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70 Eines Hanrwercksmanns rc.
zu lieben inniglich Den der es von Hertzen meinte , hielt ich offtmahls für mein Feinde.
7. Ach! der Satan, der Ertz-Feinde und zugleich mein Fleisch und Blut, waren offtmahls gute Freunde, that doch in die Läng nicht gut. Ihre Freundschafft zu vertrennen, muß man vieles Leiden nennen.
8. Einmahl, wo die Sund thut wohnen, will fte leichtlich weichen nicht, man muß gwißlich sein nicht schonen bis man ihr die Macht zerbricht. Doch wers recht mit Ernst thut meinen, dem wird JEsus Krafft erscheinen.
9. Das Hab ich an mir Zerfahren , und bezeug es in der That, wie die Sünd vor vielen Jahren, mich nun eingenommen hat. Aber mit recht grossem Leiden, muste es nun seyn geschehen.
10. Nun GOttLob! esistgescheiden, Sünde hat kein Macht nicht mehr, das sag ich mit Het- tzens-Freuden, nimmermehr ich ihr begehr, jetzt soll neu mein Dienst und Leben, meinem JEsu ftyn ergeben.
i i. Solche Gnade gnug zu preisen kan ich in dem Leben nicht, nach dem Tod soll es sich weist», was im Leben nicht geschicht. Unterdessen laß mein Lallen Dir in Gnaden Wohlgefallen.
12. In deck Sinn thu mich erhalten meine gantze Lebens-Zeit, laß dein Gnade ob mir walten , wann ich fall, dein Hand mir beut, daß ich nicht darffunten liegen, sondern durch dein Krafft mög siegen.
Den24.Augusti, 1733. J.U.L.
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Einige erbauliche Brieffe. 75 stentheils recht in der Wahrheit, was ick) einmal von Ihnen in einer Bettstunde über die Worte: wir wissen nicht, was wir betten sollen rc. gehöret. Konnte ich dann nicht betten, wie ich dann in diesem Stück sehr viel mit der Trag-und Kaltstnnig- keit zu streiten habe, so getröstete ich mich des ho, henpriesterlichen Gebettes JESU Christi. Nun meine gröste Sorse ist diese, daß ich besorge in der Stunde des Todes da werde der Feind vol, kends allen Glauben mir aus meinem Hertzen rauben, darum bitte ich mir nur diß einige von Ihnen aus, mir erbctten zu helffen, daß ich in der letzten Stunde meines Kodes möchte so viel Gnade bekommen, daß ich versichert werde in meinem Hertzen, daß ich wahrhafftig glaube, und JEsum als einen JEsum empfinden möge. Ich lebe in der Zuversicht, Sie werden mir ihre Vorbitte nicht versagen, noch auch mkr übel nehmen, daß ich Ihnen durch Gegenwärtiges Mühe mache, öder auch, daß ich meinen Namen aus besondem Ursachen nicht deysetze, verargen; Ich versichere, daß dieses geschrieben aus gutem Hertzen, eine solche Seele, die zwar sich nichts Gutes Zutrauen kan, weil sie schon einmal rückfällig worden, doch die daher) nichts so sehr wünschet, alö nur ein einiges Bluts - Tröpfflein JEsu, ihr vor andern sehr bö- ses Hertz dadurch zu andern, und zur Trauer zu bewegen. Ich empfehle {gfo hiemr't als einen Jo- hannem in die Arme und an die Brust JEsu, Und wünsche von Hertzen, daß Sie die Liebe Ihres Heylandes beständig auf das allersüsseste geniest ftn mögen; Ich flehe auch GOtt täglich m , daß
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74 Einige erbauliche Brieffe.
selben, keinen JEsum, ach ! wie vielmasen bt* dünckets mich doch, ich seye in die völlige Atheiste- rey verfallen, da weiß ich mir nicht zu helffen, da dencke ich dann, dieses Gerichte, daß dich GOtt in deines HertzensDünckel überlassen kommt mit allem Recht über dich, und ist deine Verdammnus gantz gerecht, dabey kommt doch immer wieder et« was als ein kleines Füncktein , welches mir zu- spricht, vielleicht wird sich GOTT wieder erbarmen, gib dick) nur nicht gantz und gar verlohren, kanst du nicht glauben, so wünsche zu glauben. Einsmals, als mein Hertz sehr zagete, käme dieser Gedancken in mein Hertz,du must wissen: glauben und mit Sinnen begreiffen, ist nicht eines, um eines bitte, und das andere wird und kan nicht von dir gefordert werden. Ich war einsmals, als ich hierinnen sehr geangstiget war. zwar willens, solches Anliegen Ihnen zu entdecken, und Sie zu bitten, die Mühe zu nehmen, mich als eine Atheistin suchen zu überzeugen, ich konnte aber in diesem Schluß darum nicht fertig und gewiß werden, weil ich eben gedachte, daß ich doch bey niemand ausser GOtt würde Hülffe erlangen können, und noch über das scheuete ich mich auch (weilen ich nicht gedencken konnte, wie es doch möglich, daß eine Seele, die wahrhafftigen Schmack an GOtt gehabt, in solche Umstande, als ich dazumal gewesen, gerathen könnte,) es zu entdecken, ich habe aber inzwischen ein fast gleiches Exempel gelesen, welches mich sehr aufgerichtet, doch lebe ick) ebenso in derAbwechßlung dahin, kommt es aber bey mir auf Vas Gebett an, da empfinde ich mei,
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V.
Einige erbauliche Schreiben.
i.
Schreiben eines Frauenzimmers an
einen gewissen Geistlichen.
Hoch - Ehrwürdig/ Hochgelehrter/ Hochgeehrrister Herr - - -
^>Je Überzeugung, so ich von Ihnen habe, daß es Ihnen, dem lieben Heyland Seelen zu gewinnen, ein recht hertzlicher Emst seye, gibt mir die Fceyheit, Ihnen durch Lesung dieses Brieffes Mühe zu machen, damit aber auch die grosse überschwengliche Barmhertzigkeit GOttes, die derselbe durch Ihre Person an meiner Seelen gethan, zu bezeugen. Ich wurde in meiner Jugend durch andere Knecht GOttes in seinen Weinberg be- ruffen und auch würcklich gedinget, und vornem- lich durch einen, welcher auch in der - - - geprediget hat, als ich aber, ach leyder! nach einiger Zeit nachläßig worden, folglich mit Demas die Welt lieb gewonnen, so hat doch die Treue meines Scelen-Hirten nicht nachgelassen, mich verirrtes Schaflein (wiewvl ich es nicht werth wäre,) immer wieder zu suchen, und aus meinem Hertzen die Zucht des H. Geistes nicht gäntzlichEhinweg genommen, und wundere ich mich billig über solche ohnaufhörliche Gnade, einer abtrünnigen Seelen, wie ich wäre, widerfahren, doch damit gienge
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