70 Einige erbauliche Nachrichten

che ich euch nun nicht vergelten kan. Ich bittö hertzinnigst, liebe Mutter, ihr wollet mir verge­ben alles, womit ich euch beleydiget, auch euch zufrieden geben, und meinetwegen nicht allzusehr weinen und euch betrüben, ich mochte sonst über eurer Betrübniß in meiner Gemüths-Ruhege- siöret werden, und meines Heylandes nicht stets eingedenck seyn. Ihre Geschwister hat sie zum Gehorsam gegen ihre Eltern ermahnet. Zuletzt hat sie gesagt: Nun lebt alle wohl, mich rufft mein Heyland, und ich folge ihm. Nachdem sie von den Ihrigen also Abschied genommen , hat sie sich wieder zu GOtt gewandt, und ihre Brü­der gebeten, daß sie mit ihr singen möchten: da sie denn aus dem Portugiesischen Gesang- Buch die Lieder: "JEsu, Krafft der blöden Her­rchen, rc. Erbarm dich mein, o HErre GOtt, rc. Was GOTT thut, das ist wohl gethan, rc.,» mit einander gesungen. Hernach hat sie begeh­ret, daß sie das Lied,Schmücke dich, o liebe Seele, rc. singen sollten, welches sie auch mit gesungen, und gebeten, ihr ein Stück aus dem Neuen Testament vorzulesen, so auch geschehen. Als sie dieses angehöret, wollte sie, daß ihr Beicht - Vatter möchte geruffen werden, sie wollte nun in GOttes Nahmen das H. Abend­mahl nehmen. Ja sie ist so eilfertig gewesen, daß, als ihr Vatter hingegangen war, ihn zu ruffen, sie etliche mal gefragt: ob er noch nicht da wäre? Es war in der Christ - Nacht um zwey Uhr, als ich n. zu ihr geruffen wurde. Ich fragte sie erstlich, wie es mit ihr stünde. Sie gab zur

Geistliche Lieder.

aus dem Erfolg schließen, in dem empfangenen Maas der Gnaden nicht treu verblieben, und so hat er sie dannen kräfftige Jrrthümer fallen las­sen und die Kräfften der Finsternus über sie Mei­ster werden lassen. Wer es liset, der mercke darauf!

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VII.

Merle» neue

Geistliche wieder.

i.

Lied nach vorgenommener Aderlässe.

6(Esu! da mir erst das blut, Meinem armen leib zu gut, Aus der ader ist geflossen, Fällt mir ein, wie du für mich Hast dein blut so mil- diglich An dem creutzes-holtz vergossen, Ja wie du hast gar das leben Für mich in den Tod ge­geben.

2. Ach laß diesen theuren fasst Geben meinem geiste krafft, Daß ich dadurch munter werde, Fortzufahren in dem lauff, Der uns führt zu dir hinauf, Da hingegen diese erde Und was sie ent­hält, verachte, Ja als schaden es betrachte.

3. O du wahres GOttes lamm! Das du

an des creutzes - stamm Hast auch meine sünd getragen, Dessen blut uns reine macht, GOttes gnad hat wieder bracht, Lasse mich ja nicht ver­zagen Und durch diß dein blut mich finden Die Vergebung meiner sünden. 4. Laß

74 Einige erbauliche Nachrichten aus re. stm oder jenem Berge^ sondern er ist im Him- mel.

Es ist aber hiebey nicht unerinnert zu lassen, was kurtz vorher, wie auch p. 875. gemeldet wird, daß nemlich die Herrn Miffionarien eingeführet haben, daß sie unter währender Predigt die Zu­hörer examiniren: ob sie auch alles wohlverstan­den und gefaßt? und daß jeder, der in der Ge­meinde gefragt wird, er sey Mann oder Weib, alt oder jung, sich gar nicht scheuet zu antworten, welches daß es an mehrern, ja aller Orten einge- sühret werden möchte, in der Vorrede billich ge- wünschet wird.

Endlich ist auch bedencklich, was?. loov.und roo2. gemeldet wird, daß nicht nur diegemeine Malabarische Buchstaben guten Theils eine ziem­liche Verwandschafft mit den Hebräischen haben, sondern auch in ihrer Götter-oderPriester-Sprach die Gleichheit mit den Hebräischen noch deutlicher seye, ja pur Hebräische Buchstaben angetroffen werden, woraus mit gutem Grund sowohl auf das Alterthum der Hebräischen Sprache als auch dieses geschlossen wird: daß aljo die Vorfahren dieser Heyden mit denen Hebräern umgegangen seyn müssen, von denen sie auch noch mehrers gehört und ihnen nachgemacht haben, z. E. ei, nen sogenannten heiligsten Ort in ihren Tempeln gantz hinten zu machen, das opfern, da sie sogar die Opfer-Arten eben so nennen, wie die He­bräer u. d. Und so hat sich dann der liebe GOtt auch in vorigen Zeiten an diesen Leuten nicht un, bezeuget gelassen, sie seynd ihm aber, wie wie

aus Ost-Indien. 71

Antwort: sehr schwach, aber meine Seele hat ein groß Verlangen sich zu stärcken mit dem Leib und Blut ihres Heylandes im heiligen Abend­mahl. Ich sagte: Das ist sehr gut, ich hoffte, sie würde sich doch wohl darzu bereitet haben. Und weil ihr Bruder ihr eben das Lied vorlas, Durch Adams Fall ist gantz verderbt, rc. .. so nahm ich das Buch, las ihr das Lied völlig vor, und erklärte daraus einige wichtige Puncten. Hernach sagte ich, wie sie jetzo selbst in ihrem Wochen - Bette eine schmertzliche Erinnerung des kläglichen Sünden-Falls in Adam und Eva hätte, da GOtt zum Weibe gesagt: Du solt mit Schmertzen Kinder gebühren; aber Christus hätte den Fluch wieder von uns genommen, ja so gar in Seegen verwandelt, daß derselbige gläubigen Kindern nicht mehr eine Straffe, son­dern eine vätterliche Züchtigung und Wohlthat sey. (1 Tim. 2,15.) Ihr vor drey Tagen neuge- bohrenes Kind lag in eben der Cammer auch in den letzten Zügen, starb auch zu gleicher Zeit mit der Mutter. Als ich nun, nach Anlaß ihrer ab­gelegten Beichte, ferner mit ihr redete, und merckte, daß sie durch das Winseln des Kindes in ihrer Andacht etwas gestöret wurde, sagte sth, sie sollte sich und ihr Kind dem lieben GOtt gantz- lich ergeben, da würden sie wohl aufgehoben seyn. Sie antwortete: Das habe ich auch ge- than. Darauf ich dann in meiner Rede fortfuhr, und nach gethanen Gebet für sie zu GOtt ihr das H. Abendmahl reichte. Nach Empfang desselben erinnerte ich sie nochmals, was für eine grosse E 4 Wohl-