8 Neueste Nachricht zur Historie

widerrieth ihnen schlechterdings auszugehen, es würde sie darnach gereuen: auch würden sie leicht- lich von ihrem Christenthum herunter kommen, dann es wären überall gottlose Lehrer und Pfar­rer , die nur ums Bauchs willen predigten, und nicht für die Seelen der Menschen sorgten. Dar­über sie nicht wenig in Angst geriethen, doch weil kein Rath war, mußten sie stille seyn.

9. ) Als aWr alleHoffnung verschwunden wä­re, und sie am wenigsten daran gedachten, suchte sie der HErr heim. Dann es kam Christian David am Pfingst-Monntag 1722. wieder zu ih­nen, und gab ihnen Nachricht von demGrafen von Zinzendorff, wie daß er ein Kind GOttes wäre, und dem HErrn nachfolgte. Welcher zwar biß- hero ein freyer und independenter Herr gewesen, ihnen zu Lieb aber sich unter Sächsische Bottmäs- sigkeit begeben, ein Guth in Ober-Laußniz knuf­fen , und daselbst einen Prediger, Roch genannt, setzen wollte, der GOTT kennete und lieb habe. Hiemit hatte es diese Beschaffenheit:

10. ) Der Herr GrafZinzendorff (dessen Herr Groß-Vatter um der Religion willen im Listen Jahr seines Alters aus Oesterreich gegangen) wä­re eben aus fremden Ländern gekommen, seine Groß- Mutter zu besuchen. Nachdem er nun Anno 1721. im Listen Jahr seines Alters wäre mündig worden, dachte er mit Ernst darauf, den Zweck, welchen er bereits i i. Jahr bald hie, bald da, vor sich gehabt, einmal an einem Ort fest zu setzen, und suchte sich dazu Gehülsten, welche un- partheyisch, an keine äufferliche Sette gebunden,

gleich-

der Böhmischen Brüder rc. 9

gleichwohl aber verträglich und fähig wären,in der aufferlichen Verfassung, darinn sie lebten, zu verharren, allen allerley zu werden, und zu su­chen , nicht was ihnen, sondern was vielen fröm­mele. Emen solchen traff er an an dem Studiofo Rochen zur Leube in Ober-Laußniz, mit welchem sich sein Hertz, wie das Hertz Jonathans mit Davids Hertzen, verband, und brßweilen sich mit ihm hertzlich erweckte. In einem zufälligen Ge­spräch kamen sie auf einen Zimmermann in Gör­litz , der etliche erweckte Seelen in Mähren gefun­den , welche sich einen Ort der Freyheit wünsche- ten. Unter dem reden ward der Graf sogleich schlüßig, ihnen dazu behülflich zu seyn, und die­ses als einen Göttlichen Winck anzusehen, sich in diesem Lande fest zu setzen. Er ersuchte seine Fr. Groß-Mutter, ihm ein gewisses Guth zu erkaus- fen, deüinirte den Studiofam Rochen daselbst im Glauben zum künfftigen Prediger, obgleich der vorige noch am Leben, und in seinen besten Jah­ren wäre, und versprach denen Brüdern ihren Aufenthalt, ehe er das Guth kauffte, (diß Guch war Bercholsdorff) bauete ihm selbst, damit es ihm destoweniger entgehen möchte, weil er daS Geld darzu nicht gleich aufbringen konte, ein Jahr vorher ein Hauß dahin. Binnen solcher Zeit rührte den Pfarrer Herrn Horn der Schlag, daß er starb. Der Kaust ward richtig, und der Herr Roche wurde Prediger; derselbe ist erst den 30. Aug. 1722. eingezogen, ob er wohl ein halb Jahr vorher vocirt war, weil die Wittwe seines Antecedens noch da war.

As ii.)