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66 Einige erbauliche V 7 achricheen

Heyden zu ihm gesagt: «Ehe du zu der Religion getretten, giengs dir wohl,, aber nun bist du gantz verarmet. Darauf hätte er ihnen geant­wortet : Wenns mir auch noch armseeliger ge- hen sollte, werde ich doch nicht den einmal er- «griffenen Zweig fahren lassen. Ich bestückte ihn darinn, baß er sich durch dergleichen Ver­fluchungen nicht irre machen lassen sollte/ son­dern, wenn ihn auch GOtt wegen seiner ihm noch anklebenden Schwachheiten als ein Vat- 1er züchtigte / so thäte er es darum, weil er ihn, als sein Kind, lieb hätte.

p. 942. heißt es: Den 9. Nov. schickte ein kranck darnider liegender Heyde zu uns, und begehrete in der seeligmachenden Religion unter­richtet und getauffetzu werden. Die vorläuffige Erweckung hiezu war durch seinen altern Bru­der geschehen, der beym Anfang dieses Jahrs sich zum Christenthum bekannte, und ihn auch in dieser Kranckheit in sein Haus aufnahm undver- pfiegte. GOtt gab denn seine Gnade, daß er nicht allein die nötigsten Grundlehren bald faßte, sondern auch aus denselben bey ihm ein Gnaden- Lichtaufgieng, daß er seinen verlohrenen Zustand mit Reue erkannte, und der angeborenen Gna­de GOttes in Christo durch die Taufe Lheilhafftig zu werden ein hertzliches Verlangen bezeugte. Es wurde ihm also den 1 sten hujus die Taufe gegeben, und den 18. darauf erfolgte sein Ende.

p. 946. finden wir: als ein bekehrter Heyde auf dem Lande kranck worden, haben ihn seine heydnische Anverwandte umarmet und gesagt:

weil

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Aklevley erbauliche Brieffe. 79

O! dieses habe ich mit grosser Verwunderung und Beschämung meines Hertzens gesehen an den Kindern GOttes, die ich hier und da angetrof­fen. Du kanst dir leicht einbilden, meine Her­tzens - Schwester! wie mir muß in meinem armen Hertzen zu Muth gewesen seyn, da mir der liebe GOtt die Gnade gethan und mich auf einmal mit ?7. Schwestern zu- -vereinigte, welche in sehr grosser Liebe zum Heyland brennen und noch im­mer mehr zu brennen trachten. In was vor ei­nem Eifer sie stehen mitten unter aller Verfol­gung, kan ich nicht beschreiben, ich will aber nur wenige Meldung thun von einer Schwester. Es ist eine Frau , aber sie hat einen gottlosen Mann, der nicht nur für sich den lieben Heyland nicht wissen mag noch kan, sondern er verstörete sein Werck bey anderen, wann es möglich wäre, wie er dann seine Frau sehr anfeindet, mit Wor­ten und Schlägen sie gar übel tractiret, wie auch die Magd, so, daß wer es nur höret, sich dar­über betrübet. Ungeachtet dessen aber ist diese Schwester sehr freudig , munter und guten Muths, begegnet ihrem Mann mit grosser Liebe und Freundlichkeit, sogar, daß wann erste auch hinaus jagte, so blieb sie nicht weg, dann sie leide gern und wolle alle Treue davor beweisen. Da­von bin ich selbst ein Zeuge; dann sie blieb ein­mal bey mir mit andern Schwestern und da sie heimgieng, so trohete er ihr , sie abscheulich zu schlagen: da kam sie wieder zu mir und hatte im Sinn bey mir zu bleiben; es fiel ihr aber gleich ein, es geschehe aus Creutz-Fluchtigkeit und kehr­te

78

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VIII.

Allerley erbauliche Brieffe.

1.

Schreiben eines jungen ledigen

Frauenzimmers an ein ander

Frauenzimmer.

Meine in dem Hertzen JEsu innig liebe Schwester!

F^ErHErrJEsusbelebe deinen Geist! Ach lo- be mit mir den HErrn, daß er so viel Treue an mir beweiset! O ja lobe den HErrn meine Seele und was in mir ist, Seinen herrlichen Namen. Mein liebes Hertz! Ich kan nicht war­ten , biß ich nach Herrenhut komm, dir die Treue JEsu zu berichten, die Er mich hat sehen und empfinden lassen. Ach wie beuget mich diese treue Liebe, daß sie mich allerunwürdigste so begnadi­get und mich unter das Volck seiner Weide füh­ret, habeich doch nichts verdient, als Zorn, wo­her kommt mir dann eine so grosse Liebe? Ach! daß ich doch davon gantz zerschmoltzen wäre. O meine liebe Schwester! Nun sehe ich erst, wie gut es ist, Treue zu beweisen und was da rzu ge­höret. O wie muß ich mich jetzt schämen, daß ich so lange gezaudert habe und nicht im ersten Augenblick alles in den Tod JEsu gegeben und alles auf ihn gewagt! Ach was gehöret doch vor ein wahres Eindringen darzu und wie könnte man es doch bald erreichen, wann wir Kinder wären!

O! dies

aus (vst- Indien. 67

weil du die Christliche Lehre gehöret, so hat dich diß Unglück betroffen , daß nemlich nicht allein dein Weib (welches samt ihme 2. Monat zuvor die H.Tauffe in der Schwangerschafft empfan­gen hatte,) eine todte Frucht mit Lebens - Gefahr zur Welt geboren, sondern auch du jetzo todt- kranck darnider ligest. Darauf aber hat ihnen dieser Neu - Bekehrte geantwortet: Ihr wollet mich nur klemmüthig machen, hebt euch weg von mir und gehet euren Gang. Ohne meines HErrn Willen werde ich nicht sterben. Er züch­tiget mich nur wegen meiner Kleingläubigkeit. Ich lasse ihn nicht. Wann er gleich meinenLelb also schwächet, so kan er doch meine Seele nicht verstossen. Daraufhaben auch, seine Oberherrn, von denen er als Todten - Gräber gewisse Ein- künfften hat, sagen lassen: weil du zu der Reli­gion getretten, so ist dir diß Unglück zugestossen. Er hat ihnen aber antworten lassen: Nur mein Leib ist euer Eigenthum ; alleine meine Seele könnt ihr nicht straffen, ich bin des HErrn Leib- Eigener; mein Erbtheil ist nicht hier, sondern im Himmel. Es hat sich hernach durch Göttli­che Hülffe mit ihme gebessert.

Erbaulich ist auch insbesondere, was p. 948. von einer bekehrten Indianerin mit folgenden Worten berichtet wird: Den 25. Dec. starb eine junge Ehefrau aus unserer Gemeine im Kind­bette , welche von jedermann, der sie gekannt, das Zeugniß hat, daß sie von Kindheit auf ein stilles und unsträfliches Leben geführet. Sie war in unserer Schale in der Christlichen Lehre wohl E 2 unter-