vor über eine Eidechse mit zwei Köpfen und fünf Füßen, welche fünf Monate alt geworden. Das Thierchen ward in kurzer Zeit mit seinem Herrn so vertraut, daß es ihm alle seine Bedürfnisse zu verstehen zu geben wußte. Empfand es Durst und man reichte ihm ein Jnsect, so begnügte es sich, dasselbe belecken; war es hungrig und man setzte ihm zu trinken vor, so schlug es das Wasser mit dem Schweife. Hielt man den beiden Köpfen ein Jnsect hin, so wollten beide sich seiner bemächtigen, und der nichts er­halten hatte, strebte dem anderen seine Beute zu rauben. Wenn aber der eine gesättigt war, nahm auch der andere nichts mehr an; beim Trinken war dieß nicht der Fall, der eine Kopf fuhr noch zu trinken fort, wenn der andere seinen Durst bereits gestillt hatte. Beide Köpfe waren völlig ausgebildet, gleich groß und nicht im Geringsten un­förmlich. Außer den vier Füßen der übrigen Eidechsen hatte das^ Thier zu seiner Bewegung noch einen fünften, an welchem neun wohl ausgebildete Zehen waren; dieser Fuß saß an den Vereinigungspunkten beider Köpfe. Das Thier' bediente sich dieses Pfötchens, um sich zu reinigen^ und den Köpfen einem um den anderen Nahrung zu rei­chen; dieß Pfötchen gab niemals nach einander einem und demselben Kopfe zu fressen, und man beobachtete, daß wenn es bei dem rechten begonnen, es bei dem linken auf­hörte. Der Apotheker Riga! zu Argellon besaß dieses Thierchen; er nahm es im Winter 1830, um es vor der Kälte zu schützen, mit ins Bett, und fand es an einem Morgen daselbst erstickt.

Concert zum Vortheile der erblindeten Madame Elise Bürger.

Das Concert fand große Theilnahme. Der Wohlthätigkeitssinn der Bewohner von Frankfurt ist bekannt.

Durch zweckmäßige Anordnung und Reichhaltigkeit zeichnete das , Concert sich aus; fein Fehler war der, daß es zu viel dardot und daher durch seine übermäßige Länge ermüdete, welches besonders die v i-e r t e A bt h e i l u n g desselben entgelten mußte, wo die Zuhörer zum Theil sich entfernten. Die Eoncertgeberin sprach zwei Gedichte, von Th. Winkler und von Schlegel. Ucber ihren Vortrag waren die Stimmen nicht getheilt.

Ein neues Stück von El sholz:Hymens Bil d" kam zur Aufführung und gefiel. Wirklich hat es Verdienst. Die darin aus­geführte Idee ist ansprechend; der Dichter hat seinen Gegenstand mit Delikatesse behandelt und in einem gratiösen, mit Gewandtheit versisizirtcn Dialoge entwickelt. Dies kleine Drama verdient cs, Len Bühnen empfohlen zu werden. Die dramatische Bagatelle des­selben Verfassers: Komm her! wird hier öfters gegeben und gerne gesehen. Referent dieses findet sie unbedeutend. Dagegen hat er sich überzeugt, daß die Hofdame von Elsholz, welche hier kein großes Glück gemacht hat, größere Beachtung ver­dient hätte, da sie viel Schönes enthält. Hierin muß er den Leip­ziger Blättern für literarische Unterhaltung No. 27 , April und den Berliner Jahrbüchern für wissenschaftlich Kritik beistim­men, welche letztere er hier anführt.

Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik, Nro. 70, Oct. 1830. Schauspiele jc." Das gegenwärtige Bändchen enthält zwei Dra­men: Die Hofdame und: Komm her! Das letztere, als eine artige Kleinigkeit, wird nur einer vorübergehenden Erwähnung be­dürfen, die Hofdame aber verdient als ein sehr gelungenes Lustspiel an sich. als auch wegen unseres großen Mangels an guten Komö­dien, eine aufmerksame Betrachtung. Nachdem unsere dramati­sche Pracks mancherlei Phasen durchlaufen und die Empfänglich­

keit dps Publikums für das Wahre und Naturgemäße durch viel­fache Verirrungen abgestumpft hat, ist sie nach und nach zu der Nothwendigkeit herabgekommen, durch Anwendung der allerschärf­sten Mittel eine theatralische Wirkung hervorzubringen. ES ist da­her wohl Zeit, einmal wieder einzulenken und die Abirrungen des Lebens nicht mehr in fratzenhafter Uebertreibung, sondern in dem gemilderten Lichte der Kunst auf die Bühne zu bringen, so daß wir den Abweg nicht nur, sondern auch den Rückweg erkennen mögen. Dieser wenig betretenen Richtung ist der Verfasser mit entschiedenem Glücke gefolgt. Die Fabel des Stückes ist wohl er­funden und verständig geleitet. Die mit Weisheit angelegte Erpo- sition führt uns durch lebendige Handlung sogleich in die Mitte al­ler Verhältnisse und giebt sämmtlichen Personen Gelegenheit, uns mit ihrer Gesinnung und Denkweise bekannt zu machen. Fürst und Fürstin, die beide Italien früher besuchten, haben dort im Ge­nüsse der Kunst und im Umgänge mit Künstlern eine gewisse poe­tische Lebensansicht und zugleich einen Hang zu freierem Lebensge­nüsse angenommen, der mit der Etiquette contrastirt, welche letztere dann wieder ihren Repräsentanten in dem Hofmarschall findet. In der siebenten Scene des ersten Actes wird dieser Conflict meister­haft zur Anschauung gebracht, wodurch denn alles Folgende höchst angemessen eingeleitct, erklärt und vorbereitet wird. Die Handlung schreitet mit Sicherheit und Ruhe vor, und der Schluß, der die Verwirrung befriedigend löset, ist nicht nur geschickt und natürlich herbeigeführt, sondern entläßt auch die Personen des Dramas in der Erkcnntniß ihres Jrrthnms und in einem Zustande sittlichen Glücks, wodurch denn zugleich das ethische Gefühl des Zuschauers vollkommen beruhigt wird. Die feine Sophiftik des Gefühls ist mit Kenntniß und Wahrheit dem Leben nachgebildet und die Cha- ractere haben sämmtlich eine bestimmte, gesonderte und consequente Gestaltung... Wir sind überzeugt, daß in dem engeren Kreise ach­ter Bildung und Kennerschaft dies Stück in seinem Werthe wohl erkannt und gewürdigt werden wird und nehmen nicht Anstand, dasselbe den Bühnendirectionen zu empfehlen, die es etwa noch nicht kennen. Will/. Neu mann.

Madame Wieser sang eine Arie und bewies eine bedentende Fertigkeit im colorirten Gesänge.

Herr Becker sprach das treffliche, man darf sagen klassische, Gedicht des Wiener Poeten: Sieg der Freiheit. Der Vor­trag fand lebhaften Beifall.

Demoiselle Therese Grüner trug Bürgers Le0n0re vor. Daß sie geistvoll das Gedicht erponirte und die Cinzelnheiten alle klar und sicher auffaßte, ist ausser Zweifel. Indessen hatte sie wohs das rechte Tempo nicht gctrossen; sie hielt den Vortrag zu breit und führte die phantastischen Bilder der Dichtung, die grade durch ihr schnelles Erscheinen und Verschwinden am meisten wirken, zu langsam vorüber, wodurch der Totaleffect sehr geschwächt wurde. Die herrliche, von Demoiselle Grüner vorgetragene Ballade, fand Beifall. Demoiselle Therese Grüner wird nächstens in mehreren Gastrollen auftreten. Da wir an weiblichem Personale jetzt um so mehr Mangel leiden, da Demoiselle Hill zur Oper übergegangen ist und sich nur wenig noch im Schauspiel beschäfti­gen wird, so könnte Demoiselle Grüner, falls sie im Publikum aniprechen wird, wohl emploiyrt werden. Das Resultat der Gast­spiele der Demoiselle Grüner wird hierüber entscheiden. Dem Mangel in dem Damenpcrsonale für das hiesige Schauspiel aus eine der Sache und den Anforderungen des Publikums genügende Weise abzuhelfen, liegt zu sehr im Interesse des Intendanten Grü­ner, als daß er selbst sich nicht bestreben wird, hier mit der nöti­gen Umsicht zu verfahren. W.

Redakteur: I. L. Heller.

T h e a t e rA n z e i g e.

Dienstag, den 20. März. Don Ranudv de Colibrados, Lustspiel in vier Abtheilungen, nach Holbcrg, von A. v. Kotzebue. Hierauf folgt: (Zum Erstenmale wiederholt) Die Ochsenmenuet, Oper in einem Act, von G. v. Hvfmann, nach Haydn's Composi- tionen arrangirt v?n Kapellmeister Ritter von Seyfried.