f<s Eines Hnndwercksmanns

Eheste die Aussprach verlohren, so waren fast ih­re letzte Worte eine Fürbitte für alle Arme, Kran- cke, Betrangte, Verfolgte, Angefochtene, Ver­lassene, Vertriebene, Wittwen und Waysen, ja für alle Menschen, wie solche auf der Cantzel gebräuchlich und sagte sie zum Beschluß: HErr FEsu! Amen! HErrJEsu! Amen! Worauf sie bey zwey Tagen nimmer reden konnte und den LZ. Mart. 1724. früh um 2. Uhr ihr junges Le­ben beschlösse und indem HErrn JEsu einseeliges End erreichte, nachdeme sie in diesem Jammer­thal zugebracht lo.Jahr, anderthalb Monat.

KKKKK StHtfc DK KK KKKKKK

IV.

Eines Handwercks * Mannes

Beschreibung feinerFührungen in

dem Merck der Bekehrung. (*)

(*) Nach dem Original.

Jt wenigem anzuzeigen die wunderbahrliche Führung GOttes mit meiner Seelen, und wie. sie endlich so zu einem heilsamen Zweck ge­langt ist. Als ich kaum 16. Jahr alt war, wäre schon der Anfang mit dem Zug des Vatters an meiner Seelen, aber mir noch gantz unbekannt. Es wäre mir damahlen alles entleydet, und wünschte nicht mehr zu leben. Meine Eltern wa­ren damals noch bey Leben, welchen die Sache auch unbekannt wäre. Jchklagteihnen, ich wä­re

Führungen in der Bekehrung. 57

re bey meines gleichen verachtet, welches sie ver­wunderte , und begehrten mir solches aus dem Sinn zu reden, mit diesen Worten: Ich seye nvch jung, ich sollte nicht so närrisch seyn; aber dieser Zuspruch brachte mir keine Fröhlichkeit. Damalen wäre ich eben aus der Lehr meines seel. Vaters ledig gesprochen, welcher auch ein Schnei­der wäre, aber ich sollte mich erst recht in die Lehrs des H. Geistes begeben, welches noch nicht recht geschähe; ich habe zwar von Jugend auf mich äußerlich bemühet, die sündlrchen Laster zu fliehen, ja gar, wann ich gesehen oder gehöret habe, daß andere die Laster lieben, zum Exempel, Fluchen und schwören, oder unzüchtige unkeusche Worte reden , Hab ich solche bestrafft, aber den Greuel meines eigenen Hertzens habe ich noch nicht er­kannt, andere haben dem Satan öffentlich ge­dient, ich aber heimlich und wüste es doch nicht, zum Theilauch wollte ich es nicht wissen. Von Jugend auf wäre ich wohl unterrichtet worden in GOttes Wort, welches ich auch zuforderst GOtt und dann auch meinen seeligen Eltern zu dancken habe; ich gebrauchte auch äusserlich das Wort GOttes, aber ohne meinen Nutzen, offtermahls nur zur Hoffart, damahls wüste ich es nicht, ha­be es aber nachmahls redlich erfahren. A. 1718* that mich mein seeliger Vatter zu einem Meister in meiner Vatter - Stadt, in der Hoffnung, meine Profeßion besser zu ergreiffen, ich blieb aber eine kurtze Zeit bey demselben, dann es wäre mir meine Arbeit so entleydet, daß es mir unmöglich vorkam, zg arbeiten und meines Meisters sein D s Le-

60 Eines Handwerckömanns

Morgen, da ich allein in die Arbeit gehen sollte in gemeldtes Haus, welches mein Meister auch nicht anderst meinte, als es wäre also , da zog ich meine Kleider an, nähme ein Buch zu mir, und begab mich aufs Feld hinaus und gienge ei­ne Zeitlang an einem Wasser spatzieren , nech- siens bey der Stadt, nach diesem machte ich mich weiter von der Stadt hinweg, in der Meinung, ich möchte verkundschafftet werden. Da ich dann eine Stundwegs gangen , machte ich mich aus Men Berg, in der Meynung, verborgen m seyn, da wollte ich dann bleiben bis ich tod wäre und immerdar beten, und waren mir solche Gedan- cken gleichsam ein Trost in meinem Hertzen. In­dessen wäre es kündbar in der Stadt, daß ich weggeloffen wäre, da es dann meinem dreister bey einer hohen Straff angekündet worden, mich zu suchen, da es dann leicht zu erachten, was für Bettübnus mein Meister und Frau wegen meiner gehabt haben, welches mich nachgehends nicht wenig betrübet. Als ich nun auf gemeldtem Berg nreht bleiben konnte, so geschähe es gegen Abend-Zeit, daß ich mich wieder selbst gegen der Stadt nahete, unter Wegen aber reuete es mich hinzugehen, da begab ich mich ins Korn - Feld, legte mich in der Frucht nieder auf die Erden, wo man mich nicht leicht hätte finden können, konnte abyr da auch nicht bleiben, dann es kam ein Don­ner-Wetter an den Himmel, welches gleichsam den Erdboden erschütterte, daß ich nicht bleiben konn­te, da begab ich mich wieder selbsten nach Haus, welches einigen grosse Freude brachte, da es dann

der

Christina Otiliä Mayerin rc. 5z

Ernst aussprache. Da einesmals umstehende Freundinnen unter sich redeten und sagten: Ach! wann nur der yde, dersteund der ute Tag üder­standen wären, so könnte man sich Hoffnung zur Besserung machen, und man nicht vermuthete, daß die Krancke solche Reden gehöret, sagte sie: Za! wartet nur! es mag der 7 de oder §te oder 1 1 te Tag seyn, so ist mir ein jeder recht zum Ster­ben. Ihren Eltern hat sie vielfältig Trost zugt- sprocken, sie sollten doch, weil es ihro sowohl gehe, nicht trauren und weinen. Sonderlich sagte sie zu ihrer Mutter: wisset ihr dann nicht, daß eS heißt: Mein Hertz! sty zufrieden, betrübe dich nicht! qedenck daß zum Besten dir alles geschicht. Trübsal bringet Gedult. re. Zu dem Bruder, als er sehr um seine Schwester weinete, sprach sie: Was? willt du nicht zufrieden seyn mit GOttes Willen, wann ich sterbe ? Was mein GOtt will, das gescheh allzeit, sein Will der ist der beste. Redete man etwa von dem Leben der Gläubigen, so sagte sie: Ich lebe, doch nun nicht ich, sondem Christus lebet in mir rc. Unser keiner lebt ihm sel­ber rc. Ihrer Wärterin sprach sie einmal in der Nacht alle A. B. C. Sprüch daher und fragte sie: ob sie auch Sprüche könne ? Auch mußte die Wärterin ihr das gantze schöne Lied singen: Wer istwohl wie du, JESU ! süsse Ruh rc. und wei­len die Wärterin dieses Lied nicht auswendig konnte, so sprachs die Krancke von Wort zu Wort der Wärterin vor. Käme man mit dieser jun­gen Seele im Gespräch auf die Welt und derftl- ben eiteles, elendes und sündliches Wesen, sdhieffe

D r es: