5r. Leben und Ende
bleibt ja mein, und ich bin sein ! O wie Hab ich doch eine so grosse Schönheit in meinem JEiu- lein gesehen! In der Welt kan keine solche Schönheit gefunden werden. O ein schönes Haus, da mein ZEsus ist Er wird mich auch darein auf- nehmen! Welch hohe Lust! welch hoher Schein wird dort bey meinem JEsu seyn. O wäre ich da! O wäre ich schon, ach süsser GOtt? vor deinem Thron. Als man ihro von schönen Kleidern sagte, wie man sonderlich auf den Oster-Tag was neues vor sie anschaffen und kauffen wollte, antwortete sie: Haltet fest an der Demuth, dann GOtt widerstrebet den Hoffclrtjgen rc. Was frag ich nach dem Oster - Tag in der Welt! Isis doch nur ein Tag ! Im Himmel ists tausendmal besser. Laßt mich in der Ruh, fragt nicht, was ich thu, ich bin durch den Vorhang gangen, JEsirm, einzig zu umfangen; laßt mich in der Ruh, fragt nickt, was ich thu. Ich bin benedeyt, weil mich GOtt erfreut: diese Freud niemand erfahret, als in dem sich GOtt verkläret: ich bin benedeyt, weil mich GOtt erfreut. Als der Herr Pfarrer unter anderem mit ihr redete, wie man bey dem HErrn IEsir die allerbeste Lust und Freude finden und gemessen könne, fienge sie bald an gantz sachte zu sin- Ken: Mein Hertzens-JEsu! meine Lust! an dem ich mich vergnüge, die ich an deiner Liebes-Brust mit meinem Hertzen lige: Mein Mund hat dir ein Lob bereit, weil ich von deiner Freundlichkeit, so grosses Labsal kriege. Hierauf sagte sie: Mein Lebetage will ich dich aus meinem Sinn nicht lassen re. welches sie nur grossem Nachdruck und
Führungen in der Bekehrung.
der Doctor erfahren , hat er mich zu sich beruf- ftn, in der Meinung, mich auf einen andern Weg zu bringen, und mir solche Gedancken zu vertreiben, aber er verstünde nichts von der Sach, dann seine Artzney - Mittel, welche er gebraucht, gaben klar an Tag, wie klug und erfahren er m der Sach gewesen, dann er nähme ein Buch zue Hand, worinnen nichts Geistliches, sondern lauter weltliche dem Welt-Menschen lächerliche Zotten und Possen zu finden waren, mit diesem wollte er mich zu recht bringen, aber umsonst bemühete er sich; seine Frau aber wäre anderes Sinnes, welche mich besonders in ein Gemach genommen, und das schone Lied: Schwing dich auf zu deinem GOtt re. mir vorgelesen, und aus demselben mir Trost beyzubringen vermeinte, aber auch dieses wollte nicht hassten. Unterdessen ward einBrief in meine Heimath geschickt ohne mein Wissen,. Mutter und Schwester kund zu machen meinen Zustand, (mein Vatter wäre damals nicht mehr bey Leben) daß es aber ohne mein Wissen gesche- ' . hen , wäre die Ursach, ich wollte nicht nachev Haus: damals hatte ich eitle Schwester, welche dem Zug des Vatters nicht so ungehorsam gewesen , wie ich, die schickte alsbald einen treuen Freund auf ihren Kosten zu mir, mich abzuhohken, welches auch geschehen: da ich dann anheim ge- kdmmen^empfiengen mich die Meiniqen mitFreu- den-Thranen: ich war eine kurtze Zeit zu Haus, kamen mir die Worte von Pharao in den Sinn, wie der HErr zu Mose gesprochen: gehe hin zu Pharao, und sage: er soll das Volck ziehen last
ftn,
S4 Eines Handwercksmanns
halber, ob sie mir schon alle Trost-Sprüche Heil. Schrifft, samt vielen Epempeln beybrachten, vermochten sie nicht einigen Trost mir zu geben, doch wollten sie nicht Nachlassen an mir zu arbeiten durch eyfrigesGebett und Zuspruch, ob ich ihnen . schon alles verneinte und abschlug^, hielten sie doch an durch Gelindigkeit und Harte: es war mir immer im Sinn, ich müßte ewig verloh- ren seyn, es könne nicht mehr anderst seyn, sie möchten sagen, was sie wollten, wann sie die Sach recht wüßten, würden sie mir keinen Trost mehr geben. Mein Herr Beichtvatter fragte mich, was ich dann gethan habe, ich solle es nur bekennen, es müsse nicht offenbahr werden, und mir auch nicht schaden an der Seeligkeit. Er fragte mich unterschiedene Arten grober Sünden, obs diese oder jene seyn möchten , ich gäbe zur Antwort: Es wäre viel ärger, da sagte er zu mir, wann ich meine Sünden nicht mündlich bekennen könnte oder wollte, so sollte ich ihme dieselben schrifftlich bringen, welches auch geschehen, daß ich alles zu Papier brachte, was mir in Sinn kam, und selbige meinem Beichtvatter zustellte. Auf dieses nun thäte er (in Gegenwart meiner Und noch mehr guter Seelen,) ein eyfriges Ge- bett zu GOtt auf den Knien, den lieben GOTT zu bitten, er möchte doch zeigen, ob Gnade oder Ungnade zu hoffen wäre; nach diesem begehrte er ein Liecht, und nahm meine schriffcliche Sünden, und sagte: wann dieses Papier nicht verbrenne, so wolle er glauben , daß mir nimmer zu helffen seye; kaum Hub er solches über das Licht-, so wäre
ChristinaOttliäMayttin rc. 4-
Jndeme nun dieses wohlgeartete Kind sich ss fein anlieffe, so machten dessen Eltern mitzunehi- Menden Jahren sich auch viele Hoffnung von demselben auf ihre künfftige Lebens-Zeit; alleine e§ gefiele dem HCrrn unserem GOtt, der über uns und über unsere Kinder nach seinem weisen Rath Und Wohlgefallen zu befehlen hat, solche gefaßt- Hoffnung m dem aufferlichen gantz niderzuschla- gen. Dann gleichwie dieses liebe Töchterlein sonsten bey seinem wohlgestalteten Leib dannoch von einer ziemlich schwächlichen Conftiturion wäre , also wurde dasselbe insonderheit im Mertzen A.' 1724. von einer gar harten Kranckheit überfallen , bey deren Hefftigkeit gleich die Gichter ausbrachen und alle Natur - Strafften gleichsam auf einmal niedergeschlagen wurden: doch wurden in dieser jungen Seele und zarten Hertzen die Kräfften des Geistes destomehr erwecket und aufgemuntert, daß in der anhaltenden Kranck- hett, so lange sie reden und seufftzen konnte, sich die heilige Würckungen des guten Geistes zu vieler , die solches gesehen und gehöret, Ermunterung und Erweckung augenscheinlich geoffenbü- ret haben, zum unwidersprechlichen Zeugnus, daß nichts herrlicheres, nichts vortrefflicheres ftye, als bey Zeiten einm guten Schatz aus dem Worte GOttes in sein Hertz zu sammlen , damit man dessen , wie im Leben , also auch im Tod und Sterben, ja in alle Ewigkeit zu genies- sen habe.
Bald Anfangs der hefftigen letzten Kranckheit fragte der Vater seine liebe Tochter: Christina! rtes Stück. D mllt