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ä Speyer, 8. Februar.

Earnrval. Abbildungen des Doms. Ein projectirtes Monument.

Michael Linz und seine Sammlungen.

Der Fasching ist in unserer Stadt nicht etwa durch besondere Aufzüge vor den Augen aller Welt, aber doch wieder wie in früheren Zeiten recht heiter gefeiert worden. Trotz so mancher Aufregungen und innerer Zerwürfniffe, die in politischer Mei­nungsverschiedenheit ihren Grund hatten, tritt doch immer wie­der die gemütlichere Seite des Lebens bald in ihr altes Recht ein. Dasselbe hören wir aus andern Städten, z. B. aus Kai­serslautern. Ich erwähne dessen hier nur vorübergehend, um da­mit falschen Ansichten in der Ferne zu begegnen.

Die milde Witterung gestattet fortwährend einzelne Arbeiten am Dombau, namentlich wird an der Zurichtung der Werkstücke ununterbrochen gearbeitet, so daß mit dem ersten Beginn des Frühlings der Bau wieder energisch fortgesetzt werden kann. Es ist Ihnen im vorigen Jahre von dem Farbensteindruck geschrie­ben worden, den man zum Vortheil der Dombaukassc heraus­gegeben. Unterdessen sind noch zwei andere Blätter, den Dom in seiner neuen Gestalt darstellend, erschienen. Das eine der­selben, etwa in der halben Größe des privilcgirten Blattes, gibt dieses ziemlich getreu, aber auch mit seinen Fehlern wieder. Zu diesen Fehlern gehören namentlich die Schallfenster der neuen Thürme, die gleich jenen der östlichen Thürme zwei Säulen mit drei Bogen aufweisen, während in der wirklichen Ausfüh­rung nur zwei Bogen mit einer Säule Vorkommen. Diesen Jrrthum vermeidet das jüngst bei Neidhard erschienene, von L. Arras gezeichnete und durch die lithographische Anstalt von A. Gatternicht zu Stuttgart in Tondruck ausgeführte kleinere Bild. Es ist nur 3 / 4 Fuß hoch und z / 3 Fuß breit und eignet sich bei seiner gelungenen Ausführung sowohl zum Einrahmen als zu einer Einlage in ein Album, und wird zu dem äußerst billigen Preis von 30 Kreuzern verkauft.

Da die Bewohnerschaft von Speyer sehr wohl erkennt, welche Zierde und welcher Vortheil ihr durch die innere und äußere Umgestaltung ihres Kaiserdomes erwachsen ist, so möchte sie dem Begründer und unermüdlichen Förderer des herrlichen Werkes, dem Könige Ludwig, einen sittlichen Beweis ihrer Dankbarkeit geben. ES ist darum das Project aufgetaucht, eine fern von der Stadt am alten Hochufer des Rheins entspringenden Quelle auf den Königsplatz zu leiten und dort einen monumentalen Brunnen zu Ehren des greisen Pfalzgrafen zu errichten. Gegen die Ausführbarkeit der Wasserleitung erheben sich zwar ernstliche Bedenken, indessen wird man hoffentlich die Sache selbst nicht aufgeben, wenn sie sich auch nicht eben in dieser Form und Weise realisiren läßt.

Im verwichenen Herbste ist hier ein eifriger, auch in weite­ren Kreisen bekannter Naturforscher und Sammler im höchsten Lebensalter verstorben. Es ist dies der charakterisirte königliche Rath Michael Linz, ein geborner Mannheimer. Der Mann ! hat sein langes Leben hindurch mit Botanik und besonders mit ! Entomologie sich beschäftigt und neben einem reichen Herbarium j eine sehr schöne Sammlung von Käfern und Schmetterlingen ! zusammengebracht. Die Familie wird diese Sammlungen ver- ! äußern und ich halte es für angemessen, auswärtige Liebhaber > und Fachmänner hierauf aufmerksam zu machen. Ob das ento- z mologische Lerikou, an dem Linz viele Jahre gearbeitet hat und ! zu dessen Herausgabe er so oft von Naturforschern aufgemun- ! tert worden, vollendet ist und nun auch zum Vorschein kommen . wird, vermag ich nicht zu sagen, auch weiß ich nicht, in welchem !

Zustande er die zahlreichen illustrirten Abbildungen seiner Käfer und Schmetterlinge, die er mit besonderem Geschick herzustellen wußte, htnterlaffen hat.

Tabletten.

*** In einer der letzten Versammlungen des Musealvereins zu Laibach hielt Professor Dr. Mitteis einen interessanten Vor­trag über die Entwicklungsgeschichte der Theorie des Blitzes und erwähnte dabei die bemerkenswerthe Thatsache, daß an der adria- tischen Meeresküste eine geraume Zeit, vielleicht 100 Jahre und darüber vor der Erfindung des Blitzableiters durch Benjamin Franklin, von der Eigenthümlichkett der Wolkenelektricität, daß spitze Körper auf sie eine sehr große Anziehung ausüben, ein nützlicher Gebrauch gemacht wurde. Er fügte als Beleg einen Brief des Dr, Giovanni Bianchi an die Pariser Akademie an, in dem folgendes steht: Auf einem der Bollwerke des Schlosses zu Duino, das in Friaul, an den Ufern des adriatischen MeereS, liegt, befindet sich seit undenklichen Zeiten eine vertical stehende Pike, mit der Spitze in die Höhe gerichtet. Im Sommer, wenn das Wetter stürmisch zu werden scheint, untersucht der Soldat, der an ,diesem Orte Wache hat, das Eisen der Pike, indem er das Eisen einer Hellebarde, welche immer zu dieser Probe in Bereitschaft ist, daran hält, und wenn er sieht, daß das Eisen der Pike stark funkelt und daß an feiner Spitze ein kleines Bündel Feuer sich zeigt, so läutet er mit einer Glocke, die da­bei hängt, um die Leute, die auf dem Felde arbeiten, oder die Fischer, die auf dem Meere sind, zu benachrichtigen, daß sie von einem Gewitter bedroht werden.

4 ,% Die Wiege, welche die Stadt Paris dem Kinde der Kaiserin der Franzosen zum Geschenk machen wird, dürfte an Pracht und Geschmack die berühmte Wiege des Königs von Rom übertreffen. Sie wird, der Judependance belge zufolge, die Form eines Schiffes haben; am Vordertheil entfaltet ein silbcr- ner Adler seine Schwingen. Am Hintertheil erhebt sich die alle­gorische Figur der Stadt Paris, welche in ihrer ausgestreckten Hand eine silberne Kaiserkrone hält, von der die Vorhänge der Wiege herabfallen. Dieser Figur stehen zu beiden Seiten Kin­der, von denen das eine, mit einem Helm auf dem Kopfe, den Krieg, das andere, mit Oelzweigen geschmückt, den Frieden re- präsentirt. Die drei Statuen sind von Silber und haben halbe natürliche Größe. Die Ender der Füße, worauf die Wiege ruht, sowie die Ballustraden, die sie mit einander verbinden, sind von Silber, während das Schiff der Wiege von Rosenholz ist und am obern Rande einen Aufsatz von silbernem Laubwerk und sonstigen silbernen Zierrathen hat. Dieser Aufsatz hat an jeder Seite in der Mitte ein mit Silber eingefaßtes Schild, das auf einem Grunde von Emaille die Namenszüge Ihrer Majestäten führt. Von den Schildern fallen bis auf die Mitte des Schiffes zwei Blumenguirlanden von Silber, welche bis unter, mit em- blematischen Figuren geschmückte Medaillons herabfallen und dann, die eine nach dem Hintertheil, die andere nach dem Vor- dertheile, wieder cmporsteigcn. Am Hintertheile ist auch das Wappen der Stadt Paris mit dem Wahlspruchc derselben an­gebracht. Die Vorhänge sind von Spitzen (point dAlarpm) und von blauer goldgestickter Seide. Die geschicktesten Künstler von Paris sind bei der Verfertigung dieser kaiserlichen Wiege beschäftigt.

Theater zu Frankfurt.

Samstag, den 16 Februar. Hamlet, Prinz von Dänemark, Trauerspiel m fünf Acten von Shakespeare.

Druck von August Osterrieth.