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aller, die ihm im Leben nahe getreten sind, ein bleibendes Andenken. So wird sich auch unsere Stiftung seiner stets mit dem Gefühl wärmster Dankbarkeit und Verehrung er­innern."

* Eine frankfurter Schülertragövie von einst.

Ein Leser schickt nnS folgende Schulerinnerung, deren praktische Nutzanwendung einleuchtend sein wird: Der in derKleinen Presse" unter der Spitzmarke.Berliner Schülertragödie" geschilderte Vorfall erinnert mich an eine ähnliche Begebenheit auS meiner Gymnasialzeit, die glücklicherweise nicht tragisch auSlief. Fritz und ich, langjährige Schulfreunde und Klassengenossen, verfeindeten uns um einer .Liebe" willen. Wir schauten einander nicht mehr an und erörterten daher nicht, wie sonst, die häuslichen Aufgaben. In diese Zeit des gespannten Verhältnisses siel ein m a t h e m a t i s ch e s Hausexerzitium, wegen desien Fritz und ich bei der Rückgabe vom Direktor einzeln in Untersuchung genommen wurden. Wir hatten wunderbarer Weise einen und denselben Fehler in der nämlichen Aufgabe gemacht und zwar nur wir Beiden. Bei der Inquisition beteuerten wir unsere Unschuld, betonten die Feind­schaft während der letzten Wochen, wußten aber ebensowenig wie der Direktor einen Grund für daS merkwürdige Resultat unserer Ar­beiten anzugeben. Es folgten fast ein Dutzend Verhöre. Unsere Väter wurden in die Schule bestellt, wo ihnen die etwaigen Folgen unseres hartnäckigen Leugnens vor Augen geführt wurden. Sie wiederum quälten unS daheim mit hundert Fragen. Es half alles nichts, wir blieben .verstockte Sünder". Dir Klassenkame­raden sahen uns scheel an, der Direktor, der selbst in der Mathe­matik unterrichtete, ließ unS links liegen und wir waren so gut wie gechaßt" (von eliasssr). Lange hielten wir diesen Zustand nicht aus. Ich beschloß, in aller Heimlichkeit zu fliehen und mich als Vagabund durchs Leben zu schlagen. Auf freiem Felde vor der Stadt stieß ich plötzlich auf Fritz, der ebenfalls entfliehen wollte aber dem Leben für immer. Ich trat auf ihn zu, wir versöhnten uns und gingen schließlich wieder zurück ins Elternhaus. Aber wir blieben g e ä ch t e t bis zum Abgang von der Schule, der, entgegen früheren Plänen, schon folgende Ostern stattfand. Ursprüng­lich wollten wir studieren, aber die erlittene Seelenqual halte uns daS Studium verleidet. Wir traten ins praktische Leben ein und haben eS noch nicht zu bereuen gehabt.

6. A. W.

* Gerichtsvollzieher und Automobil. Zu unserer Meldung von demfreundlichen Empfang" eines Prinz-Heinrich-Fah- rerS werden uns noch folgende Einzelheiten berichtet: Der G e. richtSvollzieher wollte das Auto beschlagnahmen, weil gegen den Besitzer drei Arrestforderungen und zwei Klagen im Betrage von 400 Mk. schweben. Außerdem hatte er den Auftrag, den bei der Fahrt errungenen Preis für sei­nen Klienten zu reklamieren. Die letztere Vorsicht war un­begründet, da der Wagen für die engere Konkurrenz nicht in Betracht kommt. Der erwartete Wagen kam erst nach 8 X A Uhr abends als einer der letzten auf der Forsthausftraße an. Als die Absicht des Exekutors bekannt wurde, bat man ihn, drv Pfändung nicht auf dem Platz vorzunehmen. Der erwartete Automobilist sollte seinen Wagen in der Exerzierhalle der Kaserne in der Gutleut st rahe unterstellen. Als dem Gerichtsvollzieher dort die Zeit zu lange wurde, fuhr er mit der Straßenbahn nach dem Hippodrom. Unterwegs kam der gesuchte Rennwagen vorbei. Der Gerichtsvollzieher sprang sofort ab. aber der Wagen war schon verschwunden. Er traf auch nicht in der Exerzierhalle ein. Vermutlich hat der Auto­fahrer von dem gegen ihn schwebenden Verfahren Kenntnis erhalten und schleunigst Frankfurt den Rücken ge- kehrt. Der Gerichtsvollzieher versuchte übrigens auch noch auf dem Bankett denschuldigen" Autofahrer zu er- Mitteln.

* Danny Gürtlers Heine-Denkmal. Aus S t. G o - arshausen kommt die seltsame Nachricht, daß dieVer­schönerung" des Loreleifelsens durch ein Heine-Denkmal des Herrn Danny Gürtler Tatsache zu werden' scheint, In dem Bericht heißt es, daß am Mittwoch Nachmittag in feierlicher Weise der Grundstein gelegt worden sei auf Privat­grundstücken, die für das Äsnkmal erworben wurden. Gürt­ler hißte nach Schluß seiner Festrede eine Fahne hoch, die die Worte trägt:Dem Dichter Heine". Das Denkmal soll nach einem Entwurf des Bildhauers Kimlen-Stuttgart verfertigt werden. Zum Schluß sollen die einleitenden Schritte zur Grün­dung eines Heine-Vereins getan worden sein.. Wenn dieser Verein seine Aufgabe richtig erfüllt, so wird seine erste Tat sein müssen, zu protestiern dagegen, daß ein Danny Gürt­ler das Andenken des großen Dichters zu Neklamezwecken aus­beutet.

* Unterschlagung im Amt. Der 39jährige Eisenbahn. stationV-Assistent Richard Bender, Schönhof. straße 22 in Bockenheim, ist seit gestern Mittag flüchtig. Bender war an der Güterabfertigungsstelle im Hauptgüter­bahnhof stationiert; gestern wurde eine unvorhergesehene Re­vision der Kasse und Bücher borgenommen, wobei sich größere Unterschlagungen herausstellten, die von Bender aus­geführt waren. Soweit bis jetzt sestgestellt, erreichen die unter- schlagenen Beträge die Summe von 6000 Mark. Bender wird steckbrieflich verfolgt. Er ist 1 Meter 75 groß, hat dunkle Haare und Schnurrbart, blaugraue Augen, Zahnlücke am Oberkiefer, aufrechter Gang, O-Beine, trägt Weißen Strohhut mit schwarzem Band, Stehkragen, schmale graue Binde, dunkelkarrierten Gehrockanzug, rotbraune Strümpfe und Regenschirm. Bender richtete heute morgen an seine Frau einen Abschiedsbrief, in dem er ihr mitteilte, daß er sich heute im Jsenburger Wald erschießen werde und daß seine Leiche dort zu finden sei.

* Kasinotheater. Im Kasinotheater in der Bibergasie gastiert seit einigen Tagen die Wiener K ü n st l e r-V e r- einigung von derFledermaus" aus Wien. Man erbaut sich an Cabaretleiftungen in deS Wortes ursprünglicher Bedeutung, wie eS zuerst war und wie es sein soll. Alles ist literarisch angehaucht, natürlich vom modernen Odem, und alles ist dezent. Man kann ruhig seine Frau und selbst seine jungen Töchter mit ins Theater nehmen. Der Conferencier ist eine Dame, Frl. Lina Vetter, ein Mädchen von eigen­artiger Anmut. Sie verkündet mit lieblicher Grazie, was kommen wird, erzählt mit leichtem Ton und trägt Melodramen mit eindringlicher Pose vor. Peter Altenberg, der bekannt: Wiener Schriftsteller, dessen Charakterbild, von der Parteien Gunst und Haß verzerrt, in der Literaturgeschichte schwankt, steuert viel bei, fast zu viel. Das Beste ist, was von ihm gesagt wird. Die Peter Altenberg-Anekdoten von Dr. Egon Friedell, dem künstlerischen Leiter deS Unternehmens, sind köstlich. Heinz Lebrun singt mit guter Tenorstimme Lieder von Hugo Wolfs und Richard Strauß und betätigt sich mit zwei anderen im Terzett. Sonst seien noch als tüchtige Kräfte. Wen ja Horace und Marion Marlow genannt, sowie oer musikalische Leiter Konrad Scherbe r, der manche eigne Komposition beisteuert. Den Schluß des Abends bildet eine dramatische SatireGoethe", in einem Vorspiel und einem Akt, von Egon Friedell und Alfred Polgar, eine Verspottung der allzu eifrigen Goetheforscher und Schul­pedanten. Egon' Friedell spielt selbst den Dichter, in guter Maske und mit gutem Dialekt.

* Der Konflikt im Baugewerbe. Die Streitigkeiten im Baugewerbe sind noch nicht beendet. Das Gewerbe- g e r i ch t, das als EinigungSamt angerufen wurde, hat gestern sechs Stunden mit den Plattenlegern und den Prin- zipalen verhandelt. Eine Einigung ist aber nicht zustande gekommen. Heute werden die Verhandlungen fort.

' gesetzt.

* Personalien. Prinz Heinrich von Preußen, der während seines Frankfurter Aufenthalts im Hotel Fürsten- Hof wohnte, fuhr heute Vormittag mit feinem Adjutanten im Automobil nach dem Schwanheimer Wald, wo er den Polo- spielen beiwohnt. Von da geht die Reise weiter nach Kiel. Die Prinzess i n Wilhelm von Baden ist gestern hier eingetroffen und hat tm Frankfurter Hof Wohnung ge- 'nommen, begleitet von der Hofdame Freiin von Gemmingen.

* Stenographisches. Der Mainbezirk des M i t t e l w e st. deutschen Stenographen. Bundes (Stolze. .Schrey) hielt in Offenbach feine Frühjahrs-Verfammlung ab. Das Wrttschreiben hatte bet starker Beteiligung ein er- 'treuliches Ergebnis; 83 Preise kamen zur Verteilung, erste Preise erhielten: 280 Silben in der Minute: K. Könnicke. Sachsenhausen; 200 Silben: Wilhelm Post^Oberrad; 200 Sil- den: Frl. Bertha Straßburg-Sachsenhausen' 180 Silben: Fritz HauSmann-Hanau und A. Nättcher-Sachfenhausen; 100 Silben: Hugo Hübschmann-Vockenheim; 140 Silben: Paul Trupp-Gelnyausen und Frl. Elisabeth Dahl-Offenbach; 120 Silben: A. Marx-Frankfurt, K. Blatz-Bockenheim; 100 Sil. ben: Dr. W. Naumann-Bockenheim, Frl. W.Spettel-Frankfurt, Frl. Elise Kropp-Oberrad, Paul Kramer-Sachsenhausen; 80 Milben: H. Rosenfeld-Frankfurt, A. Sertel-Frankfurt, Frl.

, Milly Kneip-Frankfurt. In den Vorstand wurden gewählt:

« Mm Vorsitzenden .Hans Reichel-Frankfurt, Schriftführer Fritz

L. LMmmm-LgM», -Kassiere; L^i§cmü_ Ein­

stimmig wurde eine Resolution angenommen, in der dem Wunsche Ausdruck verliehen wurde, daß das geplante deutsche Einheitssystemnicht unter willkürlicher Bevorzugung eines bestehenden Systems, sondern auf Grund sorgfältiger wissenschaftlicher Forschungen" aufgestellt werde.

* Eine Neunzigjährige. Heute feiert Frau Henriette Seidenstricker Witwe, vorverehelichte Hofmann, wohnhaft bei

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ihrem Schwiegersohn F. M. Barthel, Wöhlerstraße 14, in voller Rüstigkeit ihren neunzigsten Geburtstag. Die Greisin, die ihre sämtlichen Geschwister überlebt hat, ist in Bockenheim geboren.

* Ein Wahrsagerbureau. Am 25. Juni 1907 verur­teilte wie seinerzeit ausführlich berichtet wurde das Schöffen- gericht den zwanzigjährigen .Astrologen" Friedrich Thie- m a n n und seine achtzehnjährige Schwester Maria T h i e - mann wegen Betrugs zu einem Monat bezw. drei Wochen Gefängnis. Sie betrieben mit einem wegen Geistesschwäche fteige- sprochenen dritten Angeklagten in Frankfurt ein Wahrsager­bur e a it, das sehr prosperiert haben soll. Gegen eine Gebühr von 20 Pfennigen bis zu 8Mark wurde den Kunden, die sich auf die pompösen Inserate meldeten,das Horoskop gestellt". Sie erhielten schriftliche Auskünfte, dieje nach dem Planeten", unter dem sie geboren waren, verschieden, aber sonst nach dem Schema F abgefaßt waren. Es wurden da viele Kinder, eine zweite Ehe, ein heiteret Lebensabend ohne Krankheit, eine günstige Lotterie- nummer und ein hohes Alter versprochen. Staatsanwalt und Der- teidigung legten Berufung, gegen die Verurteilung bei der Straf­kammer ein. Diese bestätigte das, erste Urteil.

* Turnerschmerzen. Wir veröffentlichten kürzlich die Be­schwerde eineS alten Turnvetersnrn, der die schwarz-rot-goldene Tnrnerfarbe auf den F e st p o st k a r t e n vermißte. Die Firma Georg I m s a n g (Sacbsenhausen, Brückenflraße 33) überzeugt unS durch den Augenschein, baß Karten, die von ihr herausgcgeben sind, unter anderen auch einen Turner mit dem schwarz-rot-goldenen Banner und Wappenschilder in den alten großdeutschen Burschen- und Turner­farben zeigen.

* Frankfurter Stadltheater. Die erstaAuffüh -

rung des dritten und letzten Teiles von Hebbels NibelungenlragödieKrimhilds Rache" in fünf Akten ist im Schauspielhaus für Ende der nächsten Woche in Aus­sicht genommen. Unmittelbar vorher werden die e r st e n beiden Teile der Trilogie (Der gehörnte Siegfried" undSiegfrieds Tod" wieder gegeben.

* Neuner Wrede. Der Verein Ehemalige 9erWrede" veranstaltet am Sonntag, 21. Juni, in der Landwirtschaftlichen Halle seineFahnenweihe, wozu das 6 Infanterie-Regiment .Wrede" in Würzburg die vollständige Regimentsmusik. sowie eine Deputation von 24 Unteroffizieren abordnet. 45 Vereine von hier und auswärts haben ihre Beteiligung zugesagt. Der Festzug bewegt sich um 2 1 / 2 Uhr vom Börsenplatz nach dem Kaiser-Wilhelm?» Denkmal am Opernplatz, dort erfolgt die Weihe der Fahne durch den Generalleutnant v. Chappuis, von da geht es weiter durch die Goethe­straße, Steinweg. Zeit, Allerheiligenstraße, Uhlandstraße nach der Fcsthalle. Am Montag gibt cs im Frankfurter Konzertgarten, Lange» straße 24, als Schlußfeier ein Konzert mit Schlachtenpotpourri, aus­geführt von der vollständigen Kapelle des 9. Infanterie-Regiments.

* Der Kaiser und die Wohnungsfürsorge. Anläßlich seiner letzten E n g l a n d r e i s e hat der Kaiser die Vorzüge des Ein­zelwohnhauses schätzen gelernt. Um die entsprechenden Bestrebungen bei uns in Deutschland zu fördern, hat der Kaiser eine wertvolle Sammlung guter Pläne englisch erEinzelwohnhäuser von hervorragenden Architekten erworben, die im Auftrag des Kaisers der von E. Abigt herausgegebenen ZeitschriftLandhaus und V i l l a" (DaS Landhaus) in Wiesbaden zu« Veröffentlichung übergeben wurden.

* Die Prinz-Heinrich-Fahrt im Kinenratographen. Die Prinz-Heinrich-Tourenfahrt ist von dem Uniontheater kinemato- graphifch verewigt worden. ES hat Aufnahmen des Bergrennens bei Bacharach, der Huldigung im Schloß zu Darmstadt und der Fahrt durch das Ziel in Frankfurt hergestellt. Sämtliche Bilder wurden bereits gestern Mittag beim Frühstück im Frankfurter Automobilklub vorgesührt.

* Die Sonntagsruhe. Mit 128,475 Unterschriften ist dem Reichstage eine Masseneingabe zur Herbeiführung völliger Sonntagsruhe übersandt worden. Neben dem Deutsch» nationalen HandlungSgehtlfen-Verband in Ham­burg haben dazu auch Kreisvereine und Mitglieder des V e r b a n d s Deutscher Handlungsgehilfen in Leipzig Unter­schriften gesammelt.

* Verein Tierasyl. Zum Besten deS Tierasyls findet am 28. Juni, vormittags 11 Uhr. im großen Saal des neuen Kauf, männischen Vereins eine Matinee statt, bei der Mitwirken: die Herren Auerbach, Polz. Brinkmann, Kirch, Lengbach, Pfeil, Reimann, Dr. Rottenberg, Wanka, und die Damen Einzig. Hartmann, Ilm, Sangora, Sckacko, Urban und Wulf von den Vereinigten Stadt­theatern. Außerdem werden Frau Schöning und Frl. Lydia Stoltze die Frankfurter Mundart zur Geltung bringen.

Heimatkunde. In Schwanheim wirb der Ausschuß für Volksvorlesungen am 23. August im oberen Saale der Turnhalle eine Heimatkunde eröffnen, die besonders die Tiere unserer Heimat vollzählig enthalten soll; doch sollen auch Gegenstände dom geschichtlichen und vorgeschichtlichem Interesse zur Ausstellung kommen.

* Aus Mainz. Stadtv. Hock berichtete in der jüngsten Sitzung der Stadtverordneten-Verfammlung über die Einleitung der Fäkalien in den Rhein. Er bemerkt, daß die Stadt Köln inbezug auf die Kosten für die zu errichtende Klär, bcckenanlage recht unangenehme Erfahrungen gemacht habe; deshalb sei die Stadt Mainz davon abgekommen, eine Klärbeckenanlage zu er­richten. Das Ministerium stimmte ihr zu. Herr Ingenieur R i e n t s ch habe ein neues Verfahren zum Klären der Fäkalienabwässer, ehe sie in den Rhein geleitet würden, erfunden; diese Erfindung sei bereits in verschiedenen Städten Deutschlands mit Erfolg zur Einführung ge­bracht worden. Nach diesen ÄuSftthrungen sprachen sich die Stadt- verordneten im Prinzip mit der Einführung des Systems Rientsch zur Reinigung der Fäkalienabwässer aus. Die Kosten für die Einleitung der Fäkalien in den Rhein belaufen sich auf JC 1,260,000. Sodann beschloß man im Stadtteil Kastel die Regulierung einer Anzahl Straßen, die durch ehemaliges Militärgclände gehen. Mit der Militärbehörde soll über die Breite der Straße eine Einigung herbeigeführt werden. Für die Herstellung von K a n ä l e n in diesen Straßen wurden weitere tM 50,000 bewilligt. Der auf dem Friedhof von M o m b a ch stehende B r u n n e n soll aus gesund­heitlichen Gründen entfernt und 25 Meter vom Friedhof ausgestellt werden.

* Au8 Gießen. In der gestrigen Sitzung der Stadt- verordnete'n teilte der Oberbürgermeister mit, daß die Eiscnbahndircktion Frankfurt die jahrelangen Bemühungen der städtischen Verwaltung um Anlage einer H a l t e st e I l e im Norden der Stadt am Nodbery aus finanziellen und vcr- kchrstcchnischcn Gründen endgültig abgclehnt habe, obgleich man bereit war, die Kosten der Anlage und der ZugangsstLaß: zu übernehmen. In der Debatte tadelten die verschiedenen Redner scharf daS Verhalten der Eisenbahn der Stadt Gießen gegenüber, das im Gegensatz zu dem weitgehenden Entgegen, kommen gegen Landgemeinden stehe. Man beschloß in der Angelegenheit erneut vcrzugehcn. Die Beschwerden der Ober hessischen Vie hhändlcrvereins über die Art und Weise ihrer Behandlung auf den Giehencr Vieh- Märkten durch die Schutzleute wurden von den Stadtverord- netcn für berechtigt erklärt, es wurde anerkannt, daß diese Beamten bei klemen Differenzen, die auf großen Märkten un- vermeidlich sind, gleich zu schroff auftreten. Schon durch diese Besprechung hofft man einen Wandel zum Bessern herbeizu- führen. Auch eine schnellere Abfertigung beim Auftrieb durch Hinzuziehung eines weiteren Kontrollbeamten sagte der Ober- bürgermeister zu. Stadtverordneter Eichenauer prote- stierte gegen die Behauptung de» LandtagSabgcordneten K ö h- l e r, in einer Eingabe an die Zweite Kammer, die Viehhändler seien Parasiten. Stadtverordneter Krumm meinte dagegen, es sei töricht, Köhler ernst zu nehmen. Die Kirch enge- m e i n d e wünscht zur Abhaltung von evangelischen Gottes- d' 0 Lstenim Sommer die Ueberlassung^der AriedhofskapM

Sonntag-Nachmittagen. Der Antrag wurde an die juristische

Kommission zur Erstattung eines Gutachtens verwiesen. Wäh- rcnd der Sitzung erklärte der Oberbürgermeister, daß infolge Eingangs einer dringenden Depesche die öffentliche Sitzung auf einige Zeit unterbrochen werden müsse, um eine sehr dringliche Angelegenheit in geheimer Sitzung zu erledigen. Später wurde mitgeteilt, daß eine eiligst ernannte Kommission beschlossen habe, an das Mini- sterium ein Telegramm zu richten des Inhalts, daß die Versammlung die von der ReichSregierung und dem hessischen Ministerium verlangte Abänderung des Brannt- wein - OktroitarifS nicht abgelehnt, sondern nur eine Zurückverweisung an die Kommission beschlossen habe. Der neue Tarif entsprechend den Wünschen der Reichs- regierung und deS Ministeriums hätte gutgeheißen werden sollen. Der Beigeordnete Keller hatte, so wurde erklärt, über den früheren Beschluß an das KreiSamt irrtümlich und unklar berichtet.

* Geistesgestört. In seiner Wohnung im Parterre Kölner- straße 63 erhängte sich gestern Abend rn Abwesenheit seiner Frau, der 30jährige Rangierer Karl Germann, nach­dem er erst sein ein Jahr altes Kind durch das Fenster auf die Straße geworfen hatte. Das Kind ist noch am Leben. Man vermutet, daß Germann geistesgestört war.

* Vermischtes. Der 43jährige Weißbinder Heinrich G ö l z er- litt gestern schwere Brandwunden beim Ausbeffern einer Küche in der Erbbaustraße, da sich ein Topf brennender Schellacks über seine Hände ergoß. Der siebzehnjährige HauSbursche Friedrich Opitz wurde heute morgen von einem Lastfuhrwerk überfahren und schwer verletzt. Bei einem Neubau in der Bredowstraße wurden ein Monteur und ein Maurer durch herabsallende Eisenstücke verletzt.

LlnS der Nachbarschaft.

Der Wirteverein in Offenbach hat der dortigen B ür- germeisttrei eine Denkschrift vorgelegt mit der Bitte, die Ein- führung derBedürsniSfrage bei Erteilung der K o n- Zession zum Betrieb von neuen G a st - und Schank» wirtschaften durch Ortsstatut festlegen zu wollen. Das Gesuch stützt sich auf die Tatsache, daß in Offenbach zurzeit eine weit über das Bedürfnis hinausgehende Anzahl von Wirtschaften vor­handen ist, in Offenbach kommen auf je 180 und in Bürgel sogar auf je 115 Einwohner eine Wirtschaft.

In der L e d e r f a b r i k von I. M a y e r u. S o h n in O f f e n- b a ch entstand am Donnerstag Nachmittag im oberen Stockwerk eine? FellagerS infolge Unvorsichtigkeit bei Ausführung von Jnftallations- .arbeiten ein Brand, der durch daS rasche Eingreifen deS Fabrikper­sonals gelöscht werden konnte.

Dom 20. bis 22. Juni wird in Neu-Isenburg das Be- zirksturnfestdrS ersten Bezirks vom neunten KrriS deS D e u t - scheu ArbeiterturnerbundeS abgehalten. Besonderes Interesse dürsten die von über 200 Turnern gestellten, mit fünf elek- -Irischen Scheinwerfern beleuchteten Maffenphramiden finden, die in einer Front von 60 Metern und einer Höhe von 10 Metern vorgesührt werden. Durch Gesangsvorträge, Konzert usw. wirdUnterhaltung für jeden Besucher geboten sein.

Vorträge, Versammlungen und Vereine.

* Der Verein der Straßenbahner begeht am 20. Juni, Abends 8 Uhr, im Neuen Kaufmännischen Verein, am Eschenheimer Tor, sein Stiftungsfest.

Frankiurier V erkehrrverein, Kaiterstraße 50: erteilt allen Fremden kostenlos mündlich und schriftlich Auskunft über Frankfurt und Umgebung. _ , , m .

Frankfurters ußballklub Britannia: Vereinslokal Gallusgarten. Mainzer Landstraße 257. Samstags 9Uhr, Migliederver-

liHitalischer Verein: Samstag. 20. Juni. 7 Uhr, Prof. Dr Brendel; Was ist die Zeit und wie messen wir sie?

Architekten- und Jngenieurverein: Samstag. 20. Juni. Besichtigung der Darmstädtter Ausstellung. Ab 2 Uhr 4 Haupt- bahnhof.

Bezirksverein Deutscher Chemiker:SamStag.20.Juni. 8 Uhr. Monatsversammlung im Restaurant Faust.

Kan arten-Klub: Samstag HO. Juni 9 Ubr. Versammlung im Vereinslokal: Sonntag. 5. Juli Nachmittags. Sommerfest auf der WilhelmShöbe Friedberger Landstraße 325.

Beranügungsklub cunger Leute: Samstag. 20. Juni, 10 Ubr. Versammluug im König von England. Battonustraße 70. Sonntag. 21. Juni Ausflug in das Lorsbacher Tal und nach Eppstein. Zusammenkunst 3 / 4 2 Uhr im Hauptbahnhof. Abfahrt 2 Uhr 6 nach Lorsdach.

Ivatein.

* Medizin. Zu einem hiesigen bekannten 'Arzt, der Junggeselle ist, kam öfters eine Dame, die an allen möglichen [Krankheiten leiden wollte. Der Arzt -wußte schließlich kei­nen bessern Rat, als zu sagen:Heiraten Sie, mein Fräu­lein.Sehr gerne, war die Antwort,wenn Sie mich wollen. Der Arzt beugte jedoch erschrocken vor: Ich ver­schreibe bloß die Arznei, aber einnehmen tue ich sie nicht. _ __ ^

Von nah und fern.

li Mainz, 19. Juni. In Gemeinschaft mit Vertretern des Ministeriums und des Kreisgefundheitsamtes Mainz be­sichtigte das städtische Tiefbauamt auswärtige städtische. Klär- anlagen. Die Stadt erhielt darauf vom Ministerium die Ge­nehmigung, daS Abwasser einschließlich der Fäkalien nach Klä­rung durch eine Feinrechenanlage in den Rhein einleiten zu dürfen. Nachdem nun von verschiedenen Fachfirmen Pläne Und Angebote eingeholt worden sind, entschloß sich die Stadt, verordnetenversammlung grundsätzlich für das S y st e m Rientsch, daS bereits in verschiedenen Städten Deutsch- lands mit Erfolg eingeführt worden ist und daS die Abwässer ohne die kostspieligen Klärbecken reinigt. Die Kosten für die Einleitung der Fäkalien in den Rhein belaufen sich auf etwas über ein Million. Unser Oberbür germei st er betreibt allerlei Handwerke im Nebenamt. In seiner Wohnung kann man die von ihm gemalte prächtige Kopie des Murilloschen Gänsedieb" hängen sehen, eines Bildes, das ein Prachtstück unserer Gemäldegalerie bildet. Hübsche Schreinerarbei­ten zeugen davon, daß Herr Göttelmann auch sehr geschickt den Hobel führt, also, aar nicht darauf angewiesen tst, tue Zügel unserer Stadt zu führen. Herr Göttelmann ist auch ein guter Musiker. , ....

d Mainz, 18. Juni. Der am Hauptbahnhof verunglückte Packtrager Goldschmidt hat einen Wirbelbruch erlitten und wird kaum mit dem Leben davonkommen. Zwischen einem Friseur und seiner Frau entstand in vergangener Nacht ein Streit, wobei sich die Frau mit einem Rasiermesser bewaffnete. Als ihr Mann auf sie losging, brachte sie ihm einen furchtbaren Schnitt über die Nase bei. Der Verletzte mußte in oaS Krankenhaus gebracht werden.

k Mainz, 18. Juni. In dieElektrische" e i n g e - schlagen hat eS bei dem Gewitter am Mittwoch Morgen. Ein Motorwagen der Kostheimer Linie hatte vermutlich an seinem Blitzableiter jeder Wagen hat deren zwei einen Defekt. Der Blitz schlug ein, sodaß der Wagen auf offener Strecke halten und von einem anderen Wagen weiterbefördert werden mußte. Unfälle verursachte der Einschlag nicht, denn bei einem Gewitter werden sofort in den fahrenden Wagen die Lichter angezündet, sodaß die Erdleitung hergestellt ist. Man kann also ohne Sorge bei einem Gewitter dieElek- irische" benutzen. In Kastel schlug der Blitz hinter der Pionicrkaserne und nt den tn Tätigkeit befindliHen Motor

fk Darmstadt, 18. Juni. Die Untersuchung gegen den Notar Link» Dieburg hat ergeben, daß Link etwa JL 10,000 amtliche Gelder unterschlagen und Jt 70,000 Privatschulden ausgenommen hat. Link, der als Student in Gießen ein einfache« Leben geführt und sich mit dem Verdienst aus Erteilung von Privatunterricht durchschlug, geriet durch Uebernahme von Bürgschaften, die er für Verwandte seiner Frau in Friedberg eingegangen, in Schulden. Link wird auf Anlaß seiner Frau und seines Verteidigers Dr. Geßnrr-Darmstadt in der Gießener Klinik auf seinen Geisteszustand untersucht. In den Kreisen der von Link Geschädigten herrscht nun zum Teil die Ansicht, daß bei etwaiger Feststellung einer geistigen Anormalität die von Link sanktionierten Verträge, Testamente usw. hinfällig seien. Diese Anficht ist irrig. Der Notar war aesetzltch bestellt, infolgedessen sind sämtliche Verträge, die er abgeschlossen, gültig, auch, wenn er damals etwa geistig anormal ge­wesen ist. E» ist im Gesetz kein Passu» enthalten, der besagt, daß rin Notar oder Richter zurechnungsfähig fein muß. (DaS scheint denn doch eine etwa« gar sonderoare BewriSfüdrung. D. Red.)

ist: Gießen, 18. Juni. Am Montag sollte vor dem Schöffen. gericht der BeleidigungSprozeß des natronallibe- ralen Rechtsanwalts Kaufmann gegen den Oberlehrer Werner, früher hier, jetzt in WormS, in dem bereits vor vierzehn Tagen Termin angestanden hatte, verhandelt werden. Werner soll in öffentlicher Versammlung seinen politischen Gegner der Unwahrheit geziehen haben. Die Sache mußte auch heute wieder abgesetzt werden, weil daS Ministerium die Akten eingefordert und noch nicht zurückgesandt hatte.

o.- Lich, Oberhcssen. Für das 35. Turnfest deS GaucS Hessen, das vom 20. bis 22. Juni hier abgchalten wird, ist eine so zahlreiche Beteiligung von Turnern zu erwarten, wie sie bis jetzt noch wenig im Gau erreicht worden ist. ES haben sich 58 Mustcrriegcn angemcldet, die sich am Gruppenturnen des Sonntags zu beteiligen gedenken (im vergangenen Jahr in Bad Nauheim waren es nur 42). Alte geschichtliche Er­innerungen, die unser Ort, dem schon im Jahre 1300 von .i_ Sioitreiie verliehe;: word-ri stnH, bietet, sowie

X.

__10. Juni 1908.

seine herrliche Lage inmitten des prächtigen, von bewaldeten

Bergen eingeschlossenen WiesentalS der Wetter werden neben den turnerischen Uebungen und den üblichen Vergnügungen wohl jeden Gast erfreuen. Es wird vermutet, daß der Groß­herzog von Hessen zu Besuch bei seinem Schwager, dem Fürsten Karl, eintreffen wird.

r Bischofsheim bei Mainz. Der 17. Juni war für den westlichen Teil der Mainspitze sehr verhängnisvoll. Am Vor­mittag schluig der Blitz in Gustavsburg ein. Ein-I mal geriet ein Haus in Brand, Hum anderen wurde die elektrische Leitung der Vereinigten Maschinenfabrik> stark gestört. Alle Sicherungen waren durchgebrannt und eine Reihe von Maschinen beschädigt. Der Betrieb muhte mehrere Stunden ruhen. In der darauffolgenden Nacht entstand j gegen drei Uhr in dem Wohnhaus und Schlachtraum des Metz- germeisterS Johann Nothnagel ein Brand. Das ganze! Anwesen wurde eingeäschert. Der Feuerwehr gelang es, bte 1 Mcbilien zu retten und die Nachbargebäude zu schützen. »

Nierstein. Jüngst hatte an der Landestelle der Dampfboote' hier ein Niederländer großer Dampfer nachts angelegt. Als er ab­fahren wollte kam die fliegende Brücke vom jenseitigen Ufer herüber und nun fuhr der Dampfer in daS Bereich der Brückenverankerung! hinein und verwickelte sich mit dem Anker in die Kette> der Brücke. Zum Glück hielt die Kette den Ruck aus. andernfalls! wäre die Brücke, die beseht war. ins Treiben gekommen, eS dauerte! längere Zeit, bis Dampfer und Brücke von einander loskamen. Aehn-! liche Unfälle kamen in letzter Zeit häufiger vor, sodaß man dringend' eine Abhilfe erwartet. -

Kastel, 18. Juni. Seit einigen Tagen fehlt hier der 28 Jahre alte Karl F i m m er: man glaubt, daß ihm ein Unglückzugestoßenist.!

I St. Goarshausen, 17. Juni. Am Fuße des Loreleiselsens; tvurde heute Nachmittag der Grundstein zu dem von Herrn. Danny Gürtler erworbenen Heine-Denkmal gelegt. Zu' dem Zweck waren, wie seinerzeit berichtet, einige Privatlände-- reien erworben worden, und auf diesem Privatbesitz soll sich das Monument vom Bildhauer Kimlein-Stuttgart erheben.. Gürtler hißte nach Schluß seiner Festrede eine Fahne hoch.^ die die Worte trägt:Dem Dichter Heine". Mit einem Ge-' sang schloß die einfache Feier, nach welcher die einleitenden! Schritte zur Gründung eines Heinevereins getan wurden.

8 Münster a. Stein, 18. Juni. Gestern wurde die neu­erbaute evangelische Kirche eingeweiht. Land.' tagsabgeordneter Pfarrer D. Hackenberg brachte als Präses der Rheinischen Provinzialsynode die Glückwünsche der evangelischen Kirchen Rheinlands. Superindentent Wenzel. Waldalgesheim hielt die Festprediat. Generalsuperindentent U m b e ck überreichte dem Pfarrer Zimmerman n-Münstcr den Roten Adlerordcn II. Klasse, dem Architekten Kuh!-- mann den Kronenorden II. Klasse und dem Baumeister! Kaufmann-Münster das allgemeine Ehrenzeichen.

V Firamersheim, 19. Juni. Die jüngste Bürgermeisterwahl führte u. a. zu einer Spaltung des Turnvereins tn zwei sich nicht' freundlich gegenüber stehende Vereine. Am Sonntag besuchten nun beide Vereine das Turnfest zu Flonheim und gerieten dort in heftigen Streit. Bei dieser Gelegenheit nahm der neugegründete Verein, der keine Fahne besitzt, dem alten Verein die Fahne ab. Ein Prozeß wird die Folge dieses Fahnenraubs sein.

A Auö Nassau, 17. Juni. Die Gründung eines nafsauifchen Heimat-Abends ist gelegentlich der im September in Kamberg stattsindenden Hauptversammlung des Vereins nassauischer Land- und Forstwirte" in Aussicht genommen. Die Idee zu dreier Veranstaltung geht von Landrat B ü ch t i n g - Limburg aus. An der Hand desNassauischen Trachtenbuchs" soll ein möglichst vollkommenes Bild deS ehemaligen Trachtenreichtums unserer Heimat gegeben werden. AuS den einzelnen Bezirken Nassau» sollen Personen in der früher dort heimisch gewesenen Tracht austreten. Neben der Tracht soll der Heimat-Abend haupt­sächlich dem alten nassauischenVolkslied gewidmet sein. Die Mitwirkcnden erhalten freie Hin» und Rückfahrt und freier Quartier im Fcstort Kamberg.

1 Frankenbern, 18. Juni! Beim Baden im Ederfluß er­tranken gestern hier und in Viermünden zwei Knaben. -

1 Marburg, 18. Juni. Der weiße Schwan an der Schwarrenapotheke erglänzt heute früh im blauen Anstrich. Es handelt sich um einen Studentenulk am Stiftungstage der Teutonia.

* Kirchhain, 18. Juni. Ein Sittlichkeitsverbrechen wurde gestern im Felde an einer Frau und einem jungen Mädchen begangen. Der Unhold wurde noch an demselben Tage fest­genommen. ,Jm Besitze des sich heftig Wehrenden fand man einen sechsläufigen geladenen Revolver. Der Verbrecher soll aus Rauschenberg stammen und sich Funk schreiben.

«I Mannheim, 17. Juni. Eines der wertvollsten Grab­denkmäler auf dem Friedhof ist das auf dem Kommerzienrat D i s f e n e scheu Familrengrab. Heute früh fand man es, rn . schwerbesLädiatem Zustand vor. Ein Engel, der die Züge eines in jungen Jahren gestorbenen weiblichen Fami­lienmitglieds trägt, bleibt beim Besteigen von Felsstaffeln wie sinnend stehen. Der eine der beiden mächtigen Flügel dieser Figur lag völlig zertrümmert aüf dem Boden. Ob ein Mate-. rialfchler die Ursache ist oder boshafte Sachbeschädigung vor- liegt, muß erst noch festgestellt werden. DaS Denkmal kostete Mk. 20,000.

A AuS Batzen, 18. Juni. Der kürzlich in Lahr zusammen­getretene Verband der Lahrer General-Fechtschule be­schloß mit den Stimmen der Delegierten aus Darmstadt, Frankfurt, Heidelberg. Mannheim, Offenbach und Straßburg gegen jene der Leipziger die Auflösung des Verbands. Der Grund für diesen Beschluß ist in dem Rückgang der Ortsverbände und in dem Umstande zu erblicken, daß das Lahrer Waisenhaus finanziell unabhängig ge­worden ist und keiner Unterstützung mehr bedarf. Die Ortsverbände bleiben für lokale Wohltätigkeitszwecke bestehen.

mr AuS dev Pfalz. Unweit M a u d a ch stürzte ein mit Möbeln hoch beladener Wagen, auf dem neben dem Kutscher, sich auch die gesamte Familie, Mann, Frau und Kinder, befanden eine hohe Böschung hinab, wodurch Insassen und Möbel stark Ve»letzt wurden. JnKleinkarlbach hat der kürzlich gestorbene Guts­besitzer H a m m e l der politischen Gemeinde Jt 10,000 testamentarisch zugewiesen mit dem Bemerken, daß die Zinsen zu wohltätigen Zwecken zu verwenden seien. In Schweighofen geriet der 61 Jahre alte Ackerer Jakob Reiß unter seinen schwer beladenen Wagen, dessen Räder über ihn gingen; er büßte dabei sein Leben ein. In Odernhetm wurde das Hoffmannsche Oekonomie- a n w e s e n durch Großfeuer in Asche gelegt. Wegen Brandstiftung wurde der Knecht Johann Mo h r verhaftet. Auf der Station Biebermühle erfaßte eine Maschine den Bahnarbeiter Emil Wagner und schleuderte ihn auf die Seite, wobei ihm der Kopf gespalten wurde.

! Gissigheim bei Tauberbischofsheim, 17. Juni. Bei einem Gewitter, das heute Morgen gegen neun Uhr über unfern Ort zog, schlug der Blitz während des Unterrichts in das S ch u l h a u s (ehemaliges von Bettendorffsches Schloß) ein, ohne zu zünden. In der unmittelbar neben dem größeren Schulsaal gelegenen Küche fuhr der Blitz durch den Kamin an dem Herd vorbei zu der beim Wasserabfluß gelegenen Mauer, die stark beschädigt wurde. Der Schülerschar be-! mächtigte sich «in panischer Schrecken.

Gerichiszeifung.

Frankfurter Strafkammer.

Das Pferd und die Miete.

Der Fuhrunternehmer Friedrich Brand schuldete einem Maurermeister 236 Mark an rückstän- oiger Miete. Er wurde verklagt und Unterzeichnete am 29. Februar 1908 in einem Restaurant einen Schein, wonach er den Maurermeister, falls er an demselben Tage nicht zahlen werde, ermächtigte, ihm ohne weiterer ein Pferd aus dem Stall zu nehmen. Da er in der Tat nicht zahlte, erschien der Maurermeister mit einem Weißbinder gegen Abend im Stall und nahm in Abwesenheit Brands ein Pferd heraus. Brand zeigte darauf den Maurer, meistcr und den Weißbinder wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs an. Das brachte dem Brand eine Anklage wegen wissentlich falscher An», schuldigung und eine Strafe von sechs Wochen Gesang j niS ein.

* SchadenSersahpflicht deS Gerichtsvollziehers. Der Ge- richtSvollzieher W i t t i ch in Darmstadt hatte einen Wechsel über 800 Mark verspätet protestiert, infolgedessen dar Wechsel-. recht erloschen war. Der Besitzer des Akzepts in Frankfurt machte deshalb den Gerichtsvollzieher für den Wechsel verant-. wörtlich und klagte beim Tarmstädter Landgericht. Um den Anspruch für gerechtfertigt zu erkennen, muhte der Agent Nachweisen, ob an dem Akzeptanten deS Wechsel» etwas zu holen war in dem Augenblick, als der Protest vorgenommen wurde. Die Beweisaufnahme ergab ein negatives Resultat. Darauf stellte der Kläger den weiteren Antrag: daS Gericht möge feststellen, ob der Gerichtsvollzieher überhauvt schaden-^ ersatzpflichtig sei. Die Kammer erkannte: der Gerichts. Vollzieher ist schadenersatzpflichtig.

* Ungetreuer Gelverheber. Vor der Strafkammer in Darm­stadt hatte sich der Steinbrucharbeiter A. N. Eck r ich von Klein - Auheim w:gen Unterschlagung und Urkunden­fälschung zu verantworten. Eckrich hatte in seiner Eigenschaft als Gelderhcber des soziald» mokratischen Arbeiterhilfsvereins über 500 Mark vereinnahmt und für sich verwendet und die Belege gefälscht. Er würbe in sechs Monaten GefänaniS ver­urteilt./