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Mutter eine Tasse Kaffee und mir eine Flasche rothen Jngel- heimer, sorgen Sie für die Pferde, vergessen Sie aber nicht, daß auch wir müde sind und der zeitigen Ruhe bedürfen!" ■— „Sehr wohl, Ew. Gnaden, wie Sie befehlen!" — „Noch etwas, Herr Wirth," rief Mozart dem Davoneilenden in den Hausflur nach, „meine Mutter wird morgen bei guter Zeit nach Mannheim weiter reisen; lassen Sie also gegen sieben Uhr die Caroffe Vorfahren." — „Sehr wohl, Ew. Gnaden, sollen mich prompt finden!"
An demselben Abend aber hatte der Wirth zur „weißen Burg" gute Losung; denn aus den entferntesten Quartieren waren neugierige Gäste aller Art gekommen, hoch und nieder, reich und arm, männlich und weiblich, den weltberühmten jungen Componisten oder doch — dessen Reisecarosse zu sehen und zu bewundern. Wie ein Bienenschwarm drängte es sich um die Bastionen der rothen Thorpforte bis hinauf zum Carmeliter- kloster; die dunstige Gaststube war zum Erdrücken voll und die Römer kreisten wacker zu Ehren Mozarts, der inzwischen in einem Zimmer deö ersten Stockes mit derMutter die von seiner zweiten Pariser Reise zu hoffenden Erfolge besprach.
(Fortsetzung folgt.)
Dreikönkg, Fastnacht und Ostern
tm Volksglauben und Volksleben. Von AloyS Henningcr.
(Fortsetzung.)
Die Kirche, welche diese ausgelassenen Freuden duldete, damit die menschliche Seele nach ihrem Genüsse die Leerheit, Eitelkeit und Nichtigkeit der irdischen Lust um desto tiefer empfinde, bezeichnet nämlich am Aschermittwoch (äies einerum) die Stirne ihrer Gläubigen mit einem Kreuze aus gesegneter Asche von dreierlei Holz, um sie zu erinnern, daß sie aus Staub gebildet sind und wieder zum Staube zurückkehren werden.
Jetzt ist dies jedoch ganz anders. Die Neuzeit hat, wie die meisten alten Volkssitten, so auch die allgemeinen Volksbelustigungen zur Fastnacht verweht, und wir finden, die Fastnachtstanzmusiken, welche mit und ohne Masken fast noch auf allen Ortschaften statthaben, ausgenommen, förmliche Carnevalslust- barkeiten hier am Taunus nur noch in einigen Städtchen und Flecken, wie namentlich in Oberursel, Höchst, Königftein, Heddernheim. Größere Maskengruppen aber sieht man gegenwärtig auf den Dörfern nur noch selten auftreten, sondern meist vereinzelte „Fastnachten", wie man die Maskirten auch nennt, welche Narrheiten machen, je nachdem sie volkskomisches Talent oder Mutterwitz haben, und maskirte Fastnachtssänger, welche zu zwei, orei und mehreren mit einer Kotze oder einem Korb und einem Säbel von Haus zu Haus gehen und Speck, Wurst, Eier und andere Gaben als Sängerlohn empfangen, wovon sie jene an den Säbel ausspießen, diese in dem Tragkorb auf- bewahren.
Viele der Fastnachtssänger bedienen sich heute nur des alten Kirchenliedes:
Ihr Sünder, kommt gegangen,
Seht Euren Jesum an,
Wie schmerzlich er thut hangen Am harten KreuzcSstamm re.
Doch hört man am Taunus bei dieser Gelegenheit auch noch daS alte Volkslied, welches, da deren Fest in diese Zeit (9. Februar) fällt, mit der Begrüßung der heiligen Appoüonia (Have
Appollonia), der Patronin gegen das Zahnweh, beginnt und hier im Munde der Fastnachtssänger also lautet:
Have, have Lone,
Die Fastenacht geht one.
Drüben in dem HinkelhauS Guckt ein Korb voll Eier heraus.
Droben in der Firste Hängt ein Korb voll Würste.
Gebt uns nur die lange(n)
Die kurze, die laßt hange(n).
Wann wir aber wieder kommc(n),
Woll'n wir auch die kurze(n) nomme(n).
Merkwürdigerweise verfeinern die Sachsenhäuser, trotz ihrer derbdeutschen Mpndart, den Anfang dieses Liedes also:
Hawele, hawele Latte,
Die Fassenacht geht ane,
während man ihm anderwärts den Schluß gibt:
Have, have Laus (Nikolaus?)
Die Fastenacht geht aus.
In ausgezeichneten alten Volksliedern aber findet sich unser Fastnachtslted unter der Ueberschrist: „Havele Hahne" in folgender Form:
Havele, havele Hahne,
Fastenacht geht ane.
Droben in dem HinkelhauS ^>ängt ein Korb mit Eier 'rauS.
Droben in der Firste Hängen die Bratwürste.
Gebt uns die langen,
Laßt die kurzen hangen.
Ri, ra, rum,
Der Winter muß herum.
WaS wollt Ihr uns denn geben?
Ein glückseliges Leben,
Glück schlag' inS Haus Komm nimmer mehr heraus!
Und damit in Verbindung steht folgendes Lied, welches, wohl unpassend, als „Sommerverkündigung" betitelt wird:
Hans Voß heißt er,
Schelmstück weiß er.
Die er nicht weiß, die will er lehren,
Haus und Hof will er verzehren.
Brod auf die Trage,
Speck auf den Wagen,
Eier ins Nest;
Wer mir was gibt, der ist der Best.
Als ich hier vor diesem was,
War hier nichts als Laub und GraS;
Da war auch hier kein reicher Mann,
Der uns den Beutel füllen kann
Mit einem Schilling, drei, vier oder mehr,
Wenn'- auch ein halber Thaler wär'.
Droben in der Hausfirst Hängen die langen Mcttwürst.
Gebt uns von den langen,
Laßt die kurzen hangen.
Sind sie etwas kleine,
Gebt uns zwei für eine;