es Eines Handwercksmanns

denselben ergriffe, und da es dann an deme war, muffe es wieder gehindert werden: Dann zeigte er mir die Flint, mich damit zu erschieffen, dem folgte ich auch gantz stölich , in der Meinung , bald erlöset zu werden ,^nahme sie dann zur Hand, that eine Kugel in semrge, schloß mich in eine Kammer, ich wüste aber nicht, wie ich es machen sollte, da käme mir alsbald in Sinn, ich sollte den Laufs ans Hertz setzen und mit dem Fuß loß drücken, welches der liebe GOtt auch gehindert. Und auf dergleichen Art viel suchte der Satan mich ums Leben zu bringen, aber sein Wille wur­de nicht erfüllet. Es verdroß mich selbsten, daß es nicht geschehen konnte, weilen ich doch durch Menschen Hände sterben müßte und diese Forcht vermehrte sich in mir, daß ich nirgends zu blei­ben wußte und von da an suchte weg zu lausten, welches auch geschehen. Nach Verflieffung ei­niger Zeit wurde ich gezwungen zu arbeiten, wel­ches ich auch thate 3. Tagelang , aber mit harter Mühe, dann es käme mir alles unmöglich vor. Nach diesem machte ich mich ins Feld und zugleich in Wildnüffen,allda vermeynete ich zu bleiben,wel­ches auch geschehen 3. Tag und 3. Nächte, dann ich meinte Hunger zu sterben, oder todt zu fallen. Es wollte aber auch nicht angehen, sondern ich muffe wieder nacher Hauß und in diesen Gedan- cken, mich ums Leben zu bringen, blieb ich noch eine lange Zeit. Endlich würde ich durch vieles Zufprechen genöthiget, zu lesen und zu beten, welches ich auch um etwas thate, in Arnds Pa- radieß-Gärtlein zu lesen , und in M.Mart. Sratii

Schatz-

Geistliche Lieder. 79 Mit sie am Ende einen freudigen Zutritt durch die Fürbitte JEsu zum Vatter erlangen möge. Ich muß auch an den lieben - - gedencken; es freuet uns hertzlich, daß er im Umgang bey euch ist. Grüst set ihn und den - - und alle, die ihr in eurer Ge- meinfchafft habt. Nun derHErr sammle uns in eines zusammen, und bringe uns endlich zur wah­ren Ruhe.

N. N.

N. N.

VI.

Einige neue

Geistliche Meder.

Lied über das Evangelium am

Ostern Tag Marci 16. V. I.- 8.

F>Er Stein, der so gar grosse Stein, den man ^ für Christi Grab geleget, der ist es, der nur gantz allein den frommen Weibern Forcht erreget, die JEsum selbst in seinem Grab zu suchen nicht gelassen ad.

2. Die gute Weiber wußten nicht, daß, um das Grab recht zu bewahren, Pilatus, aufdes Feinds Bericht, so gar aus der Soldaten Schaaren da­hin gesetzet eine Wacht; vielleicht sie sich sonst mehr bedacht.

3. So macht es GOTT, er schonet offt der schwach- doch ihme treuen Frommen, und wann sie könnten unverhofft in solche hatte Umstand

' kom-

78 Einige erbauliche Brieffe.

schön thut es schmertzlich wehe, aber wie rein und helle wird und muß nicht unser Geist werden,wann er in einem solchen heissen Elends - Ofen ist ge- schmelzet und gereiniget worden. Da da wirds der Tag des HErrn recht klar machen. O darum Gedult, Gedult! nur gelitten, gelitten, aber auch männlich gestritten , der Sieg wird bald folgen, und wanns wahren sollte nicht nur von einer Mor­genwache biß zur andern, sondern gar biß ans Ende des Lebens, so wirds erst recht herrlich wer­den , wanns auch also heissen wird: diese Seele ist gekommen von innerer grosser Trübsal, darum seynd auch ihre Kleider helle gemacht im reinen und theuren Blut des Lammes. O was Freude wird da nicht aufgehen! wie wird eine Seele nicht wünschen, ein mehrers erlitten zu haben, darum aber wird Preiß und Ehre styn vor dem, der auf dem Stuhl sitzt und vor dem Lamm, das erwür­get ist und hat uns erkaufst mit Seinem Blut. Deme seye auch diesesmal Preiß, Ehre,Krafft und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen!

P, 8.

Ich muß auch ein paar Wort schreiben, dieweil ich getrungen werde aus und durch die Liebe Chri­sti. Unser beeder Sinn hat die Schwester - - geschrieben. Es bleibt nichts übrig, als einen tausendfachen hertzlichen Gruß an alle Seelen, die JEsum lieben. - - Ich und die Schwester - - ge­dencken insonderheit an die krancke Schwester - - Der HErr über Leben und Tod stehe ihr in Gna­den bey, und helffe ihr siegen und überwinden, da-

Führungen in der Bekehrung. 67

Schatz- Kammer; zun Zeiten kam es in mein Hertz, es wäre noch möglich, stetig zu werden, da ich mich dann zum Gebet gemacht, welches auf meinen Knien mit Thränen geschähe. Als­bald aber käme mir entgegen die Vielheit meiner Sünden, welches mich wieder gantz abschröckte, und alle Hoffnung wieder verschwand, doch ward mir gerathen, fortzufahren, und mit Gebet und Lesen nicht nachzulassen, welches ich auch thate, und es sich nach und nach besserte, und allge­mach einen Lust bekam zum lieben Wort GOttes und nimmer nachließ mit beten und lesen, bis ich dann GOttes Gnade immer reichlicher führ­te, und obgemeldte Schatz-Kammer zu dreymal^- !m. laße, worinnen die herrliche Gnaden - Scha­tze so reichlich gezeltet werden. Doch bliebe noch etwas von Forcht über in meinem Hertzen, wel­ches sich einige Zeit hernach zeigte, dann wann sich natürlicher Weist nur das Geblüt in mir regte, glaubte ich, der Satan wohne in mir, und käme auch noch dieses darzu, daß mich meine Schwester im Himmel verklagte, weil ich ihr nicht habe folgen wollen. Diese Gcdancken wol- ten mir wieder alles neu lmchen und allen Trost benehmen , da ich dann auf Rath guter Seelen mich nicht sollte schröcken lassen, sondern indem Guten fortfahren. Folgte ich dann, so verlohr sich nach und nach diese Angst wiederum, also daß ich nun anfienge der Gnade GOttes ver- sichertzu werden, und bis auf diese Stunde 173 z. in demselben verharre, worfür ich meinem lie­ben GOtt zu dqncken das Vermögen nicht habe, E i wünsche