68 Einige erbauliche Nachrichten

unterrichtet, hatte auch in ihrem fast zweyjahri- gen Ehestände nicht leicht eine Gelegenheit ver­säumet, sich aus GÜLtes Wort zu erbauen. Den Tag vor ihrem Tode, als die Ihrigen ihre zu- vehmende Schwachheit und grosse Hertzens- Angst vermerckten., hat ihr Mann sie geftaget: ob sie nicht das Heil. Abendmahl nehmen wollte? Darauf sie zur Antwort gegeben : Das ist eine wichtige Sache, dazu gehöret eine gute Zuberei­tung. Inzwischen hat sie ein grosses Verlangen bezeuget, von einem unter uns eine Vorbereitung zu hören. Als aber ihr Mann zu ihr gesagt, er wolle hinschicken und den Priester ruffenlas- sen, hat sie geantwortet: Nein, laßt es heute seyn, er muß jetzo Ruhe haben , denn er muß studieren, was er auf die Feyertage predigen will, morgen, wills GOtt, wenn die Predigt aus ist, kan er besser abkommen. Darauf wendet sie sich mit dem Gesicht nach der Wand, als wenn sie ein wenig ruhen wollte. Als aber die umstehen­den meynten, sie schliefe, wurden sie gewahr, daß sie betete und ins geheim mit GOtt redete.

t ierauf hat sie einen harten Kampf wider den >atan ausstehen müssen. Die Leute, so um sie gewesen, haben es zwar für phantasiren gehal­ten; jedoch bezeugen sie, daß sie sonst kein unge­schicktes Wort geredet, sondern nur gegen ihren Mann und andere gesagt: Sehet da, da steht der Teufel, und will zu mir; aber er bemühet sich vergebens, denn ich habe mich in meinem Her- tzen mit meinemHeyland vest verbunden. Diese und dergleichen Worte hat sie zu mehrmalen wie­derholet;

Geistliche Lieder. 77

Und seiner treuen jünger - schaar Die mußte gleichfalls immerdar Durch schweren kampf die cron erlangen.

3. Liebst du GOtt ernstlich, so kanst du Viel, was die welt dir muthet zu, Nicht thun , ja du sollst ihresünden Mit ernst bestraffen und so muß Nothwendig folgen dieser schluß: Sie wolle dir den krieg ankünden.

4. ttier geht es auch mit Nichten an, Daß man zwey Herren dienen kan , Doch jedem nur mit halbem hertzen, Dann wann du wilt sein beeder freund, So machst du beede dir zum feind Und du wirst beeder gunst verschertzen.

5. Ls wird dir auch dein fleisch und blut, So immer nur gern böses thut, Gar offt und viel zu schaffen geben; Ja dieses macht die gröste noth, Daß, wann man glaubt, der feind seytodt, Fangt er doch wieder an zu leben.

6. bauffst du in solchem krieg davon, So bist du auch um deine cron, Hier ist kein andrer rath, als kämpffen, Und, wann du nur nicht trage bist, So hilfft dein Heyland JEsus Christ Dir selbst all diese feinde dämpffen.

7. Mad) endlich dich zu diesem streit Bey zeit durd) GOttes wort bereit, Laß Himmel-an die seufftzer steigen, Werd nicht verzagt, so wirst du offt Seh'n, daß die feinde unverhofft Vor dir er- ligen und sich beugen.

vm.

80 Allerley erbauliche Brieffe.

te wieder um. Indessen schlug der Mann die Magd, welche auch eine Schwester ist, sehr, sie konnte es aber noch nicht mit Freuden ertragen, so sagte diese Frau: ach du liebes Kind! kaust du dann noch keine Schlage um der Liebe JEsu wil­len leiden! Ach seye nicht so zart, wie gern will id) meinen Rucken darbieten um meines Hey­landes willen und gieng also nach Haus. Er hatte sie aber schon hinaus geschlossen, sie stieg abexzum Fenster himin, legte sid) zu diesem ra­senden Mann ins Bett und da er erwachte, konnte er sich fast nicht darein finden, sagte: wie sie der Teufel darein geführet habe? Sie ant­wortete aber: sie seye durch den HErrn JEsum herein geführet worden und da konnte er nichts mehr dagegen sagen. Sie stehen alle in grosser Verfolgung , daß, wann nur 2. oder 3. zusam­men kommen , man ihnen die Fenster einwirfft, sie schilt und schmähet, vor Gerid)t führet und unter dem stehen sie doch in grosser Freude und seynd fast drey Jahre, daß sie ergriffen sind. Ach l wer sollte nicht gern eine Zeugin JEsu seyn! O wann id)s noch nid)t angefangen hätte, ich fienge heute an! O liebe Schwester! Ach ich wünsche dir alle Augenblick Glück und allen , denen es Ernst ist, zu eurem seeligen Zustand. Ach! laß uns dann uns einmüthig ermuntern, fortzufah­ren in der Heiligung. Olaß uns von neuem an­fangen ! O laß uns wieder neu gebohren werden zu kleinen Kindern! Ach kommet, wir wollen un­sere Lenden umgärten und unsere Lichter brennen machen! O laß uns doch dem Lamm einmüthlg

folgen,

aus Ost - Indien. 65

die Ewigkeit rücken wollen, sondern ihm noch Zeit und Raum gefristet. Jetzo nun hatte er durch göttliche Gnade.keine Begierde mehr nach dieser Welt, sondern derselben gantz abgesaget. Das eine, was er noch, ehe er mit Freudigkeit aus dieser Welt abscheide, auf seinem Hertzen habe, wäre, daß er uns sein Weib und Tochter anbe- fthlen wollte: welches er nach ihrer gewöhnlichen Weise also that, daß er beyder Hände in des Miffionam Hand schlug. Wir können ihm das Zeugniß geben, daß er die ihm gegebene Ermah­nungen dergestalt bey sich fruchten lassen , daß er in der letzten Zeit recht angefangen wider die ihm anklebende Trägheit zu kämpffen, und sich das Heyl seiner Seelen besser, als vorhin , an­gelegen seyn zu lassen. Noch möd)te hiebey nid)t zu vergeben seyn, daß sein Nachbar, ein Heyde, mit zugegen war, als man ihn in seiner Kranck- heit vorhin einmal besud)Le. Diesem stellte man vor die Hinfälligkeit des menschlichen Lebens, und ermahnte ihn kürtzlich, sich des Zustan­des der Seelen nach dem Tode forthin näher zu erkundigen. Nachher ist er nun auch gekom­men, und hat sich angemeldet, zumChkistenthum zu treten.

k. 941. wird berichtet, daß ein Indianer, so auf dem Land Cated)eten-Dienst verstehet, in sei­nem viario auf den Monath Oktober 1731. be- mercket habe: Den 14. Octobr. sprach ich bey unserm Njanamuctu in Karakudl ( nicht weit von Majaburam) ein und hielt eine Unterredung von Buffe und Glauben. Er erzählte mir, wie die E Hey-