24 Neueste Nachricht zur Historie
scheu, und lebendigen Vorschmack der Herrlichkeit des Lebens, in die andere Welt. Sie bewegten die^Hertzen der Eltern; da wußte man von keiner äufferlichen Religion, der Lutheranis- mus und Calvinismus wurden gleich bekannt in Mähren, hatten aber bißher schlechte Würckung gehabt. Jetzo redete alles von JEsu, ohne auf einigen Menschen zu sehen , von seiner Krafft, von der ewigen Erbarmung des Vatters, welche durch den Sohn und dessen Creutz und Tod auf uns Menschen geflossen, und durch den H. Geist müsse versiegelt werden. Das war das Glau- bens-Bekanntniß, das war der Zweck, das war der eintzige Grund dieser muntern Helden, worauf sie alles wagten, und kein Creutz nicht achteten, keine Schmach noch Plage, nichts von Verfolgung, nichts von allen Schmertzen, nahmen sie zu Hertzen.
z i.) Die Verfolgung aber ward so hefftig, daß % 1724. diegantze Weißkirchner Herrschafft aufgebotten gewesenseyn solle, Jauchten-Thal zu zerstöhren. Die Gefängnisse wurden bald alle voll, Pferd- und Schwein-Ställe mußten dazu genommen werden. Die gröste Plage hatten sie von ihren eigenen Leuten, die kamen in Panische Furcht und Schrecken, offenbahrten sich, daß sie nicht rechtschaffen wären, lieffen aber zum Theil aus Schrecken davon. Es kamen dabey allerhand artige Begebenheiten vor. Ein Weib, so aus Furcht ihre Sachen aufpackte , und davon fuhr, sagte im Zorn: Ihr habt immer geschrien und gesungen: Fahre fort rc.
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der Böhmischen Brüder rc. *5
(es war nemlich das bekannte Lied : Fahre fort Zion! fahre fort im Licht rc.) nun müssen wir fein fortfahren. Ein anderer hatte nur ein halb Vrod in der Eile zuruck gelassen, darüber hat er gewaltig lamemiret: man müsse um der Leute willen alles verlassen , u. s. w. Alle Flüche, Lästerung und Drangsaalen , die sie erfahren haben, sind nicht auszusagen; aber der HErr gab Krafft, alles zu überwinden. Dann der Streit nicht so wohl über der äufferlichen Religion wäre, als über dem wahren Wesen, so in JEsu ist.
32.) Die Einwohner auf Kunewalde kamen nach Jauchten - Thal. Dann es heurathete ein Schuster , David Nitzschmann dahin , und führte mit der Gelegenheit Christian David den Zimmermann an diesen Ort. Da ward nun auch eine Erweckung, und Melchior LTlnzsch- mann ein junger Mensch von 20. Jahren fieng an Versammlung zu halten, welche in kurtzer Zeit so zunahm, daß an 4. unterschiedenen Orten, an jedem mehr als 100. Personen beysammen waren , und solche Zusammenkünffte öffentlich ohn alles Bedencken hielten. Kleine Kinder, die kaum reden konnten, Huben ihre Hände gen Himmel, und schrien zu der ewigen Liebe für sich, ihre Eltern und Anverwandten. Der Ernst war so groß, daß Nacht und Tag überein war, und bey der grossen Bewegung wenig Schlaff in der Brüder Augen kam.
zz.) Da nun auch hier der Zorn ausbrach, und es insonderheit auf die Bücher angesehen wäre, geschähe es, daß der Amts - Verwalter B s einmah»
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irrten sich, kamen aber endlich nach Neyse, daselbst besonnen sie sich, wo sie hingehen wollten. Sie hatten Reformirte Prindpk, und gedachten ehe zu ihren Glaubens - Genossen nach Pohlnisch kiffa zu gehen; indem aber wurden sie eins, Christian David in der Lausitz zu besuchen , und zu bleiben an dem Ort, wo sie die meisten Kinder GOttes antreffen würden. Zu Stoltz kamen sie unter die ersten Evangelische Leute, funden aber grosse Blindheit, welches sie sehr schmertzte. Endlich kamen sie in eine grosse Stadt, da siet ihnen über dem prächtigen Kirchen - Gepränge rin, wann es überall so wäre, was dann für ein Unterschied seye. Es wurde ihnm bange, und wollten fortlauffen, sie mußten aber biß nach dem Seegen warten. Hierauf erkundigten sie sich nach dem schärffesten Prediger des Orts, zudem giengen sie, und wurden mit den Worten empfangen : wer verkäffet Vatter oder Mutter rc. Sie wurden nach ihren Büchern gefragt, da sie dann ein freyes Bekanntniß thaten, wie sie erweckt worden. Arnds Christenthum wurde ihnen allzukünstlich beschrieben , und sie für der Verführung in Sachsen gewarnet, sehr furchtsam gemacht, jedoch beschencket, und mit einer Kecommenclacion nach einer andern Stadt versehen. Daselbst wurden sie Anfangs nicht angenommen, hernach aber mit grosser Liebe ttactirt, und ihnen ein Bruder zur Begleitung nntgege- ben, da sie dann eben zur Grundlegung des grossen Hauses in Herrenhut angekommen, und daselbst durch des Herrn von ^arreville gewaiti-
der Böhmischen Brüder rc. rr
men Freunden unterredete. Von dar gieng er auf Kunewalde, und hielte bey dem Bauer, Georg Jagen, in grosser Versammlung über Matth, s. eine durchdringende Rede, wodurch er, weil ihn niemand recht kennete, alles in Verwunderung setzte. Abends gieng er nach Sehlen , einen gottesfürchtigen Mann, chnflta « pfcbke genannt, zu besuchen, wo eine schwangere Frau und 5.Kinder waren. Der hatte ein irrdisch Paradiß, unddieAnwartschafft aufdas Burgermeister-Amt selbigen Orts. Und weil er von grosser Überlegung war, besann er sich erstlich, ob dann kein Weg seye, mit Christo genau vereiniget zu werden, mitBeybehaltung des irr- dischen; konnte aber keine Ruhe bekommen, weil er sich nicht starck genug befand, Christum frey zu bekennen, und doch zu lieb hatte, ihn zu ver- läugnen. Beredete sich deßhal ben mit Augustin, daß er ihm nach seinem Gewissen melden sollte, wie er alles gefunden. Seine ringende und heulende Mutter tröstete er, und beredete sie endlich ihn nicht zu verrathen. Nach Empfang der Briefe von Michael Jae fehlte und anderer Bottschafft von Augustin, fieng erst der Kampff von der Gnade und Natur recht an. Wann er aber sein schönes Vermögen, das er rechtmäßig hatte, und seine viele Kinder, mit des lieben HeylandeS grosser Armuth und Mühseligkeit, die er um der Menschen willen erdultet hatte, zusammen hielte , wurde der Schluß immer fester, davon zu ziehen. Insonderheit war er erstaunet im Herbst zu vernehmen, daß die Brüder, welche den Som- B % mer