jo Leben und Ende willt du dann gerne sterben ? Sie antwortete gantz freudig: Ja,Vatter! ich will gerne sterben. Uns als er fortfuhre zu fragen: warum willt du dann gerne sterben? wäre sie gleich fertig, die Glaubensvolle Antwort zu geben: weil ichs im Himmel vieS beßer bekomme, als auf der Welt. Und ob man schon vom Wiederaufkommen und gesund werden redete, wollte sie doch nichts mehr davon hören, sondern versicherte: sie werde gewiß sterben»
f ierauf fieng sie an zu singen: JESU! meine reude re. daste dann Anfangs einegantzsachte und liebliche Stimme hatte, als sie aber auf die Worte käme: Trotz dem alten Drachen! rc. nähme sie gleichsam eine trotzige oder gantz hertzhaffte manndaffre Stimme an sich, um hiemit ohne Zweiffcl anzuzeiaen, daß sie keine Angst und Forcht vor dem Too, Teufel und Hölle habe. Wie sie nicht lang darauf wieder anfieng zu simen: JEsu! der du meine Seele re. Treulich hast du ja gesu- chet re. Ihre vielfältige Seuffzer waren: Ach GOtt! erhör mein Seuffzen und Wehklagen re» Ach HErr! laß deine liebe Engelein rc. AchHErr! wann ich nur dich hadere. Mein GOtt! ich ditt dmck Christi Blut rc.
Sollte man alles noriret haben, was i'm Fortgang der Kranckheit Gutes an diesem seeligm Kind oblcrviret worden, und von Tag zu Tag vorgegangen ist, so hatte man eine gar weitläufftige Erzehlung zu machen. Nur etwas weniges aus so vielen erwecklichen Bezeugungen zu gedencken- so munterte dieses Kind felbsten mit grossem Ernst ftinen Geist auf, sich zu himmlischen Dingen za
Zührungm in der Bekehrung. 6z
hielte ich mich zu gottseeligen Freunden, welche es von Hertzen redlich meynten, machte mich mit ihnen bekannt, liebte auch, wie ich meinte, GOt- tes Wort hertzlich, und übte mich in selbem, aber neben diesem hatte ich noch beliebige Sünden cm mir, denen ich zugleich dienere, diese waren Ur- sach und Hinderung, zum rechten Zweck zu gelangen , dann ich meinte, zugleich GOtt und der Welt zu dienen , aber nicht in groben Lastern, sondern nur in subtilen Sünden. Meine Schwester wollte mir auch auf den rechten Weg helffen, aber ich nähme es nicht an, da sie es doch so hertzlich meinte; icl) hatte vielmehr eine Feindschastk gegen ihr, und in solchem Zustand blieb ich bey 3. Jahren stehen, bis 1724. geschähe es um die Heil. Advents-Zeit, da ich würcklich in der Arbeit gestanden, überfiele mich schnell eine solche Traurigkeit , welche mir die Thränen aus den Augen preßte, und mir die Arbeit unmöglich machte, da machte ich mich nacherHaus, und fienge an, an der Gnade GOttes zu zweiffeln, ja es käme mir so fest in meinen Sinn, daß ich nimmermehr fönte Gnade erlangen, weilen sie mir GOtt schon vielmalen angebotten , ich aber selbige nie recht angenommen, ft seye es nunmehro zu spach, ob sich schon gute Seelen bemühet, solches mir auszureden, und Trost beyzubringen, wollte es nicht hassten, sondern es wurde täglich ärger, ich gab ihnen, wie auch meinem Herrn Beichtvatter, zur Antwort, sie sollten es nur bleiben lassen, sie bemühen sich gantz umsonst, GOtt wolle mich nimmer zu Gnaden annehmen, meiner Sünden
hal,
6t Eines Handwercksmanns
fett, aber, sprach der HErr, ich will ihm sein Hertz verhärten, daß ers nicht wird ziehen lassen, da wäre in meinem verkehrten Sinn die Schuld auf Seiten GOttes, und nicht auf Seiten Pha- raons. Eben ft wäre es bey mir auch, GOtt habe mein Hertz verhärtet, daß es nimmer anderst seyn könnte, und zun Römern 9. vonJacob und Esau, vom Haffen und Lieben, und vom gnädig. und ungnädig seyn. Diese und dergleichen viele andere Sprüche waren ft fest in meinem Hertzen, daß ich derselben nicht leicht loß werden konnte, und insonderheit das Lied: Es fallen mir Gedan- cken ein, ob ich auch möchte seelig seyn, und insonderheit die Worte in selbem: Bin ich erwählt, wie mancher spricht, ft schadet mir kein Laster nicht, ich muß den Himmel erben, bin ich verdammt zue Höllen-Glut, ft kommt kein Glaube mir zu gut, ich muß doch ewig sterben. Da ich dann fest ge- glaubet, ich wäre zur Verdammnus geschaffen, und möchte nun leben wie ich wollte, könnte es nicht anderst mehr seyn. Dieses erfuhr mein damaliger Herr Beichtvatter, Georg Thomas - - - - - welcher sich mit allem Ernst angelegen seyn lassen, dergleichen Gedancken mir zu benehmen, und mir gerathen, das Heil. Abendmahl zn * empfahen; Ich wollte aber nicht wegen meiner Unwürdigkeit, es zu meinem Gericht empfangen, doch folgte ich ihme, und empfieng es, aber ohne einigen Trost: Einige Zeit hernach schiene es wieder Heller in meinem Hertzen zu werden, daß ich wieder einen Lust zu Lesung Göttlichen Worts und zugleich auch zur Arbeit bekam. Von da an
Christlnä Otiltä Mayerin rc. 5,
erheben, mw sprach: Auf! hinaufzu deiner Freude! meine <Leele, Hertz und Sinn! weg! hinweg mit dememLeide! Hin! zu deinemIEsu hm! Ec ist dein Schatz; JEsus ist dein einzig Leben. Will die Welt kein Ort dir geben, bey ihm ist Platz. Fort! nur fort! steig immer weiter in die Höh zu JEfit auf! rc. Redete man von der Sünde, ft seuffzete sie gantz demüthig : Ach! ich bin ein Kind dee Sünden! rc. Ach ich elender Mensch! wer wird mich erlösen von dem Leide dieses Todes! Ware die Rede von JEsu dem Gecreutzigten, so gienge rhr Mund von denen allerhertzlichsten Liedes-Be-. zeugungen gegen demselben über. Da hieß es: was hören kan, höre, ich will sonst nichts wissen, als meinen gecreutzigten JEsum zu küssen! Ich liebe dich hertzlich, O JEsu! für allen, du bist es, an dem ich mein einzig Gefallen, ich lieb dich, ich lob dich, ich will dich nicht lassen, ich will dich fest halten, ich will dich umfassen. Meines Le- ' dens beste Freude ist der Himmel, GOttes Thron; meiner Seelen Lust und Weide ist mein JEsuS, GOttes Sohn; was mein Hertze recht erfreut, ist in jener Herrlichkeit. , Einesmals sähe sie mit munterem Angesicht und lachlenden Geberden über sich in die Höhe, und sprach : Ach du liebes JE- sulein! ach liebes Schätzelein! mein Hertzelein! GOtt! du bist schön! du bist mein JEsulein! mein Schätzelein! mein Hertzelein! Und damit sie ihre demuthige Ehrerbietigkeit gegen dem lieben Heyland offenbarre, reoete sie denselben ihr- zend an und sprach: Ach Er ist ja mein JEsus! gelt Er! Er ist ja mein JEsus: mein Schatz! Er
D r bleibt