_ 18 . Juni IffU», _
'ber Offenbach-Frankfurter Fabrikanten-Vercinigung mit 94 'gegen 7 Stimmen angenommen.
Auf die Beschwerde der verhafteten Kauflcute Franken.
‘t T) a I und Rcpennig hob das Landgericht die über deren vermögen in Sachen der Kieler Werftunterschleife verhängten Arreste auf und legte die Kosten des Verfahrens dem Marinefiskus auf.
Bei Saripazar im Bezirk Avrethissar (Mazedonien) über- gaschte Militär eine bulgarische Bande. Zehn 'Bulgaren wurden getötet; die übrigen, von denen die .meisten verwundet find, versteckten sich in den umliegenden Dörfern. _ _
NEUES
* Frankfurt, 18. Juni. Don der Landtagswahl.
Es ist schade, aber es ist Tatsache: Die „V o l k s st i m m e" sagt nicht ein einziges gerechtes Wort zu dem Frankfurter Landtagswahlergebnis. Sie spinnt die kleinen „Scherze" fort, mit denen die sozialdemokratischen Wahlmcinner sich die Zeit vertrieben haben, und sie übergießt die „Freisinn- Demokratie" wegen der Reden, die am Wahlabend gehalten wurden, mit ausgesuchten Bitterkeiten. Was dort gesagt wurde, erfahren die Leser der „Volksstimme" natürlich nicht. Sie dür- ;fen nicht hören, daß ein versöhnlicher Zug durch olle Reden ging, die von den beiden Abgeordneten der bürgerlichen Linken und von Vertretern der drei vereinigten 'Parteirichtungen gehalten wurden. Lieber begnügt sich die „Volksstimme" mit persönlichen Angriffen auf den Abgeordneten F l e s ch und auf den Stadtverordneten G o l l, dein die >„Volksstimme" merkwürdigerweise eisten Vorwurf daraus zu 'machen scheint, daß die Zcntrumsleute im Landkreis für den sozialdemokratischen Kandidaten eingetreten sind. Auf den 'großen Umzug der sozialdemokratischen Wahlmänner vom 'Wahlhaus zum Gewerkschaftshaus tut sich die „Volksstimme" , ebenfalls etwas zugut. Er sei eine „prächtige Probe für die 'nächste Straßendemonstration" gewesen. Dabei wird von der „Volksstimme" ein bißchen antisemitclt und außerdem fälschlich behauptet, die '„Frankfurter Zeitung" habe nach der P o- lrzei gerufen, während doch in der „Frankfurter Zeitung" lediglich anerkannt worden ist. daß die Polizei sich verständigerweise um diesen improvisierten Festzug nidjt im mindesten ge- kümmert hat.
! Alles ist Zukunftsmusik, was die „Volksstimme" vorbringt. Die Landtagswahl war, nach ihren Behauptungen, nur !eine Generalprobe für die FrankfurterStadt- ,verordnetenwahl. Diese Generalprobe ist „prächtig für die Sozialdemokratie ausgefallen," sagt die „Volksstimme", Md der Herbst wird, so hofft sie, „alle Früchte zur Reife brin- ,gen, welche die treffliche Frühjahrssaat des Re voll utionssahres 1908 verheißen hat." Warten wir also ,bis zum Herbst, und dann frikassieren sich die freiheitlichen Parteien wiederum gegenseitig nach dem Rezept der „Volksstimme", Md dann warten wir wieder bis zum nächsten Frühjahr und dann wieder bis zum Winter und dann weiter bis zu irgend einem Sommer, und so bleibt das alte politische Hotel „Zu den vier Jahreszeiten" ununterbrochen geöffnet. Wir glauben, die !„Volksstimme" täuscht sich über die Anziehungskraft, die dieses ihr „Programm" ausübt.
Ueber die W a h l im Frankfurter Landkreis äußert sich die „Volksstimme" sehr ausführlich. Sie wirft den Freisinnigen vor, daß sie nicht für den Sozialdemokraten ein- . getreten sind. Wir gestehen, daß wir grundsätzlich die Auf- .fassung der „Volksstimme" in dem Punkte teilen. Nur trägt 'das sozialdemokratische Organ bekanntlich einen großen Teil der Schuld an der Zerklüftung zwischen Freisinn und Sozial- . demokratie. Im übrigen haben ja die Sozialdemokraten anderswo sich nicht entblödet, Konservative 'gegen Freisinnige direkt und indirekt zu unterstützen i (siehe Liegnitz, Teltow-Beeskow, Westhavelland usw.), und jauch mit dem Zentrunr hat sich die völkerbefreiende Sozialdemokratie stellenweise glücklich wieder zusammengefunden. Der .rasch berühmt gewordene Herrn. Stump f-B r e n t a n o iin Rödelheim, der Zentrumskandidat für Frankfurt -Land, hat z. B. einem freisinnigen Parteimitglied seines Wohnortes ein Telegramm gezeigt, des Inhalts, daß die Zentrums- .Partei des Landkreises von der Zentrums-Zentralleitung angewiesen worden sei, für die Sozialdemokraten zu stimmen, als j Gegenleistung dafür, daß die Sozialdemokratie in Dortmund «für das Zentrum stimmte. So ist ein schwunghafter Handel jin abgelegten klerikal-sozialdemokratischen Mandaten zustande- 'gekommen. Also: was du nicht willst, das man dir tu, das füg iauch keinem andern zu! Die demokratische Presse hat, darauf i beruft sich in diesen: Fall sogar die „Volksstimme" durch eine j ganze Reihe von Zitaten, wenigstens betont, daß bei den Stich- 'wählen die Wahlrechtsgegner niedergestimmt werden müßten. .Die sozialdemokratische Presse aber, nämlich die geehrte '.„Volksstimme", hat von Anbeginn Stimmung nur gegen die ! Freisinn-Demokratie gemacht, hat das Zentrum gelobt und den ! Nationalliberalismus gegen die Freisinn-Demokratie ange- Zpornt, obwohl die Freisinn-Demokratie für das Reichswahl- brecht eintritt, ebenso wie die Sozialdemokratie. ' Das sind ! tüchtige politische Leistungen!
: Was die Behauptung der „Volksstimme" betrifft, daß der
^sozialdemokratische Kandidat zwei Stim- jmeit mehr gehabt habe, als der Freisinnige Goll, so ^widerspricht sie der Mitteilung, die uns von der freisinnigen '.Parteileitung des Wahlkreises zugegangen ist. Allen Respekt 'vor den Zahlen der „Volksstimme", aber zunächst wollen wir 'uns an die andern halten.
* * •
Gelungen ist die Haltung des Z e n t r u m s b l a t t e s zur Wahl in: Landkreis Frankfurt. Der Vorschlag, den der klerikale Herr v. Stump f-B r e n t a n o dem
fNachdruck verboten«!
Nechk Ottf KveiHeil.
Roman von Neinhold Ortmann.
(Fortsetzung.) (4
„Wenn ich Deiner Meinung nach keine Vorstellung davon habe, möchtest Du mir's dann vielleicht klar machen?"
„Nein! — Denn ich würde mir's niemals verzeihen, solcher Dinge Dir gegenüber auch nur andeutungsweise Erwähnung zu tun."
Pste ein geringschätziges Lächeln zuckte es um ihre Lippen.
„Und woher stammt Deine Kenntnis von diesen schrecklichen Dingen? Aus Deiner eigenen Erfahrung?"
„Mar--- braucht das Leben und Treiben bei der Bühne nicht mit eigenen Augen gesehen zu haben, um es zu kennen. Ich könnte die Vorstellung, Dich in diesen Sumpf hineingezogcn zu sehen, einfach nicht ertragen."
„Und doch wirst Du Dich daran gewöhnen müssen; denn mein Entschluß steht fest und unwiderruflich."
„Das ist unmöglich, Edith — das kann Dein Ernst nicht sein. Und sagtest Du nicht soeben selbst, daß Deine Tante niemals ihre Zustinimung geben würde?"
„Sie hat ihren Widerstand aufgegcben, scitdenr sie aus dem Munde eines berufenen Sachverstänoigen gehört hat, daß cs Sünde wäre, meine Begabung ungenützt verkümmern zu lassen, und seitdem ich ihr außerdem mit dürren Worten erklärt habe, daß ich in die weite Welt hinaus oder vielleicht auch ins Wasser gehen würde, wenn sie sich meinen Absichten widersetzte."
Er erkannte sie nicht wieder. Es war, als ob eine Fremde zu ihm spräche. Nie hatte er eine so trotzige Entschlossenheit m ihrem Wesen gesehen, nie so wilde unÜ leidenschaftliche Worte aus ihrem Munde vernommen. Und darum wollte sich's in ihm, der die Menschen so wenig und die Frauen so garnicht kannte, wie eine leise Hoffnung regen, daß das alles am Ende gar nicht ihr wahres Gesicht und ihre wahre Meinung sei, daß sie unter einem fremden Einfluß stehe, der sich bekämpfen und besiegen lassen müsse. Ein Gedanke stieg in ihm auf, dem er in seiner ehrlichen auf diplomatische Künste wenig zugeschnittenen Art sogleich Worte gab.
„Ich glaube Dich zu verstehen, liebe Edith! — Es sind die Redensarten dieses Musikers, die Dich verwirrt haben. Er hat
lueutt prrna.
1»vri4l. srur «.
Freisinnigen Goll gemacht hat, das Mandat notariell zu teilen — 2Vfc Jahre du, 2 1 /-j Jahre ich —, wird im „Frankfurter Volksblatt" nur ganz nebenher mit nicht drei Zeilen erwähnt. Die Zentrumswähler, heißt es da, haben Goll „nicht aus irgendwelcher Verärgerung über einen ihm angeblich gemachten, yon ihm aber abgelehnten-Vorschlag" niedergestimmt. „Angeblich" ist gut! Goll hätte offenbar besser getan, den notariellen Vertrag mit Herrn v. Stumpf- Brentano wirklich vollziehen zu lassen, sonst leugnen diese Herren womöglich, was sie vor Zeugen gesagt, ja, was sie beinahe schwarz auf weiß gegeben haben. Nun, der Herr v. Stumpf-Brentano war nicht nur b e i H e r r Goll mei seinem Vorschlag, sondern er hat noch einem' zweiten, allgemein bekannten Frankfurter' freisinnigen Führer denselben, nicht mehr anz normalen Wahl-, Kuh- und Pferde- andel angeboten! Wenn das „Volksblatt" auf politische Reputation hält, so soll es, statt Herrn Goll anzugreifen und mit höhnischen Berschen zu traktieren, sich lieber den Herrn v. Stumpf-Brentano kaufen! Zwei seiner eignen Parteimitglieder, angesehene Leute, von denen der eine auf der Redaktion des „Frankfurter Volksblattes" allergenauestens bekannt ist, sodaß er, wenn wir ihn nennen, direkt in der schwarzen Tinte sitzt, — zwei einflußreiche Zentrumsmitglieder haben Herrn v. Stumpf-Brentano, als sie von dessen "auschhandelsprojekten erfuhren, als einen politischen — nein, sagen wir gemildert, als einen politisch minderwertigen Mann bezeichnet. Vor Zeugen! Und jetzt sagt das „Frankfurter Volksblatt", es sei nur ein „angeblicher" Kuhhandel.
Nein, verehrte ultrainontane Kollegin, mit Herrn v. Srumps- Brentano, der seine Rolle auf Teilung spielen wollte, halbpart, ist kein Staat mehr zu machen. „Geh' in ein Kloster. Ophelia!"
Wir gönnen neidlos den Herren von der Sozialdemokratie und vom Zentrum, daß sie sich daran beteiligt haben, den: Wahlkreis abernials die nationalliberale Vertretung zu sichern. Das Zentrum muß ja wissen, ob ihm der freisinnige Katholik Goll oder ein Angehöriger der Partei des Kulturkampfes oder die ttt Sozialdemokratie als „das kleinere Uebel" erschien. Die Freisinnigen aber können sich damit trösten, daß sie im Frankfurter Landkreis die zweit stärk st e Partei geworden sind, nachdem zum erstenmal wieder direkte persönliche agitatorische politische Aufklärungsarbeit in diesem Wahlkreis geleistet worden ist.
Verbandstag der Zigarren-Laderrlrrftaber.
Vom 18. bis 20. Juni wird biec im Gesellschaftshaus des Zoologischen Gartens der achte Verbandstag der Deutschen Zigarrcn-Ladeninhaber abgehaltcn. Vertreten find 36 Ortsgruppen mit 170 Stimmen. Nach Degrützungsworten des Vorsitzenden des Ortskomitees Sänger- Frankfurt und des Verbandsvorsitzendcn A. Ehleseldt- Hamburg wünschte Rcgierungsrat Kolb im Namen des Regierungspräsidenten den Verhandlungen den besten Erfolg. Er meinte, der Zigarrenhandel sei das Schmerzenskind der Sonntagsruhe und des Achtuhrladcnschlusses. Syndikus Dr. Hi Iler übcrbrachte die Grüße des Magistrats. Richard Holz sprach im Auftrag der Handelskammer. Er wünschte den Delegierten, sie möchten ein angenehmes Bild mit nach Hause nehmen. „Das Frankfurter Ortsstatut verstehe ich allerdiiigs nicht darunter", bemerkte er unter verständnisvollem Beifall.
Es folgte die Besichtigung der A u s st e l l u n g im g rohe n S a a I e. Da ist eine Reihe geschmackvoller Pavillons errichtet. Fast alle bekannten Firmen haben ausgestellt, aus Frankfurt Louis Lypstadt und Co. und die Fabrik Medina und Metropole, ferner die bekannte Zigarrenfabrik H o s s e - H a n a u. Sehr hübsch ist die Ausstellung der Etiketten der Firma Heinrich und August B r ü n i n g-Hanau. Es finden sich noch Gestelle, Plakate, kurz alles, was mit der Branche in Zusammenhang steht.
Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen wurde der Jahresbericht erstattet. Der Verein zählt 3457 Mitglieder. Durch die Einbringung eines Entwurfs für ein Zigarren- Banderolegesetz hat, heißt cs, eine berechtigte, alkge- mcine Entrüstung unter den Kollegen Platz gegriffen, da die Tabakindustrie schon durch die Zigaretten-Banderolesteucr schwer getroffen worden ist. Ter Zigaretten-Banderolesteuer- entwurf sei von der Regierung so geheim gehalten worden, daß der Kampf dagegen zu spät einsetztc. Gegen die von Herrn v. Shdow geplante Tabakverbrauchsstcuer soll energisch Front gemacht werden, weil sie ebenso schädigend auf den Konsum der Tabakfabrikate wirken wird, wie die Zigarren- bandcrole. Der drohenden Gefahr der weiteren Auäl-^itung des amerikanischen iaüalt rxrft e s m L.'curscyianÄ sdir vc- sondere Aufmerksamkeit gewidmet werden.. Es wird bedauert, daß der vom Tabakvcrein eingesetzte Trüst-Abwchr-Ausschuß wenig hat von sich hören lassen. Die Preisschleudcrci soll mehr als bisher bekämpft werden.
* Trambahnfrelkarten für Stadtväter. Endlich ist der große Wurf gelungen. Der Magistrat hat beschlosten, dem Antrag der Stadtverordneten-Versammlung Folge zu geben und vom 1. Juli ab Trambahnfreikarten für seine Mitglieder und die Stadtverordneten einzu- führen.
* Nochmals der Frauenarzt des Krankenhauses.
Aus Basel schreibt uns P r o f. D r. v. Herss-v. Salis, Direktor des Frauenspitals:
„In Ihrer werten Zeitung finde ich in der Nummer 131 unter .Der Frauenarzt des Krankenhauses" erwähnt, daß Herr Stadtv. Dr. Bruck die Ansicht vertreten hat. daß Herr Prof. W a l t h a r d die deutsche Approbation als Arzt spielend leicht erlangt, während das deutschen Aerzten in der Schweiz außerordentlich schwer gemacht wird. Gegen diese Behauptung muß ich mich als direkt unrichtig wenden. In dem Bundesgesetz über Freizügigkeit des Medizinalpersonals wird gleich wie in Deutschland ausdrücklich der Aufsichtsbehörde das Recht der Gewährung von A r z t d i p l o m e n an Nichtschweizer erteilt. Ein Recht, das bei Berufungen auswärtiger Nerzte genau so wie in Deutschland in f r e i e st e r Weise geübt wird. Auch ich habe .spielend leicht" das eidgenössische Diplom erhalten, als ich den Ruf nach Basel angenommen habe. Im übrigen kann man Frankfurt zur Wahl der
ton und des Franziskaner - M ä u n e r k l o st e r s in G o h r h e i m. Dadurch daß eine Frau das Männerkloster besichtigt, wird die „Klausur unterbrochen", und dazu bedarf es der Erlaubnis des Papstes.
* Festschmuck. Während der letzten Anwesenheit des Kaisers in München erfolgte der F e st s ch m u ck der Straßen nach einheitlichen Gesichtspunkten. Die Gesellschaft für ästhetische Kultur hat im Laden Kaiserstraße 29 neben dem Eingang zum Kaiserkeller eine kleine Ausstellung von Abbildungen dieser künstlerischen Straßendekoratron veranstaltet, um anregend auf den kommenden Festschmuck Frankfurts zu wirken.
* Zum Fall Landauer. Der Haftbefehl, den die Strafkammer gegen Frau Landauer erließ, ist nicht ausgeführt worden, da diese vom Krankenhause für nicht haftfähig erklärt worden ist. Es erscheint danach auch fraglich, ob am Mittwoch die Verhandlung gegen die Frau wegen Totschlags vor dem Schwurgericht stattfinden kann. Das hängt von einem noch ausstehenden Gutachten des Professors Dr. Rehn ab. Bemerkt sei, daß zu den Verhandlungen des Schwurgerichts neuerdings Karten ausgegeben werden, die von Samstag ab im Zimmer 50 erhältlich sind. Vormerknngen finden nicht statt.
"Streikvergehen. Au Neubauten in der Marge n st e r n st r a ß e in Sachsenhausen kam es in den letzten der pathologischen Anatomie einen ihrer hervorragendsten jün-^^^^" zwischen Arbeitswilligen und Streik-
Ehefarzistelle der gynäkologischen Abteilung des Krankenhauses in jeder Beziehung aufrichtig gratulieren.
Prof, von Herff.
Wir bemerken, daß sich die Einwendungen, die in der .Kleinen Presse" von ärztlicher Seite erhoben wurden, nur gegen die angebliche Empfehlung auf d i p l o m a t i f ch e m W e g richletcn. Die Befähigung des Berner Arztes wurde nicht bezweifelt. Wir freuen uns, daß der Baseler Kollege Prof. Walthards den neuen Direktor der gynäkologischen Abteilung des Frankfurter Städtischen K ^kenha u ffZM^''-'chstl^<'t'' . . " n ■ '
^ * Professor Albrecht t. Vergangene Nacht starb hier plötzlich der Direktor der S e n ck e n b e r g i s ch e n Anatomie, Professor Eugen Albrecht, erst 37 Jahre alt. Der Verstorbene, der im Dezember 1004 vom Münchener Krankenhaus, wo er die Stelle eines Prosektors bekleidete. als Nachfolger Karl W e i g e r 1 s hierher berufen wurde, hat hier vier Jahre lang eine außergewöhnlich fruchtbare Tätigkeit entfaltet. Zu den zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten, die seinen Namen schon vorher bekannt gemacht hatten, traten hier viele neue, die er in der von ihm gegründeten Frankfurter Zeitschrift für Pathologie veröffentlichte. In Albrecht, dem sein liebenswerter Charakter zahlreiche persönliche Freunde gewann, verliert die Wissenschaft
geren Vertreter. .. .
^ ^TerKrankfurter Urvertsmarkt. Nach dem Beruht der Städtischen Arbeitsvermittliingsstelle war die Arbeitsmarktlage im Berichtsmonat unverändert ungünstig. Die Geschäflstätigkeit in Handel und Gewerbe liegt darnieder, Betriebseinschrän klingen, Verkürzung der Arbeitszeit bei vielen größeren industriellen Betrieben bilden die Regel. Auch für das Baugewerbe ist immer noch nicht der sehnlichst herbeigcwünschte Umschwung eingetreten. Trotz dieser schlechten Geschäftslage hält der Zuzug fremder Arbeitskräfte nach wie vor im gleich starken Maß an, und ist es schon für die ansässigen Arbeiter schwer, geeignete Arbeit nachgewiejen zu erhalten, so müssen vollends die zugereisten Arbeiter tagtäglich die Erfahrung machen, daß die Großstadt, besonders in den Zeiten weniger günstiger Konjunktur, durchaus nicht das Eldorado ist, wo jedermann, der nur arbeitswillig und geschickt ist, sofort eine geeignete Arbeitsstelle findet.
* Der bayerische Geheimerlatz. Die Frankfurter Vorstandschaft des Vereins der Deutschen Kaufleute versendet an seine Mitglieder folgendes Rundschreiben:
Aus den Zeitungen wird Ihnen zur Genüge bekannt sein, in welch unerhörter Weise, durch Geheim-Erlaß, der Verband Bayerischer Metallindustrielsler gegen die Mitglieder unserer Organisation vorzugehen versucht hat. Indem er unsere Koalitionsfreiheit vernichten will, bedroht er gleichzeitig unsere wirtschaftliche und gesellschaftliche Existenz. Auf Veranlassung des Generalrats des Vereins der Deutschen Kaufleute finden deshalb überall große Protest Versammlungen in den nächsten Tagen statt. Bei uns in Frankfurt am Donnerstag, 18. Juni, Abends 9 Uhr, im Restaurant zur Börse, oberer Saal. Das Referat hat Kollege und Geschäftsführer Ludw. Grünt Hai - Nürnberg übernommen.
Die Verbandsleitnng der Bayerischen Mekallindustriellen hat bereits versprochen, sich den Fall noch einmal zu überlegen. Es wird Sache der beteiligten Kreise sein, durch imposante Protestkundgebungen der besseren Einsicht dieser Herren zum Durchbruch zu verhelfen.
* Gegen die Säuglingssterblichkeit. In der Baitonnstraße 26 eröffnet der Verein .Wöchnerinnen- undSäug- l i n g s h e i m" ein Heim, das hilfsbedürftige eheliche und uneheliche Wöchnerinnen mit ihren Säuglingen nach der Entbindung oufnimmt, um den Müttern das S e l b st st i l l e n zu erleichtern und dadurch der Säuglingssterblichkeit cntgegenzuarbeiten. Der Verein hofft für seine Bestrebungen ein weitgehendes Interesse bei dem hiesigen Publikum zu finden. Zur Eröffnungsfeier wird, wie erwähnt, am Samstag, 20. Juni, in der Loge Karl am Mozartplatz, Professor Dr. Keller aus Berlin einen Vortrag über .Fürsorge für Säuglinge in der Familie und in der Anstalt" halten.
* Landsmannfchafterfest. Die deutsche Landsmannschaft (Coburger L. C.) besteht setzt vierzig Jahre. Aus diesem Anlaß versammelten sich auf Einladung des Frankfurter L. C. am Sonntag gegen 300 alte und junge Landsmannschafter mit ihren Damen in Zwinaenberg a. d. B., wo eine Gedenktafel am Gasthof zum Lvwrn daran erinnerr, Lag yter an Ppngnen rsvr oer Bund ver deutschen Landsmannschaft gegründet wurde. Vertreten waren 31 verschiedene Landsmannschaften. Prof. Sprengel begrüßte die Festversammlung, Dr. Gantter, einer der Gründer des Verbandes, entwickelte die Grundsätze der Landsmannschaft: Ehre, Freundschaft, Vaterland. In dem anschließenden Convent wurde berichtet, daß der diesjährige Coburger Kongreß auch zur Al ko hol frage Stellung genommen hat, indem er in die Satzung den Zusatz aufnahm: .Die deutsche Landsmannschaft pflegt fröhliches Studentenleben, bekämpft aber Auswüchse des Trinkzwangs, leere Aeußerlichkeit und übermäßigen Aufwand."
* Männerchor Luzern. Die schon erwähnte R h e i n f a h r t deS Männerchor Luzern hat mit einem Besuch von Frankfurt ihren Abschluß gefunden. Die Schweizer Sänger trafen gestern, 120 Mann stark, von Wiesbaden hier ein und besichtigten die Stadt. Heute früh 7 Uhr 15 Minuten fuhren die Schweizer vom Hauptbahnhof aus mit dem Basler Schnellzug in die Heimat zurück. — In M a i n z. wo sie sich mehrere Tage aufgehalten hatten, veranstaltete der Mainzer Männergesangverein einen Kommers in der Liedertafel. Bei dem Wohltätigkeitskonzert in der Mainzer Stadthalle wurden die Schweizer außerordentlich gefeiert. Während des Mainzer Aufenthalts wurde eine Dampferfahrt nach St. Goar und Aßmannshausen unternommen. Auf dem Niederwald hielt der Präsident des Mainzer Männergesangvereins, W o l l ö, eine Ansprache, auf die der Luzerner Major a. D. Steinegg er erwiderte. Er gedachte angesichts des Nationaldenkmals des einmütigen Zusammenstehens der verbündeten Deutschen, die. wie einst die Schweizer, mutvoll um ihre Freiheit und ihr Heimatland kämpften.
:f! Die Lanbgräsin. Aus S i g rn a r i n g e n schreibt man uns: Aus Frankfurt a. M. über Stuttgart kam gestern die Landgräsin von Hessen, Prinzessin Anna von Preußen hierher, die vor einigen Jahren zur katholischen Kirche überge- treten ist. Sie bnutzt einen mehrtägigen Aufenthalt zum Besuche des Benediktiner - Männerklosters in Beu-
Dir irgend welche Verheißungen gemacht, und in Deiner Unkenntnis siehst Du natürlich nur die glänzenden und verlockenden Seiten eines Berufes, der Dir in Wahrheit die bittersten Enttäuschungen und Demütigungen bringen würde. Willst Du mir gestatten, mit diesem Manne zu reden, ehe Du irgend etwas tust, was nicht mehr rückgängig zu machen wäre?"
„Nein!" wehrte sie mit Entschiedenheit ab. „Wohin sollte das führen? Ich bin doch kein Kind mehr, das nach dem Belieben Anderer über sich beschließen ließe. Ich habe Thonus Wallot mein Wort gegeben, inich seiner künstlerischen Führung anzuvertrauen, und daran ist nichts mehr zu ändern. Ater Du bist außerdem im Irrtum, wenn Du glaubst, daß es jene Verheißungen gewesen seien, die mich verführt haben, Zch weiß genau, daß ich schwere Kämpfe zu bestehen haben weoe, ehe ich mein Ziel erreicht habe. Aber ich fürchte niich nicht wr ihnen. Alles, alles will ich ertragen, wenn ich nur aus di'scr schrecklichen Enge hier herauskonime und aus der cntsetzliyen Stickluft, in der ich rettungslos zu Grunde gehen müßte."
„Dazu gäbe es aber doch vielleicht noch einen anderen Leg als diesen."
„Nein! — Oder könntest Du mir etwa einen zeigen?'
Hartwig Riedinger dachte nach — nicht wie einer, de in fieberhafter Angst nach einem Auskunftsmittcl sucht, sich sein bedrohteß Glück zu retten, sondern wie einer, auf dem die Verantwortung für ein anderes Menschenschicksal liegt, und und der mit sich zu Rate geht, wie die schwere Gefahrvoll diesem ihm anvertrautcn 3Üesey abzuwendcn sei.
„Wenn Du mir nur ein wenig Zeit lassen wolltest, Ü>ith. — Es ist so schwer, einen Entschluß zu fassen, auf dessenNot- wendigkeit man nicht vorbereitet gewesen ist."
Wieder glitt das eigentümliche, spöttisch bittere Dcheln über ihr Gesicht. Wie entschieden sie auch Hartwig ihr Absicht kundgegeben hatte, im Grunde bangte ihr ja dsh vor dem, was sie da tun wollte, vor dem Unbekannten, dm sie entgegen ging, und vor der Enttäuschung, die möglichiweise ihrer warten konnte.
Wenn er jetzt das rechte Wort gesunden, wenn «gesagt hätte : „Wohlan, wenn Du hier nicht mehr atmen kannst, so will ich Dich aus der erstickenden Enge Befreien. Was kümmert uns am Ende das Urteil der Welt und das Gerede der Leute, wenn wir gerechtfertigt sind vor unseremeiaencn Gewissen! — Komm mit mir — ich will Dir ein neus Leben bereiten. Und wenn Du nicht anders kannst, so sollst ll>u aücb
Deiner geliebten Kunst leben dürfen unter dem Schutze meines starken Armes." Wenn er so oder ähnlich zu ihr gesprochen hätte, wer weiß,^ ob sie nicht ihre Ar>ne um seinen Hals geschlungen und sich ihm voll gläubigen Vertrauens gegeben hätte. Aber er verlangte statt dessen Zeit zum Ueberlegen. Er hatte nicht das leiseste Verständnis für die brennende Sehnsucht. die ihre Seele verzehrte. An nichts anderes vermochte er in diesem Augenblick zu denken als daran, wie sich ihre vermessenen, umveiblichen Wünsche vielleicht nach fernen engherzigen Begriffen von Ehrbarkeit und spießbürgerlicher Wohlan- ständigkeit unimodeln ließen. Und niemals war es ihr so deutlich zum- Bewußtsein gekommen als in diesem Augenblick, daß sie in unsinniger Verblendung gehandelt, als sie geglaubt, ihr Leben mit dem dieses Mannes vereinigen zu können.
„Aber es Bcbarf ja gar keines Entschlusses mehr," sagte sie. „Du brauchst Dir um meinetwillen den Kopf nicht zu zerbrechen. Wie auch das Schicksal beschaffen sein mag, das mich erwartet, jedenfalls habe ich mir's selbst bereitet, und auf niemanden wird die Verantwortung fallen als auf mich allein. Laß mich darum- getrost meines Weges gehen, Hartwig! Du wirst bald genug ein Mädchen finden, das in seinem Denken und Empfinden besser zu Dir paßt als ich, und an dessen Seite Du darum auch das ruhige Glück finden wirst, das ich Dir, wie ich fürchte, niemals hätte bereiten können."
„Ich werde nach Dir niemals eine andere lieben können," erwiderte er ohne alles Pathos, aber mit einem Ausdruck, oer sie bester als die Icibcnfdjaftlictjen Versicherungen davon überzeugte, daß es ihm heiligster Ernst war mit dem-, was er sagte. „Und gerade so wie Du bist, liebe ich Dich, Edith! — Unsere Naturen möyen verschieden sein, aber ich sehe darin nichts, das uns gehindert hätte, glücklich zu werden. Ich hätte inich gewiß bemüht. Dich auch da zu verstehen, wo ich Dir nicht hätte folgen können und wir würden gelernt haben, uns in einander zu finden."
„Und das ist Deine Vorstellung vom Glück?" rief sie fast unwillkürlich. „In solchem schwächlichen gegenseitigen Nach- geben und Dillden siehst Du das Ideal einer Ehe? — Nein, bei Gott, da hat sich s in meinem Innern bisher doch anders gemalt. — Ich habe von einem schrankenlosen Ineinander- aufgehen geträumt — von einem Leben, das nur einen gemeinsamen Pulsschlag kennt, nur ein glühend freudiges vorbehaltloses Geben und Empfangen. — Aber wozu sollen wir noch weiter davon reden? Ich muß nach Hause zurück, wenn ich mich nicht einem widerwärtigen Verhör über die Gründe
sten wiederholt zu Streitigkeiten, wobei die Polizei einschreiten mußte. Gestern Abend wurde ein Schutzmann von einem Streikenden, den er zur Wache bringen wollte, durch Fußtritte verletzt. Auch wurde mit Steinen auf die Schutzleute gelvorfen.
* Auch ein Empfang. Ein überraschender Empfang wurde einem an der Prinz-Heinrich-Fahrt teilnehmenden Herrn zu teil. Als er mit seinem Wagen in das Exerzierhaus einfubr, kam der Manu mit der Mütze, im gewöhnlichen Leben Gerichtsvollzieher g-enannt, und lud den Herrn ei-n, ihm auf kurze Zeit zu folgen. Der Gerichtsvollzieber hatte nämlich ein vollstreckbares Urteil in der Tasche, weil sich der Herr von seiner Heimat entfernt, aber vergessen batte, seinen Schneider und ähnliche Leute vorher zu bezahlen. Als der Schneider nun las, daß sein Schuldner die Fahrt mit- mache, sagte er sich» daß dazu auch Geld gehöre. Rasch schickte er das Urteil nach Frankfurt, um dem schlechten Zahler in Frankfurt einen freundlichen Empfang zu bereiten. DaS wurde dann auch pünktlich ausgsführt. Um Aufsehen zu vermeiden, zog es der Automann vor, dem Gerichtsvollzieher den Betrag der Schuld, einige blaue Lappen, zu überreichen.
* Der falsche Annoneensammler. Vorgestern lief bei dem FrankfurterVerkehrsverein, Kaisersiraße 50. die Nachricht ein, daß ein angeblicher Vertreter des Vereins, der unter verschiedenen Namen auftrat, für einen Führer und eine Verkehrszeitung des Vereins Annoncen sammle und den Gegenwert der Inserate sich sofort bar vergüten loste. Da die Annoncen« Akquisition für den offiziellen Frankfurter Führer des Vereins längst beendet und dieser bereits erschienen ist. eine eigene Zeitung vom Verein aber nicht herausgegeben wird, so stand ohne weiteres fest, daß ein Betrug vorlag. Die Kriminalpolizei leitete die erforderlichen Schritte ein; gleichzeitig wurden vom Verkehrsverein sämtliche Pensionen in Frankfurt telephonisch versiändigt. Den eifrigen Bemühungen des Geschäftsführers des Vereins, Herrn Direktor Stremmel, gelang es gestern Mittag, den Schwindler in einer feinen Pension in der Westendstraße auf frischer Tat zu ertappen und seine sofortige Verhaftung zu bewirken. Der Schwindler hat durch sein sicheres Auftreten 50Pensionen und Hotels in Frankfurt. Homburg v. d. H. Soden. Nauheim, Biebrich und Wiesbaden geschädigt. Bei dieser Gelegenheit richtet der Frankfurter Ver- kehrsverein an die Geschäftswelt die dringende Bitte, für die Folge nur solche Personen vorzulaffen, die durch eine ordnungsgemäß ausgestellte Legitimation sich als wirkliche Vertreter des Vereins auS« weisen können, sofortige Zahlung einer Annonce aber stets zu verweigern.
* Somalis im Zoologischeir Garten. Man schreibt uns: Am 24. Juni wird im Zoologischen Garten eine afrikanische Truppe einziehen und vom2 5. Juni bis 13. Juli dort zu sehen sein. Karl Hagenbeck. der Besitzer des großen Tierparks in Stellingen bei Hamburg (der Bruder von Wilhelm Hagep- beck, der jetzt mit seinen Eisbären hier war), - hat die Leute aus dem Somaliland herübergebracht mit über 100 Tieren der verschiedensten Art. Der bekannte Afrikareisende Menges leitet das Unternehmen, wodurch an sich schon eine Gewähr für gediegene und interessante Vorführungen geboten ist. Im Zoologischen Garten ist man eifrig bei den Vorbereitungen, ein Teil der üblichen Bretterumzäunung für die Schaustellung steht bereits und schon ist man dabei, die umfangreichen Stallungen zu errichten.
* Ein R<rbbinerj»tbiläum. Man teilt uns mit, daß am Sonntag. 21. Juni, um 10l/g Uhr vormittags, im großen Festsaal des Kaufmännischen Vereins, Eschenheimeranlage 40 bis 41. eine akademische Feierzum 10 0. Geburtstag des früheren Frankfurter RabinerS Samson Raphael Hirsch statt- findet. Kostenfreie Eintrittskarten sind bei Robert Aron, Rechnei- grabenstraße 12, schriftlich zu bestellen, oder, soweit noch vorrätig am Saaleingang zu haben. — Die Firma Sänger u..Friedberg Allerheiligenstraße 81, schreibt uns. daß in ihrem Schaufenster eine große Anzahl sehr seltener Werke Hirschs ausgestellt sind.
* Personalien. Am Sonntag begeht Herr Gustav R e u t- linger in geistiger Frische und körperlicher Gesundheit seinen 80. Geburtstag. Er ist einer der ältesten Pensionäre der Stadt udn verwaltete lange Jahre das Amt des Vorstehers der Städtischen Steuerkaffe. Auch um das Kirchenwesen, besonders in Sachsenhausen, hat er sich Verdienste erworben, so bekleidete er vom Jahre 1863 bis 1866 das Amt eines Diakonen und vom Jahre 1896 bis 1896 das eines Aeltestcn. — Die im hiesigen Exporthaus Bettmann n. Kupfer bedienstete Frau Henriette ^Hopf beging heute ihr 40jähriges Dienstjubilaum.
* Falsche Tausendfrancsscheine. Die Polizei warnt die Geschäftswelt vor Annahme gefälschter Tausendfrancsscheine der Bangue de Belgique in Brüssel, die seit einiger Zeit in Umlauf sind. Nach einer amtlichen Bekanntmachung unterscheiden sich die falschen Banknoten von den echten durch folgende Kennzeichen: Der Wasserdruck der echten Scheine ist deutlicher sichtbar als bei den gefälschten, besonders an denjenigen Stellen, die Heller sind als der Grund des Papiers. Der Unterschied tritt deutlich hervor, wenn man die Noten zum Vergleich auf eine dunkle Unterlage bringt. Der Druck der falschen Scheine ist schwer und fett, besonders in dem be-
meines langen Ausbleibens unterwerfen will. Und auch wenn wir noch stundenlang über diese Dinge sprächen, würden wir uns ja doch nicht verstehen."
Fast schien es ihm, daß sie recht hätte. Und auch seht hatte er keinen dringenderen Wunsch als den, ihr eine Unannehmlichkeit zu ersparen.
Sie gingen den Weg zurück, den sie gekommen waren. Undj es war wieder ein langes Schweigen zwischen ihnen gewesen,, bevor Hartwig Riedinger sagte:
„Tu bist also zu der Erkenntnis gekommen, daß Deine vermeintliche Liebe zu mir ein Irrtum gewesen ist? Du hast etwas anderes in nrir gesucht, als Du nachher gefunden?"
Ihr Ohr war nicht fein genug, um den Schmerz zu vernehmen. der in seiner Frage zitterte. Sie hörte nur die vedantisch gesetzten Worte, die schulmeisterliche Nüchternheit oer Rede. Und ihren vor Erregung zuckenden Nerven war diese gelassene Art, den Dingen unbarmherzig auf den Grund zu gehen, eine unerträgliche Pein.
„Ja — ja, wenn Du es durchaus hören willst: wir taugen nicht für einander. Eines von uns beiden hätte unsäglich unglücklich werden müssen. Und wahrscheinlich wären wir es beide geworden. Ich weiß Deine vortrefflichen Eigenschaften zu schätzen und ich will gern glauben, daß Du hundertmal besser bist als ich. Aber jede Deiner Tugenden wäre für mich eine beständige Marter gewesen, eine Quelle unaufhörlicher Oual. Ich hin mit meinen vielen Fehlern wohl eben überhaupt nicht dazu gemacht, eines Mannes geduldige und füg- same Gefährtin zu sein. Und Du solltest mir dankbar sein, daß ich Dich durch meinen mutigen Entschluß vor einem verpfuschten Leben bewahre."
„Vergib mir, wenn ich Dir darauf nicht antworte," sagte er und es war wie ein leiser Klang von Müdigkeit in seiner Stimme. „Das Entscheidende ist doch, daß Du mich nicht liebst. Daneben hat alles andere natürlich nur eine untergeordnete Bedeutung."
Nun tat es ihr doch leid, denn so hart und schroff hatte sie es nicht gemeint.
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(Fortsetzung folgt.)