19.‘ güHFTÜUSr.
-Sil eine
Seit dem ersten Tage ihres Bestehens, seit 24 Jahren,
,Veröffentlicht die „Kleine Presse“ täglich Bilder der verschiedensten Art. Es sind viele tausend Abbildungen, die in diesem langen Zeitraum in unserm Blatt erschienen sind. Sie behandeln, wie es für eine Tageszeitung notwendig ist, vorwiegend die Zeitereignisse, das, 'was jeder Tag an bemerkenswerten Vorfällen bringt, die sich zu bildlicher Darstellung eignen. Daneben ist die ^Kleine Presse“ bemüht,
neue Erscheinungen der Technik,
neue wissenschaftliche Entdeckungen,
neue Kunstwerke,
neue Bauten von Bedeutung,
die Porträts berühmter Persönlichkeiten,
schöne Landschaften,
Reproduktionen berühmter Gemälde, interessante Szenen aus dem Volksleben, sportliche Wettkämpfe
Und eine reiche Fülle von sonstigen Stoffen im Bilde vorzuführen.
Eine Reihe von andern Blättern hat in der Zwischenzeit versucht, ebenfalls Illustrationen zu veröffentlichen. Das ist aber so einfach nicht. Es gehört dazu eine eigne technische Einrichtung und eine lange Schulung, ein umfassendes, gesammeltes und stets neu herbeizuschaltendes Bildermaterial, eigne Zeichner oder zum mindesten selbständige photographische Aufnahmen. Blätter, die sich damit zu behelfen suchen, daß sie aus llassenbilderfabriken Kli- chees beziehen, können den wirklichen Ansprüchen einer illustrierten Tageszeitung nicht gerecht werden; sie können vor allen Dingen nicht die Ereignisse des eigenen Verbreitungsgebietes gebührend berücksichtigen, Der aufmerksame Leser sieht bald den Unterschied, ob die Bilder znm Wesen des Blattes gehören, oder ob sie nur zufällige und willkürliche Zutaten sind.
Die „Kleine Presse 44 ist von allen täglich illustrierten politischen Volkszeitungen im deutschen Reich das älteste und das verbreitetste Blatt.
• Frankfurt, 19 . Juni.
Der GeHeimerlatz bayerischer Metallin-ustrieller.
Zum Pfingstfest hatte der Verband bayerischer Metallindustrieller einen Geheimerlatz versandt, der von den Technikern, Ingenieuren und Handlungsgehilfen <ils ein schwerer Eingriff in das Koalitionsrecht empfunden wird. An allen Orten rühren sich die Beteiligten und nehmen in Protestversammlungen gegen den Erlatz Stellung. Die brestgen Ortsvereine des Vereins der deutschen Kaufleute hielten gestern in der Börse eine Bersamm-
fung nfr. Ä. x ü Tt •i fj « t » ‘•JKixrtoexg exfititicie 5lefcr<xt.
Er wies nach, daß eine tatkräftige Sozialpolitik nötig sei, die nur von den einzelnen Berufsorganisationen getragen und gestützt werden könne. Das «Vorgehen des Verbandes bayerischer Metallindustrieller zeige, daß zwischen Handarbeitern ünd geistigen Arbeitern kein Unterschied gemacht werde. Durch den Geheimerlatz sollen die Berufsorganisationen der Angestellten vernichtet werden; das müsse man mit allen Mitteln bekämpfen. Der Erlatz richte sich gegen die Forderung des Bundes der technisch-industriellen Beamten, der den Versuch, das Koalitionsrecht zu schmälern, unter Strafe gestellt wissen und die Konkurrenzklausel beseitigen will; ferner wende sich der Erlaß gegen die vom Bund und auch von den kaufmännischen Angestellten erstrebte gesetzliche Festlegung einer bestimmten Arbeitszeit an Sonn, und Werktagen. Daß der Bund sich zur Gewerkschaft „erniedrigt" habe, sei ein Vorwurf im Geheimerlah, den man sich ruhig gefallen lassen könne. Eigentümlich sei es, daß bie Forderung nach einem Mindestlohn im Erlatz als „unerhört" gebrandmarkt werde. Von Augsburg, wo die ersten gelben Gewerkschaften gegründet wurden, sei auch der erste Vorstotz gegen die Organisation der technischen und kaufmännischen Privatbeamten ausgegangen. Als am 5. Juni der Erlatz be- kannt wurde, habe sich fast die ganze deutsche Presse auf die 'Seite der Angegriffenen gestellt. Der Verband habe unter dem Druck der öffentlichen Meinung die gewundene Erklärung abgegeben, daß man einen Aufschub in dem Vollzug des Rundschreibens eintreten lasse, um neu eingegangenes Material zu prüfen. Wenn der Erlatz auch zurückgenommen werden sollte, so werde doch ein Stachel Zurückbleiben. Mit 'der Arbeiterschaft Schulter an Schulter müsse man kämpfen zwecks Hebung aller Stände, die um Lohn und Brot tätig sein müssen.
. In der Diskussion meinte Ludwig Katz, der Erlaß sei von einem Männe entworfen, der offenbar gar keine Ahnung
von Sozialpolitik habe. Ter Geheimerlaß sei ein brutaler Eingriff in das Arbeitsverhältnis. Der Handlungsgehilfen- stand sei schlechter bezahlt als der Arbeiter. Das liege daran, daß er zu wenig organisiert sei. Arbeitersekretär Thomas hob hervor, der Erlatz habe bewiesen, daß es eine Illusion sei, wenn man glaube, daß Arbeitgeber und Arbeitnehmer, in einer Organisation Zusammenwirken können. Die Gehilfenschaft müsse sich ebenso wie die Arbeiterschaft organisieren und mit ihr zusammengehen. Max Cohen empfahl den Anschluß an den Zentralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen. Katz, Grünthal und Thomas erwiderten, daß in der vorliegenden Frage der Parteistandpunkt ganz auszuscheiden habe. Um Mitternacht wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:
Die Versammlung erhebt mit aller Entschiedenheit gegen den Versuch des Verbandes bayerischer Metall- industrieller durch Brotlosmachung technischer und kaufmännischer Angestellten das freie Koalitionsrecht zu beseitigen, Prot-est. Wie die Großindustriellen für sich das Recht des Zusammenschlusses in Jnteressenverbänden in Anspruch nehmen, verlangen die Angestellten auch für sich das gleiche Recht, zur Erreichung besserer Arbeitsbedingungen Berussvereinen anzugehören. Tie Versammlung dankt allen denen, die das Vorgehen der Metallindustriellen scharf verurteilen, vor allen Dingen der Presse für ihre tatkräftige Unterstützung der Angestellten. Tie Versammlung appelliert an das Standesbewußtsein aller technischen und kaufmännischen Angestellten, die sich bisher irgend einem Verband noch nicht angeschlossen haben, und erwartet von diesen, daß sie durch Eintritt in die Organisationen an der Verwirklichung der großen Ziele, welche sich die Verbände gestellt haben, regen Anteil nehmen. Tie Versammelten erklären, daß sie mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln an der Aufklärungsarbeit teilnehmen werden und erwarten von allen Bevölkerungsschichten eine Unterstützung in diesem ausgezwungenen, gänzlich unberechtigten und vom Zaun gebrochenen Kampfe.
DervandStag der Zigarren-Laveninhaber.
11.
Um eine Preisschleuderei in Zigaretten zu verhindern, war eine Konvention zwischen Fabrikanten und Händlern geschlossen worden. Die Grossisten verpflichteten sich darin, nicht unter einem bestimmten Preis an Tetailgeschäfte zu verkaufen. Da diese Abmachungen vielfach nicht eingehalten werden, waren Anträge auf Kündigung der Konvention gestellt worden. Ein Antrag Berlin verlangte ein Zeichen für die Zigarettenpackungen, um eine Kontrolle zu ermöglichen. Andre verlangen, daß nur mit einem zehnprozentigen Aufschlag an Detaillisten verkauft werden darf. Nach längerer Debatte wurden alle Anträge abgelehnt und die Verlängerung der Konvention beschlösset!.
Sehr eingehend wurde dann über Achtuhrladen- s ch l u tz und Sonntagsruhe gesprochen. Von allen Rednern wurde verlangt, daß auch die Wirte, Kioske, Automaten, Bahnbofsrestaurateure, Friseure, kurr alle Gewerbetreibende, die Zigarren verkaufen, den gleichen Sonntagsrühebestimmun- gen. was den Verkauf von Zigarren betrifft, wie die Zigarrenhändler, unterworfen werden. Nach einer Statistik wurde sestgestellt, daß in 28 Städten noch der allgemeine Neunnbr- Ladenschlutz besteht, in 12 Städten der allgemeine Achtuhrladenschluß, in 22 Städten mit Achtuhrladenschlutz ist den Zigarrenbändlern das Offenlaffen der Läden bis neun Uhr gestattet. Fast überall ist die Sonntagsruhe anders geregelt. Es gibt Städte, in denen Sonntags zehn und acht Stunden gearbeitet wird, 41 Städte haben eine fünfstündige Verkaufszeit, 12 eine vierstündige, 3 eine dreistündige, 2 haben zwei Stunden Verkaufszeit, völlige Sonntagsruhe besteht nur in zwei Städten. Es wurde eine reichsgesetzliche Regelung des Ladenschlusses und der Sonntagsruhe verlangt und besonders gegen die Bevorzugung der Wirte in den Sonntagsruhe-Bestimmungen Protest erhoben. Angenommen wurde ein Antrag Stratzburg: den geschäftsführenden Ausschuß zu ersuchen, sich zum Zwecke gemeinschaftlicher Agitation gegen den Verkauf von Zigarren durch Wirte usw. nach Ladenschlutz, mit den großen Handlungsgehilsenverbänden in Verbindung zu setzen und entsprechende Petitionen an die Behörden zu richten. Angenommen wurde auch ein Antrag Frankfurt, der besonders ein Verbot des Verkaufs von Tabakfabrikaten in den Bahnbostsrestaurationen nach gesetzlichen Ladenschlutz verlangte. Außerdem wurde eine dreigliedrige Kommission gewählt, die bei den in Frage kommenden Behörden wegen einer reichsgesetzlichen Regelung der Sonntagsruhe und des allgemeinen Ladenschlusses vorstellig werden soll.
Die Trust frage veranlaßt eine lebhafte Aussprach?. Es wurde eine energische Bekämpfung der Trusts verlangt Bull- Hamburg teilt mit, daß die Fabrikate der Trustfabriken Jasmatzi und Josetti hauptsächlich in den Militärkantinen geführt würden. Er verlangte ein Einschreiten des Kriegsministers und hat, wie er mitteilt, schon mit einzelnen Parlamentariern gesprochen, welche die Trustfrage im Reichstage zur Sprache bringen wollen. Ein Redner war der Ansicht, daß der Trust der Regierung das Zigaretten- Monopol in die Hände spielen wolle. Es wurde auch die Schwierigkeit betont, Trustwaren ganz auszuschalten. Die Verhandlungen werden heute Freitag fortgesetzt.
Heute Vormittag beschäftigte man sich zunächst mit der Frage der Tabakbesteuerung. Bull-Hamburg referierte. Er betonte, daß eine Tabakbesteuerung und Verteuerung drohe, doch weiß man noch nicht in welcher Form. Entweder kommt die Zigarren-Banderolesteuer oder eine Erhöhung des Rohtabakzolles von 85 auf 135 Mk. Es sei schon setzt der Kampf gegen die drohende Besteuerung auszunehmen. S e e h a s e-Hamburg teilte mit, daß ihm der freisinnige Abgeordnete Wiemer die Versicherung gegeben habe und das Recht die Erklärung zu veröffentlichen, daß die f r e i s i n - nige Fraktionsgemeinschast gegen eine Banderole st euer stimmen werde. Der Redner ist überzeugt, daß bei dem Einfluß der freisinnigen Parteien ein etwaiger Banderolesteuer-Gesetzentwurf nicht Gesetz wird. Ein Antrag Hamburg verlangt: „Beim Auftauchen neuer Steuervorlagen auf Tabak oder Tabakfabrikate hat der geschäftsführende Ausschuß sich mit den andern Verbänden her Branche ins Einvernehmen zu setzen, um allgemein wirkungsvolle Kundgebungen in die Wege zu leiten. Bei jeder Gelegenheit soll gegen eine steuerliche Belastung des Tabaks agitiert werden. Ter Verbandstag wählt ferner fünf Mitglieder, die sofort nach Einbringung einer Tabaksteuervorlage Rücksprache mit den Par-
lNachdruck verboten.)
Jas Wecht auf Jlreißett.
Roman von Reinhold Ortmann.
(Fortsetzung.) (5
- „Du mußt mich nicht falsch verstehen, Hartwig," lenkte sie ein. „Ach bin Dir gewiß von ganzem Herzen gut gewesen und ich bin es noch jetzt. Wenn oas Opfer, das ich bringen niüßte, um Dich glücklich zu machen, nicht über meine Kraft ginge, ich hätte Dir sicherlich den Kummer dieser Stunde er- spart. Aber ich habe es reiflich überlegt, und es wäre zu Deinem wie zu meinem Verderben, wenn ich. jetzt wieder schwachmütig werden wollte, nur weil ich Dich lieb habe und Dich nicht betrüben möchte. Du sagst, daß Du mich gerade so liebst, wie ich bin, aber Du kennst mich ja gar nicht. Meine Tante nennt mich oft ein launenhaftes, eigenwilliges Geschöpf, und ich glaube wohl, daß sie recht hat. Wenn ich mir einmal etwas in den Kopf gesetzt habe, muß es auch geschehen, wenn ich mich nicht schrecklich unglücklich fühlen und nicht einen Haß empfinden soll gegen die, die es verhindert haben. Und Du darfst nicht denken, daß es Dir vielleicht gelungen wäre, mich zu erziehen. Jeder derartige Versuch würde nur meinen Trotz * wachgerufen und uns weiter von einander erftfernt haben. Es konimt wohl alles daher, daß ich eigentlich nie eine Mutter gehabt habe. Und nun bin ich eben zu alt geworden, als daß noch etwas daran zu ändern wäre."
„Möchtest Du mir nicht etwas von Deiner Mutter und' von Deinen Familienverhältnissen erzählen,Edith? — Es ist nicht müßige Neugier, daß ich darnach frage."
„Ach, das sind unerfreuliche Dinge, von denen ich gar nicht gerne rede. Aber warum solltest Du es nicht erfahren I Mein Vater war Musikdirektor und Leiter der Hofkapelle in einer klei- nen Residenz. . Er lernte meine Mutter kennen, als sie dorthin kam, um in einem Konzert mitzuwirken. Sie war noch sehr jung, und nach den allerdings ziemlich unklaren Erinnerungen, die ich an sie behalten habe, muß sie sehr schön gewesen sein. Mein Vater aber zählte damals schon mehr als vierzig Jahre. Er hatte nach kinderloser Ehe seine erste Gattin durch den Tod verloren, und bei all seinen herrlichen Geisteseigenschaften, die mich während meiner Kinderjahre mit einer fast abgöttischen Verehrung für ihn erfüllten, schien es mir heute doch fast unbegreiflich, wie er das Herz eines jungen, schönen und oielumschwärmten Mädchens gewinnen konnte. Nun, es war
ihm jedenfalls gelungen, und bei der Verlobung gab ihm meine Mutter das feierliche Versprechen, für alle Zukunft ihrer Kunst zu entsagen und nur noch seinem Glücke zu leben. Sechs Jahre lang hatte sie dieses Versprechen gehalten, aber ich glaube, daß sie während dieser ganzen sechs Jahre grenzenlos unglücklich gewesen ist. Da ich kaum meinen fünften Geburtstag hinter mir hatte, als sie Mann und Kind auf Nimmerwiederkehr verließ, weiß ich aus eigener Erinnerung natürlich nicht viel von ihr zu sagen. Aber das Bild einer schönen, verhärmten, immer traurigen Frau, das zuweilen vor meiner Seele aussteigt, kann nur das Bild, meiner armen Mutter sein. Denn es gletdfjt dem einzigen kleinen Porträt, das ich von ihr besitze und das ich wie einen verbotenen Schatz vor den Augen meiner Tante hüten muß, weil sie es unfehlbar sofort vernichten würde, wenn es in ihre Hände fiele. Ist sie doch von einem wahrhaft fanatischen Haß gegen die Frau erfüllt, die sie in unversöhnlichen! Groll vor dem eigenen Kinde zu einer Verworfenen zu stempeln sucht. Es ist ihr nicht genug, sie zu verdammen,, weil sie aus unbezwinglicher Liebe zur Kunst bei Nacht und Nebel davonging, sondern sie gibt ihr auch die Schuld am meines Vaters frühem Tode. Die Wahrheit ist. daß er sie sehr geliebt haben muß. Denn nachdem er sich umsonst bemüht hatte, sie zur Rückkehr zu bewegen, verfiel er in eine Art von Trübsinn, den er während der folgenden Jahre immer häufiger durch die Geister des Weines zu verscheuchen suchte. Und eines Morgens, nach einer durchschwärmten Nacht, fand man ihn tot aus dem Fußboden seines Schlafzimmers. Ich war damals schon nicht mehr bei ihm, und so blieb es mir erspart, das Entsetzliche mit eigenen Augen zu sehen. Er hatte mich in eine Pension gegeben, weil es ihm, mi* mir meine Tante später erzählt hat, unerträglich geworden war. durch meinen Anblick beständig an sein treuloses Weib erinnert zu werden. Seine Vermögensverhältnisse erwiesen sich infolge seiner unregelmäßigen Lebensweise als völlig zerrüttet, und da von Seiten des Hofes, in dessen Dienst er gestanden, nur ein sehr geringer Beitrag für meine Erziehung bewilligt wurde, hätte es um meine Zukunft übel ausgesehen, wenn meine ver- witwete Tante sich meiner nicht in uneigennütziger Weise ange- nommen hätte. Das ist alles, was ich Dir über meine Kindheit zu erzählen wüßte."
„Und Deine Mutter — was ist aus ihr geworden?"
„Sie ist verschollen."
„Wie — Du weißt also nicht einmal, ob sie sich noch am Leben befindet?"^
wwt. ____
feien im Reichstage zu nehmen haben. Diese Kommission wird von je einem Verbandsmitgliede der Mitte, des Nord-Süd-Ost und Westdeutschland zusammengesetzt." — Dieser Antrag wurde angenommen, ferner folgende Resolution: „Die Zigarrenhändler ans ganz Deutschland, welche in Frankfurt versammelt sind, erklären sich energisch gegen jede Erhöhung der Stenern aus Tabak, sowohl in der Form einer erhöhten Rohtabak- als auch Fabrikat- oder Banderole- steuer. Der Verbandstag der Zigarrenhändler rechnet bestimmt darauf, daß Negierung und Abgeordnete sich bewußt sind, daß sie durch die Annahme einer neuen Tabakbelastung Tausende von Existenzen erdrossel n."
Das Strafrecht und Die Jugendlichen.
Bei den Beratungen der Internationalen Krimi n a l i st i s ch e n Vereinigung, die in Posen tagte» schilderte Dr. Polligkeit -Frankfurt die vorbildliche Organisation und TätigkeitderZentralefürpri- vate Fürsorge.' Jahrelang habe diese Zentrale schwer darunter gelitten, daß alle ihre Arbeit an den Jugendlichen durch das unsachgemäße und plumpe Eingreifen eines in diesen Fragen unerfahrenen Strafrichters verdorben worden sei. Jetzt leite sie bei einer Verhandlung gegen den jugendlichen Verwahrlosten auf Grund des § 1666 B. G. B. gegen den Vater das Verfahren auf Entziehung der elterlichen Gewalt ein und lasse dazu einen Pfleger bestellen. Dieser Pfleger könne dann vor Gericht als gesetzlicher Vertreter des Angeklagten und als sein Beistand zugelassen werden. Er wirke dann in der Haupt- Verhandlung mit, aber nicht wie ein Verteidiger, um die Wahr- heit zu verdunkeln (Heiterkeit und Widerspruch), sondern zum Besten des Jugendlichen. Die Rechtsanwälte spielten vor den Jugendgerichten eine höchst unglückliche Rolle. Infolgedessen sage der Vorsitzende den Angeklagten auch stets, daß, wenn sie sich einen Rechtsanwalt nehmen, sie ihre Lage nur verschlimmern könnten. (Heiterkeit.) Auch der Staatsanwalt sei eine störende Person. Wenn das Gericht den Antrag des Staatsanwalts nicht befolge, sondern milder urteile, so fühle sich der Angeklagte als Sieger und das sei erzieherisch schlecht. Darum sei die Sachverständigkeit des Staatsanwalts in jugendlichen Sachen ebenso wichtig wie die des Richters. In Frankfurt sei der erste Amtsanwalt mit der Vertretung der Anklagen in allen Jugendgerichtsfällen betraut. Aus diese Weise könne die mangelhafte Vorbildung der Juristen durch intensive Arbeit auf bestimmten Gebieten ausgeglichen werden. Der Vormundschaftsrichter, der auch Vorsitzender des Jugendgerichtes sein müsse, sei leider heute meist ein halb invalider oder untüchtiger Richter. So wird auch in den Jngendsachen für das Schicksal des Angeklagten sein Anfangshuchstabe oft entscheidend. (Heiterkeit.) Die Schössen treten mit dem ungetrübten Urteil des gesunden Menschenverstandes leicht für eine recht strenge Bestrafung ein. Das Ideal des Jugendgerichts bleibe unter allen Umständen der Einzelrichter, un- terstützt von Fürsorgeorganen. Diese privaten Fürsorgeorgane müßten ans einer Kombination ehrenamtlicher und freiwilliger Tätigkeit bestehen. Zum Schluß ging der Redner auf die schwierige Frage der strafrechtlichen Zurechnungsfähigkeit ein. Im Alter von 12 bis 14 Jahren werden meist nur Verwahrlosungsdelikte, besonders Diebstahl, begangen; von 14 bis 16 Jahren sind Betrug und Unterschlagung die häufigsten Verbrechen, von 16 bis 18 Jahren Rohhcits- und Ordnungsvergehen. Im Alter von 14 bis 16 Jahren sei in der Regel der Jugendliche durchaus noch durch Erziehungsmaßregeln zu bessern.
Zum Schluß wurden folgende Thesen angenommen:
1. Vor der allgemeinen Reform des Strafrechts und des Strafprozesses ist das Strafrecht, das Strafverfahren und die Strafvollstreckung gegen Jugendliche durch ein Spezial- g e s e tz zu regeln.
2. Dieses Spezialgesetz soll folgende besondere Einrichtungen treffen: a) Dem Richter ist möglichst weitgehender Spielraum zu lassen, bei der Aburteilung von Jugendlichen aus die im Einzelfalle geeigneten Maßnahmen zu erkennen und zwar aus Erziehungsmaßregeln, Bewahrung, Strafe und Haftbarmachung der Kinder allein oder in Verbindung miteinander. d) Die Aburteilung Jugendlicher ist den Jugendgerichten zu übertragen. Ihnen sind in größeren Bezirken besoldete Fürsorger beiznordnen. Das Legalitätsprinzip ist im Verfahren gegen Jugendliche erheblich einzn- schränken. e) Eine Zentralisation der Tätigkeit der Fürsorge- Vereine nach dem Vorbilde der westfälischen Fürsorgeansschüsse in ihrer jetzigen Gestaltung ist geeignet, unnötige Gerichtsverhandlungen gegen Jugendliche im Alter vom vollendeten 12. bis zum vollendeten 14. Lebensjahre zu verhüten und vorbeugend zu wirken, d) Eine besondere Gestaltung der Untersuchungshaft, insbesondere durch Stellung der jugendlichen An. geklagten unter Obhut von Fürsorgevereinen ist geboten, e) Freiheitsstrafen gegen Jugendliche sollen im besonderen, nur für Jugendliche bestimmten Anstalten nach progressivem Sirstem unter Ausgestaltung der vorläufigen Entlassung als Maßregel des Strafvollzugs vollstreckt werden, k) An der Aufsicht über Strafvollzug und über die Ausführung der Besserungsmaßnahmen sind die Jugendrichter zu beteiligen. g) Die Kinder und Jugendlichen sind durch Strafvorschriften gegen Verwahrlosung, Ausbeutung und Mißbrauch ihrer Arbeitskraft sowie gegen Mißhandlungen zu schützen, h) Eine vollständige Rehabilitation soll eintreten, wenn der 'verurteilte Jugendliche innerhalb der für die Strafvollstreckung geltenden Verjährungsfristen nicht aufs neue verurteilt worden ist.
* Die Eingemeindungen. Die EschersheimerGe- m e i n d e v e r t r e t u n g hat dem Entivurf eines Eingemeindungsvertrages zugestimmt. Eschersheim hat dabei einen langen Wunschzettel ausgestellt, der nach der Ansicht des stellvertretenden Landrots, Regierungsassessor v. Bitter, wohl kaum Aussicht auf vollständige Erfüllung hat. U. a. verlangt Eschersheim die Errichtung einer Realschule und den Ausbau des Personenbahnhofs. Ferner soll die Einkommensteuer schon anl Tage der Eingemeindung (1. April 1909) von 120 auf 100 Prozent ermäßigt werden. Gleichzeitig teilte v. Bitter mit, daß die Verhandlungen der Stadt Frankfurt mit Preungesheim, Eckenheim, Hausen und Praunheim dem Abschluß nahe seien. Mit Niederursel, Berkersheim und Rödelheim sei bereits ein Einvernehmen erzielt, nur mit Heddernheim und Bonames bedürfe es noch weiterer Auseinandersetzungen.
* Neue Löwen und Zebras. Wiederum verdankt der Zoologische Garten ein äußer st wertvolles
„Nein! — Ich weiß nur, daß sie noch bei Lebzeiten meines Vaters nach Amerika gegangen ist, um dort als Sängerin zu wirken. Seitdem hat niemand mehr von ihr gehört. Vielleicht hat sie einen anderen Namen angenommen — vielleicht auch ist sie längst gestorben."
„Wie sehr warst Du zu beklagen! Bei Gott, ich wollte, Du hättest mir früher von all diesen traurigen Dingen gesprochen."
„Und weshalb? — Was hätten wir damit gewonnen? Würdest Du nicht auch in das Verdammungsurteil eingestimmt haben, das die anderen über meine Mutter fällen?"
„Darüber, daß ihre Handlungsweise die härteste Verurteilung verdient, kann allerdings wohl kein Zweifel bestehen. Aber es hätte sich jetzt ja nicht mehr um sie gehandelt, sondern um Dich. Und ich glaube nicht, daß das traurige Ereignis des heutigen Abends eingetreten wäre, wenn ich gewußt hätte, welche Gefahren Dich schon um Deiner Abstammung willen bedroben."
„Uni meiner Abstammung willen?" fragte sie verständnislos. „Was soll das heißen?"
Und wieder wußte er sich ihr nicht anders begreiflich zu machen, als in seiner schwerfälligen, lehrhaften Weise, die ihr gerade heute so über alle Maßen unausstehlich war.
„Ich bin kein bedingungsloser Anhänger der Vererbungstheorie," sagte er zögernd. „Aber ich meine doch, daß wir viele von den geistigen Eigenschaften und Eigentümlichkeiten unserer Eltern mit uns herumtragen, daß wir uns am ehesten die Tugenden aneignen, die auch ihre Tugenden waren, und am schnellsten in die Fehler verfallen, unter denen sie zu leiden hatten.' Niemals — das ist jetzt meine feste Ueberzeugung — würdest Du hier mitten aus Deinen friedlichen und geordneten Verhältnissen heraus diesen tollen Plan gefaßt haben, wenn sich nicht das von Deiner Mutter überkommene Erbteil in Deinem Blute geregt hätte."
Jetzt begriff sie allerdings, aber es war nichts als Helle Empörung, was seine Worte in ihr wachgerufen hatten.
„Und Du meinst, daß cs in Deiner Macht gewesen wäre, es zu verhindern? — O, wie kurzsichtig Du doch bist! Und wie wenig Du Dich auf ein Frauenherz verstehst! Wenn es wirklich bas Erbteil meiner unglücklichen Mutter ist, das sich jetzt in mir geltend macht, so schäme ich mich dessen wahrhaftig nicht. Aus ihrem Schicksal aber werde idj, mir eine Lehre ziehen. Denn es verlangt mich nicht darnach, ihr trauriges Los zu teilen."
„Und es ist eine Ehe mit mir, an die Du denkst, wenn Du von einem traurigen Lose sprichst?"^ ' '
^_ xir. uz. jstrtf jf.
Ge sch enk dem freundlichen Interesse von Dr. Arthur v. Weinberg, der ein prächtiges importiertes Paar Sene- gal-Löwen stiftete. Die schönen Tiere sind etwa 1 % Jahre alt und erfreuen durch lebhaftes Wesen und ebenmäßig- edlen Körperbau. Nachdem der Garten bisher nur zwei ostafrikanische Lokalrassen des Löwen, nämlich den Somali- und den abessynischen Löwen aufweisen konnte, ist es von besonders großem Wert, daß nun auch die schönste Form der Westküste vertreten ist. Die Löwen des Senegal-Gebietes unterscheiden sich durch schlanken Wuchs und leuchtende Farbe vorteilhaft von ihren südlichen Nachbarn, den dunket-schmntzig- gelben, unansehnlichen sogenannten Kongolöwen. Dagegen^ zeigen die männlichen Tiere der Senegalform niemals eine so starke Entwickelung der Nackenmähne, wie die der meisten oft* ; afrikanischen Lokalrassen. Die Neuankömmlinge werden sich hoffentlich zu stattlichen Schaustücken entwickeln. 1
Im alten Rundbau hat der bekannte Afrikareisendch M e n g e s zwei der wundervollen, erst in allerneuester Zeit lebend aus Abessynien eingeführten Grevy-Zebras aus-> gestellt. Diese bei weitem größte und unstreitig schönste Zebrn- art zeichnet sich durch sehr engstehende, intensive Streifung unb' große, mit brauner Ouerbinde geschmückte, innen stark behaarte' Ohren aus.
Es sei noch darauf hingewiesen, daß im Reptilienhaus wie- der große neue Importe eintrafen, wodurch zum Beispiel die' Riese n s ch l an gen - Sammlung auf acht Arten, und die Giftschlangensammlung auf zwölf Arten vermehrt wurde. Klapperschlangen und die gleichfalls äußerst giftigen Mokassinschlangen kann man in Exemplaren von Mannesarmstärke bewundern- Die Sammlung von Zi erfischen und besonders die der exotischen Welse ist auf einer bisher unerreichten Höhe angelangt und fast täglich treffen noch farbenprächtige oder durch Gestalt oder Lebensgewohnheiten merkwürdige Schaustücke ein.
* Der Fall Reukauff. Wie schon berichtet wnrde, ist bor^ einigen Tagen in Oberrad das zehnjährige Töchterchen des Schreiners P h. Reukauff an Hirnhautentzündung ge-> storben. Der Vater des Kindes, der den Tod auf eine Mißhandlung in der Schule zurückführte, erstattete Anzeige f>ei| der Staatsanwaltschaft, worauf diese die Leiche des Mädchens beschlagnahmen und gerichtlich sezieren ließ, lieber das Er-i gebnis dieser Sektion ist noch nichts bekannt geworden. An-, geblich soll die Mißhandlung in der Schule darin bestanden^ haben, daß die Lehrerin das Kind, das an einem heißen Tag! auf seinem Platz eingcschlafen war, heftig geschüttelt habe. Das Mädchen sei dann nach Hanse gekommen und habe gleich! über heftige Kopfschmerzen geklagt. Später stellte sich Fieber und anhaltende Bewußtlosigkeit ein und am 15. Juni ift' die Kleine gestorben. Jedenfalls bedarf die Sache der! Aufklärung.
* Schwere Folgen eines Unfalls. Ein unglücklicher Zufall hat den Leutnant Teßmar vom 23. Artillerieregiment! in Koblenz gestern wegen fahrlässiger Körperverletzung vor dis' Schranken des hiesigen Kriegsgerichts geführt. Er hatte <xnti : Samstag, 21. März, mit einer Gesellschaft in einem von ihm' gesteuerten Auto eine Fahrt nach Mainz und Frankfurt unter», nommen und kam kurz nach Mittag durch Griesheim. In der Feldstraße dort hatten drei junge Leute ihre Fahrräder für einen am Sonntag zu unternehmenden Ausflug hergerichtet und wollten sie nun ans der Straße probieren. Zwei fuhren voraus, der 15jährige Alexander Gietz hinterher. Als dieser aus der Feldstraße in die Mainzer Landstraße einbog, kam der Kraftwagen mit der (nicht übermäßigen) Geschwindigkeit von 20 Kilometern daher. Der Junge scheint Angst bekommen zu baben, stürzte links von dem Auto mit seinem Rade und blieb bewußtlos liegen. Der Leutnant hielt sofort, stieg ans und sorgte für ärztliche Hilfe. Ter Junge wies äußerlich nur geringfügige Verletzungen auf, mußte abeo ins Krankenhaus gebracht werden, weil sich eine große Atemnot einstellte. Wiederholte Röntgenuntersuchungen ergaben! hier eine schwere Verletzung der Lunge. Der junge MensÄ konnte erst anfangs dieser Woche aus dem Krankenhanse enw lassen werden, ist aber vollständig erwerbsunfähig geworden. Vorher hatte er in der Griesheimer Tüngerfaorik gearbeitet und Mk. 13.40 Wochenlohn gehabt. Das Gerichts das sich nachmittags zur Augenscheinnahme nach Griesheim begeben hatte, kam zu der Ansicht, daß den Lenker des Autos ein Verschulden treffe und verurteilte ihn zu 6 0 0 Mark Geld st rase. Der Anklagevertreter, Kriegsgerichts- rat Engel, hatte sechs Monate Gefängnis beantragt. °
* Fronleichnam. Vom Wohlwollen des Wetters unterstützt veranstalteten unsere katholischen Mitbürger gestern Vormittag ihre Fronleichnams-Prozessionen. Nach dem Gottesdienst im Dom, den Stadtpfarrer Dr. Hilft ich zelebrierte, bewegte sich ein stattlicher Zug mit dem Klerus der Stadt, dem Kirchenvorstand und der Gemeindevertretung um das Gotteshaus ; au vier Altären, die am Dom angebracht waren, wurde den Gläubigen der Segen gespendet. In Bornheim § wo Pfarrer K n ö d g e n das feierliche Hochamt in der Josefskirche. zelebrierte, ging die Prozession durch die Eichwald-, Höhen-, Burg-, Wiesen- und Petterweilstraße und durch die Haidestraße zurück in die Kirche. In Bockenheim wurde der Gottesdienst von Pfarrer Bott in der Elisabethenkirche gehalten und der Zug über den Kurfürstenplatz gefütj^ ^
* Eugen Albrecht ck- In dem Nachruf, den die A d m r n t - stration der Dr. Senckenbergischen Stiftung dem verstorbenen Professor Albrecht widmet, heißt es: „Wir verlieren in dem Dahingeschiedenen den Direktor unseres pathologisch-anatomischen Instituts, zu dessen Leitung er erst vor vier Jahren als Nachfolger Weigerts berufen wnrde. In der kurzen Zeit seines Wirkens hat der Verstorbene den glänzenden Ruf, der ihm voransging, in reichstem Maße verwirklicht und sich als der geniale Forscher gezeigt, den die Wissenschaft in ihm bewunderte. Mit eiserner Willenskraft trotzte er dem schweren Leiden, das ihn jetzt dahingerafst hat, um sich ganz der hohen Aufgabe zu widmen, die ihm durch die Neugestaltung unserer Anatomie gestellt war und die er mit seiner organisatorischen Begabung meisterhaft zu lösen verstand. Sein auf das Ideale gerichteter Sinn, sein selbstlos^ Charakter, sein gewinnendes Wesen sichern ihm im Hetzen
„Du mußt nicht alles jo buchstäblich nehmen, was ich sage. Denn ich bm nicht m der Stimmung, jedes nleincr Worte auf die Wagschale zu legen. Aber müßte es denn nicht wirklich uns beiden schließlich zur Qual werden, wenn ich ständig mit dem Bewußtsein herumginge, daß die heißesten meiner Wünsche immer und ewig unerfüllt bleiben würden? Oder würdest Du etwa damit einvexstanden sein, daß ich zugleich Deine Hausfrau und eine freie Künstlerin wäre?"
Jetzt zum ersten Mal war ein Klang von Härte in seiner Stimme, da er erwiderte:
„Nein! — Wieviel Freiheit ich auch meiner Frau innerhalb der Grenzen ihres natürlichen Berufes eingerüumt haben würde, schließlich hätte ich sie doch für mich allein haben wollen. — Einem Wesen, das gewissermaßen aller Welt gehört, würde ich niemals meinen Namen gegeben haben."
„Nun also — da sind wir doch im Grunde der nämlichen Ansicht. Und es kann Dir unter solchen Umständen wahrlich nicht mehr schwer fallen, auf mich zu verzichten."
„Ob es mir schwer fällt oder nicht — davon ist jetzt nicht die Rede. — Daß es notwendig ist, habe ich nach dem, was Du mir gesagt hast, allerdings eingesehen."
Sie hätte kein Weib sein müssen, wenn sie sich durch diese Erwiderung nicht doch verletzt gefühlt hätte, wie vollständig sie auch eigentlich ihren Wünschen hätte entsprechen sollen. Ihre Lippen preßten sich trotzig zusammen und sie erwiderte nichts. Eine Minute später blieb sie stehen.
„Weiter dürfen wir wohl nicht mit einander gehen, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, einem Bekannten zu begegnen. Darf ich Dir also Lebewohl sagen. Hartwig?"
Seine Brust hob sich in einem tiefen Atemzuge, und er zögerte noch, seine Rechte in ihre dargereichte Hano zu legen.
„Muß es schon heute Abend sein, Edith? — Können wir uns nicht morgen noch einmal sehen, wäre es auch nur auf eine kurze Viertelstunde?"
„Weshalb sollen wir uns dieser Pein aussehen, Hartwig? — Was wir einander sagen könnten, würde doch am Ende keinem von uns Freude bereiten, und ein Abschied verliert dadurch nichts von seiner Bitterkeit, daß man ihn in die Länge zieht."
Das schien ihm ohne weiteres einzuleuchten.'
{ (Fortsetzung folgt.)