;ü Neueste Nachrichten zur Historie

Nach deren Verlauf sie mit andern 7. Brüdern vor den vecksnr zu Cremsengefordert, und ihres Glaubens halber befraget worden. Sie antwor­teten getrost: sie kenneten kein ander Heyl, noch Heyland, noch Vertretter bey GOtt, als den gecreutzigten JZsum. Darauf tleclanrte man sie für Ketzer, und kündigte ihnen die Galeeren an; sie arbeiteten sich aber im Gefängniß aus den Banden loß, entkamen durch die HandGOttes aus dem Arrest, und giengen dieselbige Nacht 5. Meilen. Nachdem sie nun ein paar Tag ge­gangen, schickten sie Botten an ihre Weiber und Kinder, die im Angesicht der Wächter, mit noch einem jungen Mann, und einer ledigen Dirnen, im Nahmen GOttes auch davon gangen, und dieselbige Nacht hindurch vergeblich verfolget worden. Unterwegens haben, ihrer wenig aus­genommen , die meisten aus Furcht sie bald ab­gewiesen, an der Gräntze aber hat sie GOtt ei­nen treuen Freund mitten auf dem Felde finden lassen, der sie mit hertzlichem Gebett empfangen hat, und nachdem sie sich gestarcket, sind sie nach überstandener Mühseeligkeit am ztenMart. 172 f. glücklich allhier angelanget. David Nitsch- mann ist Voigt auf einem Hofe, der David Schneider in einer anderweitigen Herrschafft Schulhalter worden, und alle andere haben ihr Brod reichlich gefunden.

44.) Es wurde hierauf beschlossen, die Leute durch einen Eyd zu nöthigen, daß sie bleiben und glauben wollten, was die Kirche glaubt. Als dieses ruchtbar worden, entschlossen sich Hans

Schnei-

aus Oft* Indien. 4r

anzugeben, daß er ein Christ werden wollte, alleine seine 4. Brüder nöthigten ihne sogleich, mit sei­ner Familie und wenigen Geräth das Haus, worinn er bey ihnen wohnte, zu raumen. We­nige Tage hernach aber ereignete sich noch eine stärckere Versuchung. Dann seine heidni­sche Anverwandten hatten seines zuvor gut-ge­sinnten Weibes Gemüth so irre gemacht, daß sie sich nebst 2. Kindern, von ihrem Mann abson­derte. Dieser aber, damit er durch den nahen Umgang mit jenen auch nicht wieder verführet würde, begab sich von da weg ins Mißions- Haus zu Boreiar. Jene aber schickten ihm auch hieher nach und lieffen ihme einige male nach­drücklich zusetzen wieder umzukehren. Die Mis­sionarien redeten seinen Verwandten zu, dein Mannsein Weib und Kinder wieder abfolgen zu lassen; alleine ihr Bescheid wäre weder Ja noch Nein. Weil aber GOtt dem Mann Bestän­digkeit gab, so brachte den n.Sept. einer der Anverwandten dem Mann das Weib mit den Kindern wieder zuruck, doch wurden die Hei­den so erbittert, daß sie diesem Manne nicht mehr verftatteten, Wasser aus denen öffentlichen Brun­nen oder Feuer (wie dorten üblich ist,) aus ihren Häusern zu hohlen, also daß er seine Wohnung anderwärts aufschlagen mußte. Hingegen wur­de durch dieses Exempel eine andere heidnische Familie erweckt, auch zum Christenthum zu tretten.

Weiter stehet man, daß, nachdeme die Mis­sionarien , auf gegebene Veranlassung, vor ei­nigen

48 Leben und Ende

tzer Zeit einen solchen schönen Schatz von Bibli­schen Sprüchen, Lehrreichen Psalmen und kern- hafften sowohl alten als neuen Liedern und Ge- sängern gesammlet, daß sich männiglich hierüber verwundern mußte, als sich solches m seiner letz­ten Kranckheit so herrlich zeigte. Was ihme so­wohl in der Kirchen von seinem Herrn Pfarrer, den es hertzlich liebte, als auch in der Schule von seinem Schulmeister, der sich nicht erinnern kon» te, daß es jemahlen einer Züchtigung vonnöthen gehabt hätte, aufgegeben wurde, das erlernete es mit grossem Lust und Eyfer, und zwar so pünktlich , daß ihme bey seiner Aussprach nicht ein Wort fehlen durffte, ja es lernte ausfteyem Trieb mehrers, als man noch zur Zeit in seinem zarten Alter von ihm fordern wollte. Solchen guten Schatz aber in sein junges Hertz zu samm­le» beflisie es sich insonderheit, bey seiner gewöhn­lichen Stille die Sonn - und Feyertage hierzu unter der guten Aufsicht seinex Eltern anzuwen­den, als woran es gar fleißig mit dem Neuen Testament und seinem lieben Gesang-Büchlein umgienge und mit solcher Fertigkeit und Verstand die Göttliche Wahrheiten faffete, daß es auch anfienge, andern zum löblichen Exempel der Nach­folge in der Schul und Kirche bey Catechisationen mit seinen deutlichen und ordentlichen Antwor­ten sich hervorzuthun, dahero auch dessen Ab­gang und Verlust in Kirch und Schule, von beederseits Lehrern, ja auch von Kindern selbsten, nicht wenig bedautt wurde.

Jndeme

der Böhmischen Brüder rc. 3 3

grösten Verheissungengethan,sich zu ergeben, und von der Verführung der Leute abzustehen, und gab ihm schön eingebundene Catholische Bücher. Er aber antwortete ihm kein Wort, machte sich hingegen unter die Gemeinde, so bald er loß kom­men war, und arbeitete mit allem Ernst gegen ih­re Unlauterkeit und Ungrund, indem unter den Trübsaalen viel weich worden, und die Spreu von dem Weitzen gewehet ward. Hierauf wur­de er zu dem Grafen gefordert, und ernstlich um ihre Lehre gefraget, da sie dann geantwortet: Ihre Lehre hielte in sich eine krafftige Anwei­sung zum lebendigen Christenthum, zu der Liebe GOttes über alles , und zu der Liebe des Näch- sten als sein selbsten. Hiernechst ist von ihnen verlangt worden, alle zu offenbahren, welches sie auch ohne Bedencken gethan, um ihnen zu be­weisen , wie viel Krafft bey ihren Worten seye. Nach diesem ist er endlich im Glauben und Geist JEsu selb fünfausgegangen, und hat durch diese Rdblmion den Grafen zu einer rechten Bewegung und Kummer gebracht, weil er ein gütiger Herr ist, und an der Ouaal seiner Unterthanen keinen Geftrllen traget. Sie kamen nach ausgestande­ner vielen Mühseeligkeit in Schnee und Kälte, gleich in der Christ-Nacht zu Bertholsdorffan, und wurden in der Predigt von Herrn Rothen mit diesen Worten empfangen: Sie werden kom­men , und seine Gerechtigkeit predigen dem Volck, das gebohren wird, daß ers thue. Die Freude und Vergnügen war unaussprechlich, diesen Knecht des HErrn in der Freyheit zu sehen. Ihn 2tes Stück. C selbst