«8 Eines Handwercksmanns

wünsche aber vonHertzen, in seinen wohlgefällig Sen Wegen zu wandten biß an mein Ende.

Die Kennzeichen der Versicherung in der

Gnade GOttes zu stehen, sind folgende:

1. Trug ich einen Abscheu vor denen Sün­den, die ich vormahls liebte, und wünsche sie mein Lebenlang nimmer zu begehen.

2. Bedaurete ich die Zeit, die ich vormahls so übel angewendt habe und dem lieben GOtt so wenig gedienet, und wünsche, wann esseynköü- te, dieselbe zurück zu hohlen und sie besser arizus wenden.

3. Habich meine Lust und Freude an dem lie­ben WortGOttcs und begehre mich im selben zu üben, aber nur zum Preise meines GOttes und in demselben Mein Lebenlang zu verharren.

4. Liebe ich keine Gesellschafft mehr, als sol­che, welche wahrhafftig JEsum lieben, und ist mir die Zeit immer zu kurtz mit ihnen umzu- gehen.

5. Achte ich der Welt Haß und Verfolgung um Christi willen nicht, macht mich auch von ihm nicht abfällig, Andern nur steiffer und fester ihme zu dienen.

6. Ist das meine Freude, wann ich höre von Seelen, die anfangen JEsum zu lieben, und wünsche, daß dergleichen immer mehr möchten werden, zur Verherrlichung seinerEhre.

7. Höre ich mit Freuden vom Sterben sagen, weil ich versichert nachchiesem erst recht anfangen

werde zu leben und dem lieben Heyland nicht

mebr

Einige erbauliche Brteffe. 77 weilen wir aber vieler Zerstreuung unterworssen stynd, ist es nie ins Werck gebracht worden. Weil wir aber nicht allein ihr Elend aus ihrem Brieff­lein gehört, sondern auch aus der geheimen Gei- stes-Verbindung empfinden, so können wir nicht anderst, als ein Wort des Trostes zu ihr reden und zwar, wie Paulus sagt, mit einem solchen Trost, womit wir auch in eben solcher Trübsal seynd ge­tröstet worden. Ach leide Sie doch willig um JEsu willen; kan sie nicht mit Freuden, so leide sie gedultig, biß die Stunde der Erlösung kommt, die gewiß, ja gewiß, nicht nicht wird aussen bleiben. Hieher aber gehört nichts dann leiden und schwei­gen und ein gedultiges Drunterbleiben,nemkich un, tet derCreutzes-Preß. Der HErr hat ihm allem Vorbehalten, in und zu welcher Zeit Er sie von dee tyrannischen Wuth will frey machen. Sie kan ja getrost seyn, wann sie uns als lebendige Zeugen an- sihet, die eben auch solches erfahren, und nicht allein erfahren, sondern auch zu rechter und gewisser Zeit erlöset worden. Ja, liebste Freundin! wir versi­chern sie, daß wir nicht allein vor die Stunde den HErrn loben, darinnen er uns erlöset hat, sondern wir sagen auch also: Gelobet seyest du, 0 GOtt 5 daß du ein solches uns hast erfahren lassen: du hast uns eine Weile dem Versucher übergeben, nicht darum, daß wir verderben sollen, sondern eben darum, daß wir sollen leben und dich darinnen ver­herrlichen. Gepreiset seye die Hand des HErrn, die wunderlich, doch seeliglich, führet! O liebe Schwester! was ist es vor eine seelige Zeit um die Zeit der Schmelzung. Zwar dem alten Men­schen

80 Geistliche Lieder.

kommen, die sie in ihrem Christen-Lauffund gu­ten Willen hielten auf:

4. So halt er manchmal die Gefahr vor ihren Augen gantz verborgen und erst die Zeit macht of­fenbar , wie mancher schweren Angst und Sor­gen GOtt sie dadurch defteyet hat, daß er verdeckt der Feinde Rath.

s. Doch damit ist es nicht genug, dann da die Weiber näher tretten, da werden sie vollkommen klug und finden, daß, eh sie gebetten, GOtt alles hat bereits bedacht und so, wie stes gewünscht, gemacht.

6. Nun sorget GOTT, was sorgst dann du? Gehst du auf deines GOtteö Wegen, so traue ihme kecklich zu, Er folge dir mit seinem Seegen und dencke ja niemalen mehr, die Steine scyen gar zu schwehr.

7. Bedencke doch wie manche Last, wie manche Sorg und bittre Klagen du dir schon aufgebürdet hast, du wolltest dir das Hertz abnagen: Und wann man es beym Licht besah, so war darzu kein Ursach da.

8. Denck auch nicht: ich bin viel zu schwach, den schweren Stein hinweg zu legen; Thu. was an dir, und denck hernach: GOtt kennet ja mein Unvermögen. Sey nur getrost und unverzagt: Nur frisch auf GOttes Krafft gewagt.

9. Eh GOttes Werck zurücke gehr, eh müssen uns die Engel dienen, die, ob man es gleich nicht versteht, das, was das fchwereste geschienen, durch eine mehr dann Menschen-Kraffr bald haben aus dem Weg geschafft.

10 Doch

Führungen in Der Bekehrung. 67

es gantz zernichtet, daß nichts mehr darvon übrig, so faßte er dann aufs neue ein Hertz an meiner Seelen zu arbeiten, und 'sblolvirte mich von Sünden, und seegnske mich ein; mir aber wollte alles keinen Trost geben, sondern wäre in mei­nem Sinn, wie vorhin, ja, weil ich gar keinen Trost konnte empfinden, glaubete ich immer fe­ster verdammt zu seyn, und ich seye kein Wort GOttes mehr wetth , begehrte es auch nimmer anzuhören. Ich hielte zu Zeiten (wann man in GOttes Wort läse) meine Ohren zu, daß ich selbiges nicht mehr hören möchte. Ich trug eine heimliche Feindschafft gegen meinen Beichtvat- ter und andere gute Seelen: es wäre mir ver­drießlich , sie weiter anzuhören, sie lieffen aber doch nicht nach, an meiner Seelen zu arbeiten, ob schon alles schiene vergeblich zu seyn. Damals fieng ich an eine Forcht zu bekommen vor weltli­cher Obrigkeit, welche mich zum leiblichen Tod verurtheilen würde, das machte mir so viel Ban­gigkeit, daß ich nirgends zu bleiben wußte, dann dH leibliche Leben zu verliehren durch Menschen- Hände, käme mir ärger vor, als die ewige Ver­stoßung , und ich dachte, wann ich nur auch eines leidlichen Todes sterben müßte, wäre es noch er­träglich , aber der Satan brachte mir so fest in meinen Smn, daß man mich abscheulich martern würde, und das thate er darum, daß ich mich selber ums Leben bringen sollte, an deme es auch offtmals gewesen: dann einmals zeigte er mir die Gelegenheit zum Strick, und brachte es mir süß in meinen Sinn, welchem ich auch folgte, und 2tes Stück. E den-