i8 Neueste Nachrichten zur Historie

wundete wieder curiret wurde. Er schencketeauch den Lxulsnren einen Brunnen auf ihrer Höhe etli­che ZO. Ehlen tieff. Und in Bertholsdorff wur­de mit der Information kleiner Kinder ein ernstli­cher Anfang gemacht.

2z.) So geseegnet nun der Hofmeister Heitz dieses Werckgegründet hatte, so eine grosse Ver­suchung schickte der liebe GOtt über diese Brü­der , als aus noch biß diesen Tag unerforschten Ursachen derselbe sein Amt niederlegte, und da­von zog im Anfang des Aug. 172z. welches Gott in einem vielstundigen Gebett mit heissen Thra- nen von dem Grafen geklagt, und um neuen Seegen und Erbauung für diese Freunde und das gantze Werck angeruffen wurde.

24. ) Der Graf schrieb in Dreßden einen klei­nen Kinder - Larcclülmum. und setzte seinen Na­men davor, damit er durch dieses Mittel sich aus allem Credit bey der Welt (die ihn bishero sehr incommacliret hatte) heraus setzen möchte, und das Werck des HErrn desto ungehinderter treiben könnte. Es gerieth ihm auch dergestalt, daß er dadurch in eine offenbare Schmach und Verachtung fiel, für einen (noch dazu ziemlich einfältigen) Kinder- Preceptor geachtet, undin den Stand gesetzet wurde, in seinem Vorhaben ei­nige Jahre gantz stille zu bleiben.

25. ) Inzwischen trug sich in Mahren folgen­des zu: Ein junger Maurer, Hans Duttr/wel­cher eine Zcitlang in Ungarn und Siebenbürgen unter allerley Religions -Verwandten, sonder­lich Lutheranern, Amnm und Reformieren sich

auf-

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Sinnes mit ihm waren, und sich auch auf den Ausgang schickten. Sie kamen zu einem Pfar­rer , der ihnen zwar alle Liebe erwiese, aber kein Leben in sich hatte, wiese sie doch zu einem recht­schaffenen Knecht JEfu Christi, der in grossem Ernst und Freudigkeit wandelte. In Görlitz wußten ihnen die ersten nichts zu sagen, es kam aber unvermuthet ein lieber Freund, der sie zu Herrn M. Schäfern brächte, da sie in voller Lie­be ausgenommen worden. In Bertholsdorff kamen sie Freytag Abends an, als eben in der Fräulein von Zetzschwitz Hause eine Versamm* lung war, wurden auch, so lang dieselbe wahrte, von ihren Brüdern nicht erkannt, hernach aber mit desto gröffern Freuden ausgenommen. Die­sem lieben Mann schenckteGOtt bald ein ärrsser- lich Hauß, der Bau seiner Seelen aber bekam eine geraume Zeitlang viel ausserordentliche An- stöffe, daß er fast anfieng zu zweiffeln, ob ein GOtt seye? um deßwillen er doch so viel gelitten hatte. Es überzeugte ihn aber das Wort des HErrn: GOtt ist ein Geist rc. in einem Augen­blick gantz lebendig, und ward ihm zugleich das Exempel Abrahams klar, und wie es Röm. 4, 2v. im Griechischen von ihm heisset: er habe kei­nen Zweiffel gegen GOttes Verheissung gemacht durch Unglauben, sondern sey innerlich kraffrig gewesen durch den Glauben rc. so daß er von Stund an in den Weegen GOttes immer geüb­ter, hertzlicher und seeliger worden.

39.) Ein junger Knabe , Schulig genannt, welcher hernach in Rußland kommen ist, war

gleich

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Gittern Ruhm eines Menschen Nahmen bekäme, doch streite hiemit nicht, daß es Herr Rothe da­mals zum erstenmahl von der Cantzel also ge- nennet.) Ein erbaulicher Umstand geschähe am 7. Sept. 1722. da es jährig ward, daß der Graf und die Gräfin beysammen waren, da giengen wir auf den Hutberg , GOtt zu loben, hatten unterwegens einen starcken Platz - Regen,., ehe wir aber hinauf kamen, entstund ein ungewöhn­licher und klarer Regenbogen, welcher, sozu re­den, mit dem einen Ende im Herrn-Hause zu Bertholsdorff, und mit dem andern in der Pforte des Hauses auf dem Hutberg aufstand, welches wir alle als ein wahres Gnaden-Zeichen annah- men.

3 8.) In Mahren wollte David Nkschmarin, der Schuster, zur Bricht gehen, wurde aber von dem Pfarrer erinnert, biß auf die letzt zu warten. Da er nun vorkam, hieß er ihn einen argen Ke­tzer , der ärger als ein Türck und Heyde wäre, und kündigte ihm an, daß er ein öffentliches Glau­bens - Bekanntlich ablegen müßte. Da diese Rede aus war, gieng David Nitschmann getrost von ihm, neigte sich im vorbeygehen nicht mehr vordem Altar, darüber alle Leute in Erstaunung gerathen. Als er nun nach Hause kommt, be­gegnet ihm Hans Münster, ein Zimmermann, und weil sie gerne vom wahren Wesen nrehr Grund und Stempel gesehen hätten, verlieffeu sie zusammen, was sie hatten, und folgten JEsu nach aufHerrenhuth. Unterwegens traf er Be­kannte an aus Ober-Schlesien , welche gleiches

Sinnes

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aufgehalten hatte, kam in seine Heymath nach Sehlen zuruck, vernahm daselbst mit Erstaunen, daß seine Nachbarn davon gezogen, mehr Licht zu suchen. Die grosse Freundschafft, die er ge­gen dieselbe getragen, trieb-ihn aus Mahren her­aus , um sie zu besuchen; es^war aber daffelbe- mahl noch kein Grund bey ihm. Nachdem er nun einige mahl von der Wahrheit überzeuget worden und derselben je länger je günstiger ward, entschloß er sich, völlig auszugehen. Besuchte aber Mahren noch einmahl, und da er keine Ge­legenheit fand, etwas gutes auszurichten, erret­tete er seine eigene Seele durch das freywillige

Exilium.

26.) Es hatte aber Cbristian David der Zim­mermann sich damahls wieder nach Mahren be­geben , und die noch übrige Brüder in Sohlen besucht; diese waren unter der Zeit ins Gefäng­nis geworffen worden, weil sie von ihren Brü­dern nicht Rede noch Antwort geben wollten. Sie hatten zwar gesuchet, sich bey ihrer Herr­schafft in Ollmütz loß zu machen, aber nichts aus- richten können , und also die Parthie ergriffen, fort zu gehen. Diese lebten nun eine Weile in aller Stille, baueten etliche Häusergen zu ihrer Wohnung neben das von ihren Brüdern erbaute Hauß an, und hatten das Vergnügen, daß der Herr von Wattevilie sich zu ihnen begab, und auf einige Zeit in einem kleinen Stübgen zu ih-. rer mehrern Ausweckung bey ihnen wohnte. Wel­che Stunde sie allerseits für eine geseegnete Zeit rechneten, und sich dadurch von der Beschwer- B 2 lich-