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Sind sie ein wenig zerbrochen,

So find sie leichter kochen;

Sind sie etwas fett,

Je besser es uns schmeckt.

Die Juden senden an ihrer Fastnacht mit einem Spruche, welcher beginnt:Es schickt mich der Nette, die Memme" Ge­schenke von Haus zu Haus und geben Vorstellungen in ihren Familienzirkeln aus der biblischen Geschichte in Masken. So ist es wenigstens in Heddernheim der Fall.

(Fortsetzung folgt.)

Nvch einmal der Prinz von Armenien.

Ueber den angeblichen Prinzen von Armenien sind in Folge der nunmehr erfolgten Freilassung und Ausweisung desselben wiederum so abenteuerliche Gerüchte verbreitet worden, daß wir über diese Angelegenheit aus authentischer Quelle folgende Mit- thcilung bringen. Nach den stattgehabten amtlichen Ermittelun­gen ist bereits durch zwei gerichtliche Erkenntnisse, nämlich des Tribunal correctionel zu Brüssel vom 19. April 1848 und des Gerichtshofes zu Paris vom 19. September 1854, so wie durch eine Entscheidung des französischen Ministeriums vom 27. Mai 1850 festgestellt, daß der angebliche Prinz von Armenien ein Betrüger ist, der eigentlich Joseph Johannis heißt und auf Samarang in Java geboren ist, wo sein Vater Kaufmann und seine Mutter eine Deutsche, Namens Hellwig, war. Er hat vor langen Jahren einiges Vermögen ererbt, dieses aber längst vergeudet und zieht seitdem als Abenteurer in der Welt herum, indem er bald mit größerem, bald mit geringerem Glücke die .Rolle eines Prinzen gespielt hat. In Brüssel ist er außerdem zu fünf Jahren Gefängniß verurtheilt wegen Betrügereien. Es war also gar nicht mehr nothwendig, den Joseph Johannis hier vor Gericht zu stellen, um seinen wahren Ursprung gerichtlich zu ermitteln. Es kann über solchen amtlich nicht der geringste Zweifel obwalten. Hier hätte Joseph Johannis nur wegen An­maßung des Fürstentitels gerichtlich belangt werden können. Von einer derartigen Anklage haben die Behörden aber im Einver- ständniß mit der königlichen Staatsanwaltschaft Abstand genom­men, weil Johannis auf Grund derselben nur eine geringe Freiheitsstrafe erhalten haben würde, welche durch seine mehr­monatliche Detention im Arbeitshause wohl als verbüßt zu er­achten sein dürfte, und weil durch einen förmlichen gerichtlichen Proceß wegen der aus weiter Ferne zu beschaffenden gericht­lichen Acten und Zeugen jedenfalls bedeutende Kosten erwachsen wären, welche in keinem Verhältniß zu dem zu erzielenden Resultat von vielleicht einigen Tagen oder Wochen Gefängniß gestanden hätten. Joseph Johannis Einsperrung im Arbeitshaus mußte nach den bestehenden gesetzlichen Vorschriften erfolgen, da er lediglich als ein Vagabunde ohne jede Spur von Legitima­tionspapieren und ohne alle Subsistenzmittel anzusehen ist. _ In der That hat sich auch während der ganzen fünfmonatlichen Haft des Johannis Niemand gemeldet, der nur geneigt gewesen wäre, für ihn sich zu interessiren oder Subsistenzmittel zu ge­währen. Alle hierüber verbreiteten Gerüchte sind völlig erlogen. Noch weniger hat Johannis hier in Berlin Umgang mit hohen Personen gehabt. Er war schon einmal im Jahre 1846 in Ber­lin. Damals führte er den Titel Fürst Koricosz Auf Antrag des damaligen Besitzers des Hotel de Russie, Herrn Fedor Ja- gor, wurde er damals wegen einer Schuld von 114 Thalern zum Schuldarrest gebracht, ohne daß man seine Berechtigung,

sich Fürst Koricosz zu nennen, näher untersuchte. Noch jetzt haben sich die Kellner und Hausdiener gemeldet und ihn mit voller Bestimmtheit erkannt, denen er den Lohn zu jener Zeit schuldig geblieben ist, und ist auch festgestellt, daß er damals einen erheblichen Betrug gegen den hiesigen Kaufmann Kohn versucht hat, dessen Bestrafung aber wegen eingetretener Verjäh­rung nicht mehr erfolgen kann. Joseph Johannis ist daher als ein der öffentlichen Sicherheit gefährlicher Vagabunde polizeilich an die Landesgrenze gebracht und bei Vermeidung der gesetz­lichen Strafen aus den preußischen Staaten verwiesen worden, so wie dies bereits durch Ministerialbefehl vom 27. Mat 1850 in Frankreich geschehen ist. Wenn derselbe dieser Thatsachen ungeachtet noch immer in öffentlichen Blättern behauptet, er sei Prinz von Armenien, s» beweist dies nur eine kaum glaub­liche Unverschämtheit oder eine bis zur siren Idee gesteigerte Täuschung.

Briefe.

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d* Aus der Pfalz, 12. Februar.

Johann Schillers Gedichte.

Es schien eine Zeitlang, als sei in unserm schönen Pfälzer­lande aller Sang verklungen. Die politische Kleinmeisterei schien alle Lyren und Harfen in die Rumpelkammer verbannt zu ha­ben. Drauf ist der Sänger derAmaranth" hervorgetreten, ihm folgte Ludwig Schandein mit seinenGedichten in westricher Mundart", diesem August Becker mit seinemJung Friedet" und in den jüngsten Tagen bietet uns Johann Schiller eine Samm­lung von Poesien unter dem TitelHie Schwert des Herrn und Gideon". An dieser Aufschrift sieht man schon, daß wir es hier mit einem geistlichen Dichter zu thun haben. Noch kla­rer wird dies, wenn wir nur in das Jnhaltsverzeichniß des net­ten Buches schauen, wo uns die einzelnen AbtheilungenBun­tes Allerlei",aus dem Pfarrgärtchen",Sprüche, Sentenzen, Einfälle und Abfälle" undeinige kleine Beiträge zur Pasto- raltheologie" entgegentreten. Weil es ungewöhnlich ist, in diesen Blättern von Erzeugnissen der geistlichen Poesie zu lesen, würde ich wohl über diese Schiller'schen Gedichte geschwiegen haben, wenn der Ton, der in denselben angeschlagen wird, nicht ein so frischer und origineller wäre, daß es schon der Mühe lohnt, auch in weiteren Kreisen auf die Sammlung aufmerksam zu machen. Es ist hier wenig zu finden, waö an jene zarte Innigkeit eines Novalis und seiner Geistesverwandten erinnerte, obwohl durch alle diese Gedichte der Geist des feurig-innigen, thatkräftigen Glaubens weht. Mit derber Hand führt der Sän­ger das Gideonsschwert und läßt scharfe Schläge auf die faulen Stellen des geistlichen und socialen Lebens der Gegenwart fallen. Wohl mögen sie Manchem vielleicht zu derb erscheinen, aber wer es gern mit einer urkräftigen, kerngesunden Natur zu thun hat, der es nicht darauf ankommt, wenn auch hin und wieder eine Unebenheit in der Form mit unterläuft, dem darf ich diese Gedichte und Sentenzen mit gutem Gewissen warm empfehlen. Vor allen möchte ich die Geistlichen darauf aufmerksam machen, die in demBlumenbeete" und an demGartenzaun" des Pfarrers viel Schönes und Pikantes finden dürsten.