Gemeinde hatte nach Abführung ihres Psarres die Krrchthüren verschlossen und vc nagegr, und verweigerte am nächsten Sonntage, zu Tauft! den um die Kirche versammelt, den mit der Agende angckor menen Verweser den Eintritt in dieselbe. Verschiedene'Kor Missionen, Verhaftungen der Deputirttn der Gemeinde, vl denen Einige schon seit zwölf Wochen km Gcfangniß sitze blieben in der Hauptsache ebne Erfolg. Am 20. Dec. wur deßdald von Breslau eine Miliräradtheilung, 400 Mann I fanterie, 50 Kürassiere und 59 Husaren, begleitet von ein Civilkommission, nach H. abgesandt. Nach vergeblichen Ve suchen der letzter«, die Gemeinde in Güte zur Annahme d Agende zu bewegen, wurde der heilige Weihnachtsabend da, ausersehen, um die Kirche durch das Militär nehmen zu lc sen, was natürlich mir leichter Mühe zu bewerkstelligen wa