io NeuesteNachrichterr zur Historie ii*) Mit dieser Zeitung richtete der Zimmer- mann Christian David Erstaunung und Verwunderung bey den Brüdern an. Ihre Reise aber war gleichwohl mit vieler Beschwerlichkeit verknüpftet. Sie hatten einGeschwister-Kind, Christian Jäschke genannt, mit dem sie so genau verbunden waren, daß es einem ohne den andem zu bleiben ohnmöglich schiene; sie mußten auch ihre Häuser und Vermögen verlassen, ihre Mutter und gantze Freundschafft, der sie nicht ein Wort sagen durfften. Aber durch GOttes Gnad entschlossen sich zwey Brüder den andern Tag mit -ugehen. Die Mutter ist einmahl über das andere ohnmächtig geworden, und da sie fast nicht widerstehen können, haben sie sich aufs Gebet ge- leget, und ernstlich gerungen, daß die Mutter endlich gestillet worden.
12.) Also giengen auf einen Tag Mittwochs nach Pfingsten 1722. (als es gleich ioo. jährig werden sollte, daß sich die grosse Verfolgung jls Böhmen angehoben) Augustin und Jacob die Geister , mit zwey Werbern und vier Rindern. Ein Sohn von 6 . Jahren, eine Tochter von z. Jahren, ein Sohn und Tochter, Zwillinge von 12. Wochen. Der Mutter Stief- Bruder , Michael Jäfchke von 18. Jahren, ein Magdlein der Martha ZTkeisserin Schwester- Rind. Sie kamen in 9. Tagen aufGörlitz und 8 . Tage darauf nach Bertholsdorf, da starb Jacobs jüngstes Töchterlein, und in 12. Wochen darauf das andere von 2. Jahren.
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der Böhmischen Brüder rc. 7
ihnen die Treffe ihres verderbten Hertzens deutlich entdecket worden: so verlangten sie noch mehr Licht, und baten ihn bey der Abreise um Nachricht, wo ein Ort wäre, da sie sich könnten aufhalten , weil sie in den Gedancken stunden, die Lutheraner waren alle so. In einem Jahr und 4.Monath kam er wieder zu ihnen, da sie dann noch mehr davon redeten. Unter der Zeit aber lasen sie fleißig in der Bibel, weil sie eine vor 100. Jahren weggenommene von einem Tuchmacher zu kauffen kriegten, beteten darneben hertzlich; sahen aber je mehr und mehr das grosse Elend ein, darinn sie steckten, weil sie zu viel abergläubischen Dingen gezwungen wurden, die gantz wider ihr Gewissen, und wider GOttes Wort waren, da- bey sie dann weder Tag noch Nacht ruhen konnten.
8 .) Gantzer 2. Jahr baten sie GOtt sehr hertzlich, daß er sich doch ihrer erbarmen wollte, und ihre Seelen erretten. Aus ihrem Vatterland wollten sie nicht gern weg, wußten auch nicht wohin. Da nahmen sie ihre Zuflucht aufTe- fchen zum Herrn psüore SajfaMo . erzehlten ihm ihren gantzen Zustand, und baten ihn mit Thrä- nen um einen Rath, ob sie dann nicht besser thä- ten, daß sie ausgiengen? Er aber widerrieth es ihnen sehr ernstlich: siesolltens nicht thun, wann sie weggiengen, blieb lauter Finsterniß hinter ihnen. Er vermahnete sie in der Stille GOtt zu dienen. In weniger Zeit giengen sie zu Hrn.Skem- meyen, insireLkore zu Teschen, dem erzehlten sie gleichfalls ihren betrübten Zustand; er aber A4 wider-