g 6 Allerlei erbauliche BneM.
schweigen wollen. In Ihrem Vrieff an mich schreiben Sie von der Vielfältigkeit und Abwechslung immer neuer äufferlicher Umstände, Oie sie, 'weil sie ungewohnt und fremde seynd, das Gemürhe aus seiner Ruhe bringen und einen von dem, was er erarbeitet zu haben glaubt, wieder zuruck werffen. Nun wird ihnen der liebe Heyland auch schon haben wissen lassen, wor- zu dieses dienet und wie eben dieses, was schädlich scheinet, zum Nutzen könne gebracht werden und zuletzt auch einen wahrhafftigen Nutzen und Frucht geben müsse., weil denen, die GOtt lieben, alles zum Guten dienen muß. Es ist eben dieses eines von denen Geheimnüssen, wie mich duncket, welches der liebe Heyland gebraucht, Seelen auf einen festen Grund zu führen und sie tüchtig zu machen, alles standhafft auszuhalten. Dann es wird uns erstlich dabey unser eigen Hertz recht und offt wider unsern Willen aufgedeckt, daß wir sehen müssen, was wir sonst gerne hätten vertuschen und vor unseren eigenen Augen verbergen wollen, das uns aber gleichwol an der Gemeinschafft mit ihme würde gehinderet haben und eine Motte in unseren Gebeinen gewesen seyn. Und darum ist es Gnade, wann eme Seele dahinein geführet wird, weil es zu ihrem eigenen Erkanntnus und Reinigung dienet, welches aber einer gantz nicht davor halt, alldieweil er drinnen ist und es auch nicht anderst seyn soll, damit das Werck des HErrn unter der Hand fortgehe. Und weil eine ihr Heil suchende Seele unmöglich hie- bey unbekümmert seyn und ihre neuerblickte Feh-
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sich begreiffe und wie man zu derselben zu recht kommen könne ? 2., Daß der wahre Glaube seye das andere Stück der Busse und wie ein wahrer Buffer sich in demselben üben solle ? 3. Daß auf das andere Stück der Buffe, nemlich den Glauben , der neue Gehorsam folgen müsse und wie ein Christ zur Zeit seiner Buffe sich auch darinn üben soll? 4. Daß ein Christ nach solcher gehaltenen Buffe könne zum Beichtstuhl tretten und wie er solches Christlich solle anstellen ?
6. Buch. r. Cap. Daß ein Christ sich prüffett und vorbereiten soll zum H. Abendmahl, damit er ein würdiger Gast desselben seyn möge. 2. Wie die Prüffung und Vorbereitung solle geschehen und vorgenommen werden, che ein Christ zum Heil. Abendmahl gehet. 3. Wie ein Christ sich gebührlich in der Handlung des H. Abendmahls verhalten soll, wann er nun hinzu tretten und daselbst essen und trincken will? 4. Wie sich ein Christ gebührlich verhalten solle nach dem gehaltenen Abendmahl? 5. Wie ein Christ, wann er das Abendmal gehalten, sich in der Gedachtnus des HErrn JEsu Christi üben solle?
7. Buch. i. Cap. Daß ein Christ allezeit, noch che er kranck wird, durch ein gottseeliges Leben und stetige Betrachtung des Todes sich zum Sterb-Stündlein vorbereiten solle. 2. Wie ein Christ, wann er von GOtt mit Kranckheit beleget , sich in derselben verhalten und zum Tode schicken soll ? 3. Wie ein Christ sich erzeigen solle,
' wann
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Wie ein Christ nothwendige Wercke so wohl als Mittel-Dinge, welche nun und denn des Tages vorlauffen möchten, Christlich und gebührlich verrichten könne? 4. Wie ein Christ in seinen Wercken gegen seinen Nächsten insgemein und (weil alle Wercke nicht können erzählet und ein Christ darinn unterwiesen werden,) wie er sich im Kauffen und Verkauffen zu verhalten habe? 5. Wie ein Christ sich gegen die Fromme so wohl als gegen die Böse verhalten solle ? 6. Wie ein Christ sein Hertz, sein Gewissen, seine Affecten, seineOhren, Augen, Zunge und also alle innerliche Kräfften und äußerliche Gliedmassen führen soll den gantzen Tag über? 7. Wie ein Christ sich in seinen beyden Mahlzeiten des Mittags und Abends verhalten solle ? 8. Wie ein Christ insonderheit alle Stunden des Tages, auch mitten in seiner Arbeit, sich in der Gottseeligkeit üben solle ? 9. Wie ein Christ einen jeglichen Tag seines Lebens und also alle seine Tage Christlich und gott- seeliglich beschlieffen solle.
4. Buch. i. Cap. Wie ein Christ, wann öffentliche Fast- und Bet-Tage sind angestellet, sich Christlich verhalten und seine Gottseeligkeit alsdann fortsetzen solle? 2. Wie sich ein Christ gebührlich soll verhalten, wann sonderliche Danck- sagungs-Feste in Christlichen Gemeinden seynd angestellt.
5. Buch. i. Cap. Daß Reue und Leid seye das erste wesentliche Stück der Buffe, wassie in
sich
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ler unabgethan liegen lassen kan, so treibet eben dieses desto mehr zu JEsu, daß sie in ihm tieffer Wurtzel faßt, auf daß sie, auch dieses zu überwinden, Krafft aus ihme haben möge. Will dann der liebe Heyland nicht gleich Gehör geben oder sich finden lassen , so lernet man nicht nur bitten, sondern auch suchen und anklopffen. Da wird alles ausgesucht, was Feindschafft wider GOtt heisset, und abgethan, damit man nicht seines treuen Heylandes, dessen man einmal hab- hafft worden und seine Freundlichkeit geschme- cket, verlustiger werden möge und wo dann einmal der Glaube in JEsum recht eingewurtzeltmtd auch seine eigene Unart, Sünden und Fehler ihn nicht mehr von JEsu zuruck zu ziehen vermögen, so ist er auch im Stand, nicht nur weiter fortzuwachsen , sondern auch Früchten zu bringen. Und ob man offt gleich lang gemeint, man bringe seineTage ob diesem oder jenem vergeblich zu, man kämpffe und das Fleisch nehme nicht ab, man bette und bekomme keine Krafft, so zeiget sich doch nach einiger Zeit, wie das Gemüth von dem herunter gekommen, woran es zuvor so fest ge- klebet hat. Dieses alles werden Sie nun aus eigener Erfahrung selbst in der Schule JEsu ge- lernet haben und schreibe ich es nicht darum, als meinte ich, Sie wüßten es nid>t, sondern meinen gleichen Sinn und Erfahrung hierinn zu bezeugen. Mein Wunsch ist nur, daß auch ich eben so , wie meine Brüder, möchte mich von dem Vatter zu Seinem Sohne bringen lassen, welcher uns allem stey macht und das Gewissen von F 4 allen