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Z4 Neueste Nachrichten zur Historie

selbst pflantzte der HErr zu einem wichtigen See­gen an diesem Ott; woselbst er 1727. Aektester der gantzen Gemeinde ward,1728. aber aus Trieb ins Saltzburgische gegangen, und unterwegens mit seinen Gefährten (welche theils in Holland, theils in Ungarn gegangen , einer aber wieder nach Mähren umgekehret, und die Wahrheit da­selbst wieder verleugnet hat) gefangen, in die Ei­sen geschlagen, 1729. daselbst in den Ketten ge­storben , sein Mitgenoß aber noch seit dem ein Gebundener Christi ist, wiewohl ihn der König von Dannemarck erst dieses Jahr bey Kayserli- cher Maj. losgebetten.

41.) In Mähren wurde des Zwillig-Machers Nitschmanns Vatter gegriffen, und hoch aufs Schloß gesetzet. Ist aber in seinem Hertzen über­zeugt worden, auszugehen, zu dem Ende er sich nach einer Zeitlang erlittenem Gefängnis, zum Fenster eine Ecke herunter gelassen, und so weit es nicht gelanget, einen Sprung gethan , der ihm auch glücklich gelungen. Als nun sein Weib vorgefordert worden, ist sie unter dem Verhör so kräfftig ermuntert worden, daß sie im heraus­gehen gesungen hat: Es traure, wer da will,, ich will mich freuen, es soll kein Kummer - Geist bey mir gedeyen. Wenig Tag hierauf hat sie über alles ihr Guth gesieget, und ist ihrem Mann ins Elend nachgesetzet, unwissende, daß er ausge­gangen. Sie kamen aber unterwegens unver­hofft zusammen, und noch das Jahr 1724. zu ih­rem Sohn.

42.)

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HI.

Gottseeliges Leben und vor­

treffliches Ende

Thristiana MiliaMaym'n/

einer rojährigen Tochter / welche

An. 1714. zu Kalten«^ Wcsthetm

verstorben. (*)

(*) Ausdem Aufsatz Herrn 8peciLl > Superinten- öenrens Bregens zu Sultz, damaligen Pfar­rers zu Kalten - Westheim.

F^Jeses seelige Kind wurde zu Kalten - West- ^ heim, einem DorffimHertzogthum Wür- temberg, gebohren 1714. den 7.Febr. und hatte Jo. Balthasar Mayer, Burgern undKieffern zum Vater. Das liebe Kind hatte zwar einen feinen und Wohlgestalten Leib von dem gütigsten Schöpffer empfangen , aber noch feiner wäre dessen Seele oder unsterblicher Geist. Dann bald in der Kindheit wäre dasselbe gerne in der Stille und Einsamkeit, welche es auch biß insei­nen Tod liebte. Dahero ob es schon dann und wann von seinen Eltern Erlaubnus hatte, sich auch zur Zeit-Verkürtzung unter andere seines gleichen zu begeben , so wollte es doch meisten- theils lieber zu Haus oder bey seinen geliebten Tauf - Pathen verbleiben. So bald man daffel- bige zu Kirchen und Schulen anhielte, bezeugte cs eine besonders grosse Aufmercksamkeit und Be­gierde was Gutes zu fassen, wie es dann in kur-

tzer

46 Nachrichten aus Ost -Indien.

nigen Jahren heraus berichtet haben, daß,wo man einen Indianischen Knaben kleiden, ihme Kost geben und ihne zur Schul anhalten wolle, es das gantze Jahr nicht wehr als iQ.THaler koste, und solcher gestalten noch manches Heidnisches Kind herbey- zum Christlichen Glauben gebracht und im guten, auch einer anständigen Lebens- Art , unterwiesen werden könne, dadurch noch im­mer viele gute Seelen in Europa erwecket wor­den seyen, vor 1.2.?. 4. biß 15. Indianische Kin­der auf i. r. 3. und mehrere Jahre die Noth- durfft theils baar zu erlegen, theils aufs künfftige zu versprechen.

Betrübt hingegen lautet es, wie die Catholi- sche Mißionarien ihre Bekehrte, ja die Heiden selbsten, an die von unseren Mißionarien Be­kehrte hetzen und denen zum Voraus den See­gen verheiffen, die sich durch Ausrottung der ver­meinten Ketzer, sonderlich der Catecheten oder der bekehrten Indianer, welche ihre Lanbesleute in der Christlichen Religion unterrichten, ver­dient machen, worüber es auch A. 1731. würck- lich zu Mord und Todtschlag gediehen ist. Mein GOtt! sollen dieses Jünger des sanfftmüthigen JEsu seyn und was müssen vernünfftige Heiden von solchen Schandflecken des Christlichen Na­mens dencken!

M.Gott-

der Böhmischen Brüder rc. 35

42. ) Als Christian David dieses Jahr in Mäh­ten gewesen, sind Georg Friderichs, eines Häuß- lers, Kinder zu ihren Eltern nach Hause kom­men, und haben ihnen aus dessen Reden gezei- get, daß so kein fortkommen für sie seye, sie wü­sten ihr Chrijkenthum ernstlicher angreiffen. Weil nun alle Anfänger grausam verfolgt, und diese Leute gleichwohl kräfftig überzeuget worden, ent­schlossen sie sich selb n. auszugehen, und mit Zurucklassung des ihrigen, mehrern Grund zum wahren Wesen zu suchen. Vor Schweinitz kommt ein Land-Reuter zu ihnen , und hält sie an, werden überaus seinen Händen errettet. Sie haben sich nichts mitgenommen, sondern einige Tage gehungert, dieses aber mit grosser Gleich­gültigkeit ertragen. Es gieng eine ziemlich be­jahrte Frau mit ihnen, welche aus Schwachheit ihnen nicht folgen können , und sie gebetten, sie sollten nur vor Weggehen, der HErr würde ihr schon nachhelffen ; stürbe sie, so stürbe sie dem HErrn, da sie sich dann auf die Erde niederge­leget und ausgeruhet, in weniger Zeit aber mit grossen Freuden und Verwunderung ihnen nach- gesthlichen, und endlich auch m Vertholsdorff angelanget, da der HErr für sie gesorget, daß sie gleich auf ihr Lebenslang Unterhalt gefunden. Die jungen Leute funden auch alle ihr Auskom­men. Georg Friderich aber sehr reichlich, und wurde auf einem Adclichen Hof Verwalter.

43. ) Inzwischen lag der alte David Nitsch- mann, und der Gerichts-Aelteste David Schnei­der , 7. Wochen lang in Ketten und Banden.

C 2 Nach