54 Leben und Ende es: Gute Nacht, o Wesen !rc. oder: Welt packe dich, ich sehne mich nur nach dem Himmel; dann droben ist Lachen und Lieben und Leben, hterunten ist alles dem Eitlen ergeben. Du blinde Welt! wers mit dir halt, stürtzt in die Gruben; ich folge dem Lamme, dem Lichte und Leben, das uns das Lamm GOttes dort ewig wird geben. Nur fort, du Welt! komm, Sternen-Zelt! mich zu ergö­tzen ; ich suche den Himmel, das freudige Leben, das wolle mir JEsus, der Lebens, Urft, geben. Oder: Valet will ich dir geben re. welches Lied der feel. Verstorbenen sonderlich lieb und werth gewesen. Als sie vielfältig von ihren Schul-Ca- rneraden besuchet wurde, und einmal ziemlich viel Kinder in der Stuben beyeinander waren, fienge fte an: Kommet her, Kinder! höret mir zu, ich will euch die Forcht des HErrn lehren. Ermah- tiete sie hieraufhertzlich,sie sollten doch alle Gebotte GOttes nicht nur äufferlich, sondern auch inner­lich hakten und alles Böse fliehen. Wann ich mit Menschen - und Engel - Zungen redete rc. Was die Gelassenheit und Ubergab in GOttes Willen betrifft, so wäre solche gantz rar und ungemein groß, dahero hörete man vielfältig von ihr: Wa 6 GOtt thut, das ist wohl gethan rc. Was mein GOtt will, das gescheh allzeit rc. HErr! wie du willt, so schicks mit mir re. Mein GOtt! das Hertze bring ich dir rc. Was gibst du bann, O meine Seele! GOtt, der dir täglich alles gibt rc.

Das Krancken-und Todten-Bett wäre bey un-

( erer lieben Christina gleichsam eine Cantzel; sie elbst aber der allerbewegjichste Prediger, so, daß

schwer-

Führungen in der Bekehrung. 59

Meine Mtgesellen mögen wohl redlich und ernst­lich gewesen seyn, aber bey mir wäre es nicht rich­tig, doch weidete ich böse Gesellschafft und das machte mich auch verhaßt bey ihnen. Eben in sel­bigem Jahre am H.Pfingst-Fest, da ich in der Morgen-Predigt wäre und horte von der Sen­dung des H. Geistes predigen, da käme mir in den Sinn, ich hatte den H. Geist nicht, von da an käme ich nach Haus, gieng in eine Kammer, fiel auf meine Kniey bäte den lieben GOtt um den H. Geist, spührte aber keine Erhörung, da sich dann die Gedancken immer vermehrten, und umsomehr, weil ich in der Fremde wäre; sollte ich arbeiten r so scheinte es mir unmöglich zu seyn, dann ich hatte keine Gedancken mehr auf die Arbeit, hatte keinen Lust mehr zum Essen, mochte fast keinen Menschen mehr ansehen. Mein Meister und Frau samt andern Bekannten ga­ben mir Zuspruch, welcher aber nicht hassten wollte; einige sagten, ich hätte zu viel in den Bü­chern gelesen, das wäre Ursach meines Zustands, welches ich aber durchaus verneinte. Aber mei­ne Sünden waren Ursach , welchen ich noch im­mer anhieng, da ich mich dann refolvirfe, mei­nen Weg weiters zu suchen, aber nicht wüste, wohin? Dann es käme mir in den Sinn, einen verborgenen Ort zu suchen, wo mich niemand finden möchte, da sollte ich mich zu Tod betten und zugleich Hunger sterben , welches ich aber nicht gleich in Stand bringen konnte, dann wie waren würcklich in der Arbeit begriffen in eine$ Doctors Haus, da geschähe es dann an einem

Mor-

58 Eines Handwercksmannö

Leben wäre mir auch ärgerlich, daß ich da nicht bleiben konnte, meine Eltern wüsten nicht, was sie mit mir anfangen sollten , dann ich meinte, meine Profeßion wäre allein Ursach meines Zu­stands, bat auch meine Eltern, mich etwas anders lernen zu lassen, was sie wollten, nur dieses nicht. Sie gaben mir zur Antwort: sie wären nicht im Stand mir etwas zu geben, wann ich etwas ler­nen könnte ohne ihren Kosten, so mög ich es thun. Ich habe aber erfahren , daß meine Profeßion nicht schuld wäre, dann in andern Geschäfften war mir auch nicht anderst zu Gemüth; meine Eltern brauchten mir leibliche Artzney- drittel, welche aber vergeblich waren. Zu End dieses 1718. Jahrs begäbe ich mich auf die Wander­schafft , da ich dann einen bessern Lust zur Arbeit bekommen, worunter aber der Satan seinen Vortheil gesucht, dann ich habe mich mit der Welt um etwas mehrers bekannt gemacht, wor­innen ich einen betrogenen Friden meines Her- tzens fand, doch immerdar mit Forcht untermi­schet. In solchem Zustand blieb ich fast 3. Jahr lang, bis 1721. da ich zuVayhingen an der Entz in Arbeit gestanden bey einem Christlichen Mei­ster, deme GOttes Wort auch nicht unlieb wäre. Damahlen meinte ich auch , ich liebte GOttes Wort, dann ich beflisse mich, selbigem nachzu­forschen , zu Haus und zu Feld, wann ich Sonn­tags spatzieren gangen, ich sähe mich auch nach solcher Gesellschafft um, die GOttes Wort auch liebten, wir nahmen SonntagsdieHand - Bibel mit aufs Feld hinaus , uns darinnen zu ergötzen.

Meine

Christlnä Otiliä Maverin re. 55

schwerlich dieselbe jemand gesehen oder gehöret, so nicht innigst gerühret und beweget worden wäre, auch Thränen aus Verwunderung und Freude zu bergieffen, sonderlich da man sähe, wre der von Gichtern gantz geschwächte Cörper samt allen Gliedern ohne Bewegung da läge, und doch die Zunge so herrliche Zeugnüffen von dem Schatz der Göttlichen Wahrheit gantz klar, deutlich, herA Hafft und unermüdet ablegre, dann sie schwieg auch nicht, ob man sie schon öffterS zum Still­schweigen erinnerte, daß man es ohne Erstaunen kaum anhören konnte. Zu irrdischen und weltli­chen Dingen aber wäre sie gleichsam taub und stumm. Sie mochte nichts davon hören und re­den. Ihr Hertz, Sinn und Gedancken waren voll GOttes.

Dem Tod gienge sie mit lauter Freudigkeit und getrostem Mnth entgegen und sprach offt: Chri­stus ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn re. In meines Hertzens Grunde rc. Verbirg mein Seel aus Gnaden rc. Schreib meinen Namen aufs beste rc. Solls zum Sterben gehen, wollst du bev mir stehen, mich durchs Todes.Thal beglei­ten , und zur Herrlichkeit bereiten, daß ich einst mög sehen, mich zur Rechten stehen. Und solche Freudigkeit mehrete und nährete sie gleichsam aus ihrem guten Hertzens - Schatz, so sie gesammlet hatte, sonderlich aus unterschiedlichen nachdrück­lichen Paßions - Liedern von ihrem gecreutzigten IEsu, und aus kernhafften Sterb- Liedern von dem obern Jerusalem und der zukünffligen Herr­lichkeit, wovon noch gar vieles zu erzählen wäre.

D 4 Ehs