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lichkeit sattsam getröstet sahen , den Prediger so weit über Feld, und den Grafen ausserhalb Lan­des zu wissen, welcher um diese Zeitmeistentheils in der Landes - Regierung zu Dresden eineüber- flüßige Person abgeben, und damit dem erkann­ten Willen der Seinigen ein Genügen thun, für sich selbst aber Gedult lernen mußte.

27. ) Um diese Zeit langte ein eintzeler Mann aus Mähren an, Friderich Riedel genannt, der hat sich mit etwas Geld auf die Reise versehen wollen, welches ihm aber zu etwas gantzanderm ausgeschlagen. Dann er gerieth in die Gesell­schafft zweyer Handwercks - Pursche, welche ihn eine Zeitlang mitgottseeligen Übungen, als sin­gen und betten unterhielten, kurtz vor Breßlau aber sich über ihn machten, mörderlich zerfleisch-

' len, und alles das seinige nahmen, so daß er gantz elend und verwundet, weil ihn unterwegens niemand aufnehmen, noch sich sonst über ihn er­barmen wollen, bey Herrenhuth angelanget, nachdem er von der Beraubung an bis dahin, welches etliche 20. Meilen austräm, sich mit we­niger als 2. Groschen behelffen muffen.

28. ) Gegen die Advents-Zeit 172z. thatChri- sttan David der Zimmermann bey schwerer Ge­burt seines Weibes, ein Gelübde, wofern ihr GOtt gnädig durchhelffen wollte, eine Reise in Mähren zu thun, und das Evangelium daselbst öffentlich zu verkündigen. Nach erlangter Hülffe hielt er GOtt seinen Eyd, und gelangte glücklich nach Jauchten - Thal, woselbst er gleich bey Da­vid Schneidern abttat, und sich mit den gehei­men.

der Böhmischen Brüder re. 2.-

ges Gebett sehr erweckt worden. Seit dem abe^ hat sie der HErr alle gepflantzet, der eineBru* . der aber David Nitschmann, der Bauer, hat bald darauf 3. Jahr lang in dem Kercker zu Crem- sin und Kühnewalde den Namen JEsu verkündi­get, und in der Marter-Woche 1729. nach vol­lendeter Treu und Kampff des Leidens in denen Banden gesieget, und seinen Lauffvollendet.

36. ) Dieses Hauß, dessen kurtz vorher gedacht worden, wurde unter vielen Prüfungen mit gros­sem Seegen aufgebauet, und hatte dieses beson­ders, daß (weil inzwischen immer mehr Flücht­linge ankamen, und bey den Zimmerleuten, Maurern, Schlossern, Glasern, Tischlern, Klebern, Töpffern, Steinbrechern, zu Hand­langer-Arbeit und Fuhren, verbundene Freunde und Kinder GOttes gebraucht werden konnten ) wohl alle Materialien unter Gebett und Erwe­ckung zusammen gebracht und verarbeitet wor­den , und ein Bau dieses Orts schon fast so viel als eine absonderliche Übung der Andacht ist.

37. ) Um diese Zeit wurde unter den Brüdern, wegen der Einsamkeit der Häuser, und wegen des nahgelegenen Hutberges dieser Platz die Hur des HErrn geheissen. Und als dem Predi­ger , da er für eine schwangere Frau gebetten, be­gegnet, daß er HErrn- Hut gesagt, so ist dieser Nähme den Häusern beständig geblieben. (Der Herr Amtmann Heitz erinnert hiebey, daß man den Ort schon Herrnhuth geheissen, ehe ihn der Herr Grafgesehen, wozu dann der Herr Marche mitgeholffen, um zu verhüten, daß es nicht aus

eitlem

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gleich nach den $\ Brüdern heraus kommen, und wurde im Voigtlande auf ein Handwerck gethan, es hatte ihm aber im Sinn gelegen, seine Brü­der heimzusuchen, und war eilends von seinem Meister weggegangen, und über Regenspurg und Wien (welchen weiten Umweg er deßwegen ge­nommen, damit er nicht erkannt würde) in Mah­ren gekommen, da erdannzwey Persohnen, Mar­tin Rohledern, einen Schneider, und David Conraden, zu Gefährten bekommen. Jener hatte den Zimmermann, Christian David, nur ein­mahl gehöret , und war dardurch gleich überzeu­get worden. Nachdem nun die Versammlung verbotten worden , und er keine Gelegenheit zu seinem mehrern Wachsthum gesehen, hat er al­les verlassen, und ist davon gegangen. GOTT hat ihn nach einigen Jahren zum Waysen- Vat- ter in Herrenhuth gemacht. Als aber Rohleder sich in Bertholsdorff etliche Wochen aufgehal­ten, kehrte er wieder nach Mähren um, weil er nicht Grund genug zu haben vermeynte, da eben der Graf Harrach ankommen war, und sein ei­gener Vatter verrieth ihn der Obrigkeit, daß er sogleich in die Elsen geschlagen wurde. Nach­dem er aber wieder frey worden, hat er keine Ru­he gehabt , t biß er endlich, nachdem er dritthalb Jahr in Mähren gewesen, als es zur Leistung des Iursmenri kommen, in seiner Seelen fest worden, auszugehen, und nicht wieder zu kommen.

40.) Der Melchior Nitschmann wurde nun wieder vorgefordert, unD von dem Amts - Ver­walter m ausserordentlich gelobet, und ihm die

grösten

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Herrn Wareville ankam, darinn er ihm zu seinem Vorhaben Glück gewünschet, gerieth man auf einen Argwohn, und brachte den Herrn von ^atteville in Abwesenheit des Grafens durch 6. reitende Leib - Trabanten in den Arrest. Dieses überzeugte ihn vollends so kräfftig von dem un- glückseeligen Welt-Leben, daß er die allergering­ste Hütte dem allerprachtigsten Pallast vorzuzie- hen anfieng, und sich in dieser Fassung zu einem beständigen Mit-Gehülsten des Grafen verband.

2v.) In Bertholsdorff wurde hierauf alles re­ge , und als der Christian David, Zimmermann, eine Herrschafftliche Magd, die jetzige Nitsch- männin, der Wahrheitüberzeuget hatte, der Hof­meister Heitz aber einen contradm Knaben, Gott­lob Hohn, und andere mehr, denen Christian David auch ausser denen Bet-Stunden zu vieler Beförderung gedienet rc. aufgewecket, fiengen die Menschen an die Augen aufzuthun.

21.) Eine jüngst- bekehrte Fräulein von Zetsch- wittz, welcher GOtt auch ihre beyde Schwestern geschencket hatte, war mit denselben auf Berthols­dorff gezogen , und hatten sich in Ermanglung eines andern Raums, in dem Vieh- Hause gela­gert; aus diesen zusammen entstund eine Ver­sammlung, von welchen in der Laußnitz vor deme nicht gehöret worden. Bey der ersten Versamm­lung wütete der Satan dergestalt, daß 2. Ber- tholsdorffische Unterthanen in einen Streit gerie- then, und Vereine gefährlich verwundet worden, weil er den andern über seine Leichtsinnigkeit be­straffte, GOtt aber gab Gnade, daß der Ver-

rtes Stück. B wundete