56 III. Epempel der Langmuch re.

io. Hatte sie einmal bey einem grossen Don­ner - Wetter grausam geflucht und gelästert, der Donner solle sie zerschlagen.

Endlich' liesse sie ab von solchen Gedancken des Selbst-Mords, ist auch wieder zu bessern Sin­nen und Verstand kommen , hat ihre schwehre Sunden erkannt und bereuet, das H. Abend­mahl verlangt, welches ihr auch gegeben wor­den. Darüber sie noch ein Jahr lang gelebet, auch wieder gearbeitet, doch hat sie wegen Schmertzen in Füssen nimmer aus dem Haus ge­hen können. Endlich ließ es sich zu einer Was­sersucht an, da sie dann z. Wochen bettlägerig, das H. Abendmahl empfangen, jedermann um Verzeyhunggebetten, und endlich den 28. Febr. 1725. sanfft und, wie mgn wünscht und hoffet, seelig nach des HErrn, und nicht nach ihrem ei­gnen Willen gestorben, im 4z. Jahr ihres Alters, und 19. Jahr ihres Ehstandes.

Sie hatte sonst ehrbarlich gelebt, und konnte ihr kein grob Laster nachgesagt werden.

Bey dieser Historie erinnere ich, der Lörror, nur, daß solche bloß als ein Excmpel der unaus­sprechlichen Langmuth GOttes angeführet, mit­hin durchaus nicht gebilliget werde, daß diese Person erstlich gebettet habe, hernach aber sich ernen <od anthun wollen, als welches ohne allen Zwerffel eine schwere Verschuldung gewesen; wrewohlen doch , weil etwa das Hertz noch in etwas redlich gewesen, GOtt auch um dieses Gebetts willen, entweder den Ausbruch des bö­sen Vorsatzes oder doch dessen Mürckung gehin­derthat. iv. Buh

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IV. Buß-Kampfs

UNd

Letzte Stunden

Anna Cathanna Ntingin /

so An. 1733. zu Bahlingen ver-

storben. (*)

(*) Dieses wird auch mitgetheilt, wie man es von obiger lieben Hano bekommen.

§>Jese ledige Tochter eines Handwercks- ^ Mannes war von Jugend auf still und forchtsam, und gieng im Gehorsam ihrer El­tern ; vor ungefehr 5. Viertel Jahren aber wurde sie von der Gnade GOttes ergriffen, die­sem Zug gehorchte sie, änderte von Stund an ihren Sinn, legte alles ab, was sie noch etwan sündlich und eiteles an ihr hatte, gab also der Welt gute Nacht, und hielte sich zu frommer Gesellschafft, und war ihre einige Lust und Ver­gnügen , JEsum zu suchen, zu lieben, sein hei- ligs Wort zu lesen, zu hören und zu betrachten. Als che nun den 17. Julii erkranckte, so wollte ihr erstlich Todes-Furcht zusetzen, darwider sie aber durch hertzlichen Zuspruch einer Mitschwe­ster getröstet worden, daß sie sich zufrieden gab. Als aber die Kranckheit bey ihr zulegte, unddurch starcke Hitzen ihr Verstand um etwas geschwächt wurde, so begehrte sie das H. Abendmahl zu em­pfangen, um sich dardurch im Glauben zu stär­ken und mit ihrem lieben Heyland JEsu zu ver- D 5 einigen,

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BL (o) <36

v.

Exempel / was gute Gedam

cken einer frommen Mutter für ei-

nen Eindruck in das Gemüth des Kindes haben. (*)

C) Aus der ersten Hand.

/KJn guter Freund erzählte ohnlängst dem an- v deren , man werde mehrmalen beobachten, daß GOTT, sonderlich bey frommen Schwän­gern , den Kindern dasjenige besonders einpfian- tze, womit die Mutter Zeit ihrer Schwangerschafft am meisten umgegangen und daß vielmal deren Einbildungen auch hierinn in dem Gemüthe der Kinder einen grossen Eindruck haben. Er wisse von einer Frau, welche, als sie vor einem Gal­gen mit etlichen Befreundten vorbey gehen wol­len , sich sehr erfreuet, daß GOtt auch auf der Welt das Böse abstraffen und den Frommen Recht wiederfahren lasse, seye darauf vor dem Galgen auf ihre Knie niedergefallen und habe GOtt mit Thränen dafür gedanckt. Der etliche Wochen hernach gebohrene Sohn seye ein Do- &or juiis worden und so offt er ein Hoch-Gericht gesehen, seye er jedesmals in dem inneren auch zu einem Lobe GOttes gleich seiner Mutter be­wegt worden.

VI. Einige

Io . Kid . Gmelinö/ Med . Lic. re . 5 z

vunmehro schon lang in der Ewigkeit triumphi- renden wohlbekannten Friderich, und mir, als nach welchem mich sehnlich dürstet, auch einstett gemessen möge. Lebe er wohl, mein geiiebtek Herr Vetter, nehme er dieses von einem bußfer­tigen, und vorhero gewetzten grossen Sünder, zur Letze, und als ein ewiges Denckmahl meiner getreuen und zarten Liebe gegen ihm, ja schaffe er, daß er mit Furcht und Zittern seelig werde, und keiner unter uns von jener ewigen Ruhe da­hinten bleibe, welches von Hertzen wünschet, auch GOTT in jener Ewigkeit deßwegen unauffhör- llch anflehen wird Dessen

Stuttgardt/ den i.Octob. 17*9.

Sterbender, aber auch noch im Tode getreuer Vetter,

Jo. Friderich Gmelin/

Med, Lic. oliin,

D 3 ni . Epem -

O Die;. Friderich seynd r.)der schon vor 1?. Jahren seel verstorbene J. U. c, 2.) unser letzt seelig ver­mied. Lic. Pi-aft. der den Brief selbst geschrieben, z) derjenige/ an welchen dieser Brief geschrieben.