$2 Allerley erbauliche Brieffe.
Brieff bekommen haben und daraus den Vorschmack von Herrenhut ersehen. Meine liebe Schwester! Mein Hertz ist überschwenglich in Freuden: nun habe ich funden, nach was meine Seele so lange sich gesehnet. Ach! aber wie pancke ichs doch meiner Liebe , daß sie so eben auf mich gemercket und sich meiner so gantz besonder angenommen. Nichts beuget mich in Herren- but, als die vielfältige Gnade GOttes, welche lch klärlicherin dieser seeligen Führung sehe. Ich habe seit dem das Abendmahl des HErrn empfangen unter den Brüdern und Schwestern: ich kan dir nicht beschreiben , wie mein Hertz in mir darüber brannte. Niemalen in meinem Leben bin ich so gestärcket worden, als dißmal. Q was ist es ums wahre Krafftwesen. In der Gemeine hier erstaunt man fast über die Seelen; dann man sieht ihnen den Königlichen Geist aus den Augen und allen Geberden und doch zugleich die kindliche Einfalt. Ich bin bißher noch nicht im Stande gewesen, alle Schwestern genau kennen zu lernen oder nur einmal zu besuchen, weilen ich die Freude sonst nicht hakte ertragen können , welche ich über diese Seelen habe. Des - - Umgang mit allen Brüdern und Schwestern ist gantz ungemein erwecklich, weilen man recht die Art des lieben Heylandes darinn stehet, besonders mit den kleinen Kindern, welchen er allezeit eine Erweckungs- Viertel-Stunde hält, da die kleineste Kinder singen und Verse aus den Liedern angeben. Es muß einen aufs äusserste bewegen, wann man zustehet, besonders wann
man
Innhalt
dieses Ersten Theils.
Zuschrifft - - pag: 3*
Vorrede. - - p. 10.
1. Letzte Stunden Jo. Friderich Gmelins, fa-
rium Candidari , so A. 1718. Zu StUttgardt verstorben. - - p. i%
2. Letzte Stunden Jo. Friderich Gmelins, Med.
Lic. und Pra<äici, welcher A. 1729. zu Stutt- gardt verstorben. - - p- 32,
3. Exempel der Langmuth GOttes an einer A.
172 5. zuBahlingen verstorbenen Weibs-Person. - - - p. 54.
4. Buß-Kampfs und letzte Stunden AnnaCa-
tharina Stingin, so A. 17? 3 . zuBahlingen verstorben. - - p* S 7 -
5. Exempel, was gute Gedancken einer frommen
schwangeren Mutter für einen Eindruck in das Gemüth des Kindes haben. - p. 60.
6. Einige erbauliche Nachrichten von denen neu- bekehrten Heyden in Ost-Indien. - p 6i.
7. Allerley neue geistliche Lieder.
1. Lied nach vorgenommener Aderlässe, p.75*
2. Lied auf den Namen Wilhelm und den Spruch: wann du willt GOttes Diener
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Führung zu Blaubeuren , ihr Exemplarisches Christenthum zu Stuttgardt, und zwar ihren ge- techt-machenden Glauben, Liebe zu GOtt und dem Neben - Menschen, Gabe und Übung des Gebets, Liebe zu GOttes Wort und Erkänntnus darinnen, äusserlichen Gottes-Dienst, Klugheit und Erfahrung, Einsamkeit und Umgang, Verhalten unter dem Leiden, und endlich ihr un- vermuthetes, fröliches und seeliges Ende. 4. Wird der seel. Jungfer Sturmin geistlicher Cha- racter und eigentliche Seelen-Gestalt, wie solcher von einem der Seeligen lange Zeit vertraut gewetzten ibeoloZo zu Stuttgardt (vermuthlich Herrn Prälat Oechßlm) zusammen gezogen worden , mitgetheilt. s. Folgen Auszüge ausihren Briefen. 6. Ihre Anmerckungen über Matthäi 12. erstere Capitel, 7. ein Leichen-Larmen, 8. Hieronymi Briefvon dem Leben der Heit. Paula. 9. Eine Anzeige einer vorhabenden Verteutschung derer Briefe Hieronymi an gottseelige Frauen und Jungfrauen seiner Zeit und endlich io. ein Schluß-Gebett.
Ich glaube nicht, daß jemals jemand, inde- me nur noch ein guter Funcke ist, gereuet habe, diese Lebens-Beschreibung gelesen zu haben oder
daß deren Lesung bey einer solchen Person ohne Seegen gewesen seye.
Innhalt
Allerley erbauliche Briestr. 8r
man an die - - Kinder gedencket, die in der Wildnus aufgezogen werden. Ich habe schon vielmal gemeint, aus Jammer werde mir das Hertz brechen. Die grössere Kinder von 5. Jahren oder 4. betten aus dem Hertzen, daß es gantz unbegreiflich ist und so auch die andere und dann wird ihnen eine Ermahnung gehalten , denen Männern, Weibern , Wittwen, Junggesellen und Jungfrauen wird allezeit einer jeden Parthie über einen Spruch, wie er sich auf eine jegliche schickt, eine Ermahnung gehalten, des Morgens eine Singstund, hernach eine Betstund im Waisenhaus , da ein Vers aus der Bibel traetiret wird, oder so jemand eine Frage hat über einen Spruch oder einen Scrupel über diesn? oder jenes , so wird es ihm aus der Bibel erläutert uns bewiesen. Die Weibs - Leute schreiben ihre Fragen , weil sichs nicht schickt in der Gemeine zu reden und die Männer sagen sie. - - ist ein treuer Zeuge der Grund-Wahrheit, man kan sich nicht satt hören. - - kan nicht genug gesiedet werden, so sehr ihn die Welt hasset: er ist gewiß ein Johannes, der an der Brust JESU ligt. Ich halte mich glücklich, daß ich mit ihm in Gemeinschafft stehe. Gewiß der HErr ist hier und Sein Geist ruhet an diesem Ort; der HErr hat Sich ihn zubereiret. Es ist nichts hier, was einem nur Gelegenheit geben könnte zu fern- puliren; was ich noch gesehen, ist Wahrheit und Gerechtigkeit und kommt mir nur noch alles zu gut vor. . Ich habe hier noch kein Leiden, als daß es mir zu wohl gehet und ich Tag und Nacht F 2 zu