~w**. gtttti iftoy,

tvar Vorstand der Fraktion der Deutschen Partei in der Ab­geordnetenkammer und 1881 bis 1887 auch Vorsitzender der Partei. Mit dem Aesthetiker Bischer war er eng befreundet. > Im Landkreis Hagen war eine gemeinsame, amtliche Konferenz der evangelischen und katholischen Lehrkräfte einberufen. Gegen diese interkonfessionelle Tagung protestierte aber die katholische Geistlichkeit, leider mit Erfolg. Die Arnsburger Regierung, deren Schulabteilung allerdings gern reaktionären Neigungen folgt, Ll nt er sagte die Abhaltung dieser gemeinschaftlichen Be- Iprechung.

Die von der Stadt Görlitz beschlossene Sonder-Ge- w e r b e st e u e r, die sich hauptsächlich gegen den Konsum- verein und die Warenhäuser richtete, wurde vom M i n i st e r i u m a b g e l e h n t. Der Ausfall soll durch andere Steuern gedeckt werden.

Gegenüber der neuerdings aus London wieder verbreiteten Nachricht, daß England nicht die Absicht habe, die Wal- fr sch b a i abzutreten oder zu verpachten, wird wiederholt versichert, daß Deutschland gar nicht die Absicht habe, die Walsischbai zu erwerben, und'daß auch Staats­sekretär Dcrnburg sich mit einem Plan nicht trägt.

Der italienische Exminister N a s i, der kürzlich die durch öffentliche Sammlung aufgebrachte Geldstrafe von 292 Lire bezahlte, wurde gestern trotz des vier Jahre dauernden Ehrver- lusts wieder fast einstimmig zum Abgeordneten seiner Vaterstadt Trapani gewählt. Am 28. Juni hört seine Haft auf, dann reist er nach Trapani, wo die Bürger große Ovationen vorbereiten.

Nachrichten aus Tripolis besagen, daß die Schika­nen der türkischen Behörden sortdauern. Außerdem meldet derMessagaero", der Vali von Tripolis habe den italienischen Konsul benachrichtigt, auf der Straße mach Home sei «ein Europäer ermordet aufgefunden worden. Man glaubt es sei ein Italiener.

Seit Donnerstag herrscht in M o n a st i r eine größere Soldatenmeuterei. Ungefähr 1000 Mann, die in die Reserve versetzt werden sollen, verlangen unter Gewalttätig­keiten ihre Beurlaubung. Vier Mann wurden bei den Zusam­menstößen schwer verwundet.

In Tiflis überfielen sieben Räuber beim Ein­gang der Kommerzbank den K a s s e n b o t e n , der mit einer bedeutenden Geldsumme sich nach der Reichsbankfiliale begab, feuerten Revolverschüsse «b und schleuderten vier Bomben, von d'enen nur eine explodierte. Ein Passant wurde ver­wundet. Kassenbote flüchtete unversehrt in die Bank. Ber dtzLMerMgung wurde ein Räuber verwundet; die übrigen entkamM. "

* Frankfurt, 23. Juni. Juni-Vottmorrd-TarrnusraDfahrt.

, Damals war ich ein kleiner Junge. Die Freundinnen der Schwester hatten einen ausgestopsten Hammel, auf dem man reiten konnte. Sie waren mir sehr sympathisch. Beson­ders die Märtha; denn ihr gehörte der Hammel am eigentüm­lichsten. Diese Zuneigung wurde nicht' erschüttert, als ich hörte, Martha sei mondsüchtig; sie steige nachts, wenn der Mond scheine, aus dem Bett, tvandle zwecklos herum und rede dummes Zeug.

Später bin ich nachts oft genug zwecklos herumgcwandelt und habe dummes Zeug geredet, ohne daß der Mond zu schei­nen brauchte. Mondsüchtig war ich also nicht. Mindestens hielt ich mich nicht dafür.

Neulich aber hat es mich gepackt. Abends 9 Uhr 57 Minu­ten. Ich bin unschuldig an dem Walten der Gestirne. Ich habe nichts dazu getan. Ich saß friedlich hinter dem Maß- krug, den ich als liebstes Reiseandenken im Münchner Hofbrau erworben habe. Schon nach der zweiten Füllung schien der Juni-Vollmond geradezu gefährlich auf das Gefäß. Ebbe und Flut sind Wirkungen der Anziehungskraft des Vollmondes. Es gibt auch einen Mann im Mond; Clauren oder Hauff hat ihn des näheren beschrieben. Die neueste Forschung frei­lich behauptet, es sei nicht ein Mann im Mond, sondern ein Pärchen, eine Frau und ein Mann, die sich küssen. Wenn man gut hinschaut, kann man's deutlich sehen. Namentlich bei Vollmond.

So tiefsinnigen Betrachtungen hing ich nach, offenbar schon unter dem Einfluß des Nachtgestirns. Dann gaö cs eine Pause in meinen Vorstellungen/ Ich saß plötzlich auf dem Fahrrad und eilte mit einer Sicherheit von dannen wie der Schlafwandler auf dem Tachkändel.

Eine Dame, dre ich kenne, und die nicht wünscht, daß ich Dummheiten mache, rief noch einige gute Wünsche hinter mir her. Wenigstens sollte ich eine Laterne mitnehmen. Bei dem Vollmond! Vielleicht auch einen Regenschirm?

Ich trete also die Reise in den Mond an. Wie schön ist die Welt! Die Landstraße, sobald man aus der Stadt heraus ist, schimmert wie ein vergoldetes, versilbertes, ver­nickeltes Band. Aus leisen Sohlen rollt das Rad. Man schaut in Helle Stuben. Eine Musik spielt auf einem Festplatz seit­lich vom Wege. Lachen hört man und das, was man eine ge­hobene Stimmung heißt. Es ist eine Freude, zu glauben, daß weithin im deutschen Land an diesem Vorabend des letzten Frühlingssonntags überall fröhliche Leute ihr Leben gern ge­nießen.

Weit und unbestimmt dehnt sich das Reich im Morrdlicht. Ein H u n d kläfft in das Schweigen. So ein rüstiger Gesell, der kritzekrahe neben der eiligen Maschine einherspringt und sein Einverständnis mit dem Ausflug nächtlicherweile bekun­det, dadurch daß er zuweilen den Fuß des Herrn leicht mit der Schnauze stößt, so ein Begleiter fehlt vielleicht.

Still gleiten wir weiter. Das erste Dorf. Die alte Kirche mit dem eingeschnürten Turm und den ernsten Zypressen steht im Mondenschein noch bildhafter als am Tag. lieber das rauschende, blinkende Wasser geht die weiße Brücke. Da liegt ein Ruderboot, das schon in manchen Jah­ren stillvergnügte Gäste flußabwärts trug, zwischen den Wei- den und Wasserrosen bis zur Mühle.

Ein zweiter Ort. Noch sind die Bewohner für ihre Vcr- hältnisse ziemlich munter. Sie rüsten zum kommenden Feier­tag. Die Straße vor den Häusern ist stellenweise staubfrei ge­gossen, wo gute Leute wohnen. In der sommerlichenK eg el­bahn sind die Mannen am Werk. Die Kugel fährt mit

f ^Nachdruck verboten.)

Irrs Mechk mtf IlreiHeik.

Roman von Neinhold Ortmarrrr.

(Fortsetzung.) (8

,' Er hatte sich vo^rgenommen, nicht zu ihr hinüber zu seher aber eine Macht, die stärker war als sein Wille, zwang seine Blick doch immer wieder in jene Richtung. Es war ei sonderbarer Zufall, daß er gerade in der Lücke zwischen zm Blumenaufsätzen ihr Gesicht erblicken konnte, dies schöne floh Gesicht, dessen Züge ihn so vertraut und doch wieder so frem anmuteten, daß er fast verwundert war, es auf der Stelle ei kannt zu haben. o

Denn es war eine gewaltige Veränderung in Edith äußerer Erscheinung vorgegangen seit jenem Sommeraben! da er den letzten schweren Abschied von ihr genommen.

' Wie oft wie unendlich oft hatte er in diesen dr fahren das liebliche Mädchengesicht vor sich gesehen, voi letzten Abglanz der untergehenden Sonne beleuchtet, in a seiner rosigen Holdseligkeit, mit den verführerisch anmutige goldblonden Löckchen an den Schläfen und den fem geschwm genen jungfräulich keuschen Lippen! Er hatte sich nicht i trennender Sehnsucht verzehrt, wenn er ihrer so gedacht! aber es war ihm doch jedesmal eigentümlich warm ums He geworden, wenn dies Bild, das seinem Gedächtnis so unve wischbar eingeprägt war, in all seinem Liebreiz vor ihm e stand, und noch immer war es ihm ganz so wie an jene Abend schier unbegreiflich erschienen, daß dieser fein mädchenhafte Mund so harte Worte hatte sprechen könnet daß alles, alles Täuschung und Lüge gewesen sein sollte, wc er einst in diesen herrlichen, tiefen Augen zu lesen geglaub Heute aber verwunderte es ihn nicht mehr. Denn atfe- was sie ihm damals von sich selbst gesagt hatte, heute glaub er es auf ihrem Gesicht zu lesen: den trotzigen Stolz, der all. nur sich selbst und nichts der Herrenlaune eines Ernährei verdanken wollte, den starken Eigenwillen, dem es so schw fiel, sich einem fremden Einfluß zu fügen, und eine bemal Hochmütige Sicherheit, ein sieghaftes B vußtsein der Her schaft, die sie über alle Welt ausübte.

' Heute wußte er, daß dies schöne Weib niemals die rech Krau für ihn gewesen wäre, ffaß ihr Instinkt viel feiner g wesen war als der seine, da sie voraussah, daß nur unabse bares Unglück aus ihrer Verbindung entstehen würde. Ur

ZUrkne perffv.

Krachen inZ Holz. Hier sind noch unerschöpfliche Quellen der Volkskraft. Weite Wiesen folgen. Ein Traumland dehnt sich bis zu den Bergen. Behutsam geht die Fahrt, um es nicht zu wecken. Da ist der kleine F r i e d h o s an der Straße und die Kapelle mit der Kanzel im Freien. Die wei­ßen Kreuze schimmern fahl; sie zittern im Licht. Tie Toten bitten um ein bißchen Lehen. Und jetzt brüllt ein Auto, das um die Ecke kommt. Es sind aber frohe Leute darin, ohne bösen Willen.

Im Städtchen webt schon die Mitternacht. Im letzten Haus, dessen Fenster noch hell und weit offenstehen, hängen auf der Leine im Lampenschein frisch gewaschene und ge­bügelte Blusen. Eben kommt die Wäscherin zur Tür imb schließt die Läden. Sie hat ein langes, fleißiges Tagwerk geschasst. Gute Nacht! Zögernd gibt sie den Gruß zurück.

Der letzte Mensch, den man trifft, ist ein Nadkamerad. Er bleibt aber auf der ebenen Straße. Er will heim und nicht mehr klettern. Aber wie voll unsagbarem Reiz ist grade jetzt die Fahrt, einsam bergauf und bergab! Dunkel wölben sich die Kronen der Kastanien, weich und rund. Ein Vorposten- licht steht noch einmal an der großen letzten Siedlung aus halber Höhe. Droben ragt das ernste Kruzifix zwischen den hohen, kantigen Fichten. Keine Seele weit und breit. Der Hochwald wirst tiefe Schatten im grellen Mondlicht. Auf der Straße liegen weiterhin in den Lichtun­gen helle Flecken. Die Birkenstämme stehen schwarz-weiß ge­streift wie preußische Grenzpfähle. Nichts regt sich. Aus einer blanken Wiese zwei Rehe, schattenhaft nur, trotz der Klarheit des Mondlichts. Für Buschwerk könnte man die Tiere halten, wenn sie nicht die Glocke schreckte. Sie scheuen in den Wald zurück. Jetzt sind wir so hoch, daß der Blick in die Ebene frei wird bis zur großen Stadt, wo ein blinken­der Lichtersaum mit dem Mond wetteifert. Hinunter gehis wieder ins Waldesdunkel und auf rascher Wegkrümmung. Es ist wie ein Fallen. Beim Auslaufen aus grader Straße steigt vor uns die Bergwand steil und groß auf. Das Fürsten- schloß hebt seine Zackenkrone in den Nachthimmel, und wie ein Wartturm steht die alte R a u b r i t t e r b u r g in der Ferne gegen die lichtgctränkte Wolkenschicht, die langsam dort aufquillt. Noch eine Fahrt von der Höhe, auf die man zu Fuß emporpilgert. Rechts und links hohe Pappelbäumc und am Grunde des Weges ein heller Lichtsleck. Cs gleicht einer dämonischen Schlucht, in die cs unaufhaltsam hinaü- geht. Beim Näherkommen aber wird das Dunkel vertrauter. Ein Wässerchen rieselt. Ein unsolider Vogel, dem der Mond ins Nest scheint, zwitschert ein paar kleine Töne. '

Bis zur schönsten Stelle dieses ganzen Gebietes führt der letzte Abschwung. Das Oertchen, das sich an den Berg duckt, ist angeftrahlt von des Mondes reiner Klarheit, wie geweißt. In der Tiefe aber schlummert der Talort, und seine letzten Lichter bauen sich übereinander wie ein verzauberter Wald mit glimmenden Baumwipseln. Wie schön ist das Vater­land! Wie träumerisch schön!

Erschreckend pfeift die Eisenbahn. Der letzte Zug ist eingelaufen. Bald hört man auch das Hallo der B e r g w a n- derer, die um Mitternacht herbeigefahren sind, uur zum Gipfel aufzusteigen. Sie tragen zum Teil festliche Papier­lampen. Ein besonders praktischer Nachtschwärmer hat eine Glühlichtlaterne bei sich. Sie verfehlen nicht, zu betonen, daß eigentlich nicht der Fußgänger die Pflicht hat, ein Licht zu führen.

Halt! Absteigen!" Das Auge des Gesetzes wacht. Warum haben Sie keine Laterne? (Bin ich ein Glühwurm?) Wie heißen Sie? Wann und wo sind Sie geboren? Was sind Sie? Wo wohnen Sie? Danke.

Vaterland, wie schön bist du! Träumerisch schön! Und so wohlgeordnet!

Noch sechsmal in anderthalb Stunden hat der Fahrer Ge­legenheit, sich mit S i ch e r h e i t sb e a m t e n über die Zweck, Mäßigkeit einer Radlaterne zu unterhalten. Es ist lehrreich, die verschiedenen Temperamente kennen zu ler. nen. Der biedere Nachtrat mit dem beflissenen Hund besteht zwar aus dem Fußmarsch des Verbrechers durchs Dorf, aber er verzichtet auf nähere Bekanntschaft. Der erste städtische Schutzmann drückt beide Augen zu. Der zweite fragt:Sie wallen mir wohl einen Daler bezahlen?" Er gibt aber auch die leere Straße zum Weiterfähren frei. Ein dritter Jünger des Polizeipräsidiums mahnt zu vorsichtiger Fahrt ohne La­terne, wenn auch die Straße ziemlich hell sei; es widerspreche denBestimmungen". Der nächste sieht nichts. Und der letzte empfiehlt, eine äußere Ringstraße zu benutzen: In der Stadt ist das Fahren ohne Licht verboten,und wenn zehn Voll­monde am Himmel stehn".

Aber man triftt nicht nur Polizei unterwegs. Brave Jünglinge streben in Gruppen empor zum Feldberg, wo das Volksturnfest wie eine Art Vorfeier der deutschen TurncetagL üoUorsteht. Auch ein Sarncreiterwagen roll4 mächlich durch die Nacht zum hohen Festplatz, auf alle Fülle. Sogar ein paar tapfere Mägdlein wagen sich in größerer oder kleinerer Gesellschaft durch die Nacht hinauf zu Sturm und Ungeheuer.

Von der Mondsucht kann man durch einen Polizei- st raszettel vielleicht kuriert werden. Das Rezept wäre mit einem Taler nicht zu teuer honoriert. Dieser Bericht auch

* Sachsenhauser Demokraten. Der Demokratische Verein, Bezirk Sachsenhausen, veranstaltet am Donnerstag, 23. Juni, 8% Uhr in der Restauration Wilquet, Schweizerstrahe 77, Ecke Textorstraße, eine Versammlung mit der Tagesordnung: Was lehrt uns die diesjährige La n d ta g s w a h l? An das Referat schließt sich Dis­kus s i o n «m.

* Ein Protest beS Aerztlichen Vereins. In einer sehr zahlreich besuchten Versammlung beschäftigte sich gestern Abend der Akrztliche Verein mit der Berufung eines auswärtigen F r a u e n ar z t e S an das hiesige städtische Krankenhaus. In der Stadtverordneten-Versammlung war am 4. Juni diese Angelegenheit bereits zur Sprache gekom­men. Im Gegensatz zu einigen dort geäußerten Ansichten nahm der Verein e i n st i m m i g folgende Resolution an» die an den Magistrat, die Stadtverordneten-Versammlung und deren Organisations-Ausschuß gesandt werden soll:

Der Aerztliche Verein hat in seiner Sitzung vom 22. Juni über die Verhandlungen der Stadtverordneten- Versammlung vom 4. Juni betreffend die Besetzung der Chefarzt st elle der gynäkologischen Abtei­lung im städtischen Krankenhaus beraten und sich dahin ausgesprochen, daß die Gynäkologie durch hiesige Aerzte in wissenschaftlicher und praktischer Beziehung in hervorragen­

der Weise vertreten ist, daß auch unter Berücksichtigung der Altersgrenze geeignete hiesige Aerzte für di öChef- arztstelle vorhanden waren und daß ein Bedürfnis nach Be­rufung eines auswärtigen gynäkologischen ConsiliariuS in keiner Weise vorlag.

* Ter Streit im Baugewerbe. Im Baugewerbe sind, wie berichtet wurde, Differenzen zwischen Arbeitern und Arbeit­gebern ausgebrochen, deren Beilegung bis jetzt noch nicht ge- lungen ist. Der Streit hat jetzt einen Umfang angenommen, der ursprünglich nicht erwartet wurde. Die Platten­leger haben den Anlaß dazu gegeben. Sie verlangten Stundenlohn-Erhöhungen von 65 Pfg. auf 75 Pfg., was die Prinzipale in Anbetracht der schlechten Geschäftsverhältnisse ablehnten. Als die Plattenleger in Streik traten, antworteten die Unternehmer mit der Aussperrung der Rabitzer, Ze- menteurcn und Bauhandwerker. Der Streik und die Aus­sperrung dauern jetzt schon einige Wochen. Am Freitag und Samstag ivaren nun die Parteien unter dem Vorsitz von Magistratssyndikus Dr. Hiller zu Einigungsver­handlungen zusammengetreten. Im Auftrag der Arbei­ter wohnten die Gewerkschastsbeamten Dorschu und D i h- mann den Verhandlungen bei. Nach langen Beratungen, die sich bis in die Nachtstunden erstreckten, kam ein Schieds­spruch zustande, dem sich alle Arbeiterkategorien unterwerfen sollten und der bis 1910 Gültigkeit haben sollte. Für die aus­ständigen, wie für die ausgesperrten Arbeiter wurden kleine Zugeständnisse gemacht, jedoch nur unter der Bedingung, daß sich auch die Zimmerer einverstanden erklärten. Die Plat- tcnleger, die jetzt einen Stundenlohn von 65 Pfg. beziehen, sollten sofort 66 Pfg. und am 1. Juli 1909 68 Pfg. er­halten; die Rabitzer 66 Pfg. und 67 Pfg., die Bauhandwerker (Taglöhner) 43 und 45 Pfg., die Zementarbeiter 59 und 60 Pfg., die Zimmerer 55 und 56 Pfg. Die Arbeit sollte heute wieder ausgenommen werden, nachdem sich die Ausstän­digen und die Ausgesperrten einverstanden erklärten. Im letzten Augenblick ist aber diese Absicht an dem Verhalten der Zimmerer gescheitert, die mit den Zement­arbeitern gleichgestellt sein wollten, das heißt, sie verlangen eine sofortige Lohnerhöhung von 54 auf 59 Pfg. Nun ist der Streit in eine neue Phase getreten. Die Arbeitgeber haben die Aussperrung erneuert und auch die Plattenleger werden im Ausstand verharren, wenn nicht in letzter Stunde noch eine Einigung mit den Zimmerern erzielt wird.

* Die Desinfektionsschwester. Die Wahrnehmung, daß bei ansteckenden Krankheiten die so wichtigen Maßnahmen der Desinfektion von denAngehörigen meist in ganz unzureichendem Maße vorgenominen werden, so daß dadurch die wichtigste Quelle der Weiterverbreitung der ansteckenden Krankheiten offen gelassen wird, hat den Frankfurter Verein für H y g i e n e veranlaßt, eine -sehr originelle und nützliche Organisation zu schassen, um diesen Mißstand zu beheben. Er hat nämlich eine Krankenschwester besonders in der Desinfektion ausbilden lassen und stellt diese nebst den notwendigen Desinfektionsapparaten und -Präparaten gegen eine geringe Gebühr überall da zur Ver­fügung, wo sich de Notwendigkeit erweist, bei ansteckenden Krankheiten die Desinfektion sachgemäß und gewissenhaft aus­zuführen. Bei Bedürftigen kann die Desinfektion un- e n t g e l d l i ch gehandhabt werden. Die Schwester macht ihre Besuche nur auf ausdrückliche förmliche Anoronung des behandelnden Arztes; sie hat alle Vorsichtsmaßregeln zu beob­achten. um jede Möglichkeit einer Krankheitsübertragung auf ihre eigene Person auszuschließen. Die Schwester hat die An­gehörigen in der Durchführung der Maßnahmen zu unter­weisen, die zur Verhütung und Weiterverbreitung der Krank­heit notwendig sind. Das Instrumentarium zur Desinfektion am Krankenbett enthält weiße Mäntel, Waschbecken und Des­infektionsmittel. Außerdem hat der Verein ein Plakat über das Verhalten bei ansteckenden Krankheiten verfaßt, das den Angehörigen zur dauernden Information übermittelt wird.

* Vom Historischen Museum. Für die Direktorstelle am Historischen Museum, die durch Berufung des Direktors Dr. Laufser nach Hamburg sreigeworden ist, wird vom Magi­strat Prof. Dr. Bernhard M ü l l e r , zur Zeit Kustos am Großhcrzoglich hessischen Landesmuseum in Darmstadt in Vor­schlag gebracht. Dr. Müller ist 1869 in Hannover als Sohn des Konservators am dortigen Melsenmuseum geboren. Seit 1897 ist er am Landesmuseum in Darmstadt tätig.

Dem Historischen Museum wurde durch den Verein für d ä £- i&l u 1 1 u m wieder eine äußerst wertvolle Zuwendung gemacht, deren wichtigster Teil in den Schaukästen des Museums ausgestellt ist. Es handelt sich um eine von Dr. Franz May, aus dem Nachlaß seines verstorbenen Vaters Eduard Gustav May, geschenkte Sammlung von Origi- n a l z e i ch n u n g e n und Lithographien hauptsäch­lich zu den Ereignissen d e s I a h r e s 1 848. Die Blätter gehören meist zu den köstlichen, im Mayschen Verlage erschienenen Karikaturen von Scholl, Engel von der Rabenau, A. v. Boddien, Gerhard Malß auf einzelne Persön­lichkeiten oder auf Zustände und Begebenheiten der Parla­ments- und Revolutionszeit. Eine Anzahl Frankfurter Por­träts und größerer Zeichnungen von Scholl und Steinle be­schließt die Ausstellung der interessanten Sammlung.

* Gustav Erlanger ch. Der Tonkünstler und Musikschrist­steller Gustav Erlanger ist im Alter von 66 Jahren hier gestorben. Mit ihm ist einer der wenigen noch lebenden treuen Anhänger der einst so berühmten Leipziger Koru­ft o n i st e n s ch u l e dahingegangen. Chauvet und A. Thomas in Paris und C. Rcinecke,in Leipzig waren seine Lehrmeister. Eine größere Anzahl von ein- und mehrstimmigen Liedern, Chöre und Kammermusikwerke zeugt von der nicht gewöhn­lichen kompositorischen Begabung des Heimgegangenen. Auch eine Sinfonie, die Manuskript blieb, fand bei einer Auffüh­rung in Wiesbaden lebhaften Erfolg. Alle seine Werke tragen die Signatur des feinsinnigen Musikers und Menschen. Als Als solcher bewährte er sich auch in seiner Eigenschaft als Kritiker. Fast zehn Jahre (1878 bis 1880) war Erlanger für dieFrankfurter Zeitung" als Musikreferent tätig. Die damals besonders wichtigen Aufgaben, die der Oper u. a. in den späteren Werken Verdis und Richard Wagners ge­stellt waren, fanden bei ihrer Lösung durch seine Feder kräf­tige Unterstützung. Die Ziele und das Streben der hiesigen Konzertgcscllschaften und Konservatorien suchte er teilnehmend

doch regte sich's in ihm wie ein Gefühl heißen Bedauerns, daß es so sein mußte doch war der bittere Entsagungs­schmerz jenes Sommerabends niemals in dieser ganzen Heit aufs neue so mächtig in ihm geworden als bei die)em Wiedersehen.

Er hatte aus dem Munde des Geheimrats gehört, daß sie ihr Ziel erreicht habe, daß sie eine bedeutende Künstlerin ge­worden sei. Und alles, was er ihr von den schmerzlichen Er­fahrungen und Enttäuschungen ihres Berufes vorausgesagt, war nichts als ein törichtes Geschwätz gewesen, über das sie auf der Höhe ihres Erfolges inzwischen oft genug gelächelt haben mochte. Cr brauchte sie ja nur anzusehen, um die Ueberzeu- gung zu gewinnen, daß sie zufrieden und glücklich sei.. Es war keine Linie in ihrem Antlitz, die auf eine harte Schule der Leiden und Demütigungen hingedeutet hättet Hürtwig Riedinger sah nichts als strahlende Heiterkeit und sonnige Lebensfreude. -

Ob seine stille Nachbarin der Richtung seiner Blicke gefolgt war, oder ob ein Zufall sie erraten ließ, womit seine Gedanken sich beschäftigten, plötzlich begann sie von Edith Bogenhardt zu sprechen, von der tiefen Wirkung, die sie vor einigen Tagen als Elsa auf sie geübt hatte, von dem bezaubernden Liebreiz im Klang ihrer Stimme und von der wundersamen Beseelung ihres Spiels. Hartwig lauschte ihr, ohne sie nur ein einziges Mal zu unterbrechen, mit einer fast andächtigen Aufmerksam­keit und mit einer Empfindung, über deren Natur er selber sich kaum Rechenschaft zu geben vermochte. War es Freude, war es Schmerz er wußte es nicht. Er wußte nur, daß er viel besser getan haben würde, auch die Einladung drs Kommerzienrats abzulehnen, wie er den weitaus größten Teil der an ihn ergehenden Einladungen abzulehnen pflegte, und daß er alles daran setzen werde, das Haus zu verlassen, bevor Edith seine Anwesenheit bemerkt hatte.

Eine mit einem blitzenden Brillantring geschmückte Männer­hand schob in diesem Augenblick den vor dem Platze der Sängerin stehenden Blumenaussatz ein wenig bei Seite, und jetzt erst gewahrte Hartwig, daß es Erwin Felderhoff war, der M. ihrer Seite saß. Das Gesicht seines jungen Freundes schien ihm lebhafter gerötet als sonst. Und auch sein Mienen­spiel wie seine Bewegungen brachten Hartwig auf die Ver­mutung, daß die Feuergeister des Weines bereits eine beträcht­liche Herrschaft über ihn gewonnen hätten.

Oder ob es nicht blos die Geister des Weines waren?

Wie Felderhosf jetzt zu Edith sprach, wie er ihr mit leuch­tenden Augen ins, Gest faTx, wie er sich zu ihr neigt.e, um ihr

mit beglücktem Lächeln irgend etwas zuzuflüstern, was offen­bar niemand außer ihr vernehmen sollte, da wollte es dem Be­obachter scheinen, als ob noch ein anderer, heißerer Rausch das Blut seines jungen Freundes in Wallung brächte. Und unwillkürlich zerknitterte seine nervige Rechte mit krampfigem Truck die Serviette auf seinem Knie. Denn auch dem Aus­druck ihres Antlitzes maß er nun plötzlich eine andere Bedeu­tung bei. Ihre strahlende Heiterkeit erschien ihm nicht mehr wie bisher als der Ausfluß jener gehobenen Stimmung, in die das Bewußtsein ihrer Erfolge und der ihr von allen Seiten gezollten Bewunderung die gefeierte Künstlerin versetzt, sondern als die Wirkung des Gespräches, dessen Lebhaftigkeit sie offenbar beide ihre Umgebung längst hatte vergessen lassen.

Seit diesem Moment wurde Hartwig Riedinger noch schweigsamer als bisher und seine Tischnachbarin hätte guten Grund gehabt, ihm wegen seiner Einsilbigkeit zu zürnen. Aber sie blieb unverändert freundlich, und als man sich endlich erhob, um einander gesegnete Mahlzeit zu wünschen, fühlte Hartwig etwas wie eine Regung der Dankbarkeit für ihre liebenswürdige Geduld.

Seien Sie mir nicht böse, Fräulein Struensee, daß ich Ihnen ein so wenig unterhaltender Gesellschafter gewesen bin," sagte er.Aber ich tauge nun einmal nicht recht in einen Kreis fröhlicher Menschen."

Mit einem kleinen Lächeln, das ihr unregelmäßiges Gesicht für einen Moment beinahe anmutig erscheinen ließ, sah sie zu ihni auf.

Ich bin darum gewiß nicht böse, Herr Riedinger! Auch mir machen solche geräuschvollen Zusannnenkünfte wenig Ver­gnügen, und wenn ich es nicht meinen Ellern zu liebe täte, würde ich kaum daran teilnehmen. Auch weiß ich ja, daß Sie gerade in dieser Zeit ernste Sorgen haben. Mein Vater hat mir von dem drohenden Arbeiterausstand erzählt. Und für den Mitbesitzer einer so großen Fabrik, wie es die Ihrige ist, ist das doch gewiß eine Angelegenhet von sehr ernster Bedeutung."

Er ließ sie in dein Glauben, daß es die drohende Haltung der Arbeiterschaft gewesen sei, die ihn so wortkarg gemacht hatte. Aber sie hatte ihm niemals besser gefallen als jetzt, und er hielt ihre Hand ein paar Sekunden lang mit warmem Druck in der seinigen.

Dann erfolgte die übliche Sonderung der Geschlechter. Die Dainen vereinigten sich wieder im Empfangssalon, während die Mehrzahl der Herren die Rauchzimmer aufsuchte, um sich .in freieren Gesprächen für.beit stundenlangen Zwang einer mit

,11*7145Seift 3;

... .. - ^ .. . - ,

zu fördern; sie alle haben, gleich uns, begründeten Anlaß, seine kritische Tätigkeit in verdienten Ehren zu halten. Er. langer war 1842 zu Halle geboren. Er bewahrte und betätigte für das Frankfurter Musikleben reges Interesse, solange sein nt der letzten Zeit erschütterter Gesundheitszustand dies er. laubte. Auch m Schach kreis en wird man mit Teil« nähme die Kunde von dem Tode Erlangers vernehmen. Er kannte wohl fast alle bekannten Meister der letzten Jahrzehnte/ war selbst ein guter Schachspieler und ein eifriger Förderer des Schachlebens in Frankfurt. Viele Jahre war er Präsident des Frankfurter Schachvereins Anderssen.

* Feuerwehr in Der Festhatte. Durch eine Benzinlöt­

lampe entstand am Samstag inderFe st halle ein kleiner Brand, der bald gelöscht war. Ec hat aber Veranlassung ge­geben, bereits jetzt eine Feuerwache dort zu errichten. Vier Feuerwehrleute teilen sich in den Dienst, einer patrouilliert die große Tribüne ab, einer den Wirtschaftsbau. zwei sind für die Halle selbst bestimmt. Natürlich ist eine große Anzahl von Hydran­ten und Löschvorrichtungkn angebracht.f

* Eugen Albrccht f. Auf dem Schlvabinger FriedhofS- Park zu M ü n ch e n erfolgte am Samstag Nachmittag die Beerdigung des Frankfurter Pathologen Prof. Dr. Eugen Albrecht. Sehr zahlreich war das Trauergefolge. Stadt-^ Pfarrer Dr. Galling er rühmte die ärztlichen Verdienste des Entschlafenen, der gleichzeitig ein recht beliebt gewordener Münchener Arzt und Professor am Krankenhaus rechts der Isar gewesen war. Albrechts Berufung nach Frankfurt an Weigerts Stelle, seine organisatorischen Verdienste um den Neubau des Instituts, schilderte Sanitätsrat Dr. Noediger, der Vorsitzende der Dr. Senckenbergischen Stif­tungsadministration. Seitens der Städtischen Verwaltung und der Aerzte der Krankenanstalten war Pros. Boß ent-' sendet. Für das pathologische Institut sprach Assistent Dr. G o l d s ch m i d t. Die Bedeutung des Entschlafenen als Lehrer und Berater der Aerzte schilderte im Aufträge des> Aerztlichen Vereins, Sanitätsrat Dr. L. Lagu er. Seine, hervorragenden Verdienste um die biologische Forschung, ins­besondere die Eniwicklungsmechanik würdigte Prof. Knob­lauch im Namen der Senckenbergischen Natur­forschenden Gesellschaft. Die Beziehungen zu Geheim­rat Ehrlich und seinen Mitarbeitern hob Prof. Hahn hervor; er legte einen Kranz für das Frankfurter Seruminstitut nieder. Kränze wurden ferner gespendet von den Assistenten des Frankfurter Krankenhauses durch' Dr. Brenner, den Sanitätsoffizieren und dem Christschen Kinderhospital in Frankfurt a. M., sowie von ' Prof. Brunner für das Krankenhaus rechts der Isar, zahlreichen Münchener ge­lehrten Gesellschaften und ärztlichen Instituten.

* Dreißig Jahre Krimiualdienst. Anläßlich de? dreißig­jährigen Dienststrbiläums des Kriminalkommissars Bus« j ä g e r beim hiesigen Polizeipräsidium waren heute die Bureauräume des Jubilar?, dem auch eine Menge Gratulationen und Glückwünsche zugingen, von den Beamten des Präsidiums mit einem hübschen Rosenorrangement geschmückt.

* Bockenheim er Sommertheater. Seit Dienstag ver­gangener Woche wird ans der kleinen Bühne im Garten des Rheinganer Hof" in Bockenheim bei ungünstigem Wetter zieht' die leichte Muse in den Saal nach liebem Sommerbrauch wieder gespielt. Direktor R. S ch e l l e r hat ein Ensemble mitgebracht^ in dem man zwar den kürzlich verstorbenen Emil H o ch b er g be-i dauernd vermißt, das sich aber sonst im Personalbestand gegen früher wenig verändert hat. Auch in der Wahl der Stücke ist man; konservativ geblieben. Natürlich ist das nicht politisch gemeint,' denn die Herren von der Rechten würden sich, öffentlich wenigstens, nicht sehr freuen über Schöpfungen wie den dreiaktigen Schwanks S e i n D o p p e l g än g e r" von M. H e n n e q u i n und G. D uv al, der am Samstag zum ersten Mal aufgeführt wurden Selbiger hat nämlich im großen und ganzen die Note der Kunst, als deren Priester in Paris viele erfindungsreiche Dichter wirken. Da wir aber nicht so prüde sind, im Gegenteil ganz gerne über die Illegitimitäten lachen, wenn sie uns nur nicht mit allzu reichlichem Pfeffer aufgetischt werden, haben wir uns, mit Ehr' zu melden,' recht gut amüsiert. In erster Linie über den Gast des Abends/ Herrn Oskar E b e l s b a ch e r, der den nicht zu verblüffenden Liebessünder Anatol Barisart wirklichfrech wie Oskar" spielte, aber auch über Kate K ü n a u, Ada P a u l y, Anny M e l w i tz,' Lotte Rexin, Eduard Peter und Richard Ludwig, bte, redlich dazu halfen, daß sich der Sinn des Werkes jedem offenbarte.

Rudi.

* Ein BoSenheimer GesarrgvereinSjubilLum. Der Ge«

scnigvcremKoiophvninm-.Br'ök'-nh-ini 'frtnet t>o»

Montag, 29. Juni daZ fVefl seincS LSsöhrigrn Bestehens. tag Abend ist akademische Feier imRheingauer Hof" verbunden mit der Begrüßung hiesiger und auswärtiger Vereine, Ehrung der Gründer des Vereins und einem FestkommerS. Für So nntagi Vormittag ist eine Ehrung verstorbener Mitglieder auf dem Bocken« heimer Friedhof vorgesehen. Nach ein Uhr erfolgt die Ausstellung des Fe st zu ge s und der Abmarsch auf den Festplatz der Hauiener Landstraße. Dort gibt cs Vergnügungen aller Art. Montag Vor« mittag ist Frühschoppen, dann geht es wieder auf den Fesiplah, wo am Abend ein großes Feuerwerk abgebrannt wird. Man sieht, daß der in Bockenheim sehr beliebte Verein ein reichhaltiges Programm zusammengestellt hat. Die hübsch ausgestattete F e ft s ch r i f t bringt die Bilder des Dirigenten Musikdirektors A u g u st S ch n ch t, des Präsidenten Rud olf Maul und aller früheren Präsidenten C.' Stork, P. Franz, E. Engert, Ph. Euler. E. Ostertag, E. Grosse, PH. Kolb. Ihr ist zu entnehmen, daß der Verein bei zahlreichen Wett- gelängen Preise davongetragen hat. Ueber den NamenKolo- pH o n i u m'wird folgende Aufklärung gegeben:Der Name des Vereins, schon oft Gegenstand lebhafter Erörterungen, wurde von den oiründern lauter Spengler der Metallwarenfabrik G. K n o d t gewählt, weil er symbolisch den festen Zusammenhalt der Mitglieder unter sich andeuten sollte. Kolophonium dient bekanntlich in der Metallbranche als Bindemittel beim Weicklvten.E Die Fest«^ fchrist bringt ferner erläuternde Artikel über Bockenheim und Frank-^ surt mit zahlreichen Abbildungen.

Ein Hoteldieb. Der internationale Hoteldieb, über besten. Verhaftung gestern berichtet worden ist, hat in sieben Städten' gearbeitet. Außer in Frankfurt noch in Düsseldorf, Halle, Leip-^ zig, München, Köln und Essen. Er ist überall in erstklassigen, Hotels abgestiegen und hat, wenn die Fremden ihr Zimmer verlassen hat, das Reisegepäck geöffnet. Eine reiche Beute von goldenen Halsketten, Armbändern, Ringen Broschen, Nadeln, Medaillons, Operngläsern, Brieftaschen und Etuis ist ihm in, die Hände gefallen. Bis jetzt ist festgestellt, daß er sich folgende

dem Aufgebot ihres ganzen Vorrats an Witz und Geist geführ­ten Konversation zu entschädigen.

Hartwig spähte nach einer Möglichkeit aus, sich unauf­fällig zu entfernen. Aber zu seinem Verdruß sah er sich als­bald wieder von dem alten Geheimrat in Anspruch genommen, den die reichlichen Freuden der Tafel just in die rechte Stim­mung verseht hatten, um sich mit der Wärme des satten Mannes der berechtigten Forderungen der in diesem Falle von' der Regierung begünstigten Arbeiterschaft anzunehmen. Es^ war unmöglich, den gesprächigen Menschenfreund abzu-' schütteln, und alles was Hartwig tun konnte, war, daß er sich mit ihm in einen Winkel zurückzog, wo sie seiner Meinung nach für die übrige Gesellschaft so gut wie unsichtbar waren.

Um so peinlicher war seine Ueberraschung, als er nach einer, kleinen Weile den Hausherrn auf sich zukommen sah, und an seinem Arni diejenige, der er unter allen Umständen hatte ausweichen wollen Edith Jmgart, seine einstige Verlobte.,

Er wandte sein Gesicht ab, in der Hoffnung, daß sie vor­übergehen würden, ohne ihn zu bemerken. Aber in der nächsten Minute jchon hörte er sich von der jovialen Stimme des Kommerzienrats angeredet:

Da also stecken Sie, lieber Riedinger! Wir haben beinahe schon das ganze Haus abgesucht, um Sie zu finden. Erlauben Sie 'mir, daß ich Sie unserm lieben Gaste vor-^ stelle. Herr Hartwig Riedinger Fräulein Edith Bogen­hardt sofern es überhaupt nötia ist, daß ich Ihnen erst noch den Namen unserer gefeierten Künstlerin nenne."

Steif und förmlich hatte sich Hartwig verbeugt, denn ein^ einziger Blick auf ihr Gesicht hatte ihm offenbart, das; sie ihn nicht als einen alten Bekannten zu begrüßen wünsche. Er hatte nicht Zeit, sich die Frage vorzulegen, wodurch sie sich bestimmt fühlen konnte, ihn zu verleugnen und ihn dennoch geflissentlich zu suchen, denn schon klang ihre weiche, auch iitv Sprechen von einem wundervollen musikalischen Wohllaut er­füllte Stimme an sein Ohr:

Ediths Benehmen wurde für Hartwig immer unbegreif­licher. Sie war von einer so heiteren Unhefangenheit, daß er unmöglich dem Gedanken Raum geben konnte, auch sie wäre erst in dem Augenblick, da sie ihm gegenüberstand, rnne ge­worden, zu wem der Kommerzienrat sie da geführt habe. Und nicht eine Sekunde lang glaubte er an ihr Interesse für sein Etablissement. Das Spiel mußte also einen besonderen Zweck haben, einen Zweck, den er nicht einmal dunkel ahnte,,

(Fortlekuna foIoM J