r.r Neueste Nachricht zur Historie

wer ausgegangen, schon ein Hauß gebauet, und darinnen wohneten, und der Schluß des Brie­fes : dieses schreibe ich euch, daß ihr nicht mey- nen sollet, ob könne euch GOtt ausser eurem Vat- lerland nicht versorgen rc. weckte ihn sehr auf, und der Ausgang der andern z. Brüder machte sein Hertz völlig loß. Hierauf that er eine Probe, ob er auch die Beschwerlichkeit der Reise ausste­hen könnte', und gieng nach Ungarn. Die Pro­be aber hielte nicht Stich, diese Reise von io. Meilen machte ihn sehr elend , und er fand es nirgend so gut, als er es gehabt. Endlich kam die innerliche Versicherung zur Vestigkeit, und der Kampff hielt inne bis in das Land seines Exilii, da er zuweilen noch Anfälle wegen des äusserlichen grossen Verlustes lidte, die aber end­lich durch die Gnade GOttes völlig überwunden, und sein Gemüth in der Stille zu GOtt und des­sen Gemeinschafft geführet worden.

29.) Sie giengen bey Hellem Monden-Schein selb sieben aus, und wolten 5. Meilen gehen. Es ward aber gar neblich und giengen irre mit gros­ser Gefahr, daß sie endlich merckten, sie wären wieder zuruck gangen. Nahmen also ihre Zu­flucht auf Fauchten-Thal zu David Schneidern, einem Mann, der sehr reich und mit vielen Kin­dern begabet war. Der Führer dieser Leute hat erstlich das u te Cap. an die Hebräer vom Glau­ben erkläret, hieraufgerungen und gekampffet im Gebett, bis sein Gemüth freudig worden. End­lich erfuhren sie, was die Ursache ihres damali- m Jrrgehens gewesen, weil ihnen nemlich zu

Pferd

der Böhmischen Brüder rc. 27 gemacht. Wie er dann biß diese Stunde elend und kräncklich blieben ist.

zs.) DavidNitschmann,derFwillig-Weber, hatte noch 4. geistliche Brüder, welche in grosser Krafft stunden. Diese hielten erstlich zusammen, weckten in Fauchten-Thal allesauf, nahmen sich auch ernstlich vor, alles auszustehen, und freueten sich auf Bande und Gefängnisse. Als sie aber wegen ihres Erinnerns und Ermahnens, öffentlicher Bekanntnuß JEsu, freyer Verwer­fung alles Aberglaubens , allen Menschen zur Last worden, fügte es sich, daß sie an einem Son- tag vorgefordert worden, und ihnen verbotten, nicht mehr zusammen zu kommen , dabey ihnen vielmehr anbefohlen ward, in die Schencke zu gehen, und zu tantzen. Sie sollten sich nur nicht einbilden wegzugehen, dann die Obrigkeit hätte eine lange Hand. Darauf wurden sie alle 5. eins, auszutretten, und vollstreckten es noch den folgenden Abend, und giengen,in Erwegung, daß der HErr JEsus nichts gehabt hätte, fast nackend und bloß, ohne an etwas zu gedencken, davon. Auf einer Wiesen , ausserhalb des Dorffs, fielen sie mit denen, die sie begleitet hat­ten, auf die Knie, betteten über gantz Zauchten- Thal, und sungen folgendes Lied , welches die Knechte GOttes, so vor 102. Jahren auf ein­mahl vertrieben, verfertiget: i. Seeligder Tag da ich muß scheiden, mein liebes Vatterland muß meyden rc. Sie haben sich ferner erinnert des Ausgangs Abrahams, der nicht gewußt, wo er hingieng. Sie kamen ins Gebürge, und ver­irrten

16 Neueste Nachricht zur Historie

einmahl in David Nitzschmanns, des Wagners, Haus, wo eine Versammlung von anderthalb­hundert Persohnen wäre, mrt einem Rosen- Krantz in der Hand eintrunge, und so viel Bü­cher er in der Geschwindigkeit wegnehmen konnte, fortschleppte, weiter aber nichts sagte, als: Haltet ihr hier den H. Sonntag ? Und zum jun­gen Melchior Nitzschmann: Bist du der Predi­ger ? Zu gleicher Stund wollten sie an einem an­dern Ort dergleichen thun , nahmen auch viel Gehülffen mit (dann sie fürchteten sich für dem Volck) es lieffüber übel ab. Dann als sie in die Versammlung kamen, fiengen die Brudermit Hellem Halse an zu singen: und wann die Welt voll Teufel wär, und wollten uns gar verschlin­gen rc. darüber der Amts - Verwalter dergestalt erschrocken, daß er unverrichteter Sachen wie­der abzog.

94.) Hierauf forderten sie die vornehmste Knechte GOttes vor sich, und begehrten Red und Antwort von ihnen. Und als sie dieselben der­gestalt gaben, daß sie nichts anders, als das Le­ben JEsu für sich und ihre Freunde suchten, und ihre Oerter gern aus der Blindheit, Finsterniß und Tode, darinnen sie bisher gelegen, errettet sähen; warfen sie etliche davon,als David Nitzsch­mann und Melchior Nitzschmann von Fauchten- Thal, ins Gefängniß. Diesen jungen Zeugen haben sie im Gefängniß durch Hunger gequakt, und dergestalt gebunden, daß ihm das Blut durch die Haut heraus getrungen, auch nur wenige Zeit'vorher, als er sein Leben aufgeben sollen, loß

gemacht.

der Böhmischen Brüder rc.

Pferd dahin nachgejaget worden, wohin sie ih­ren Weg nehmen wollen, und sie also ihrem Un­glück entirret waren. Die andere Nacht haben sie die Brüder von Fauchten - Thal ein wenig be­gleitet. Hierauf sind sie wieder in grosser Irre auf dem Gebirge gerathen. Endlich aber von GOtt durch Wasser und Land biß auf ein Schle- sisches Dorff bey Münsterberg geführet worden, und also in der grösten Kälte, bey weniger Be­quemlichkeit, da man sie kaum in eine Stube hat einlaffen wollen, fortgegangen. Bey der letzten Nachts-Herberge in Nieder-Schlesien wären sie bald arreftirct worden , und hat endlich der Richter gesagt, er erbarme sich nur über die un­schuldige Kinder , sonst wollte er ihnen anders be­gegnen. Am Fest Epiphaniae 1724. langten sie glücklich in Bertholsdorff an , preiseten und lo­deten GOtt.

Zv.) Inzwischen fieng in Mahren an alles zu brennen. Ein junger Fwillig-Weber, David Nitzschmann und viele andere fernes gleichen giengen häuffig umher, Seelen aufzuwecken, nachdem sie selbst erwecket worden, und zogen an­dere Dörffer mit hinein. Das Gebett des Her- tzens wurde so gewaltig, daß sie den Ausdruck davon zu brauchen pflegten, es habe den aufge­bauten Pallästen und den stoltzen Wellen gegli­chen. Die unschuldigen Kinder wurden rege, er­hüben ihre Stimme, GOtt zur Macht. Ein Mägdlein von 12. Jahren, AnnaNiczschmän- nin/ gieng mit einer erstaunlichen Krafft, Ver­sicherung der Gnade, Verlaugnung des irrdi- B 4 schen