72 Einige erbauliche Nachrichten

Wohlthat sie von GOtt genoffen ,. und wie sie ihm darfür müßte danckbar seyn: da sie sich denn hertzlich bedanttte. Hernach ist sie immer schwa­cher worden, gleichwol aber hat sie noch eine schwere Anftchtung des Satans überwinden müssen, da sie denn wieder dergleichen Worte ,, als gestern, geredet, als: Meynest denn du, dy Satan, daß du noch Gewalt über mich habest? Nein, im geringsten nicht, mein Heyland haL mich mit feinem Blut erlöset, und mir demselben habe ich mich durch den Glauben aufs innigste vereiniget, er klebet an meinem Hertzen so ftst als ein Gummi. Packe dich, Satan, in das hölli­sche Feuer, das bereitet ist für dich und deine En­gel , ich will mich an meinen JEsum vest halten. Gegen 6. Uhr des morgens wurde ich nochmals zu ihr geruffen, und traff sie in diesem Zustande an. Sie sagte öffters zu den Leuten: Helsst ihn doch hinaus schaffen , daß er mich, nicht mehr so plagen könne. Ich redete ihr zu, und konnte aus den Antworten, so sie auf meine Fragen gab, schliessen, daß sie im übrigen noch bey gu­tem Verstände war. Ich hielt ihr den Spruch vor: Hebr.2, 14. if. Nach dem die Kinder ..Fleisch und Blut haben, rc.und sagte unter andern , daß ja Christus den Teufel überwunden, und wir könnten ihn auch überwinden durch sei­ne Krafft. Sie sagte: Ich spüre aber jetzo keine Krafft m mir. Antwort: Christus will euch selbst seine Krafft mittheilen, haltet euch nur mit vestem Glauben an ihn. Als sie aber sich noch nicht zufrieden geben wollte, sagte ich: Jhrftyd

ja

aus <Dst§ Indien. 7 z

ja eine Braut Christi, er liebet euch mit einer ewigen Liebe, darum hat er sein Leben füo euch gegeben, und euch mit seinem Blut erkaufft, mit demselben hat er euch auch abgewaschen von eu­ren Sünden, und euch durch seinen Geist zu sich gezogen aus lauter Liebe; der ist ja stärcker als der Satan, und wird nimmerzugeben, daß der Satan ihm seine Braut raube, die er so theur erworben. Hierauf wurde sie still, und sagte nur diese Worte: O mein JEiu: Ich that mit ihr noch ein Gebet in ihrem Namen und auf ih­ren Zustand , welches sie auch von Wort zu Wort nacbsprach. Um sieben Uhr verlohr sie, wegen großer Schleimigkeit aufder Brust und im Halse, die Sprache, doch hat man aus den Zeichen, die sie von sich gegeben, bemercket, daß sie noch bey Verstände geblieben, bis sie um neun Uhr seelig verschied in; fünfzehenden Jahr ihres Alters.

Ferner heisset es p. 975. Etwa vor 14. Tagen geschähe es, daß ein Schul-Knabe von den kler- nesten nach Hause zu seiner Mutter geruffen ward, dje ihm wegen seiner Unpäßlichkeit emo Handreichung thun wollte. Als er hinkommt,, sind bey der Mutter eben andere, theilsMmisch- Catholische, theils heydnische Weiber. Eine von diesen setzet dieses Knablein zur Rede, und fragt : e Wo denn sein GOtt wäre? Dieses Kind aber fangt so verständig von GOttes Eigenschaff- ten an zu reden, daß sie sich alle über ihn ver­wundern. Unter andern hat er gesagt: Mein GOtt, den ich anbete, ist kein steinerner Götze in der Pagode, oder irgend anderswo auf die- E f fern

76 Geistliche Lieder.

4. Laß bey mir hinwiederum, Wanns erfor­dern sollt dein rühm, Oder meine treu zu zeigen, Hertz und blut auch allezeit Seyn zu deinem dienstbereit, Ja mein Haupt im tod gern neigen, Wann ich werß, daß deine ehre Sich dadurch in etwas mehre.

5. Sollt ein tropfen blutes seyn In mir, der nicht wäre dein, Den will ich zu erst versiuchen. Gib, daß jeder ader-schlag Mir zum Wecker die­nenmag, Dich mit rechtem ernst zu suchen, Und dich, wie die engel oben, Hier mit Hertz und mund zu loben.

6. Hab auch danck vor deine gnad, Daß die läffe ohne schad Meines Lerbs ist abgeloffen. JE-- su! ists mir gut, so thu Auch noch diese gnad hinzu Und gib, wie wir zu dir boffen, Mivzu den beruffs-geschafften Nun auch wieder neue krafften.

2.

Lted auf den Namen Wilhelm und den

Spruch: Wann du wilt GOttes Diener seyn, so schicke dich zur Anfechtung.

Syr.2. v. 1.

du wilt GOttes diener seyn, So bilde y y dir doch ja nicht ein, Als dörfftest du in rosen weiden; Creutz und anftchtung ist, was dir, So lang du wallen wirst allhier, Zu deinem theil gleich ist bescheiden.

2. in dieser creutzes - ordnung ist Selbst unser Heyland JesusChrist Zu seiner glori eingegangen

Und

aus Dst-Indien. 69

verholet, biß sie auf den Abend angefangen, ei­nige aus dem Glauchischen Gesangbuch ins Por­tugiesische übersetzte Lieder zu singen. Die Ihri­gen wolten ihr solches ihrer Schwachheit wegen widerrathen, und sie hielt auch etwas inne, kurtz darauf aber sagte sie: Ach! ich wollte so gern die Lieder von der Geburt Christi singen, ich kan sie ja alle auswendig. Es wurden ihre Brü­der geruffen, daß sie ihr die Lieder Vorsingen mu- sien; sie hat aber auch selbst die meisten mit ge­sungen. Um neun Uhr des Abends hat sie alle die Ihrigen zu sich geruffen, und von einem jeg­lichen sehr beweglich Abschied genommen. Zu ihrem Vatter, soviel er davon behalten, hat sie gesagt: Ach! mein lieber Vatter, die Zeit mei­nes Hierseyns ist nicht mehr lange, ich empfehle euch dem lieben himmlischen Vatter, und sage euch tausend Danck für die vätterliche Fürsorge, welche ihr für mich gehabt; bitte hertzlich, ihr wollet alles, womit ich euch beleidiget, vergeben, und euch meinetwegen nicht so fthr betrüben. Auf gleiche Weise hat sie mit den allerzartlichsten und verbindlichsten Ausdrücken von ihrer Mut­ter, Mann und Geschwister Abschied genommen, auch einem jeden seine besondere Lettion nach sei­nen Umstanden gegeben. Zu ihrer Mutter hat sie gesagt: Hertzallerliebste Mutter, ich sage euch tausend gute Nacht und zugleich Danck dafür, daß ihr mich unter eurem Hertzen getragen, und für mich gleichsam in den Tod gegangen seyd, da^ ihr mich in diese Welt gebohren , auch alle mütterliche Liebe und Treue an mir erwiesen, wel- E 3 che